Otitis media in infants
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine Entzündung im Mittelohr – dem Bereich hinter dem Trommelfell. Bei Säuglingen und Kleinkindern kommt sie häufig vor, weil ihre Ohrtrompeten (die Verbindung zwischen Ohr und Rachen) noch kurz und eng sind.
Wichtige Fakten
- Die meisten Mittelohrentzündungen werden durch Viren verursacht, seltener durch Bakterien.
- Säuglinge können oft nicht zeigen, wo der Schmerz sitzt – sie sind dann ungewöhnlich reizbar oder weinen viel.
- Oft heilt eine Mittelohrentzündung von selbst aus, manchmal ist eine Behandlung mit Antibiotika nötig.
- Die Erkrankung ist in den ersten drei Lebensjahren am häufigsten, vor allem zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat.
Ja, fast jedes Kind hat bis zum dritten Geburtstag mindestens eine Mittelohrentzündung. Sie ist eine der häufigsten Infektionen im Säuglingsalter.
Besonders betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder – vor allem diejenigen, die in die Krippe oder Kita gehen, Fläschchen bekommen oder Passivrauch ausgesetzt sind.
Symptome
- Das Kind ist sehr teilnahmslos oder schwer aufzuwecken.
- Es hat Krampfanfälle (Fieberkrämpfe).
- Das Kind hat extreme Atemprobleme oder eine bläuliche Hautfarbe.
- ⚠Starke Schmerzen, die nicht nachlassen.
- ⚠Das Kind trinkt nur sehr wenig oder gar nicht (Dehydrierungsgefahr).
- ⚠Es tritt Eiter oder Flüssigkeit aus dem Ohr aus.
- ⚠Das Fieber steigt über 39,5 °C und senkt sich nicht mit fiebersenkenden Maßnahmen.
Häufige Symptome
- Ohrenschmerzen (erkennbar an vermehrtem Weinen, Greifen ans Ohr)
- Fieber (oft über 38,5 °C)
- Unruhe oder Schlafstörungen
- Quengeln und vermehrtes Weinen
Symptome bei Kindern
- Ältere Kinder können oft direkt sagen, dass das Ohr weh tut.
- Hörverschlechterung, weil Flüssigkeit im Ohr ist.
- Manchmal Übelkeit und Erbrechen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Mittelohrentzündungen sind bei Erwachsenen selten. Wenn sie auftreten, sind die Symptome ähnlich: Ohrenschmerzen, Druckgefühl, Hörminderung, Fieber.
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Infektion der oberen Atemwege (z. B. Schnupfen oder Erkältung) breitet sich über die Ohrtrompete ins Mittelohr aus.
- Viren (z. B. RS-Virus, Grippe- oder Erkältungsviren) oder Bakterien (z. B. Pneumokokken) lösen die Entzündung aus.
- Eine Verstopfung der Ohrtrompete durch Schleim oder Schwellung führt dazu, dass Sekret nicht abfließen kann und sich Bakterien vermehren.
Risikofaktoren
- Alter unter 2 Jahren – die Ohrtrompeten sind noch kurz und liegen flacher.
- Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung (Kita, Krippe) – viele Infektionen im Umlauf.
- Passivrauchen oder Luftverschmutzung in der Wohnung.
- Flaschenernährung im Liegen (Milch kann in die Ohrtrompete fließen).
- Geschwister mit Mittelohrentzündungen in der Familie.
- Immunschwäche oder anatomische Besonderheiten (z. B. Gaumenspalte).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 39 °C bei einem Säugling unter 3 Monaten.
- Das Kind zeigt Anzeichen von starker Dehydrierung (trockene Windel über 6 Stunden, eingefallene Fontanelle).
- Es tritt Eiter oder Blut aus dem Ohr aus.
- Das Kind hat starke Schmerzen und ist untröstlich.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei leichten Ohrenschmerzen ohne hohes Fieber können Sie 1–2 Tage abwarten und beobachten, ob es von selbst besser wird.
- Wenn die Symptome länger als 2 Tage anhalten oder sich verschlimmern, suchen Sie bitte einen Kinderarzt auf.
Diagnose
Der Kinderarzt schaut mit einem speziellen Instrument (Otoskop) ins Ohr. So kann er das Trommelfell beurteilen: Ist es gerötet, vorgewölbt oder trübe? Das ist ein Zeichen für eine Entzündung.
Mögliche Untersuchungen
- Otoskopie – der Blick ins Ohr mit einem beleuchteten Trichter.
- Tympanometrie – ein kurzer Test, der misst, ob sich das Trommelfell bewegt und ob Flüssigkeit dahinter ist.
- Manchmal wird ein Abstrich aus dem Ohr gemacht (bei Eiter oder anhaltenden Beschwerden).
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist kurz und tut normalerweise nicht weh – das Kind muss nur ruhig gehalten werden. Der Arzt erklärt Ihnen die Befunde und bespricht mit Ihnen die weiteren Schritte.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob die Entzündung durch Viren oder Bakterien verursacht wird, wie schwer die Symptome sind und wie alt das Kind ist. Oft reicht Abwarten und Lindern der Beschwerden aus.
Selbsthilfe zu Hause
- Wärme anwenden: eine warme (nicht heiße!) Kompresse oder ein Kirschkernkissen auf das schmerzende Ohr legen – das lindert oft die Schmerzen.
- Viel trinken lassen: Muttermilch oder Fläschchen, damit der Sekretabfluss gefördert wird.
- Bei Fieber oder Schmerzen: fiebersenkende oder schmerzlindernde Mittel in Absprache mit dem Arzt (bitte keine eigenen Dosierungen).
- Das Kind aufrecht halten beim Stillen oder Füttern, nicht im Liegen.
- Bettruhe ist nicht nötig – lassen Sie das Kind spielen, wenn es mag.
Medizinische Behandlungen
Wenn der Arzt eine bakterielle Infektion vermutet, kann er ein Antibiotikum verschreiben. Die Entscheidung wird nach Leitlinien der AWMF getroffen (z. B. sofort bei Säuglingen unter 6 Monaten, bei starkem Fieber oder beidseitiger Entzündung). Antibiotika werden meist für 5 bis 10 Tage eingenommen. Bei viralen Infektionen helfen Antibiotika nicht.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen, wenn eine Mittelohrentzündung immer wiederkehrt oder der Erguss (Flüssigkeit) länger als 3 Monate anhält und das Hören beeinträchtigt, kann der Arzt einen kleinen Schnitt ins Trommelfell (Parazentese) oder ein Belüftungsröhrchen (Paukendrainage) empfehlen. Das wird unter kurzer Narkose gemacht.
Leben mit der Erkrankung
Während der akuten Phase ist Ihr Kind vielleicht quengelig und hat Appetitlosigkeit. Geben Sie ihm viel Zuwendung, kuscheln Sie und versuchen Sie, es zum Trinken zu animieren. Meist klingen die Beschwerden nach 2–3 Tagen ab.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie Passivrauchen – das belastet die Ohren zusätzlich.
- Stillen Sie nach Möglichkeit, denn Muttermilch enthält Abwehrstoffe, die Infektionen vorbeugen.
- Halten Sie die Kita- oder Krippenzeit nicht zu früh – Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen haben mehr Infekte.
Ernährung und Bewegung
Eine besondere Diät ist nicht nötig. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend Flüssigkeit bekommt. Bewegung an der frischen Luft ist gut, sofern das Kind kein hohes Fieber hat.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Mittelohrentzündung ist schmerzhaft und anstrengend für Ihr Kind. Auch Sie als Eltern sind vielleicht besorgt. Es ist normal, sich in dieser Zeit müde und gestresst zu fühlen. Gönnen Sie sich Pausen, und tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus.
Vorbeugung
Man kann nicht jede Mittelohrentzündung verhindern, aber das Risiko senken.
Impfungen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Pneumokokken und gegen Grippe (Influenza) für alle Säuglinge – das verringert die Häufigkeit von Mittelohrentzündungen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening. Bei Risikokindern (z. B. mit Gaumenspalte) kann der Kinderarzt in den ersten Lebensjahren regelmäßig die Ohren kontrollieren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Der Erguss kann über Wochen bestehen bleiben und zu einer vorübergehenden Schwerhörigkeit führen.
- Selten kann die Entzündung auf das Innenohr oder den Knochen hinter dem Ohr (Mastoid) übergreifen – dann ist eine Behandlung im Krankenhaus nötig.
- Sehr selten kommt es zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis).
Langzeitprognose
Die allermeisten Mittelohrentzündungen heilen ohne Folgen aus. Selbst wenn ein Paukenerguss (Flüssigkeit) zurückbleibt, bildet er sich meist nach einigen Wochen von allein zurück. Nur bei sehr häufigen oder schweren Verläufen kann eine Hörbeeinträchtigung auftreten – diese lässt sich aber gut behandeln. Ihr Kinderarzt begleitet Ihr Kind dabei.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2026
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