Leben mit einem Herzschrittmacher – ein Ratgeber für den Alltag
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Herzschrittmacher ist ein kleines Gerät, das unter der Haut eingesetzt wird. Es sendet schwache elektrische Impulse aus, damit das Herz regelmäßig schlägt. Das hilft, wenn der eigene Herzrhythmus zu langsam oder unregelmäßig ist.
Wichtige Fakten
- Die Operation ist klein und wird meist örtlich betäubt.
- Nach der Heilung können die meisten Menschen ihren Alltag wieder normal gestalten.
- Der Schrittmacher wird regelmäßig vom Arzt überprüft, zum Beispiel bei der Jahreskontrolle.
Ja, es ist eine häufige Behandlung. In Deutschland leben viele Menschen mit einem Herzschrittmacher.
Hauptsächlich ältere Menschen, weil Herzerkrankungen mit dem Alter häufiger werden. Aber auch jüngere Menschen – selten auch Kinder – können einen Herzschrittmacher benötigen.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Starke Brustschmerzen, die nicht aufhören
- Atemnot, die nicht besser wird
- Krampfanfall
- ⚠Schwindel, der über mehrere Stunden anhält
- ⚠Schneller oder unregelmäßiger Puls, der nicht verschwindet
- ⚠Rötung, Schwellung oder Wundsekret an der Schrittmacherwunde
- ⚠Fieber nach der Operation
- ⚠Beinahe-Ohnmacht oder starke Benommenheit
Häufige Symptome
- Schwindel oder Benommenheit
- Herzklopfen oder unregelmäßiger Puls
- Muskelzucken im Bereich des Brustkorbs oder des Zwerchfells
- Anhaltende Müdigkeit oder Abgeschlagenheit
Symptome bei Kindern
- Plötzliche Blässe
- Auffällige Trägheit oder Appetitlosigkeit
- Häufiges Stürzen ohne klaren Grund
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit
- Unsicherheit beim Gehen
- Stürze
- Zunehmende Schwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Erkrankung des Sinusknotens, dem natürlichen Taktgeber des Herzens
- AV-Block: Die elektrische Leitung zwischen Vorhöfen und Kammern ist gestört
- Herzschwäche, bei der der Schrittmacher die Pumpleistung unterstützt
Risikofaktoren
- Fortgeschrittenes Alter
- Durchblutungsstörungen des Herzens
- Herzoperationen in der Vorgeschichte
- Manche Herzmedikamente, die den Puls stark verlangsamen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit sofort den Notruf 112 wählen
- Bei Schwindel, der länger anhält oder immer wieder auftritt
- Bei plötzlichem oder anhaltendem Herzrasen
- Bei Schmerzen, Rötung oder Flüssigkeit aus der Schrittmacherwunde
- Bei Fieber nach der Operation
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Jährliche Schrittmacherkontrolle in der kardiologischen Praxis
- Überprüfung von Batterie und Leitungen des Geräts
- Besprechung von Alltagsfragen, zum Beispiel zu Sport, Reisen oder Handynutzung
Diagnose
Bevor ein Herzschrittmacher eingesetzt wird, untersucht der Kardiologe Ihr Herz genau. Dabei wird geprüft, ob der Herzrhythmus zu langsam ist oder ob es Aussetzer gibt. Nach der Implantation wird die Funktion des Schrittmachers bei Kontrollen überprüft.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – zeichnet die Herzströme auf
- Langzeit-EKG – misst den Herzrhythmus über 24 Stunden
- Belastungs-EKG – untersucht das Herz bei körperlicher Belastung
- Schrittmacherkontrolle mit einem speziellen Auslesegerät
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die erste Kontrolle findet meist vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff statt, danach in der Regel einmal im Jahr. Dabei werden Batterie, Leitungen und Herzrhythmus geprüft – das geht ohne Operation.
Behandlung
Die Behandlung besteht darin, den Herzschrittmacher einzusetzen und richtig einzustellen. Danach ist eine gute Nachsorge wichtig, damit das Gerät zuverlässig arbeitet.
Selbsthilfe zu Hause
- Wunde in den ersten Tagen trocken halten
- Schweres Heben in den ersten vier bis sechs Wochen vermeiden
- Abstand zu starken Magnetfeldern halten, zum Beispiel zu großen Industriemaschinen
- Einen Schrittmacher-Ausweis oder Notfallausweis immer bei sich tragen
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt kann zusätzlich Medikamente verordnen, die zum Beispiel die Herzkraft unterstützen oder den Puls beeinflussen. Die Behandlung wird individuell auf Ihre Herzerkrankung abgestimmt. Welches Medikament für Sie geeignet ist, bespricht Ihr Arzt mit Ihnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Das Einsetzen des Herzschrittmachers ist eine kleine Operation. In späteren Jahren kann ein weiterer Eingriff nötig werden, wenn die Batterie schwach wird oder eine Leitung ersetzt werden muss.
Leben mit der Erkrankung
Ein Herzschrittmacher verändert den Alltag meist erstaunlich wenig. Sie können arbeiten, Auto fahren, reisen und Sport treiben. Besprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt, was für Sie persönlich möglich ist.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung nach Absprache mit dem Arzt
- Bei Reparaturarbeiten mit starken Magneten oder Schweißgeräten Abstand halten
- Handy nicht direkt auf die Herzschrittmacherseite legen
- Reisen ist möglich – der Ausweis hilft an Sicherheitskontrollen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn und gesunden Fetten unterstützt Ihr Herz. Regelmäßige Bewegung ist in der Regel ausdrücklich erwünscht. Gut geeignet sind zum Beispiel Schwimmen, Radfahren und zügige Spaziergänge – fragen Sie Ihr Herzzentrum nach einem passenden Plan.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Nach einem Eingriff am Herzen fühlen sich viele Menschen zunächst unsicher. Sorgen und Ängste sind normal. Wenn Sie sich längere Zeit niedergeschlagen fühlen, scheuen Sie sich nicht, Ihren Hausarzt oder Ihre Hausärztin um Rat zu bitten.
Vorbeugung
Einen Herzschrittmacher kann man nicht immer verhindern, da die Ursache oft in einer angeborenen oder altersbedingten Störung liegt. Ein herzgesunder Lebensstil – nicht rauchen, sich ausreichend bewegen und ausgewogen ernähren – kann jedoch manche Herzerkrankungen hinauszögern.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Grippe und Pneumokokken impfen, wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin es empfiehlt. So senken Sie das Risiko von Atemwegsinfektionen, die das Herz belasten können. Sprechen Sie Ihren Impfstatus bei der nächsten Gelegenheit an.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Herz-Kreislauf-Untersuchungen sind besonders sinnvoll, wenn Herzerkrankungen in der Familie vorkommen. Nach der Schrittmacher-Implantation sind sowieso regelmäßige Kontrollen wichtig.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederkehrende Schwindelattacken und Stürze
- Ohnmachtsanfälle
- Im schlimmsten Fall ein Herz-Kreislauf-Stillstand, ein lebensbedrohlicher Notfall
Langzeitprognose
Die meisten Menschen lernen schnell, mit ihrem Herzschrittmacher zu leben. Die heutigen Geräte sind sehr zuverlässig. Mit den empfohlenen Kontrollen und einer guten Betreuung können Sie Ihren Alltag in aller Regel unbeschwert genießen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.