Alltag mit einem ICD
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein ICD (implantierbarer Kardioverter-Defibrillator) ist ein kleines Gerät, das unter die Haut eingesetzt wird. Es beobachtet den Herzrhythmus durchgehend und gibt bei gefährlichen Herzrhythmusstörungen einen elektrischen Impuls ab, um das Herz wieder in einen normalen Rhythmus zu bringen.
Wichtige Fakten
- Ein ICD ist kein Herzschrittmacher, kann aber zusätzlich eine Schrittmacherfunktion haben.
- Das Gerät schützt vor plötzlichem Herztod, indem es lebensbedrohliche Rhythmusstörungen beendet.
- Ein ICD erfordert regelmäßige Kontrolltermine, meist alle 3 bis 6 Monate in einer speziellen Sprechstunde.
In Deutschland tragen viele tausend Menschen einen ICD. Jedes Jahr kommen weitere Menschen hinzu.
Betroffen sind vor allem Menschen, die bereits eine schwere Herzschwäche haben oder nach einem Herzinfarkt ein erhöhtes Risiko für schwere Rhythmusstörungen haben.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder keine Reaktion auf Ansprache – sofort Notruf 112.
- Mehrere Schocks hintereinander, ohne dass Sie sich dazwischen erholen.
- Anhaltende starke Schmerzen in der Brust, schwere Atemnot oder ein sehr langsamer Puls.
- ⚠Sie haben einen einzelnen Schock gespürt und fühlen sich danach unwohl oder haben Herzrasen.
- ⚠Die ICD-Wunde schwillt an, wird auffällig rot oder nässt Flüssigkeit.
- ⚠Das Gerät gibt wiederholt Pieptöne oder andere Warnsignale von sich.
Häufige Symptome
- Nach dem Einsetzen können Schmerzen, Schwellungen oder ein Spannungsgefühl an der Wunde auftreten.
- Manche Menschen spüren ein leichtes Zucken oder Flattern im Brustbereich, wenn der ICD die Funktion testet.
- Wenn das Gerät einen Schock abgibt, ist das als plötzlicher, kurzer Stoß in der Brust zu spüren.
Symptome bei Kindern
- Kinder mit einem ICD spüren die gleichen körperlichen Empfindungen wie Erwachsene.
- Zusätzlich kann die Unsicherheit, wann das Gerät auslösen könnte, bei Kindern und Jugendlichen Ängste auslösen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann die Wundheilung etwas länger dauern.
- Auch Begleiterkrankungen können die Wahrnehmung von Warnsignalen des ICD erschweren.
Ursachen
Hauptursachen
- Schwere Herzschwäche (Herzinsuffizienz) mit stark eingeschränkter Pumpleistung.
- Zustand nach einem Herzinfarkt, wenn Narbengewebe im Herzen die elektrischen Signale stört.
- Erkrankungen, die lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern auslösen können.
Risikofaktoren
- Bereits früher aufgetretene schwere Herzrhythmusstörungen oder ein überstandener plötzlicher Herztod.
- Erbliche Herzerkrankungen, die das Risiko für Rhythmusstörungen erhöhen.
- Schwere Herzmuskelerkrankungen, zum Beispiel eine dilatative Kardiomyopathie.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn der ICD eine Schock abgegeben hat, sollten Sie immer zeitnah mit Ihrem Behandlungsteam sprechen.
- Wenn Sie neue Symptome wie Schwindel, Ohnmacht oder starkes Herzklopfen bemerken.
- Bei Zeichen einer Wundinfektion wie Rötung, Schwellung oder Fieber.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nehmen Sie alle geplanten Kontrolltermine in der ICD-Sprechstunde wahr.
- Wenn Sie schwanger werden möchten, eine Operation ansteht oder ein neues Medikament verordnet wird, informieren Sie Ihr Behandlungsteam frühzeitig.
Diagnose
Ob ein ICD nötig ist, wird von einer Kardiologin oder einem Kardiologen entschieden. Dabei werden alle Befunde gemeinsam besprochen und mit Ihren persönlichen Fragen und Wünschen abgewogen.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): Die Herzströme werden in Ruhe und manchmal unter Belastung aufgezeichnet.
- Herzultraschall (Echokardiographie): Beurteilt die Herzkammern und die Pumpleistung.
- Langzeit-EKG: Zeichnet den Herzrhythmus über 24 Stunden oder länger auf.
- Gegebenenfalls Herzkatheter, genetische Untersuchungen oder weitere Bilder des Herzens.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie erhalten ausführliche Informationen darüber, was ein ICD für Ihren Alltag und Ihre Sicherheit bedeutet. In den meisten Fällen können Sie in Ruhe nachfragen und sich auch eine zweite Meinung einholen, bevor Sie zustimmen.
Behandlung
Ein ICD ist ein implantierbares Gerät, das die Grunderkrankung nicht heilt, aber vor gefährlichen Rhythmusstörungen schützt. Viele Menschen erleben dadurch wieder mehr Lebensqualität und Sicherheit.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie die Wunde sauber und trocken und entfernen Sie keine Krusten.
- Schonen Sie den Arm auf der betroffenen Seite in den ersten Wochen, ohne ihn ganz ruhigzustellen.
- Achten Sie auf Warnsignale des Geräts, wie Pieptöne oder Vibrationen, und dokumentieren Sie sie für Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Tragen Sie Ihren ICD-Ausweis immer bei sich.
Medizinische Behandlungen
Neben dem ICD können Medikamente die Herzfunktion unterstützen und die Häufigkeit von Rhythmusstörungen verringern. Welche Therapie für Sie am besten geeignet ist, legt Ihr Behandlungsteam individuell mit Ihnen fest.
Wann kommt eine Operation infrage?
Der ICD wird in einem kleinen chirurgischen Eingriff unter örtlicher Betäubung eingesetzt. Meist ist eine kurze Beobachtungszeit im Krankenhaus von ein bis zwei Tagen nötig.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit einem ICD ist für die meisten Menschen gut machbar. Sie müssen sich nicht verstecken, aber einige Regeln und Sicherheitsabstände beachten. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen diese genau.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie Abstand zu starken Magnetfeldern, zum Beispiel Transformatoren, Elektroschrott oder manchen Lautsprechern.
- Zeigen Sie Ihren ICD-Ausweis bei Sicherheitskontrollen, etwa am Flughafen.
- Halten Sie Smartphones oder Kopfhörer nicht direkt über dem ICD; tragen Sie Ihr Telefon lieber auf der anderen Körperseite.
- Meiden Sie Sportarten mit Sturzgefahr oder direktem Stoß auf den Brustbereich.
- Informieren Sie jede Ärztin, jeden Zahnarzt und jeden Facharzt über Ihren ICD, bevor eine Untersuchung oder Behandlung stattfindet.
Ernährung und Bewegung
Bewegung ist erlaubt und ausdrücklich erwünscht. Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam, welche Sportarten für Sie geeignet sind. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und ausreichend Flüssigkeit unterstützt Ihre Herzgesundheit. Rauchen vermeiden und Alkohol nur in Maßen genießen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der ICD kann Angst und Unsicherheit auslösen, besonders wenn er bereits einen Schock abgegeben hat. Das ist eine normale Reaktion. Psychologische Beratung, Gespräche mit Angehörigen und Selbsthilfegruppen können sehr entlastend wirken.
Vorbeugung
Ein ICD wird eingesetzt, wenn bereits ein Risiko besteht. Die zugrunde liegende Herzerkrankung lässt sich durch die richtige Behandlung und einen gesunden Lebensstil jeden Tag etwas günstiger beeinflussen.
Impfungen
Sprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam über empfohlene Impfungen, insbesondere gegen Grippe und Pneumokokken, um zusätzliche Belastungen für das Herz zu vermeiden.
Früherkennungsprogramme
Bei ICD-Trägern sind regelmäßige Gerätekontrollen wichtig. Dabei werden die Funktion, die Batterie und die Leitungen geprüft.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne regelmäßige Kontrollen könnte eine schwache Batterie unentdeckt bleiben und einen lebensrettenden Schock nicht auslösen.
- Wenn Warnsignale des Geräts ignoriert werden, kann eine notwendige Anpassung oder Behandlung verpasst werden.
- Eine unbehandelte Wundinfektion kann sich auf das Gerät und die umliegenden Gewebe ausbreiten.
Langzeitprognose
Die allermeisten Menschen können mit einem ICD ein normales, erfülltes Leben führen. Das Gerät bietet Schutz vor lebensbedrohlichen Rhythmusstörungen, und die regelmäßige medizinische Betreuung schafft Vertrauen und Sicherheit für jeden Tag.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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