Long COVID in der Schwangerschaft: Was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Long COVID bedeutet, dass nach einer Infektion mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) Beschwerden länger als 4 Wochen anhalten oder neu auftreten. In der Schwangerschaft kann Long COVID zusätzliche Belastungen mit sich bringen, da der Körper ohnehin viele Veränderungen durchmacht.
Wichtige Fakten
- Long COVID kann auch bei leichten oder symptomlosen Infektionen auftreten.
- Die Beschwerden können Wochen bis Monate andauern und sich im Verlauf ändern.
- In der Schwangerschaft ist es besonders wichtig, Symptome mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt zu besprechen, um Mutter und Kind zu schützen.
Wie häufig Long COVID in der Schwangerschaft genau ist, weiß man noch nicht. Studien zeigen aber, dass etwa 10 bis 30 Prozent der Schwangeren nach einer COVID-19-Infektion länger anhaltende Beschwerden haben können.
Long COVID kann jede Schwangere betreffen, unabhängig davon, ob die Infektion mild oder schwer verlaufen ist. Manche Frauen haben ein höheres Risiko, zum Beispiel bei Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder bestimmten Immunerkrankungen.
Symptome
- Starke Atemnot oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen
- Starke Brustschmerzen oder Engegefühl in der Brust
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Starke Blutungen oder sehr starke Kopfschmerzen (kann auf Präeklampsie hinweisen)
- ⚠Anhaltendes Fieber oder Verschlechterung des Allgemeinzustands
- ⚠Starke Schmerzen im Bauch oder in der Seite
- ⚠Verminderte Kindsbewegungen
- ⚠Starke Übelkeit und Erbrechen, sodass Sie nichts mehr bei sich behalten können
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Kurzatmigkeit oder Atemnot bei Belastung
- Husten, der nicht weggeht
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Brain Fog“)
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Geschmacks- und Geruchsstörungen
- Schlafstörungen
- Kopfschmerzen
Symptome bei Kindern
- Bei Neugeborenen kann Long COVID selten vorkommen, meist in Form von Fütterproblemen, Unruhe oder vermehrter Müdigkeit.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Diese Kategorie ist in der Schwangerschaft nicht direkt zutreffend, da werdende Mütter meist jünger sind. Falls die Schwangere älter ist (über 35), können die Beschwerden stärker ausgeprägt sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Long COVID entsteht durch eine COVID-19-Infektion. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig geklärt. Man vermutet, dass das Immunsystem über längere Zeit aktiv bleibt, kleine Blutgerinnsel die Durchblutung stören oder dass das Virus in manchen Geweben verbleibt.
Risikofaktoren
- Schwere COVID-19-Erkrankung
- Bestehende Vorerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Übergewicht
- Hohes Alter der Schwangeren (über 35 Jahre)
- Mehrlingsschwangerschaft
- Nicht geimpft oder unvollständig geimpft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Atemnot oder Brustschmerzen
- Bei starker Müdigkeit, die den Alltag unmöglich macht
- Bei plötzlicher Verschlechterung der Sehkraft oder starken Kopfschmerzen
- Bei Fieber über 38,5 Grad
- Bei verminderten Kindsbewegungen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie seit mehr als 4 Wochen nach der Infektion unter anhaltenden Beschwerden leiden
- Bei chronischer Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten oder Schlafstörungen
- Bei allen neuen oder sich verändernden Symptomen in der Schwangerschaft
Diagnose
Die Diagnose Long COVID wird gestellt, wenn nach einer bestätigten oder wahrscheinlichen COVID-19-Infektion Beschwerden bestehen, die länger als 4 Wochen anhalten und sich nicht durch andere Erkrankungen erklären lassen. In der Schwangerschaft wird besonders sorgfältig untersucht, um mögliche Schwangerschaftskomplikationen auszuschließen.
Mögliche Untersuchungen
- Ärztliches Gespräch und körperliche Untersuchung
- Blutuntersuchungen (z. B. Entzündungswerte, Blutbild, Nieren- und Leberwerte)
- Lungenfunktionstests und gegebenenfalls ein EKG
- Ultraschall (Sonographie) zur Überprüfung von Organen
- Gegebenenfalls ein Belastungstest zur Einschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie ausführlich befragen und eine körperliche Untersuchung durchführen. Je nach Beschwerden werden verschiedene Tests gemacht. In der Schwangerschaft werden alle Untersuchungen so gewählt, dass sie für das ungeborene Kind sicher sind. Es kann mehrere Termine dauern, bis ein klares Bild vorliegt.
Behandlung
Die Behandlung von Long COVID in der Schwangerschaft zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, die körperliche und seelische Gesundheit zu unterstützen und Komplikationen vorzubeugen. Die Therapie wird immer individuell angepasst und unter Berücksichtigung von Mutter und Kind durchgeführt.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend Ruhe und Schlaf, aber auch sanfte Bewegung (z. B. Spaziergänge, Schwangerschaftsyoga)
- Gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten
- Ausreichend Flüssigkeit trinken (ca. 1,5–2 Liter pro Tag, bei Schwangerschaft eher mehr)
- Stress reduzieren durch Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation
- Vermeiden von Überanstrengung – das sogenannte „Pacing“ (Aktivität und Pausen im Wechsel)
Medizinische Behandlungen
Je nach Beschwerdebild können Maßnahmen wie Physiotherapie, Atemtherapie, Ergotherapie oder psychologische Begleitung empfohlen werden. Medikamente werden in der Schwangerschaft nur zurückhaltend und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt. Ihr Arzt wird mit Ihnen besprechen, was im Einzelfall sinnvoll ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operationen sind bei Long COVID in der Regel nicht notwendig. Nur in sehr seltenen Fällen, wenn durch die Erkrankung schwerwiegende Komplikationen auftreten, könnte ein operativer Eingriff in Betracht gezogen werden – dann in enger Absprache mit dem behandelnden Team.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag mit Long COVID und Schwangerschaft kann herausfordernd sein. Planen Sie Ihren Tag mit ausreichend Pausen, nehmen Sie Hilfe im Haushalt an, und setzen Sie Prioritäten. Hören Sie auf Ihren Körper, er zeigt Ihnen, was zu viel ist.
Tipps für den Alltag
- Gleichmäßige Tagesstruktur mit festen Ruhezeiten
- Leichte Bewegung an der frischen Luft, wenn es die Kräfte erlauben
- Vermeiden von langem Sitzen oder Stehen – öfter die Position wechseln
- Verzicht auf Alkohol und Nikotin (in der Schwangerschaft ohnehin wichtig)
- Kompressionsstrümpfe können bei Kreislaufproblemen helfen
Ernährung und Bewegung
Eine vollwertige Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn und magerem Eiweiß unterstützt die Genesung. Bewegung sollte an die aktuelle Leistungsfähigkeit angepasst sein: Schonende Aktivitäten wie Schwangerschaftsgymnastik, Schwimmen oder Gehen sind ideal. Bei Erschöpfung reicht auch schon Dehnen im Bett.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Long COVID kann psychisch belasten: Sorgen um die Schwangerschaft, Frust über die langsame Besserung und soziale Isolation sind häufig. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und sich Unterstützung zu holen – bei der Partnerin/dem Partner, Freundinnen oder einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Eine Infektion mit dem Coronavirus lässt sich nicht immer verhindern. Aber Sie können das Risiko für einen schweren Verlauf und damit auch für Long COVID senken: durch Impfung, Abstand zu erkrankten Personen, Tragen einer Maske in Innenräumen und gründliche Hygiene.
Impfungen
Eine COVID-19-Impfung wird auch in der Schwangerschaft empfohlen. Sie schützt nicht nur vor schweren Infektionen, sondern kann auch das Risiko für Long COVID verringern. Bitte besprechen Sie den Impfzeitpunkt mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Screening für Long COVID. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft sind jedoch wichtig, um den Gesundheitszustand von Mutter und Kind zu überwachen und frühzeitig auf Veränderungen reagieren zu können.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei anhaltender Erschöpfung kann die körperliche Belastung zu einer Verschlechterung der Symptome führen.
- Lungenfunktionsstörungen können die Sauerstoffversorgung des Kindes beeinträchtigen.
- Unbehandelte Long COVID-Symptome können das Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Frühgeburt oder Präeklampsie erhöhen.
- Psychische Belastungen können sich verstärken und zu einer postpartalen Depression beitragen.
Langzeitprognose
Die meisten Symptome von Long COVID bessern sich im Laufe der Zeit, auch wenn es Wochen oder Monate dauern kann. Ein guter ärztlicher Begleitung, ausreichend Ruhe und eine angepasste Lebensweise helfen, die Beschwerden zu lindern. Die allermeisten Schwangerschaften mit Long COVID verlaufen für das Kind gut.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.