Pilonidal sinus
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Pilonidalsinus ist eine kleine, mit Haaren gefüllte Höhle oder ein kleiner Gang unter der Haut, meist im Bereich des Steißbeins (dem unteren Ende der Wirbelsäule). Der Begriff kommt aus dem Lateinischen: „pilus“ (Haar) und „nidus“ (Nest). Es handelt sich um eine gutartige Veränderung, aber sie kann sich entzünden und Schmerzen verursachen.
Wichtige Fakten
- Ein Pilonidalsinus ist kein Tumor oder Krebs.
- Er tritt meist bei jungen Erwachsenen zwischen 15 und 30 Jahren auf.
- Wenn er sich entzündet, kann er zu einem schmerzhaften Abszess (Eiteransammlung) führen.
Ja, ein Pilonidalsinus kommt relativ häufig vor. Schätzungen zufolge sind etwa 1 bis 2 von 100 Menschen davon betroffen. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Am häufigsten tritt er bei jungen Männern mit starkem Haarwuchs im Steißbeinbereich auf, aber auch Frauen und ältere Menschen können betroffen sein.
Symptome
- Plötzlich auftretende starke Schmerzen im Steißbeinbereich mit Fieber über 38,5°C.
- Rötung, die sich schnell auf das Gesäß oder den Rücken ausbreitet.
- Schüttelfrost oder allgemeines Krankheitsgefühl mit Übelkeit und Erbrechen.
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang.
- ⚠Starke Schmerzen, die mit einfachen Schmerzmitteln nicht besser werden.
- ⚠Eiter, der nicht abfließt und zu einer Beule (Abszess) führt.
- ⚠Wiederholte Entzündungen (Rezidiv).
- ⚠Offene Wunde, die nicht heilt.
Häufige Symptome
- Eine kleine, schmerzlose Vertiefung oder Grube in der Haut über dem Steißbein.
- Schmerzen, Rötung und Schwellung im Bereich des Steißbeins.
- Ausfluss von Eiter oder Blut aus der Öffnung des Sinus.
- Unangenehmer Geruch durch den Ausfluss.
- Juckreiz oder ein Fremdkörpergefühl.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind die Symptome ähnlich wie bei Erwachsenen, jedoch seltener.
- Kinder können über Schmerzen beim Sitzen oder Liegen klagen.
- Die Entzündung kann zu Fieber führen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Erwachsene haben oft weniger ausgeprägte Symptome.
- Die Wundheilung kann langsamer sein.
- Begleiterkrankungen wie Diabetes können die Behandlung erschweren.
Ursachen
Hauptursachen
- Haare, die in die Haut einwachsen und eine kleine Tasche bilden.
- Reibung und Druck im Steißbeinbereich (z. B. durch langes Sitzen).
- Entzündung der Haarfollikel (Balgdrüsen) in dieser Region.
Risikofaktoren
- Starker Haarwuchs im Steißbeinbereich.
- Übergewicht (BMI über 25).
- Berufe oder Hobbys mit langem Sitzen (z. B. Lkw-Fahrer, Büroarbeit).
- Rauchen – es verlangsamt die Wundheilung.
- Schlechte Hygiene in diesem Bereich.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Anzeichen einer schweren Infektion: Fieber, starker Schmerz, sich ausbreitende Rötung (rufen Sie 112 oder gehen Sie in die Notaufnahme).
- Bei plötzlich auftretendem Abszess, der sehr schmerzhaft ist.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine schmerzlose Delle oder Grube über dem Steißbein bemerken, die jedoch keine Beschwerden macht.
- Bei leichten, wiederkehrenden Schmerzen oder leichtem Ausfluss.
- Nach einer ersten Entzündung zur Nachkontrolle.
Diagnose
Die Diagnose stellt ein Arzt in der Regel durch eine einfache körperliche Untersuchung. Er schaut sich die Stelle am Steißbein genau an und tastet sie ab. Weitere Untersuchungen sind oft nicht nötig.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung des Steißbeinbereichs.
- Ultraschall (Sonographie) – nur bei unklaren Fällen oder um einen Abszess zu beurteilen.
- Blutuntersuchung – wenn der Verdacht auf eine ausgebreitete Infektion besteht (z. B. erhöhte Entzündungswerte).
- Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) – sehr selten, nur bei komplizierten Verläufen oder tiefen Gängen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird Sie bitten, sich auf die Seite zu legen oder nach vorne zu beugen, damit er das Steißbein gut sehen kann. Die Untersuchung ist schmerzlos, es sei denn, es liegt eine akute Entzündung vor. Bei Entzündung kann der Arzt eine kleine Probe des Eiters nehmen (Abstrich). In den meisten Fällen ist die Diagnose sofort klar.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, ob der Sinus entzündet ist oder nicht. Ziel ist es, Entzündungen zu lindern, Infektionen zu behandeln und ein Wiederauftreten zu verhindern. Bei einfachen, nicht entzündeten Gängen ist oft keine Behandlung nötig – lediglich gute Hygiene und Beobachtung.
Selbsthilfe zu Hause
- Halten Sie den Bereich sauber und trocken.
- Vermeiden Sie langes Sitzen auf harten Unterlagen – legen Sie ein Kissen oder einen Sitzring unter.
- Rasieren oder wachsen Sie die Haare am Steißbein nicht selbst – das kann die Haut reizen. Lassen Sie sich von einem Arzt beraten.
- Bei leichten Schmerzen können Wärmeanwendungen (z. B. warme Kompressen) helfen.
- Tragen Sie locker sitzende Unterwäsche und Kleidung, um Reibung zu vermeiden.
Medizinische Behandlungen
Bei einer akuten Entzündung kann ein Arzt den Abszess öffnen und entleeren (Inzision). Das geschieht unter örtlicher Betäubung. Manchmal wird ein kleiner Drain (Schlauch) eingelegt, damit der Eiter abfließen kann. Bei wiederholten Entzündungen kann eine Operation empfohlen werden, bei der der gesamte Gang entfernt wird. Antibiotika werden nur eingesetzt, wenn die Infektion sich ausbreitet oder der Patient ein geschwächtes Immunsystem hat – keinesfalls als Selbstmedikation.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird empfohlen, wenn der Pilonidalsinus immer wieder entzündet oder starke Beschwerden verursacht. Es gibt verschiedene Operationsmethoden, z. B. die offene Wundbehandlung oder die plastische Deckung. Welche Methode am besten ist, besprechen Sie mit Ihrem Chirurgen.
Leben mit der Erkrankung
Wenn der Sinus nicht entzündet ist, können Sie ein ganz normales Leben führen. Achten Sie auf Hygiene und beobachten Sie die Stelle. Bei leichten Beschwerden können Sie mit Ihrem Alltag weitermachen, sollten aber längeres Sitzen vermeiden.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie übermäßigen Druck auf das Steißbein (z. B. Radfahren ohne Sitzpause).
- Bewegen Sie sich regelmäßig – kurze Spaziergänge fördern die Durchblutung.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht, da Überdruck die Entstehung begünstigt.
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – es verbessert die Wundheilung und senkt das Rückfallrisiko.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen und Flüssigkeit kann helfen, Verstopfung zu vermeiden, die das Steißbein zusätzlich belastet. Moderate Bewegung wie Schwimmen, Yoga oder Gehen ist empfehlenswert. Vermeiden Sie Sportarten mit viel Reibung im Steißbeinbereich (z. B. Rudern).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wiederkehrende Entzündungen und Narben nach Operationen können belastend sein. Viele Menschen fühlen sich unsicher oder schämen sich. Das ist normal. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre Sorgen. Falls nötig, suchen Sie Unterstützung bei einer psychologischen Beratungsstelle – die Gesundheit Ihres Geistes ist genauso wichtig.
Vorbeugung
Es gibt keine sichere Methode, einen Pilonidalsinus zu verhindern. Aber Sie können das Risiko einer Entzündung senken, indem Sie die Haut am Steißbein sauber und trocken halten, langes Sitzen vermeiden und auf Ihr Gewicht achten. Rasieren in diesem Bereich wird nicht empfohlen, da es zu eingewachsenen Haaren führen kann.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen einen Pilonidalsinus.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiges Screening ist nicht erforderlich. Wenn Sie jedoch eine auffällige Stelle bemerken, sollten Sie Ihren Arzt darauf ansprechen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederkehrende Entzündungen (Rezidiv).
- Bildung eines Abszesses (Eiteransammlung) mit starken Schmerzen.
- Ausbreitung der Infektion auf das umliegende Gewebe (Zellulitis) oder selten auf die Wirbelsäule (sehr selten).
- Chronische Fistel (ein dauerhafter Gang) mit ständigem Ausfluss.
Langzeitprognose
Selbst ohne Behandlung haben die meisten Menschen nur leichte oder seltene Beschwerden. Mit der richtigen Behandlung heilt ein Pilonidalsinus in der Regel gut ab. Die Rückfallquote ist jedoch relativ hoch (bis zu 50 %), insbesondere bei Rauchern und Menschen, die viel sitzen. Moderne Operationsverfahren und Anpassungen im Lebensstil können die Rückfallwahrscheinlichkeit senken. Insgesamt ist die Prognose sehr gut – der Sinus ist keine ernsthafte Bedrohung für Ihre Gesundheit.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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