Neutropenie: So schützen Sie sich vor Infektionen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Neutropenie bedeutet, dass die Zahl der sogenannten Neutrophilen im Blut zu niedrig ist. Neutrophile sind weiße Blutkörperchen, die helfen, Bakterien und andere Krankheitserreger zu bekämpfen. Bei einer Neutropenie ist die Abwehrkraft des Körpers geschwächt. Mit Vorsichtsmaßnahmen lassen sich viele Infektionen verhindern.
Wichtige Fakten
- Neutropenie kann viele Ursachen haben, zum Beispiel eine Krebstherapie.
- Die wichtigste Vorbeugung ist eine gute Hygiene, zum Beispiel gründliches Händewaschen.
- Bei Fieber oder Krankheitszeichen sollte man sofort ärztlichen Rat holen.
Neutropenie kommt nicht selten vor. Sie tritt besonders häufig bei Menschen auf, die eine Chemotherapie erhalten. Aber auch bei anderen Erkrankungen ist sie möglich.
Besonders betroffen sind Menschen mit Krebserkrankungen, die eine Chemotherapie oder Strahlentherapie erhalten. Auch Personen mit bestimmten Bluterkrankungen, Autoimmunerkrankungen oder schweren Virusinfektionen können eine Neutropenie entwickeln. Neugeborene und ältere Menschen sind ebenfalls anfälliger.
Symptome
- Fieber über 38,5 °C bei bekannter Neutropenie – rufen Sie sofort die 112.
- Schüttelfrost, schnelle Atmung oder Atemnot.
- Plötzliche Verwirrtheit oder Bewusstseinstrübung.
- ⚠Fieber über 38 °C oder leichtes Fieber mit Krankheitsgefühl – bitte noch am selben Tag ärztlich abklären lassen.
- ⚠Neue Zeichen einer Infektion wie schmerzhaftes Schlucken, Husten, Durchfall oder Hautröte.
- ⚠Bereits behandelte Wunden, die sich entzünden.
Häufige Symptome
- Eine leichte Neutropenie verursacht oft keine Beschwerden.
- Bei einer Infektion können Fieber, Halsschmerzen, Husten oder Durchfall auftreten.
- Auch Entzündungen im Mund oder an der Haut sind möglich.
Symptome bei Kindern
- Fieber ist das häufigste Zeichen.
- Kinder können ungewöhnlich müde oder reizbar sein.
- Sie trinken weniger oder verweigern die Mahlzeiten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen kann Fieber schwächer ausfallen oder fehlen.
- Hinweis können Verwirrtheit, Schwäche oder ein schneller Puls sein.
- Häufig sind Atemwegsinfektionen oder Harnwegsinfektionen.
Ursachen
Hauptursachen
- Chemotherapie und Strahlentherapie bei Krebs.
- Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, zum Beispiel nach einer Organtransplantation.
- Erkrankungen des Knochenmarks, zum Beispiel Leukämie.
- Schwere Virusinfektionen wie HIV.
- Autoimmunerkrankungen, bei denen der Körper die eigenen Abwehrzellen angreift.
- Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure.
Risikofaktoren
- Aktuelle oder kürzlich erfolgte Krebstherapie.
- Einnahme von Medikamenten, die die Abwehr schwächen.
- Hohes oder sehr junges Alter.
- Mangelernährung.
- Chronische Nieren- oder Lebererkrankungen.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Fieber über 38 °C oder Schüttelfrost – sofort ärztlich abklären lassen.
- Zeichen einer schweren Infektion, zum Beispiel Atemnot, starke Schmerzen oder Verwirrtheit.
- Halsschmerzen oder Schluckbeschwerden mit Fieber.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine ärztliche Blutbildkontrolle geplant haben, halten Sie diesen Termin ein.
- Sprechen Sie bei einem Besuch auch über Ihre aktuellen Beschwerden.
Diagnose
Der Arzt stellt die Neutropenie mit einer Blutuntersuchung fest. Dabei wird die Anzahl der weißen Blutkörperchen, insbesondere der Neutrophilen, bestimmt. Liegt der Wert unter einem bestimmten Grenzwert, spricht man von Neutropenie.
Mögliche Untersuchungen
- Kleines Blutbild zur Bestimmung der weißen Blutkörperchen.
- Differenzialblutbild, um die genaue Art der Abwehrzellen zu sehen.
- Blutuntersuchungen auf Infektionen oder Autoantikörper.
- Bei unklarer Ursache: Knochenmarkpunktion.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutentnahme dauert nur wenige Minuten. Ihr Arzt bespricht die Ergebnisse mit Ihnen und ordnet sie im Zusammenhang mit Ihren Beschwerden ein. Falls weitere Tests nötig sind, erklärt er oder sie den Ablauf.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache der Neutropenie ab. Im Vordergrund steht immer die Vorbeugung von Infektionen. Bei einer schweren Neutropenie kann eine Behandlung im Krankenhaus nötig sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Händewaschen mit Seife für mindestens 20 Sekunden, vor allem vor dem Essen und nach dem Toilettengang.
- Verwenden Sie ein eigenes Handtuch und wechseln Sie es häufig.
- Meiden Sie Menschenansammlungen, erkrankte Personen und Kinder mit ansteckenden Krankheiten.
- Tragen Sie bei Bedarf einen Mund-Nasen-Schutz, zum Beispiel in Wartezimmern.
- Benutzen Sie eine weiche Zahnbürste und pflegen Sie Ihren Mund, um Entzündungen zu vermeiden.
- Essen Sie nur gut gewaschenes Obst und Gemüse; garen Sie Fleisch, Fisch und Eier vollständig.
- Verzichten Sie auf rohe Sprossen und nicht pasteurisierte Milchprodukte.
- Vermeiden Sie Verletzungen: Nutzen Sie beim Gärtnern Handschuhe und seien Sie vorsichtig mit Messern.
Medizinische Behandlungen
Je nach Ursache können Medikamente eingesetzt werden, die die Bildung weißer Blutkörperchen im Knochenmark anregen. Bei Infektionen werden meist Antibiotika eingesetzt. Auch die Behandlung der Grunderkrankung kann die Neutropenie bessern. Welche Therapie im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Ärztin – bitten Sie um verständliche Erklärungen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Operationen sind bei Neutropenie mit erhöhten Infektionsrisiken verbunden. Wird ein Eingriff geplant, sollte die Neutropenie vorher mit dem behandelnden Ärzteteam besprochen werden. In manchen Fällen wird der Eingriff verschoben.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie täglich auf Ihre Körpersignale: Messen Sie bei Bedarf Ihre Temperatur. Ein Fieberthermometer gehört zu Ihrer Grundausstattung. Planen Sie Ihren Alltag so, dass Sie genügend Erholungszeit haben. Informieren Sie Ihr Umfeld, wie wichtig es ist, dass niemand mit einer Erkältung zu Besuch kommt.
Tipps für den Alltag
- Schlafen Sie ausreichend und vermeiden Sie Stress.
- Halten Sie Kontakt zu Angehörigen, auch wenn Abstand nötig ist – telefonieren Sie oder nutzen Sie Videoanrufe.
- Rauchen Sie nicht, da Rauchen die Abwehrkräfte schwächt.
- Pflegen Sie Ihre Haut: Cremen Sie trockene Stellen ein, damit keine kleinen Risse entstehen.
Ernährung und Bewegung
Leichte Bewegung an der frischen Luft kann guttun, solange Sie sich wohlfühlen und Ihr Blutbild es zulässt. Gehen Sie zum Beispiel spazieren, wenn Sie sich kräftig genug fühlen. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung: Waschen Sie Obst und Gemüse gründlich, kochen Sie Fleisch und Eier vollständig durch. Bei Appetitlosigkeit oder Gewichtsverlust sprechen Sie mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor Infektionen und der eingeschränkte Kontakt zu anderen können belasten. Es ist normal, sich unsicher oder ängstlich zu fühlen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt oder mit vertrauten Personen. Auch ein psychologisches Gespräch kann helfen. Wenn Sie das Gefühl haben, es wird alles zu viel, suchen Sie sich Unterstützung – in einer akuten Krise sind Sie unter der Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) kostenlos erreichbar.
Vorbeugung
Eine Neutropenie selbst kann man nicht immer verhindern, da sie oft eine Folge einer notwendigen Therapie ist. Aber Sie können das Risiko von Infektionen deutlich senken, wenn Sie die Vorsichtsmaßnahmen regelmäßig befolgen.
Impfungen
Lassen Sie sich gegen Influenzaviren und Pneumokokken impfen, wenn Ihr behandelnder Arzt oder Ihre Ärztin das empfiehlt. Wichtig: Lebendimpfstoffe (zum Beispiel Masern-Mumps-Röteln) sind bei Neutropenie häufig nicht erlaubt. Besprechen Sie jede Impfung vorher mit Ihrem medizinischen Team.
Früherkennungsprogramme
Bei einer bekannten Neutropenie werden regelmäßige Blutbildkontrollen empfohlen, um den Verlauf zu beobachten. Ihr Arzt legt die Abstände fest.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schwere Infektionen, die sich im ganzen Körper ausbreiten (Sepsis).
- Lungenentzündung.
- Abszesse oder Geschwüre im Mund- und Rachenraum.
- Im schlimmsten Fall lebensbedrohliche Zustände – deshalb sind Vorsicht und schnelles Handeln wichtig.
Langzeitprognose
Mit einer guten Vorbeugung und einer frühzeitigen Behandlung lassen sich die meisten Infektionen gut beherrschen. Eine Neutropenie bessert sich oft, wenn die auslösende Ursache behandelt wird, zum Beispiel nach Abschluss einer Chemotherapie. Ihr medizinisches Team begleitet Sie – Sie sind nicht allein.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.