Palliativversorgung: Wann Sie fragen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Palliativversorgung ist eine besondere Form der Unterstützung für Menschen mit schweren Erkrankungen. Sie hilft, Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Erschöpfung zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Palliativversorgung bedeutet nicht, dass die Behandlung der Erkrankung aufhören muss. Sie kann gleichzeitig mit einer weiterführenden Therapie stattfinden und unterstützt auch Angehörige.
Wichtige Fakten
- Palliativversorgung kann in jeder Phase einer schweren Erkrankung beginnen, nicht erst am Lebensende.
- Sie wird von einem Team aus Ärztinnen und Ärzten, Pflegenden, Psychologinnen und Sozialarbeitenden angeboten.
- Sie können Palliativversorgung anfordern, wenn Sie unter belastenden Beschwerden leiden – ganz unabhängig von der Grunderkrankung.
In Deutschland gibt es ein Netz aus Palliativdiensten, Palliativstationen und Hospizen. Die Versorgung wird immer weiter ausgebaut, sodass viele Menschen davon profitieren können.
Palliativversorgung kann Menschen jeden Alters betreffen, die mit einer schweren, weit fortgeschrittenen Erkrankung leben. Auch Angehörige und Freunde erhalten Unterstützung und Beratung.
Symptome
- Schwere Atemnot, die plötzlich auftritt und nicht nachlässt
- Plötzliche Bewusstlosigkeit oder akute Verwirrtheit
- Starke Schmerzen, die sich trotz der bisher verordneten Medikamente nicht lindern lassen
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich der Zustand lebensbedrohlich verschlechtert – rufen Sie sofort 112
- ⚠Neue oder zunehmende Beschwerden wie Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot noch am selben Tag ärztlich vorstellen
- ⚠Wenn Sie unsicher sind, ob eine Veränderung gefährlich ist, rufen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) oder Ihre Hausärztin beziehungsweise Ihren Hausarzt an
- ⚠Bei Fragen zur Palliativversorgung können Sie sich telefonisch an das örtliche Palliativnetz wenden
Häufige Symptome
- Schmerzen, die trotz Behandlung nicht gut gelindert sind
- Atemnot oder Husten, der Sie belastet
- Starke Müdigkeit oder Erschöpfung (Fatigue)
- Appetitlosigkeit oder Schlafprobleme
- Traurigkeit, Angst oder innere Unruhe
Symptome bei Kindern
- Schmerzen oder Unwohlsein, das das Kind nicht mit Worten beschreiben kann
- Das Kind ist ungewöhnlich müde, schwach oder zurückgezogen
- Es geht ihm mit seiner Erkrankung trotz Behandlung zunehmend schlechter
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Viele ältere Menschen haben mehrere Erkrankungen gleichzeitig – Palliativversorgung kann helfen, alles im Blick zu behalten
- Schmerzen oder Atembeschwerden werden oft älteren Menschen seltener beklagt – achten Sie auf Veränderungen im Alltag
- Bei Verwirrtheit oder starkem Rückzug sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen
Ursachen
Hauptursachen
- Schwere Krebserkrankungen
- Fortgeschrittene Herz-, Lungen- oder Lebererkrankungen
- Neurologische Erkrankungen wie ALS oder Parkinson im fortgeschrittenen Stadium
- Schwere Demenzerkrankungen
Risikofaktoren
- Weit fortgeschrittene Grunderkrankung
- Wiederholte Krankenhausaufenthalte wegen der Grunderkrankung
- Starke Symptome wie Schmerzen oder Atemnot
- Belastung der Angehörigen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Ihre Beschwerden stark zunehmen und die bisherigen Maßnahmen nicht mehr helfen
- Wenn Sie das Gefühl haben, dass sich der Gesundheitszustand deutlich verschlechtert – scheuen Sie sich nicht, den Notruf zu wählen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Fragen zu Ihren Behandlungsmöglichkeiten haben, können Sie jederzeit ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt führen
- Sie können auch ohne konkreten Anlass nach einer Beratung durch einen Palliativ- und Hospizdienst fragen
- Je früher Sie von der Palliativversorgung erfahren, desto besser können Sie Ihren Weg mitgestalten
Diagnose
Palliativversorgung wird nicht durch eine Diagnose festgestellt, sondern durch eine ärztliche Einschätzung. Die Ärztin oder der Arzt bespricht mit Ihnen Ihre Beschwerden und Ziele. Sie können ein solches Gespräch selbst anfordern.
Mögliche Untersuchungen
- Ein ausführliches Gespräch über Ihre Symptome, Werte und Wünsche
- Eine körperliche Untersuchung, um Beschwerden zu erkennen
- Bei Bedarf Bluttests oder Bildgebung, um die Ursachen von Symptomen zu klären
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie werden in aller Ruhe angehört. Gemeinsam mit einem Team aus Fachleuten wird ein persönlicher Plan entwickelt, der medizinische, pflegerische und psychosoziale Hilfe umfasst. Sie bleiben die Hauptperson – Ihre Wünsche entscheiden.
Behandlung
Palliative Behandlung zielt darauf ab, Beschwerden zu lindern, Lebensqualität zu erhalten und den Alltag zu erleichtern. Sie umfasst medikamentöse und nicht-medikamentöse Maßnahmen sowie die Begleitung von Seele und Sozialleben. Auch die Leitlinien der AWMF betonen, dass Palliativversorgung frühzeitig in die Behandlung einbezogen werden soll. Die Versorgung kann zu Hause, im Krankenhaus oder in einem Hospiz stattfinden.
Selbsthilfe zu Hause
- Sprechen Sie offen mit Ihren Angehörigen über Ihre Wünsche und Ängste
- Planen Sie Kraft ein und erlauben Sie sich Ruhe
- Bewegung und Entspannung, zum Beispiel Spaziergänge oder Atemübungen, können helfen
- Bitten Sie Freunde und Familie um praktische Unterstützung
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst zum Beispiel eine angepasste Schmerztherapie sowie Medikamente gegen Übelkeit, Atemnot oder Angst – immer individuell abgestimmt. Auch nicht-medikamentöse Methoden wie Physiotherapie, Ergotherapie oder Atemtraining gehören dazu. Psychoonkologische Beratung oder Seelsorge können zusätzlich entlasten. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht mit Ihnen, welche Maßnahmen zu Ihrer Situation passen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist in der Palliativversorgung selten ein Schwerpunkt. In besonderen Situationen kann jedoch ein kleiner Eingriff helfen, Beschwerden zu lindern, etwa bei einem Darmverschluss. Das wird immer individuell entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Trotz schwerer Erkrankung kann der Alltag aktiv gestaltet werden. Palliativversorgung hilft, Symptome zu kontrollieren, Kraft einzuteilen und schöne Momente zu ermöglichen. Ein fester Tagesrhythmus mit Pausen und kleinen Zielen gibt Sicherheit.
Tipps für den Alltag
- Tägliche Bewegung im Rahmen der Möglichkeiten, zum Beispiel Dehnübungen oder kurze Spaziergänge
- Entspannungstechniken wie Meditation oder progressive Muskelentspannung
- Hobbys und soziale Kontakte pflegen, so gut es geht
- Hilfsmittel wie Rollator oder Pflegebett frühzeitig in Anspruch nehmen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, aber bei Appetitlosigkeit empfehlen sich kleine, häufige Mahlzeiten. Trinken Sie ausreichend, sofern die Ärztin oder der Arzt nichts anderes sagt. Leichte Bewegung erhält die Muskulatur und das Wohlbefinden – hören Sie auf Ihren Körper.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Viele Menschen fühlen sich durch die Krankheit und die Zukunft verunsichert. Wut, Trauer und Angst sind normal. Sprechen Sie darüber – mit vertrauten Menschen, Fachleuten oder einer Beratungsstelle. Psychologische Unterstützung kann sehr entlastend wirken.
Vorbeugung
Palliativversorgung ist keine Krankheit, daher kann man sie nicht verhindern. Aber eine frühe Einbeziehung kann Beschwerden verringern und die Lebensqualität verbessern. Deshalb ist der frühe Austausch mit dem medizinischen Team so wichtig.
Impfungen
Lassen Sie sich von Ihrem Behandlungsteam beraten, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind – zum Beispiel gegen Grippe oder Lungenentzündung.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine Früherkennungsuntersuchung für Palliativversorgung. Im Vordergrund stehen Ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche.
Komplikationen
Unbehandelt
- Starke Schmerzen und andere Symptome können das Leben unerträglich machen
- Häufige Krankenhausaufenthalte und Notfallsituationen
- Zunehmende Erschöpfung und Überforderung der Angehörigen
Langzeitprognose
Mit guter Palliativversorgung können viele Menschen trotz schwerer Krankheit schöne und wertvolle Zeit erleben. Es ist nie zu spät, nach Unterstützung zu fragen – und immer eine Möglichkeit, das Leben bis zuletzt lebenswert zu gestalten.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.