Leben mit Makuladegeneration
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Makuladegeneration (auch altersbedingte Makuladegeneration, AMD) ist eine Erkrankung des Auges, bei der der schärfste Bereich der Netzhaut – die Makula – geschädigt wird. Die Makula ist für das zentrale Sehen verantwortlich, also zum Beispiel für das Lesen, Erkennen von Gesichtern oder das Betrachten von Details. Die Erkrankung führt zu einem langsam fortschreitenden Verlust dieser mittigen Sehkraft, während das seitliche (periphere) Sehen meist erhalten bleibt.
Wichtige Fakten
- Die Makuladegeneration ist in Industrieländern die häufigste Ursache für Sehverlust bei Menschen über 60 Jahren.
- Es gibt zwei Hauptformen: die trockene (häufigere, langsam fortschreitende) und die feuchte (seltenere, schnellere) Form.
- Die Erkrankung führt nicht zur völligen Erblindung, da das seitliche Sehen meist erhalten bleibt.
- Eine gesunde Lebensweise kann das Fortschreiten verlangsamen – eine Heilung gibt es nicht.
Ja, die Makuladegeneration ist eine der häufigsten Augenerkrankungen im höheren Alter. Etwa jeder zehnte Mensch über 60 und jeder dritte über 80 ist betroffen.
Die Erkrankung tritt fast nur bei Erwachsenen auf, meist ab dem 60. Lebensjahr. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Auch Raucher und Menschen mit einer familiären Vorbelastung haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Plötzlicher, einseitiger Verlust der zentralen Sehkraft (wie ein schwarzer Vorhang vor dem Auge)
- Wenn innerhalb weniger Stunden oder Tage die Sehmitt stark nachlässt
- ⚠Wenn Sie bemerken, dass gerade Linien plötzlich wellig erscheinen (Warnzeichen für die feuchte Form)
- ⚠Wenn Sie einen neuen dunklen Fleck in Ihrem Sichtfeld sehen
Häufige Symptome
- Verschwommenes oder verzerrtes Sehen in der Bildmitte (z. B. erscheinen gerade Linien wellig)
- Dunkler Fleck oder Schatten im Zentrum des Sichtfeldes
- Schwierigkeiten beim Lesen, vor allem bei kleinen Buchstaben oder schlechtem Licht
- Farben erscheinen blasser oder weniger lebendig
Symptome bei Kindern
- Die altersbedingte Makuladegeneration tritt bei Kindern nicht auf. Bei Kindern gibt es andere seltene Erkrankungen der Makula, die aber anders heißen und behandelt werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Oft beginnt es mit einer zunehmenden Empfindlichkeit gegenüber hellem Licht (Blendung)
- Gegenstände in der Mitte wirken undeutlich oder verzerrt
- Lesen wird anstrengend, Zeilen springen oder Buchstaben fehlen
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Bei der trockenen Form lagern sich Abfallstoffe (Drusen) unter der Netzhaut ab, die die Makula schädigen.
- Bei der feuchten Form wachsen ungesunde Blutgefäße unter die Netzhaut, die Flüssigkeit oder Blut austreten lassen und das Sehzentrum zerstören.
Risikofaktoren
- Alter (das größte Risiko)
- Rauchen – Raucher haben ein zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko
- Familiäre Vorbelastung (Genetik)
- Ungesunde Ernährung (wenig Obst, Gemüse, Antioxidantien)
- Starke Lichteinwirkung (UV-Strahlung) auf die Augen
- Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich einen dunklen Fleck in der Mitte Ihres Sichtfeldes bemerken.
- Wenn gerade Linien (z. B. Türkanten, Kachelfugen) auf einmal wellig aussehen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Ab dem 50. Lebensjahr sollten Sie alle zwei Jahre Ihre Augen untersuchen lassen – auch ohne Beschwerden.
- Wenn Sie bereits eine Makuladegeneration haben, sind regelmäßige Kontrollen (oft alle 6–12 Monate) wichtig.
Diagnose
Die Diagnose stellt der Augenarzt mit einer Reihe von speziellen, schmerzlosen Untersuchungen. Dabei wird Ihre Sehkraft getestet und die Netzhaut im Detail betrachtet.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest mit Sehprobentafel (Visusbestimmung) – misst, wie scharf Sie in der Ferne sehen.
- Amsler-Gitter-Test – Sie betrachten ein Gittermuster und melden, ob Linien wellig oder Löcher sichtbar sind.
- Augenhintergrundspiegelung (Ophthalmoskopie) – der Arzt schaut mit einer speziellen Lampe in Ihr Auge, um die Netzhaut und Drusen zu beurteilen.
- Optische Kohärenztomographie (OCT) – ein schmerzloser Schnittbild-Scan Ihrer Netzhaut, der Flüssigkeitsansammlungen oder Blutungen zeigt.
- Fluoreszenzangiographie – ein Farbstoff wird ins Blut gespritzt, dann werden Fotos vom Auge gemacht, um undichte Blutgefäße zu erkennen (für die feuchte Form).
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei der Untersuchung bekommen Sie Augentropfen, die Ihre Pupillen weiten. Dadurch kann das Sehen vorübergehend unscharf sein – Sie sollten also nicht selbst Auto fahren. Die Untersuchungen tun nicht weh und dauern etwa 30 bis 60 Minuten.
Behandlung
Eine vollständige Heilung der Makuladegeneration ist derzeit nicht möglich. Ziel der Behandlung ist es, die Krankheit zu verlangsamen und das bestmögliche Sehen zu erhalten. Die Therapie hängt von der Form (trocken oder feucht) ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Ernähren Sie sich reich an grünem Blattgemüse (Spinat, Grünkohl), Beeren, Nüssen und Fisch – diese enthalten wertvolle Antioxidantien (Lutein, Zeaxanthin, Omega-3-Fettsäuren).
- Verzichten Sie auf das Rauchen – das ist mit Abstand der wichtigste Schritt, den Sie selbst tun können.
- Schützen Sie Ihre Augen vor zu starker Sonne (UV-Schutzbrille).
- Überprüfen Sie regelmäßig Ihr Sehen mit dem Amsler-Gitter (Ihr Augenarzt kann Ihnen eines geben).
Medizinische Behandlungen
Bei der feuchten Form wird meist eine Injektionsbehandlung durchgeführt. Dabei werden Medikamente direkt in das Auge gespritzt, die das Wachstum der krankhaften Blutgefäße hemmen. Diese Behandlung muss oft in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Ihr Augenarzt wird mit Ihnen den genauen Plan besprechen. Für die trockene Form gibt es keine zugelassene medikamentöse Behandlung. Hier helfen vor allem Sehhilfen und Anpassungen im Alltag. Eine Operation kommt nur in seltenen Fällen in Betracht, zum Beispiel wenn es zu einer sehr starken Blutung kommt – dann ist eine sofortige ärztliche Abklärung nötig.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein operativer Eingriff (z. B. Entfernung einer Blutung oder Verpflanzung von Netzhautzellen) wird nur in Ausnahmefällen und in spezialisierten Zentren durchgeführt. Ihr Augenarzt wird Sie darüber informieren, falls dies für Sie infrage kommt.
Leben mit der Erkrankung
Mit Makuladegeneration können Sie trotz Einschränkungen ein erfülltes Leben führen. Helfen können Ihnen Hilfsmittel wie Lupen, Bildschirmlesegeräte, Sprechsoftware oder Apps, die Text vorlesen. Achten Sie auf gute Beleuchtung zu Hause. Vergrößern Sie Schrift auf Ihrem Smartphone oder Computer. Viele Alltagsaufgaben sind mit etwas Übung weiterhin möglich – zum Beispiel Kochen, Einkaufen oder Telefonieren.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig (Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen) – das fördert die Durchblutung der Augen.
- Ernähren Sie sich ausgewogen mit viel Obst, Gemüse und gesunden Fetten.
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkohol.
- Lassen Sie sich bei Bedarf von einer Sehschule (Ortoptik) oder einem Rehabilitationszentrum für Sehbehinderte beraten.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Grünzeug, Beeren und fettreichem Fisch kann das Fortschreiten verlangsamen. Achten Sie auf ausreichend Vitamin C, E, Zink und die Carotinoide Lutein und Zeaxanthin. Regelmäßige Bewegung – wie Walken, Gymnastik oder Schwimmen – hält die Blutgefäße gesund und senkt den Augendruck indirekt. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie mit neuen Sportarten beginnen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der Verlust der zentralen Sehkraft kann belastend sein. Viele Menschen fühlen sich unsicher, ängstlich oder traurig. Dies ist ganz normal. Wichtig ist, dass Sie Ihre Gefühle ernst nehmen und sich Unterstützung holen – sei es bei Angehörigen, in einer Selbsthilfegruppe oder bei einem Psychologen. Auch praktische Hilfen im Alltag können das Gefühl der Abhängigkeit verringern.
Vorbeugung
Eine Makuladegeneration lässt sich nicht sicher verhindern, aber Sie können Ihr Risiko deutlich senken. Die wichtigsten Maßnahmen sind: Nicht rauchen, gesunde Ernährung, UV-Schutz für die Augen und regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt. Wenn Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck haben, lassen Sie diese behandeln.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Makuladegeneration.
Früherkennungsprogramme
Ab dem 50. Lebensjahr wird eine augenärztliche Vorsorgeuntersuchung alle zwei Jahre empfohlen. Wenn bei Ihnen eine Makuladegeneration in der Familie vorkommt, sollten Sie früher und häufiger gehen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ohne Behandlung schreitet die Makuladegeneration fort, insbesondere die feuchte Form kann innerhalb von Wochen zu einem deutlichen Sehverlust führen.
- Die zentrale Sehkraft kann so stark abnehmen, dass Lesen, Gesichtererkennen oder Autofahren nicht mehr möglich sind.
Langzeitprognose
Auch wenn die Makuladegeneration nicht heilbar ist, können Sie mit der richtigen Behandlung und Anpassung oft lange ein selbstständiges Leben führen. Die Krankheit verläuft bei jedem anders. Bei der trockenen Form kann es Jahre dauern, bis sich das Sehen deutlich verschlechtert. Bei der feuchten Form hilft eine frühzeitige Behandlung, den Sehverlust zu bremsen. Viele Menschen lernen gut, mit den Einschränkungen umzugehen – sie nutzen Hilfsmittel und finden neue Wege, ihren Alltag zu meistern. Ihre Augenärzte und Reha-Experten stehen Ihnen dabei zur Seite.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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