Leben mit Sichelzellkrankheit: Krisen vorbeugen und den Alltag meistern
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Sichelzellkrankheit ist eine angeborene Blutkrankheit. Die roten Blutkörperchen sind verformt und sehen aus wie Sicheln. Diese Form kann Blutgefäße verstopfen und zu plötzlichen Schmerzschüben führen, die man als Krise bezeichnet.
Wichtige Fakten
- Die Krankheit ist angeboren – man wird mit ihr geboren.
- Sichelzellen können Blutgefäße verstopfen und Schmerzen verursachen.
- Mit guter Behandlung und Vorsorge lassen sich Krisen häufig vermeiden.
In Deutschland ist die Sichelzellkrankheit selten. Das ändert sich jedoch durch Zuwanderung. Weltweit gehört sie zu den häufigen Erbkrankheiten.
Die Krankheit tritt vor allem bei Menschen auf, deren Familien aus Afrika, dem Mittelmeerraum, dem Nahen Osten, Indien oder Südamerika kommen. Auch in Deutschland werden Kinder mit dieser Krankheit geboren.
Symptome
- Starke Brust- oder Rückenschmerzen
- Plötzliche Atemnot
- Hohes Fieber
- Beginn einer Lähmung oder Schwäche in Arm oder Bein
- Plötzliches starkes Kopfweh
- Bewusstlosigkeit oder Verwirrtheit
- Anhaltende, schmerzhafte Erektion beim Mann (Priapismus)
- ⚠Fieber über 38,5 °C
- ⚠Schmerzen, die mit den üblichen Maßnahmen nicht besser werden
- ⚠Anhaltende Erschöpfung
- ⚠Schwellung oder Rötung an einer Stelle
Häufige Symptome
- Plötzlich auftretende Schmerzen in Armen, Beinen, Rücken oder Bauch
- Müdigkeit und Schwäche
- Gelbfärbung von Haut und Augen (Gelbsucht)
- Atemnot bei Belastung
- Geschwollene Hände und Füße
Symptome bei Kindern
- Schmerzhafte Schwellung von Fingern und Zehen (auch Daktylitis genannt)
- Wachstumsverzögerung – Kinder sind oft kleiner als Gleichaltrige
- Blässe, Müdigkeit und Reizbarkeit
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Chronische Schmerzen besonders in Knochen und Gelenken
- Zunehmende Müdigkeit
- Schäden an Augen, Nieren oder Organen – oft ohne spürbare Beschwerden
Ursachen
Hauptursachen
- Eine veränderte Erbanlage für das Hämoglobin – das ist der rote Blutfarbstoff
- Die Krankheit wird vererbt: Sie muss von beiden Elternteilen die entsprechende Erbanlage erhalten.
Risikofaktoren
- Familienangehörige mit Sichelzellkrankheit oder Sichelzell-Merkmal
- Herkunft aus Regionen, in denen die Krankheit häufiger vorkommt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei jedem Fieber
- Bei neuen oder stärkeren Schmerzen
- Bei Schwäche oder Taubheitsgefühlen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrollen des Blutbilds
- Untersuchungen von Augen, Nieren und Herz
- Impfstatus überprüfen lassen
Diagnose
Die Sichelzellkrankheit wird meist schon bei der Geburt durch das Neugeborenen-Screening erkannt. Dafür wird eine Blutprobe aus der Ferse entnommen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild
- Hämoglobin-Elektrophorese – ein Test, der die verschiedenen Arten von Hämoglobin nachweist
- Genetischer Bluttest, um die Erbanlage zu bestätigen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Tests sind einfach und ungefährlich. Die Ergebnisse liegen nach wenigen Tagen vor. Danach bespricht man sie ausführlich in der Arztpraxis.
Behandlung
Es gibt aktuell keine Heilung für alle Betroffenen. Eine Stammzelltransplantation kann die Krankheit heilen – sie ist aber nicht für jeden geeignet. Die Behandlung zielt vor allem darauf ab, Schmerzen zu lindern, Krisen zu verhindern und Folgeschäden zu vermeiden. Ihr Behandlungsteam orientiert sich dabei an den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend Wasser – am besten zwei bis drei Liter pro Tag
- Halten Sie sich warm, besonders bei Kälte
- Ruhen Sie sich aus und planen Sie Pausen
- Vermeiden Sie Stress und zu viel Anstrengung
- Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung: Medikamente gegen Schmerzen, Medikamente, die die Häufigkeit von Krisen senken, sowie Bluttransfusionen. Antibiotika können Infektionen vorbeugen. Ihr ärztliches Team wird einen individuellen Plan mit Ihnen besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Stammzelltransplantation (früher Knochenmarktransplantation genannt) kann bei schwerer Krankheit eine Heilung ermöglichen. Ob Sie dafür infrage kommen, klärt ein spezialisiertes Zentrum.
Leben mit der Erkrankung
Hören Sie auf Ihren Körper und erkennen Sie früh, was eine Krise auslösen könnte. Feste Strukturen im Alltag geben Sicherheit – zum Beispiel feste Essenszeiten, ausreichend Schlaf und Pausen bei Belastung.
Tipps für den Alltag
- Viel trinken, idealerweise Wasser oder ungesüßten Tee
- Sich regelmäßig leicht bewegen
- Auf Zigaretten und Alkohol verzichten
- Beruf und Alltag an die eigenen Bedürfnisse anpassen
- Informationen über die Krankheit mit Angehörigen teilen, damit sie besser verstehen können
Ernährung und Bewegung
Essen Sie ausgewogen und abwechslungsreich: viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Auch Eiweiß ist wichtig. Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen hält den Körper fit – übertreiben Sie es aber nicht. Sport mit extremer Anstrengung oder in großer Höhe kann Krisen auslösen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die unsichere Situation durch immer wiederkehrende Schmerzen kann Angst machen oder niedergeschlagen stimmen. Es ist völlig normal, sich manchmal überfordert zu fühlen. Reden Sie darüber – mit vertrauten Menschen oder einer Beratungsstelle. Wenn Sie das Gefühl haben, allein nicht weiterzukommen, wenden Sie sich umgehend an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder rufen Sie die Nummer 112.
Vorbeugung
Die Krankheit selbst ist angeboren und lässt sich nicht verhindern. Eine Krise aber sehr wohl: Mit regelmäßiger ärztlicher Kontrolle und einem vorausschauenden Lebensstil sinkt das Risiko für schmerzhafte Krisen deutlich.
Impfungen
Lassen Sie sich alle empfohlenen Impfungen geben – besonders gegen Grippe, Lungenentzündung (Pneumokokken) und Hirnhautentzündung (Meningokokken). Ihr Impfpass zeigt, welche Impfungen noch fehlen.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird im Rahmen des Neugeborenen-Screenings bei allen Babys auch auf Sichelzellkrankheit getestet. Bei Familien mit bekannter Erbanlage gibt es außerdem die Möglichkeit, die Krankheit schon vor der Geburt festzustellen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schlaganfall
- Schäden an Nieren, Lunge oder Leber
- Knocheninfektionen
- Augenschäden
- Gefäßverschlüsse, die zu Gewebeschäden führen können
Langzeitprognose
Mit guter medizinischer Betreuung, regelmäßigen Vorsorgen und einem bewussten Lebensstil leben die meisten Menschen mit Sichelzellkrankheit heute sehr gut. Die Krankheit ist ernst, aber sie ist kein Grund, die Hoffnung aufzugeben. Viele prägen ihren Alltag – und nicht die Krankheit.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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