Oligomenorrhoea
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Oligomenorrhoe bedeutet, dass die Menstruation (die monatliche Blutung) seltener als normal auftritt. Normalerweise kommt die Periode alle 21 bis 35 Tage. Bei Oligomenorrhoe sind die Abstände länger als 35 Tage, die Blutung bleibt aber nicht ganz aus. Es handelt sich um ein häufiges Symptom, das auf ein hormonelles Ungleichgewicht hinweisen kann. Die Behandlung richtet sich nach der Ursache.
Wichtige Fakten
- Ein normaler Zyklus dauert 21 bis 35 Tage.
- Bei Oligomenorrhoe beträgt der Abstand zwischen zwei Blutungen mehr als 35 Tage, aber weniger als 6 Monate.
- Oligomenorrhoe kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen, ist aber oft gut behandelbar.
- Häufige Ursachen sind Hormonstörungen wie das PCO-Syndrom.
Ja, Oligomenorrhoe kommt häufig vor. Schätzungsweise 5 bis 10 % aller Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen. Besonders häufig tritt es bei jungen Frauen nach der ersten Periode und bei Frauen in den Wechseljahren auf.
Oligomenorrhoe betrifft Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter. Es kann jede Frau treffen, unabhängig von Alter oder Lebensstil. Besonders gefährdet sind Frauen mit hormonellen Erkrankungen wie dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS), starkem Über- oder Untergewicht, Essstörungen oder viel körperlichem oder seelischem Stress.
Symptome
- Plötzliche, starke Unterleibsschmerzen, die nicht nachlassen
- Starke, unkontrollierbare Blutungen (Wechseln von mehr als einer Binde oder einem Tampon pro Stunde)
- Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft: starke Schmerzen auf einer Seite, Schwindel, Blutdruckabfall
- Fieber mit Unterleibsschmerzen
- ⚠Anhaltende, mäßig starke Schmerzen im Unterleib
- ⚠Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall zusammen mit Unterleibsschmerzen
- ⚠Ungewöhnlicher, übelriechender Ausfluss aus der Scheide
- ⚠Wenn Sie vermuten, schwanger zu sein, und eine Schmierblutung oder Schmerzen haben – dann noch am selben Tag ärztlich abklären lassen
Häufige Symptome
- Deutlich seltener als alle 35 Tage auftretende Periode
- Unregelmäßige Blutungen (mal alle 5, mal alle 8 Wochen)
- Sehr leichte oder sehr schwache Blutungen
- Manchmal Schmierblutungen zwischen den Perioden
- Bei manchen Frauen zusätzliche Beschwerden wie Akne, vermehrte Körperbehaarung oder Gewichtszunahme (besonders bei PCOS)
Symptome bei Kindern
- Bei Mädchen in den ersten 2–3 Jahren nach der ersten Periode sind unregelmäßige Zyklen häufig und meist kein Grund zur Sorge.
- Wenn die Periode länger als 3 Monate ausbleibt, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden.
- Achten Sie auf Begleitsymptome wie starke Schmerzen, übermäßige Müdigkeit oder Gewichtsveränderungen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- In den Wechseljahren (Perimenopause) werden die Zyklen oft unregelmäßig und seltener. Das ist normal.
- Wenn die Periode länger als 6 Monate ausbleibt, spricht man von einer Menopause.
- Auch in dieser Lebensphase kann eine Hormonstörung hinter ungewöhnlich seltenen Blutungen stecken, daher ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.
Ursachen
Hauptursachen
- Hormonelle Störungen, vor allem das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) – die Eierstöcke produzieren zu viel männliches Hormon
- Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) – die Schilddrüse arbeitet zu langsam
- Erhöhtes Prolaktin (Hyperprolaktinämie) – ein Hormon, das die Milchproduktion anregt
- Chronischer Stress – beeinflusst die Hormonausschüttung im Gehirn
- Starkes Über- oder Untergewicht – Fettgewebe produziert Östrogen, zu wenig oder zu viel stört den Zyklus
- Zu intensiver Sport – besonders bei Leistungssportlerinnen kann die Periode ausbleiben oder seltener werden
- Bestimmte Medikamente (wie manche Psychopharmaka oder Blutdrucksenker) – bitte mit Ihrem Arzt oder Apotheker besprechen
- Erkrankungen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) oder des Hypothalamus im Gehirn
Risikofaktoren
- Alter unter 20 oder über 40
- Übergewicht (Adipositas) oder Untergewicht (BMI unter 18,5)
- Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie
- Leistungssport, vor allem Ausdauersport
- Starker psychischer Druck (z.B. Prüfungsstress, Trennung, Trauer)
- Familiäre Vorbelastung: wenn die Mutter oder Schwester PCOS oder ähnliche Hormonstörungen haben
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Unterleibsschmerzen haben – rufen Sie den Notruf 112.
- Wenn Sie vermuten, schwanger zu sein, und gleichzeitig Schmerzen oder eine Schmierblutung haben – suchen Sie sofort eine ärztliche Praxis oder die Notaufnahme auf.
- Bei Fieber und Unterleibsschmerzen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihre Periode länger als 3 Monate ausbleibt und Sie nicht schwanger sind.
- Wenn der Abstand zwischen Ihren Perioden dauerhaft mehr als 35 Tage beträgt.
- Wenn Sie zusätzlich unter starkem Haarwuchs, Akne oder einer schnellen Gewichtszunahme leiden.
- Wenn Sie sich Sorgen machen oder Ihre Fruchtbarkeit planen möchten.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese). Dabei werden Fragen zu Ihrem Zyklus, Ihren Lebensgewohnheiten, möglichen Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte gestellt. Anschließend erfolgt eine körperliche und oft auch eine gynäkologische Untersuchung. Um die Ursache zu finden, können weitere Tests nötig sein.
Mögliche Untersuchungen
- Gespräch (Anamnese) über Ihre Perioden, Beschwerden und Lebensstil
- Gynäkologische Untersuchung (Abtasten der Gebärmutter und Eierstöcke)
- Ultraschalluntersuchung der Eierstöcke und der Gebärmutter (meist vaginaler Ultraschall)
- Blutuntersuchung auf Hormone: z.B. follikelstimulierendes Hormon (FSH), luteinisierendes Hormon (LH), Östradiol, Prolaktin, Testosteron
- Schilddrüsenwerte (TSH, fT3, fT4)
- Bei Bedarf ein Schwangerschaftstest
- Selten: Kernspintomographie (MRT) des Gehirns, um die Hirnanhangdrüse zu beurteilen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist einfach und schmerzfrei. Der Ultraschall kann etwas unangenehm sein, aber er ist schnell erledigt. Die Blutentnahme ist wie üblich. Sie müssen für manche Hormontests nüchtern kommen oder zu einem bestimmten Zykluszeitpunkt – das wird Ihnen vorher gesagt. Die Ergebnisse liegen oft nach einigen Tagen vor. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird die Befunde mit Ihnen besprechen und einen Behandlungsplan vorschlagen.
Behandlung
Die Behandlung der Oligomenorrhoe hängt von der Ursache ab. Oft kann schon eine Änderung des Lebensstils helfen. Wenn eine Erkrankung dahintersteckt, wird diese behandelt. Ziel ist es, den Zyklus wieder zu normalisieren und Beschwerden zu lindern. Bei Kinderwunsch kann die Behandlung darauf abzielen, den Eisprung zu fördern.
Selbsthilfe zu Hause
- Gesundes Körpergewicht anstreben: weder Übergewicht noch Untergewicht
- Regelmäßige Bewegung, aber nicht übertreiben – moderater Ausdauersport wie Walking oder Schwimmen ist gut
- Stress reduzieren: Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen
- Ausreichend Schlaf: mindestens 7–8 Stunden pro Nacht
- Ernährung: vollwertige Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten; wenig Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel
- Auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum verzichten
Medizinische Behandlungen
Wenn eine Hormonstörung vorliegt, kann eine Hormontherapie in Betracht kommen. Dazu gehören zum Beispiel die Antibabypille oder andere Hormonpräparate, die den Zyklus regulieren. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion werden Schilddrüsenhormone eingenommen. Bei erhöhtem Prolaktin können Medikamente eingesetzt werden, die den Prolaktinspiegel senken. Bei PCOS kann ein Medikament helfen, das die Insulinsensitivität verbessert (z.B. Metformin). Auch eine Behandlung mit Gestagenen (Gelbkörperhormon) zur Auslösung der Blutung ist möglich. Alle Medikamente werden individuell und nach ärztlicher Verordnung eingesetzt – besprechen Sie die Optionen mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist selten nötig. Sie kommt infrage, wenn eine gutartige Geschwulst der Hirnanhangdrüse (Prolaktinom) die Ursache ist und Medikamente nicht wirken. In manchen Fällen kann auch bei einem PCO-Syndrom eine Eierstockbohrung (Ovarian Drilling) erwogen werden, wenn ein Kinderwunsch besteht und andere Behandlungen nicht helfen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird diese Option nur nach gründlicher Abklärung vorschlagen.
Leben mit der Erkrankung
Führen Sie einen Menstruationskalender oder nutzen Sie eine App, um Ihre Zyklen zu verfolgen. So erkennen Sie Unregelmäßigkeiten frühzeitig und können sie Ihrem Arzt mitteilen. Bei seltenen Perioden ist es wichtig, auf Ihren Körper zu hören und Warnsignale ernst zu nehmen. Planen Sie bei Bedarf längere Pausen zwischen Blutungen ein, aber seien Sie nicht beunruhigt, wenn die Periode mal ausbleibt – solange Sie ärztlich betreut werden, ist das in Ordnung.
Tipps für den Alltag
- Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eisen (z.B. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse)
- Regelmäßiger, moderater Sport (3-4 Mal pro Woche 30–45 Minuten)
- Stressbewältigung: Tagebuch führen, mit Freunden sprechen oder Entspannungsübungen machen
- Ausreichend Schlaf und Erholungsphasen einplanen
- Vermeiden Sie extreme Diäten und exzessiven Sport
Ernährung und Bewegung
Eine vollwertige, pflanzliche Ernährung mit guten Fetten (z.B. Nüsse, Avocado, Olivenöl) und komplexen Kohlenhydraten (Vollkorn, Quinoa, Hafer) kann den Hormonhaushalt stabilisieren. Achten Sie auf eine ausreichende Eiweißzufuhr. Bewegung hilft, das Körpergewicht zu regulieren und Stress abzubauen. Besonders empfehlenswert sind moderate Ausdaueraktivitäten wie Radfahren, Schwimmen oder zügiges Gehen. Vermeiden Sie extremes Ausdauertraining (z.B. Marathonvorbereitung ohne ärztliche Begleitung) und übermäßiges Krafttraining.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine seltene Periode kann verunsichern und Sorgen über die Fruchtbarkeit oder das allgemeine Wohlbefinden auslösen. Viele Frauen fühlen sich „anders“ oder machen sich Vorwürfe. Es ist wichtig zu wissen: Oligomenorrhoe ist behandelbar, und die meisten Ursachen lassen sich gut in den Griff bekommen. Sollten Sie unter Ängsten oder Niedergeschlagenheit leiden, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einer psychologischen Beratungsstelle. Sie sind nicht allein.
Vorbeugung
Nicht jede Oligomenorrhoe lässt sich verhindern, besonders wenn eine angeborene Hormonstörung wie PCOS vorliegt. Aber ein gesunder Lebensstil kann das Risiko deutlich senken: Halten Sie Ihr Körpergewicht im Normalbereich, essen Sie ausgewogen, bewegen Sie sich regelmäßig und vermeiden Sie extremes Über- oder Untertraining. Auch Stressabbau und ausreichend Schlaf sind wichtig. Wenn Sie zu Zyklusstörungen neigen, können regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Veränderungen früh zu erkennen.
Impfungen
Es gibt keinen Impfstoff gegen Oligomenorrhoe.
Früherkennungsprogramme
Ein spezielles Screening gibt es nicht. Regelmäßige gynäkologische Kontrollen (mindestens einmal jährlich) sind empfehlenswert, um Veränderungen früh zu erkennen. Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören (z.B. PCOS in der Familie, Übergewicht, Essstörungen), sollten Sie Ihren Zyklus besonders aufmerksam beobachten und bei Unregelmäßigkeiten rechtzeitig einen Arzt aufsuchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die größte Komplikation ist eine eingeschränkte Fruchtbarkeit: Wenn der Eisprung selten oder gar nicht stattfindet, kann eine Schwangerschaft ausbleiben.
- Langfristig kann ein Östrogenmangel (bei sehr seltenen Blutungen) das Risiko für Osteoporose (Knochenschwund) erhöhen.
- Bei unregelmäßigem Zyklus kann die Gebärmutterschleimhaut zu stark wachsen (Endometriumhyperplasie), was das Risiko für Gebärmutterkrebs leicht erhöht.
- Unbehandelte Grunderkrankungen wie PCOS können zu Diabetes Typ 2, Fettstoffwechselstörungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen.
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen sehr gut. Mit der richtigen Behandlung – sei es durch Lebensstiländerung oder Medikamente – normalisiert sich der Zyklus bei vielen Frauen wieder. Auch der Kinderwunsch kann oft erfüllt werden. Wichtig ist, dass Sie sich frühzeitig in ärztliche Behandlung begeben, um Komplikationen zu vermeiden. Oligomenorrhoe ist keine lebensbedrohliche Erkrankung, sondern ein behandelbares Symptom. Mit guter Betreuung können Sie ein gesundes und erfülltes Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026
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