Otitis media patient overview
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Mittelohrentzündung (Otitis media) ist eine Entzündung des Mittelohrs, des Raums hinter dem Trommelfell. Sie wird oft durch Bakterien oder Viren verursacht und tritt häufig nach einer Erkältung auf.
Wichtige Fakten
- Die meisten Mittelohrentzündungen heilen von selbst aus.
- Sie tritt besonders häufig bei Kindern zwischen 6 Monaten und 2 Jahren auf.
- Typische Anzeichen sind Ohrenschmerzen und Fieber.
- Eine frühzeitige Behandlung kann Komplikationen wie Hörverlust vorbeugen.
Ja, Mittelohrentzündungen sind sehr häufig, vor allem bei Kindern. Etwa 8 von 10 Kindern haben mindestens einmal im Leben eine Mittelohrentzündung.
Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter sind am häufigsten betroffen, aber auch Erwachsene können eine Mittelohrentzündung bekommen. Raucher und Menschen mit geschwächtem Immunsystem haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzlicher starker Schwindel mit Erbrechen
- Hörverlust auf einem Ohr, der innerhalb von Stunden auftritt
- Anzeichen einer Hirnhautentzündung: starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit
- Fieber über 39 °C mit starkem Krankheitsgefühl
- ⚠Starke Ohrenschmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Gelblich-grüner oder blutiger Ausfluss aus dem Ohr
- ⚠Fieber, das länger als 3 Tage anhält
- ⚠Verschlechterung des Hörvermögens über mehrere Tage
Häufige Symptome
- Ohrenschmerzen (oft stechend oder pochend)
- Fieber (manchmal hoch)
- Schwerhörigkeit oder gedämpftes Hören auf einem Ohr
- Druckgefühl oder Völlegefühl im Ohr
Symptome bei Kindern
- Unruhe und vermehrtes Weinen
- Ziehen oder Reiben am Ohr
- Appetitlosigkeit
- Fieber, oft über 38 °C
- Erbrechen oder Durchfall
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ohrenschmerzen, die weniger stark sein können als bei Kindern
- Schwindel oder Gleichgewichtsstörungen
- Hörverlust, der plötzlich auftreten kann
- Verwirrtheit (besonders bei sehr alten Menschen)
Ursachen
Hauptursachen
- Eine Erkältung oder Grippe, die zu verstopften Ohrtrompeten (Eustachische Röhre) führt
- Bakterien (z. B. Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae)
- Viren (z. B. Respiratory-Syncytial-Virus, Grippeviren)
- Allergien, die die Nasenschleimhaut anschwellen lassen
Risikofaktoren
- Alter: Kinder unter 2 Jahren haben kürzere, flachere Ohrtrompeten
- Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kita oder Kindergarten
- Passivrauchen (Rauch in der Umgebung)
- Flaschenfütterung im Liegen (Milch kann in die Ohrtrompete fließen)
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch chronische Krankheiten)
- Vergrößerte Rachenmandeln (Polypen)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Kindern unter 3 Monaten mit Fieber oder Ohrenschmerzen
- Bei starken Ohrenschmerzen, die die Nachtruhe stören
- Wenn Eiter oder Blut aus dem Ohr läuft
- Wenn Sie plötzlich schlecht hören
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Symptome nach 2–3 Tagen nicht besser werden
- Wenn Sie ein leichtes Druckgefühl oder gedämpftes Hören haben, aber keine Schmerzen
- Zur Kontrolle nach einer stattgehabten Mittelohrentzündung
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin schaut mit einem speziellen Gerät (Otoskop) in Ihr Ohr. Dabei sieht er oder sie, ob das Trommelfell gerötet, geschwollen oder vorgewölbt ist. Manchmal wird auch die Beweglichkeit des Trommelfells geprüft.
Mögliche Untersuchungen
- Otoskopie (Betrachten des Trommelfells)
- Tympanometrie (Misst die Beweglichkeit des Trommelfells)
- Hörtests (vor allem bei Kindern oder wenn der Hörverlust anhält)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist nicht schmerzhaft. Bei Kindern kann es helfen, sie vorher zu beruhigen. Manchmal ist ein Abstrich aus dem Ohr nötig, um den Erreger zu bestimmen – das ist aber nur bei schweren oder wiederkehrenden Entzündungen nötig.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und Schwere der Entzündung. Viele Mittelohrentzündungen heilen von selbst, besonders bei älteren Kindern und Erwachsenen. Bei bakteriellen Infektionen kann eine Antibiotikabehandlung sinnvoll sein. Wichtig ist, dass die Entscheidung immer ein Arzt oder eine Ärztin trifft.
Selbsthilfe zu Hause
- Viel trinken (Wasser oder ungesüßter Tee) und schonen
- Warme Kompressen auf das schmerzende Ohr legen
- Abschwellende Nasensprays (nicht länger als 7 Tage) – vorher mit dem Arzt abklären
- Schmerzlindernde Mittel aus der Apotheke (z. B. auf Basis von Ibuprofen oder Paracetamol) – aber keine Eigenmedikation bei Kindern ohne Rücksprache
Medizinische Behandlungen
Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika in Form von Tabletten oder Saft (für Kinder) verordnet werden. Die Behandlung dauert in der Regel 5 bis 10 Tage. Wichtig ist, die Einnahme genau nach ärztlicher Anweisung durchzuführen. Bei starken Schmerzen können entzündungshemmende Schmerzmittel eingesetzt werden. In manchen Fällen, insbesondere bei wiederkehrenden oder chronischen Entzündungen, kann der Arzt ein Paukenröhrchen empfehlen – ein kleines Röhrchen, das die Belüftung des Mittelohrs verbessert.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn die Mittelohrentzündung immer wieder auftritt (mehr als 3‑mal in 6 Monaten oder 4‑mal in einem Jahr) oder wenn Flüssigkeit im Ohr länger als 3 Monate bleibt und das Hören beeinträchtigt, kann das Einsetzen von Paukenröhrchen (Tuben) in Betracht gezogen werden. Auch stark vergrößerte Rachenmandeln können operativ verkleinert werden.
Leben mit der Erkrankung
Bei einer akuten Mittelohrentzündung sollten Sie sich ausruhen und anstrengende Aktivitäten vermeiden. Vermeiden Sie Zugluft und schützen Sie das Ohr vor Wasser (z. B. beim Duschen mit einem Wattebausch). Bei wiederkehrenden Entzündungen ist ein konsequenter Schutz vor Erkältungen und Rauch wichtig.
Tipps für den Alltag
- Hände regelmäßig waschen, um Infektionen vorzubeugen
- Auf eine gesunde Ernährung achten, um das Immunsystem zu stärken
- Stress vermeiden, da dieser das Immunsystem schwächen kann
- Bei Kindern auf altersgerechte Impfungen achten (z. B. Pneumokokken, Grippe)
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse unterstützt die Abwehrkräfte. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft ist gut, aber während einer akuten Entzündung sollte man sich schonen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederholte Mittelohrentzündungen, besonders bei Kindern, können zu Hörproblemen führen, die die Sprachentwicklung und das Lernen beeinträchtigen können. Das kann frustrierend sein und das Selbstvertrauen mindern. Bei Erwachsenen kann der zeitweise Hörverlust zu sozialen Einschränkungen führen. Es ist wichtig, diese Auswirkungen ernst zu nehmen und gegebenenfalls Hilfe zu suchen, z. B. bei einem Hörgeräteakustiker oder einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Nicht jede Mittelohrentzündung ist vermeidbar, aber Sie können das Risiko senken.
Impfungen
Die Pneumokokken-Impfung und die jährliche Grippe-Impfung können dazu beitragen, Infektionen zu verhindern, die oft eine Mittelohrentzündung auslösen. Fragen Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin, ob die Impfungen für Sie oder Ihr Kind empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening auf Mittelohrentzündung. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bei Kindern (U‑Untersuchungen) helfen jedoch, Hörprobleme früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Mittelohrentzündung (länger als 3 Monate anhaltend)
- Schwerhörigkeit, die vorübergehend oder dauerhaft sein kann
- Eiteransammlung hinter dem Trommelfell (Mastoiditis), die antibiotisch oder operativ behandelt werden muss
- Riss des Trommelfells (Perforation), der meist von selbst heilt, aber auch Narben hinterlassen kann
- Sehr selten: Ausbreitung der Infektion auf das Innenohr (Labyrinthitis) oder das Gehirn (Hirnhautentzündung, Hirnabszess)
Langzeitprognose
Die meisten Mittelohrentzündungen heilen ohne Komplikationen aus. Bei rechtzeitiger Behandlung und Nachsorge ist die Prognose ausgezeichnet. Auch bei wiederkehrenden Entzündungen gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten, die langfristige Schäden am Gehör verhindern können. Bleiben Sie zuversichtlich – mit der richtigen medizinischen Begleitung ist der Verlauf der Erkrankung in den allermeisten Fällen gut beherrschbar.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2026
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