Polycystic Ovary Syndrome (PCOS)
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- WHO—Health topics A–Z(2024)
- NHS—Health A to Z(2024)
- CDC—Health topics(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
PCOS (Polyzystisches Ovarialsyndrom) ist eine häufige Hormonstörung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Dabei produzieren die Eierstöcke vermehrt männliche Geschlechtshormone (Androgene), was zu unregelmäßigen Monatsblutungen, Zysten in den Eierstöcken und anderen Beschwerden führen kann.
Wichtige Fakten
- PCOS betrifft etwa 5 bis 10 von 100 Frauen im gebärfähigen Alter.
- Es ist die häufigste Hormonstörung bei Frauen und die häufigste Ursache für ausbleibenden Eisprung.
- PCOS ist nicht heilbar, aber mit einer guten Behandlung lassen sich die Symptome meist gut kontrollieren.
- Frauen mit PCOS haben ein erhöhtes Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie Typ-2-Diabetes.
Ja, PCOS ist sehr häufig. Etwa jede zehnte Frau im gebärfähigen Alter ist davon betroffen.
PCOS betrifft hauptsächlich Frauen im gebärfähigen Alter, also etwa von der Pubertät bis zu den Wechseljahren. Es kann bereits im Teenageralter beginnen.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Unterleib – das kann auf ein geplatztes Ovar oder eine Eierstockverdrehung hinweisen.
- Sehr starke, anhaltende vaginale Blutungen, die nicht aufhören.
- Anzeichen eines Schocks (blasse Haut, Schwindel, schneller Puls) nach starken Schmerzen oder Blutungen.
- ⚠Starke Unterleibsschmerzen, die nicht weggehen oder schlimmer werden.
- ⚠Fieber mit Unterleibsschmerzen (mögliche Infektion).
- ⚠Sehr starke Blutungen, die Sie in Alltag einschränken (z. B. Bindenwechsel stündlich nötig).
Häufige Symptome
- Unregelmäßige, seltene oder ganz ausbleibende Monatsblutungen (weniger als 8 Mal pro Jahr).
- Vermehrte Körperbehaarung im Gesicht, auf der Brust oder am Bauch (Hirsutismus).
- Akne – vor allem im Gesicht, auf dem Rücken oder der Brust.
- Dünner werdendes Haar oder Haarausfall am Kopf (androgenetische Alopezie).
- Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten, Gewicht zu verlieren – besonders am Bauch.
- Dunkle, samtige Hautveränderungen an Nacken, Achseln oder in der Leiste (Akanthose).
Symptome bei Kindern
- Bei Mädchen können erste Anzeichen bereits in der Pubertät auftreten: sehr unregelmäßige oder ausbleibende Perioden von Anfang an.
- Starke Akne und übermäßige Körperbehaarung schon bei jungen Teenagern.
- Übergewicht oder starke Gewichtszunahme in der Pubertät.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Frauen können die typischen PCOS-Symptome nachlassen, aber das Risiko für Stoffwechselprobleme wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleibt erhöht.
- Zyklusstörungen können sich bessern, dafür treten oft vermehrt Beschwerden durch Insulinresistenz auf.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von PCOS ist nicht vollständig geklärt. Es spielen sowohl Vererbung als auch Umweltfaktoren eine Rolle.
- Eine Insulinresistenz: Die Körperzellen reagieren weniger empfindlich auf Insulin, worauf die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin produziert. Das hohe Insulin fördert die Produktion männlicher Hormone in den Eierstöcken.
- Erhöhte Androgenproduktion: Die Eierstöcke bilden zu viele männliche Geschlechtshormone, was den Eisprung stört und zu Zysten führt.
Risikofaktoren
- Übergewicht oder Adipositas – besonders stark ausgeprägt, erhöht es das Risiko für Insulinresistenz.
- Familiäre Vorbelastung: Wenn die Mutter oder Schwester PCOS hat, ist das eigene Risiko höher.
- Typ-2-Diabetes in der Familie.
- Ungesunde Lebensweise mit wenig Bewegung und unausgewogener Ernährung.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche starke Unterleibsschmerzen oder sehr starke Blutungen (siehe Notfall).
- Wenn Sie den Verdacht haben, schwanger zu sein, aber starke Schmerzen haben (Eileiterschwangerschaft ausschließen).
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Ihre Monatsblutung mehrmals im Jahr ausbleibt oder Sie seltener als 9 Mal pro Jahr Ihre Regel haben.
- Wenn Sie schon länger versuchen, schwanger zu werden, es aber nicht klappt.
- Bei starken Symptomen wie Akne, vermehrter Körperbehaarung oder Haarausfall, die Sie belasten.
- Bei unerklärlicher Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten, Gewicht zu verlieren.
Diagnose
PCOS wird anhand der sogenannten Rotterdam-Kriterien diagnostiziert. Sie müssen mindestens zwei der drei folgenden Merkmale erfüllen: unregelmäßige oder ausbleibende Monatsblutungen (weniger als 9 Mal pro Jahr), erhöhte männliche Hormone im Blut oder als körperliche Anzeichen (Hirsutismus, Akne) und im Ultraschall sichtbare polyzystische Eierstöcke. Weitere Ursachen für die Symptome müssen ausgeschlossen werden.
Mögliche Untersuchungen
- Ausführliches Gespräch (Anamnese) über Ihre Symptome, Zyklus und Familiengeschichte.
- Körperliche Untersuchung, bei der auch auf Anzeichen wie vermehrte Körperbehaarung, Akne oder Hautveränderungen geachtet wird.
- Blutuntersuchung auf Hormone (z. B. LH, FSH, Testosteron) und Blutzuckerwerte (Nüchternglukose, eventuell Zuckerbelastungstest).
- Ultraschall der Eierstöcke (vaginaler oder Bauchultraschall), um die Größe der Eierstöcke und das Vorhandensein von Zysten zu beurteilen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist in der Regel unkompliziert. Nach dem Gespräch folgt eine gynäkologische Untersuchung, eine Blutabnahme und meist eine Ultraschalluntersuchung. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb weniger Tage vor. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht dann mit Ihnen, welche Behandlung für Sie am besten geeignet ist.
Behandlung
Die Behandlung von PCOS richtet sich nach Ihren persönlichen Beschwerden und Wünschen – ob Sie etwa Kinderwunsch haben oder vor allem die Symptome lindern möchten. Ziel ist es, den Zyklus zu regulieren, die Insulinresistenz zu verbessern und die männlichen Hormone zu senken. Medikamente und Lebensstiländerungen werden meist kombiniert.
Selbsthilfe zu Hause
- Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten – weniger Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel.
- Regelmäßige Bewegung – idealerweise 30 Minuten pro Tag, z. B. zügiges Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen.
- Gewichtsabnahme: Schon 5 % des Körpergewichts zu verlieren, kann den Zyklus wieder in Gang bringen und die Insulinresistenz verbessern.
- Stressreduktion durch Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation – Stress kann die Hormone zusätzlich durcheinanderbringen.
Medizinische Behandlungen
Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach Ihren Symptomen. Hormonelle Verhütungsmittel (zum Beispiel die Pille) helfen, den Zyklus zu regulieren, die Androgene zu senken und Akne sowie Hirsutismus zu verbessern. Bei Insulinresistenz und Kinderwunsch kommen Medikamente zum Einsatz, die die Insulinwirkung verbessern und den Eisprung fördern. Auch Mittel gegen Akne oder gegen verstärkten Haarwuchs (z. B. als Creme) können eingesetzt werden. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird gemeinsam mit Ihnen die passende Therapie auswählen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation – die laparoskopische ovarielle Bohrung – wird heute nur noch selten durchgeführt, wenn medikamentöse Behandlungen nicht wirken. Dabei werden mit einem Laser oder Hitze kleine Löcher in die Eierstöcke gebrannt, um die Produktion männlicher Hormone zu senken. Diese Methode ist aber nicht mehr Standard und wird nur in Ausnahmefällen empfohlen.
Leben mit der Erkrankung
PCOS ist eine chronische Erkrankung, die Sie ein Leben lang begleiten kann. Aber das bedeutet nicht, dass Sie ständig Beschwerden haben müssen. Mit einer guten Einstellung und regelmäßiger ärztlicher Kontrolle können die meisten Frauen ein ganz normales Leben führen. Wichtig ist, auf Ihren Körper zu hören und bei Veränderungen rechtzeitig zu reagieren.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung in den Alltag einbauen: Treppe statt Aufzug, kurze Spaziergänge in der Mittagspause.
- Gesunde Ernährung als festen Bestandteil: selbst kochen, auf Fertigprodukte verzichten, viel trinken (Wasser oder ungesüßten Tee).
- Ausreichend Schlaf – mindestens 7–8 Stunden pro Nacht, da Schlafmangel die Insulinresistenz verschlechtern kann.
- Rauchstopp: Rauchen erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschlechtert die Hormonlage.
Ernährung und Bewegung
Eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index (langsam verdauliche Kohlenhydrate) und ausreichend Eiweiß hilft, den Blutzucker stabil zu halten und Heißhunger zu vermeiden. Bewegung steigert die Insulinempfindlichkeit und unterstützt den Gewichtsverlust. Schon 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche (z. B. zügiges Gehen) zeigen positive Effekte auf Zyklus und Hormone.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
PCOS kann psychisch sehr belastend sein – durch unerfüllten Kinderwunsch, das Gefühl, anders zu sein, Akne, Haarausfall oder vermehrte Behaarung. Viele Frauen entwickeln Ängste oder depressive Verstimmungen. Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen. Ein Gespräch mit der Ärztin oder einem Psychologen kann entlasten. Bei akuten Krisen oder Gedanken an Selbstverletzung wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (0800 111 0 111) oder rufen Sie den Notruf 112.
Vorbeugung
PCOS selbst kann man nicht verhindern, da die Veranlagung genetisch mitbestimmt ist. Allerdings können Sie durch einen gesunden Lebensstil (normales Gewicht, Bewegung, ausgewogene Ernährung) das Risiko für starke Symptome und Folgeerkrankungen (wie Diabetes oder Herzprobleme) deutlich senken.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf PCOS. Bei Mädchen und Frauen mit Risikofaktoren (z. B. Übergewicht, familiäre Belastung) kann eine frühzeitige Untersuchung sinnvoll sein, um die Erkrankung rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes und eine sogenannte gestörte Glukosetoleranz (Vorstufe des Diabetes).
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und erhöhte Blutfette.
- Unfruchtbarkeit durch ausbleibenden Eisprung.
- Erhöhtes Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom), wenn die Regelblutung über lange Zeit ausbleibt.
- Schlafapnoe (Aussetzer der Atmung im Schlaf) – besonders bei Übergewicht.
Langzeitprognose
Mit einer guten Behandlung und einem gesunden Lebensstil haben Frauen mit PCOS eine sehr gute Prognose. Die Symptome lassen sich meist gut kontrollieren, und die meisten Frauen können auf natürlichem Weg oder mit Unterstützung schwanger werden. Auch das Risiko für Begleiterkrankungen lässt sich durch regelmäßige Vorsorge und gesunde Gewohnheiten deutlich senken. PCOS ist kein Grund zur Sorge – lassen Sie sich von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt begleiten, dann können Sie ein erfülltes und gesundes Leben führen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- PCOS Selbsthilfe Deutschland ↗ · Deutschland
- Frauenärzte im Netz – PCOS-Informationen ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.