Leukämie bei Erwachsenen: Behandlungsweg im Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Leukämie ist eine Krebserkrankung der Blut bildenden Zellen. Sie beginnt im Knochenmark, also in dem schwammigen Gewebe im Inneren der Knochen, wo die Blutkörperchen entstehen. Bei Leukämie bildet der Körper zu viele kranke weiße Blutkörperchen. Diese verdrängen die gesunden Zellen und können ihre Aufgaben nicht erfüllen.
Wichtige Fakten
- Leukämie ist keine einzelne Krankheit, sondern es gibt verschiedene Formen.
- Die Behandlung hängt von der Art der Leukämie, dem Stadium und Ihrem Gesundheitszustand ab.
- Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verbessert.
Leukämie ist im Vergleich zu anderen Krebsarten selten. Sie betrifft in Deutschland jedes Jahr etwa 13.000 Menschen. Die häufigste Form im Erwachsenenalter ist die akute myeloische Leukämie.
Leukämie kann in jedem Alter auftreten. Das Risiko steigt jedoch mit dem Alter. Viele Formen der Leukämie treten häufiger bei Menschen über 60 auf. Auch bestimmte Risikofaktoren wie Rauchen oder frühere Strahlenbelastung können die Wahrscheinlichkeit erhöhen.
Symptome
- Akute Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfälle
- Starke, nicht stillbare Blutungen
- Plötzlich starke Kopfschmerzen mit Nackensteifigkeit
- Zeichen eines Schlaganfalls, zum Beispiel Lähmungen oder Sprachstörungen
- ⚠Fieber über 38 °C, das nicht zurückgeht
- ⚠Viele blaue Flecken oder Blutungen ohne äußeren Anlass
- ⚠Blut im Urin oder Stuhl
- ⚠Ungewöhnliche Schwäche oder Kribbeln in Armen oder Beinen
- ⚠Neue, derbe Schwellungen an Hals, Achseln oder Leisten
Häufige Symptome
- Anhaltende Müdigkeit und Schwäche
- Blässe
- Wiederkehrende Infektionen oder Fieber ohne erkennbare Ursache
- Neigung zu blauen Flecken oder ungewöhnliche Blutungen
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Nachtschweiß
- Schmerzen in den Knochen oder Gelenken
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern können ähnliche Beschwerden auftreten.
- Zusätzlich können Bauchschmerzen, blasse Haut, mangelnder Appetit und eine verzögerte Entwicklung Warnzeichen sein.
- Kinder mit Leukämie wirken oft schlapp und haben häufiger Infekte.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen werden die Symptome häufig als normale Alterserscheinungen übersehen.
- Dazu gehören anhaltende Schwäche, Atemnot bei leichter Belastung und eine höhere Anfälligkeit für Infektionen.
- Auch Blutarmut und unklares Fieber können Zeichen sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genauen Ursachen für Leukämie sind noch nicht vollständig geklärt.
- Man weiß, dass bestimmte Veränderungen des Erbguts (Mutationen) in den Blutstammzellen dazu führen, dass diese sich unkontrolliert vermehren.
- Diese Mutationen entstehen spontan und sind nicht durch das eigene Verhalten verursacht.
Risikofaktoren
- Zunehmendes Alter
- Rauchen
- Hohe Strahlenbelastung, zum Beispiel durch wiederholte Röntgenuntersuchungen oder frühere Strahlentherapie
- Langfristiger Kontakt mit Chemikalien wie Benzol oder bestimmten Lösungsmitteln
- Bestimmte Erbkrankheiten oder ein geschwächtes Immunsystem
- Vorherige Chemotherapien oder Strahlentherapie aus anderen Gründen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Blutungen bemerken, hohes Fieber haben oder plötzlich sehr schwach werden, suchen Sie sofort ärztliche Hilfe – in akuten Notfällen wählen Sie die 112.
- Wenn Sie viele blaue Flecken oder Blutungen ohne Anlass bemerken, sollten Sie noch am selben Tag ärztlichen Rat einholen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen unerklärliche Müdigkeit, Gewichtsverlust, Nachtschweiß oder wiederkehrende Infekte bemerken, vereinbaren Sie einen Termin bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.
- Wenn Sie sich Sorgen machen, ist ein Arztbesuch immer sinnvoll – auch wenn die Beschwerden harmlos sein können.
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Danach folgen Blutuntersuchungen, bei denen die Anzahl und die Form der Blutzellen geprüft werden. Bei Verdacht auf Leukämie wird zusätzlich eine Knochenmarkprobe entnommen. Nur so lässt sich die Diagnose sicher stellen und die genaue Form der Leukämie bestimmen.
Mögliche Untersuchungen
- Großes Blutbild
- Blutausstrich unter dem Mikroskop
- Knochenmarkpunktion (Entnahme einer kleinen Probe aus dem Knochenmark)
- Bildgebende Untersuchungen wie CT oder Ultraschall
- Genetische und molekulare Tests der entnommenen Zellen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen dauern meist einige Tage. Sie werden von einem spezialisierten Team – zum Beispiel Hämatologen und Onkologen – betreut. Die Ergebnisse werden ausführlich mit Ihnen besprochen. Danach wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Art der Leukämie, dem Krankheitsstadium und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Das Ziel ist, die kranken Zellen zu zerstören und die normale Blutbildung wiederherzustellen. Die Behandlung wird immer individuell auf Sie zugeschnitten.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Hilfe von Familie, Freundinnen und Freunden an.
- Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe und hören Sie auf Ihren Körper.
- Halten Sie sich eng an die Empfehlungen Ihres Behandlungsteams.
- Dokumentieren Sie Nebenwirkungen und besprechen Sie sie mit dem Team.
Medizinische Behandlungen
Mögliche Behandlungen sind eine Chemotherapie – also Medikamente, die Krebszellen abtöten –, zielgerichtete Therapien, Immuntherapien, Bestrahlung und in manchen Fällen eine Stammzelltransplantation. Welche dieser Methoden für Sie infrage kommen, erklärt Ihnen Ihr Behandlungsteam ausführlich. Es kann auch angeboten werden, an einer klinischen Studie teilzunehmen. Wichtig ist: Jede Behandlung wird individuell geplant.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Leukämie in der Regel nicht nötig. Manchmal wird ein zentraler Venenkatheter eingesetzt – ein kleiner Schlauch, der in eine große Vene führt. Darüber werden Medikamente und Flüssigkeit gegeben und Blut abgenommen. Das ist ein kleiner Eingriff, keine große Operation.
Leben mit der Erkrankung
Während der Behandlung wird Ihr Alltag von Arztterminen, Untersuchungen und möglichen Nebenwirkungen geprägt sein. Versuchen Sie, sich an guten Tagen zu schonen und an schlechten Tagen nichts zu erzwingen. Eine feste Routine mit kleinen Aktivitäten kann helfen.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein kleines Tagebuch über Termine, Gefühle und körperliche Beschwerden.
- Bewegen Sie sich sanft, zum Beispiel mit Spaziergängen, sofern es Ihnen gut geht.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und halten Sie sich nach Möglichkeit im Tageslicht auf.
- Nehmen Sie Hilfe beim Putzen, Einkaufen oder Kochen an.
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Trinken Sie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee. Leichte Bewegung – wie Gehen oder Sanfte Gymnastik – kann das Wohlbefinden steigern. Ihr Behandlungsteam kann Ihnen bei Bedarf eine Ernährungsberatung empfehlen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Krebsdiagnose ist eine große seelische Belastung. Angst, Traurigkeit, Wut und Erschöpfung sind völlig normal. Es ist wichtig, über diese Gefühle zu sprechen – mit vertrauten Menschen oder mit Fachleuten wie Psychoonkologen. Sie müssen diese schwierige Zeit nicht allein durchstehen.
Vorbeugung
In den meisten Fällen lässt sich Leukämie nicht aktiv verhindern, da die Ursachen nicht vollständig bekannt sind. Ein gesunder Lebensstil – nicht rauchen, mäßiger Alkoholkonsum, ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung – kann jedoch das allgemeine Krebsrisiko senken.
Impfungen
Besprechen Sie alle Impfungen mit Ihrem Behandlungsteam, insbesondere bevor eine Therapie beginnt. Während der Chemotherapie ist das Immunsystem oft geschwächt, und einige Impfstoffe dürfen dann nicht gegeben werden. Lassen Sie sich hierzu medizinisch beraten.
Früherkennungsprogramme
Für Erwachsene gibt es keine standardmäßige Früherkennungsuntersuchung auf Leukämie. Regelmäßige ärztliche Check-ups und das Ernstnehmen von Warnzeichen sind die beste Vorbeugung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelt kann Leukämie zu lebensbedrohlichen Infektionen führen, weil es an gesunden weißen Blutkörperchen fehlt.
- Schwere Blutungen – zum Beispiel im Gehirn – können auftreten, wenn die Blutplättchen stark abfallen.
- Auch Organe wie Nieren und Leber können durch die übermäßige Zahl kranker Zellen geschädigt werden.
Langzeitprognose
Die Behandlung von Leukämie hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Viele Menschen erreichen eine langfristige Kontrolle der Krankheit oder sogar vollständige Heilung. Ihr Behandlungsteam wird Sie eng begleiten, mögliche Nebenwirkungen behandeln und Ihnen – auch in schwierigen Phasen – Hoffnung und Unterstützung geben.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.