Multiple Sklerose bei Jugendlichen: Leben mit der Krankheit
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Das Immunsystem greift fälschlicherweise die Schutzhülle der Nerven (Myelin) an, was zu Entzündungen und Narbenbildung führt. Dadurch werden die Signale zwischen Gehirn, Rückenmark und Körper gestört. Bei Jugendlichen verläuft MS oft schubförmig, das heißt, Symptome treten plötzlich auf und können sich teilweise zurückbilden.
Wichtige Fakten
- MS ist nicht ansteckend und nicht heilbar, aber gut behandelbar.
- Die Symptome sind von Person zu Person sehr unterschiedlich – kein Fall gleicht dem anderen.
- Mit der richtigen Behandlung und Unterstützung können Jugendliche mit MS ein normales Leben führen.
- Frühe Diagnose und Therapie verbessern die Langzeitprognose.
Bei Jugendlichen ist MS selten. Etwa 5% aller MS-Fälle werden vor dem 18. Lebensjahr diagnostiziert.
Mädchen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Jungen. Die Erkrankung beginnt meist im Alter zwischen 10 und 18 Jahren.
Symptome
- Plötzliche Sehverschlechterung oder Sehverlust auf einem Auge
- Akute Lähmungserscheinungen, z. B. ein Arm oder Bein kann nicht mehr bewegt werden
- Starke, neu auftretende Schmerzen im Auge oder Gesicht
- Probleme beim Atmen oder Schlucken
- Bewusstlosigkeit oder Krampfanfall
- ⚠Neue oder sich über Stunden bis Tage verschlechternde Symptome (wie Kribbeln oder Schwäche)
- ⚠Anhaltende Müdigkeit, die den Alltag unmöglich macht (Fatigue)
- ⚠Häufiges Stolpern oder unsicherer Gang
- ⚠Verlust der Blasenkontrolle (inkontinenz)
Häufige Symptome
- Müdigkeit (Fatigue), die den Alltag stark beeinträchtigen kann
- Sehstörungen, z. B. verschwommenes Sehen, Doppelbilder oder Augenschmerzen
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Armen, Beinen oder im Gesicht
- Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme
- Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen (oft einseitig)
- Blasen- und Darmstörungen, wie Harndrang oder Verstopfung
Symptome bei Kindern
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, die die schulische Leistung beeinträchtigen
- Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder depressive Verstimmungen
- Starke Müdigkeit nach dem Schultag (Fatigue)
- Wachstumsverzögerungen (eher selten)
- Schwierigkeiten, neue Informationen zu lernen oder sich zu organisieren
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Diese Altersgruppe ist für diesen Artikel nicht relevant.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache der MS ist nicht vollständig geklärt.
- Man geht von einer Fehlreaktion des Immunsystems aus, das körpereigenes Myelin angreift.
- Eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren scheint eine Rolle zu spielen.
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung (z. B. nahe Verwandte mit MS)
- Eine frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber)
- Niedriger Vitamin-D-Spiegel im Blut
- Rauchen (auch Passivrauchen) in der Jugend
- Bestimmte Genvarianten, die die Immunabwehr beeinflussen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei neuen Sehstörungen, Lähmungszeichen oder Taubheitsgefühl in Armen oder Beinen
- Bei plötzlichen Gleichgewichtsstörungen oder Gehschwierigkeiten
- Bei Verlust der Blasen- oder Darmkontrolle
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltender Müdigkeit, Konzentrationsproblemen oder Stimmungsschwankungen, die den Alltag beeinträchtigen
- Wenn Sie oder Ihre Familie einen Verdacht auf MS haben
- Bei wiederkehrenden Symptomen, die mehrere Tage anhalten
Diagnose
Die Diagnose wird von einem Neurologen gestellt, der auf Erkrankungen des Nervensystems spezialisiert ist. Es gibt keinen einzelnen Test – der Arzt kombiniert verschiedene Untersuchungen.
Mögliche Untersuchungen
- Kernspintomographie (MRT) des Gehirns und Rückenmarks: Zeigt Entzündungsherde und Narben (Läsionen)
- Lumbalpunktion: Entnahme von Nervenwasser aus dem Rückenmarkskanal – dabei werden bestimmte Eiweiße (oligoklonale Banden) nachgewiesen
- Evozierte Potenziale: Messung der Geschwindigkeit, mit der Nerven Signale weiterleiten (z. B. Sehbahn, Hörbahn)
- Blutuntersuchungen: Um andere Erkrankungen auszuschließen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose kann mehrere Wochen dauern, da die Symptome auch andere Ursachen haben können. Ihr Arzt wird jeden Schritt erklären und mit Ihnen und Ihren Eltern besprechen. Bei Jugendlichen ist die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten MS-Zentrum wichtig.
Behandlung
Die Behandlung von MS bei Jugendlichen zielt darauf ab, Entzündungen zu stoppen, Schübe zu verhindern und die Lebensqualität zu erhalten. Sie besteht aus einer Kombination von medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen, die individuell auf den Jugendlichen abgestimmt sind.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausreichend Schlaf und geregelter Tagesablauf, um Müdigkeit zu managen
- Stress abbauen durch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder progressive Muskelentspannung
- Überhitzung vermeiden (z. B. heiße Bäder, starke Sonne) – manche Jugendliche nutzen Kühlwesten
- Soziale Kontakte pflegen und Hobbys anpassen, aber nicht aufgeben
- Offen mit Freunden, Lehrern und Familie über die Erkrankung sprechen
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen und die Entzündungsaktivität verringern (sogenannte immunmodulierende Therapien). Bei akuten Schüben werden meist kortisonhaltige Präparate eingesetzt. Physiotherapie, Ergotherapie und psychologische Begleitung sind fester Bestandteil der Behandlung. Spezifische Medikamentennamen und Dosierungen wird der behandelnde Neurologe mit Ihnen besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei MS in der Regel nicht notwendig. In sehr seltenen Fällen, wenn Komplikationen wie ein Abszess oder ein Tumor ausgeschlossen werden müssen, kann ein chirurgischer Eingriff erfolgen – das ist aber die Ausnahme.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit MS erfordert manchmal Anpassungen. Planen Sie Pausen ein, sowohl in der Schule als auch zu Hause. Ein fester Schlafrhythmus und eine gute Zeiteinteilung helfen, die Energie den ganzen Tag über zu verteilen. Scheuen Sie sich nicht, bei Lehrern oder Mitschülern um Verständnis zu bitten – erklären Sie, was MS ist und wie sie sich bei Ihnen äußert.
Tipps für den Alltag
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber überfordern Sie sich nicht – Sportarten wie Schwimmen, Radfahren oder Tanzen sind ideal
- Vermeiden Sie Stresssituationen, die einen Schub auslösen können (z. B. Prüfungsstress, Überlastung)
- Behalten Sie Ihre Hobbys bei, auch wenn Sie sie manchmal anpassen müssen. Kreative Aktivitäten wie Malen, Musik oder Handwerk können helfen, den Kopf frei zu bekommen
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (Omega-3-Fettsäuren aus Fisch oder Leinöl) unterstützt den Körper. Bewegung ist wichtig – sie stärkt die Muskulatur, verbessert die Koordination und hebt die Stimmung. Moderates Training an der frischen Luft ist besonders empfehlenswert.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose MS kann Ängste, Traurigkeit oder Zukunftsängste auslösen. Jugendliche fühlen sich manchmal anders oder isoliert. Es ist völlig in Ordnung, solche Gefühle zu haben. Sprechen Sie mit Ihren Eltern, einem Schulpsychologen oder einem Therapeuten darüber. Die psychosoziale Unterstützung hilft, mit der Erkrankung umzugehen und ein positives Selbstbild zu bewahren.
Vorbeugung
Eine sichere Vorbeugung gegen MS gibt es nicht. Ein gesunder Lebensstil – ausreichend Vitamin D, nicht rauchen, regelmäßige Bewegung – kann das Risiko möglicherweise senken, ist aber keine Garantie.
Impfungen
Alle empfohlenen Impfungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) sind in der Regel auch für Jugendliche mit MS sicher. Besprechen Sie Impfungen jedoch immer mit Ihrem Neurologen, vor allem wenn eine MS-Therapie läuft.
Früherkennungsprogramme
Es gibt keine routinemäßige Früherkennung für Multiple Sklerose.
Komplikationen
Unbehandelt
- Häufigere und schwerere Schübe, die bleibende Schäden verursachen können
- Zunehmende körperliche und kognitive Einschränkungen (z. B. Mobilitätsverlust, Konzentrationsstörungen)
- Höheres Risiko für Depressionen und Angststörungen
- Vermehrte Fatigue, die die Lebensqualität stark einschränkt
Langzeitprognose
Dank moderner Behandlungsmöglichkeiten können Jugendliche mit MS heute ein sehr erfülltes Leben führen. Viele erreichen einen stabilen Krankheitsverlauf und können ihre beruflichen und privaten Ziele verwirklichen. Die Forschung macht ständig Fortschritte – es gibt Grund zur Zuversicht. Wichtig ist, die Therapie konsequent durchzuhalten und sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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