Makuladegeneration und Schwangerschaft: Leben mit der Erkrankung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Makuladegeneration ist eine Augenkrankheit, bei der der schärfste Punkt des Sehens (die Makula) geschädigt wird. Das macht das Lesen, Erkennen von Gesichtern und andere Tätigkeiten, bei denen man genau hinsehen muss, schwierig. In der Schwangerschaft können hormonelle Veränderungen den Verlauf beeinflussen. Die meisten Frauen mit Makuladegeneration können jedoch eine gesunde Schwangerschaft haben, wenn sie gut ärztlich begleitet werden.
Wichtige Fakten
- Makuladegeneration kann in der Schwangerschaft stabil bleiben, aber bei manchen Frauen verschlechtern sich die Symptome.
- Ein erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft (Präeklampsie) kann das Risiko für Netzhautveränderungen erhöhen.
- Eine gute Kontrolle beim Augenarzt und Frauenarzt ist während der Schwangerschaft besonders wichtig.
Makuladegeneration tritt bei jungen Frauen im gebärfähigen Alter selten auf. Die häufigste Form ist die altersbedingte Makuladegeneration, die meist nach dem 50. Lebensjahr beginnt. In der Schwangerschaft wird sie daher nur bei wenigen Frauen festgestellt.
Betroffen sind vor allem Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft an einer Makuladegeneration litten – entweder durch Vererbung (z. B. Morbus Stargardt) oder durch andere Augenerkrankungen. Auch Schwangere mit Bluthochdruck oder Präeklampsie können vorübergehend ähnliche Sehstörungen entwickeln.
Symptome
- Plötzlicher Verlust des Sehvermögens auf einem oder beiden Augen
- Blitze oder Lichterscheinungen im Auge
- Ein plötzlich auftretender dichter Schleier oder Schatten im Gesichtsfeld
- ⚠Eine deutliche Verschlechterung der Sicht innerhalb weniger Tage
- ⚠Neue Verzerrungen oder Wellenbildung beim Betrachten von geraden Linien
- ⚠Starke Augenschmerzen oder Rötung, die nicht verschwindet
Häufige Symptome
- Verschwommenes oder verzerrtes Sehen in der Mitte des Blickfelds
- Ein dunkler Fleck oder Schatten im Zentrum des Sehens
- Schwierigkeiten beim Lesen oder Erkennen von Gesichtern
- Farben erscheinen blasser oder weniger lebendig
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern ist Makuladegeneration sehr selten. Wenn sie auftritt, zeigen sich oft ähnliche Symptome wie bei Erwachsenen: Das Kind sieht Dinge in der Mitte verschwommen oder verzerrt. Es kann Probleme beim Lesen oder beim Erkennen von Details haben.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen beginnt die altersbedingte Makuladegeneration meist schleichend. Häufig fällt zuerst das Lesen schwer, weil Buchstaben verschwimmen oder Zeilen wellig erscheinen. Im fortgeschrittenen Stadium entsteht ein zentraler dunkler Fleck.
Ursachen
Hauptursachen
- Altersbedingter Verschleiß der Netzhaut (bei der häufigsten Form)
- Genetische Veranlagung – bestimmte Formen werden vererbt
- Schäden durch freie Radikale und Entzündungen im Auge
Risikofaktoren
- Rauchen (erhöht das Risiko stark)
- Hoher Blutdruck oder Präeklampsie in der Schwangerschaft
- Ungesunde Ernährung mit wenig Antioxidantien
- Starke Kurzsichtigkeit oder hellhäutige Augenfarbe
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Sehveränderungen oder einem neu aufgetretenen Fleck im Gesichtsfeld
- Wenn Sie eine deutliche Verschlechterung Ihres Sehvermögens bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrolltermine beim Augenarzt alle 4–6 Monate während der Schwangerschaft
- Bei bekanntem Risiko (z. B. familiäre Vorbelastung) schon vor der Schwangerschaft abklären lassen
Diagnose
Der Augenarzt wird Ihr Auge mit einem speziellen Gerät (Spaltlampe) genau untersuchen. Er kann die Netzhaut und die Makula betrachten und feststellen, ob Veränderungen vorliegen.
Mögliche Untersuchungen
- Sehtest (Visusbestimmung) – Sie lesen Buchstaben oder erkennen Symbole
- Netzhautuntersuchung mit Augentropfen, die die Pupille weiten
- Optische Kohärenztomographie (OCT) – ein schmerzloser Scan der Netzhautschichten
- Amsler-Gitter-Test – Sie betrachten ein Gittermuster und prüfen auf Verzerrungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei. Nach der Augentropfen-Gabe kann das Sehen für einige Stunden verschwommen sein. Nehmen Sie sich Zeit für den Rückweg – fahren Sie nicht selbst, wenn die Pupillen geweitet sind.
Behandlung
Die Behandlung der Makuladegeneration hängt von der Art (trocken oder feucht) und dem Stadium ab. In der Schwangerschaft müssen alle Maßnahmen besonders sorgfältig mit dem Augenarzt und Frauenarzt abgestimmt werden, um das ungeborene Kind nicht zu gefährden.
Selbsthilfe zu Hause
- Ernähren Sie sich reich an grünem Blattgemüse, Beeren und Fisch – diese enthalten wichtige Nährstoffe wie Lutein und Omega-3-Fettsäuren
- Vermeiden Sie Rauchen und Passivrauchen
- Schützen Sie Ihre Augen vor grellem Sonnenlicht mit einer Sonnenbrille
- Ruhen Sie Ihre Augen regelmäßig, vor allem bei Bildschirmarbeit
Medizinische Behandlungen
Bei der feuchten Form werden Medikamente direkt ins Auge gespritzt, die das krankhafte Wachstum von Blutgefäßen bremsen. Diese Behandlung wird in der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt. Bei der trockenen Form gibt es bisher keine zugelassene medikamentöse Therapie, aber Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen und Antioxidantien können das Fortschreiten verlangsamen. Lassen Sie sich hierzu von Ihrem Arzt beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in sehr seltenen Fällen nötig, beispielsweise wenn sich unter der Netzhaut Flüssigkeit ansammelt. In der Schwangerschaft wird ein Eingriff nur bei dringender Notwendigkeit durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Seheinschränkung durch Makuladegeneration können Sie viele Aufgaben anders anpassen. Nutzen Sie eine gute Beleuchtung, vergrößerte Buchstaben auf dem Handy, und bitten Sie im Alltag um Hilfe beim Lesen von Dosierungsangaben oder beim Erkennen von Gesichtern.
Tipps für den Alltag
- Besprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt, ob Sie bestimmte Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel weiter einnehmen dürfen
- Vermeiden Sie starke körperliche Anstrengung und Heben schwerer Lasten ohne ärztliche Freigabe
- Planen Sie regelmäßige Ruhepausen ein, um die Augen zu entlasten
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und magerem Eiweiß ist gut für die Augengesundheit. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Schwangerschaftsyoga kann helfen, den Blutdruck zu senken und die Durchblutung zu fördern. Achten Sie aber auf Ihren allgemeinen Gesundheitszustand und fragen Sie Ihren Arzt, welche Aktivitäten geeignet sind.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Makuladegeneration in der Schwangerschaft kann Ängste auslösen – Sorgen um die eigene Sehkraft und um das Kind. Diese Gefühle sind normal. Sprechen Sie offen mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder einer Beratungsstelle. Wenn die Belastung groß wird, zögern Sie nicht, psychologische Unterstützung zu suchen. In akuten Krisen hilft die Telefonseelsorge unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.
Vorbeugung
Eine erbliche Makuladegeneration lässt sich nicht verhindern. Sie können aber das Risiko für eine Verschlechterung senken, indem Sie nicht rauchen, auf eine gesunde Ernährung achten und Ihre Augen vor UV-Strahlen schützen. In der Schwangerschaft ist eine gute Blutdruckkontrolle besonders wichtig.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige Augenuntersuchungen werden für alle Schwangeren mit Risikofaktoren (z. B. familiäre Vorbelastung oder Bluthochdruck) empfohlen. Besprechen Sie mit Ihrem Frauenarzt, ob eine Vorstellung beim Augenarzt sinnvoll ist.
Komplikationen
Unbehandelt
- Fortschreitender Verlust des zentralen Sehvermögens, was das Lesen und Autofahren unmöglich machen kann
- Erhöhtes Risiko für Netzhautablösung oder Blutungen im Auge bei der feuchten Form
- Stärkere Belastung der psychischen Gesundheit durch die Sehbehinderung
Langzeitprognose
Mit einer guten medizinischen Betreuung und regelmäßigen Kontrollen verläuft die Schwangerschaft bei den meisten Frauen mit Makuladegeneration problemlos. Die Sehkraft bleibt oft stabil oder verschlechtert sich nur langsam. Viele Frauen können ihr Kind trotz Einschränkungen gut versorgen, wenn sie Hilfsmittel nutzen und Unterstützung annehmen. Bleiben Sie zuversichtlich – Sie sind nicht allein.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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