Post thrombotic syndrome
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Postthrombotische Syndrom (PTS) ist eine Spätfolge einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT). Dabei sind die Venenklappen im Bein durch das frühere Blutgerinnsel geschädigt. Das Blut kann nicht mehr richtig zum Herzen zurückfließen und staut sich im Bein. Es kommt zu Schwellungen, Schmerzen und Hautveränderungen.
Wichtige Fakten
- PTS tritt bei 20–50 von 100 Menschen nach einer tiefen Beinvenenthrombose auf.
- Die Beschwerden können Monate oder Jahre nach der Thrombose beginnen.
- Mit richtiger Behandlung und Selbsthilfe lassen sich die Symptome oft gut lindern.
Ja, PTS ist die häufigste Spätfolge einer tiefen Beinvenenthrombose. Etwa jeder vierte bis zweite Betroffene entwickelt im Laufe der Zeit Beschwerden.
PTS betrifft vor allem Menschen, die einmal eine tiefe Beinvenenthrombose hatten. Das Risiko ist höher, wenn die Thrombose nicht ausreichend behandelt wurde oder wenn weitere Thrombosen auftreten. Auch Übergewicht, höheres Alter oder eine Thrombose im Oberschenkel oder Becken erhöhen die Wahrscheinlichkeit.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Bein, begleitet von Atemnot oder Brustschmerzen (Verdacht auf eine neue Lungenembolie)
- Plötzliche, starke Schwellung des ganzen Beins mit bläulicher Verfärbung (Verdacht auf eine erneute tiefe Beinvenenthrombose mit Verschluss)
- Bewusstlosigkeit oder Kreislaufzusammenbruch
- ⚠Fieber oder Schüttelfrost bei gleichzeitigen offenen Hautstellen (Zeichen einer Infektion)
- ⚠Starke Rötung, Überwärmung oder Eiterfluss an einem Beingeschwür
- ⚠Plötzliche Verschlechterung der Beschwerden ohne erkennbaren Grund
Häufige Symptome
- Schwellung des betroffenen Beins, meist am Knöchel und Unterschenkel
- Schwere- oder Spannungsgefühl im Bein, besonders am Abend oder nach langem Stehen
- Schmerzen, die beim Hochlegen nachlassen
- Juckreiz oder Kribbeln
- Verfärbung der Haut (bräunlich oder rötlich)
- Verdickung oder Verhärtung der Haut
- Offene Beine (Beingeschwüre, sogenannte Ulzera)
Symptome bei Kindern
- Ähnliche Symptome wie bei Erwachsenen, aber Kinder können die Beschwerden oft schlechter beschreiben
- Möglicherweise auffälliges Hinken oder Schonhaltung
- Hautveränderungen treten seltener auf, können aber vorkommen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Stärkere Schwellungen und Hautveränderungen, da Venen und Haut mit zunehmendem Alter weniger elastisch sind
- Höheres Risiko für Beingeschwüre
- Verstärkte Einschränkungen im Alltag, z. B. beim Gehen oder Treppensteigen
- Häufigere Begleiterkrankungen wie Herzschwäche oder Diabetes, die die Symptome verschlimmern können
Ursachen
Hauptursachen
- Eine frühere tiefe Beinvenenthrombose, bei der die Venenklappen geschädigt wurden
- Durch die Klappenschädigung fließt Blut in den Venen zurück (venöse Refluxkrankheit) und staut sich im Bein
- Der erhöhte Druck in den Venen führt zu Schwellung, Entzündung und Hautveränderungen
Risikofaktoren
- Unzureichende Blutverdünnung (Antikoagulation) während der Thrombosebehandlung
- Wiederholte Thrombosen im selben Bein
- Thrombose im Oberschenkel oder Beckenbereich
- Übergewicht oder starkes Übergewicht
- Hohes Alter (über 60 Jahre)
- Langes Stehen oder Sitzen im Beruf
- Venenerkrankungen in der Familie
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher starker Schwellung oder Schmerzen im Bein
- Bei offenen Stellen, die sich entzündet haben (rot, warm, eitrig)
- Bei Fieber und Verschlechterung des Allgemeinzustands
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie nach einer Thrombose regelmäßig Beschwerden wie Schwellungen oder Schmerzen haben
- Zur Kontrolle der Kompressionsstrümpfe (Passform und Druck)
- Einmal jährlich zur venösen Ultraschalluntersuchung, um den Zustand der Venen zu beurteilen
Diagnose
Die Diagnose stellt der Arzt oder die Ärztin meist anhand Ihrer Krankengeschichte und einer körperlichen Untersuchung. Wichtig ist, ob Sie eine Thrombose hatten. Der Arzt schaut auf Schwellungen, Hautfarbe und tastet die Venen ab.
Mögliche Untersuchungen
- Venöse Duplexsonographie (Ultraschall): Damit werden die Venen und der Blutfluss dargestellt. So sieht man, ob Klappen undicht sind oder Blut zurückfließt.
- Puls- und Druckmessungen am Knöchel (ABI) zum Ausschluss von Durchblutungsstörungen der Arterien
- In seltenen Fällen eine Venendruckmessung (Phlebodynamometrie) oder eine Venenröntgenaufnahme (Phlebographie)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und dauert etwa 30–45 Minuten. Beim Ultraschall wird ein Gel auf das Bein aufgetragen und mit einem Schallkopf über die Haut gefahren. Sie müssen dafür nicht nüchtern sein. Nach der Untersuchung bespricht der Arzt mit Ihnen die Ergebnisse und schlägt eine Behandlung vor.
Behandlung
Die Behandlung des Postthrombotischen Syndroms zielt darauf ab, die Beschwerden zu lindern, die Venenfunktion zu verbessern und Komplikationen wie Beingeschwüre zu vermeiden. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, die Sie selbst umsetzen können, ergänzt durch ärztliche Behandlungen.
Selbsthilfe zu Hause
- Tragen Sie täglich medizinische Kompressionsstrümpfe (vom Arzt verordnet). Sie drücken die Venen zusammen und verhindern das Blutstauen.
- Lagern Sie die Beine mehrmals täglich für 15–30 Minuten hoch (Beine über Herzhöhe).
- Bewegen Sie sich regelmäßig, z. B. Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Die Muskelpumpe in den Waden fördert den Blutrückfluss.
- Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen. Wechseln Sie häufiger die Position.
- Pflegen Sie Ihre Haut mit feuchtigkeitsspendenden Cremes, um Risse und Schuppen zu vermeiden.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht – jedes Kilo Übergewicht belastet die Venen.
Medizinische Behandlungen
Zusätzlich zur Kompressionstherapie können sogenannte Venenmedikamente (Phlebotonika, z. B. aus Rosskastanie oder Flavonoiden) die Symptome lindern – sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber. Bei offenen Beingeschwüren werden spezielle Wundverbände und ggf. eine Antibiotikatherapie eingesetzt (nur nach ärztlicher Verordnung). Physiotherapie und Lymphdrainage können die Schwellung reduzieren.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt nur in schweren Fällen in Frage, z. B. wenn Beingeschwüre auch nach monatelanger Behandlung nicht abheilen. Mögliche Eingriffe sind eine Venenstent-Implantation (Stütze für eingeengte Venen) oder eine Bypass-Operation. Die Entscheidung trifft ein Gefäßchirurg nach gründlicher Abwägung.
Leben mit der Erkrankung
Das Leben mit PTS erfordert etwas mehr Planung. Am wichtigsten ist das tägliche Tragen der Kompressionsstrümpfe. Gewöhnen Sie sich an, die Strümpfe gleich morgens anzuziehen, wenn die Beine noch wenig geschwollen sind. Planen Sie Zeiten zum Hochlegen der Beine ein, z. B. nach der Arbeit oder in Ruhepausen.
Tipps für den Alltag
- Tragen Sie bequeme, nicht einengende Kleidung und Schuhe ohne hohe Absätze.
- Trinken Sie ausreichend Wasser und vermeiden Sie extreme Hitze (Sauna, Sonnenbaden), da Hitze die Venen weitet.
- Bewegen Sie sich im Alltag: Treppe statt Aufzug, kurze Spaziergänge in der Mittagspause.
- Verzichten Sie auf Rauchen – es schädigt die Gefäße zusätzlich.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen hilft, ein gesundes Gewicht zu halten. Vermeiden Sie stark salzige Speisen, da Salz Wasser im Körper bindet und Schwellungen fördert. Bewegung ist sehr wichtig: Besonders geeignet sind Gehen, Radfahren, Schwimmen oder Gymnastik – alles, was die Wadenmuskulatur aktiviert.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schwellungen, Schmerzen oder sichtbare Hautveränderungen können belasten. Manche Menschen fühlen sich durch die Kompressionsstrümpfe in ihrem Aussehen eingeschränkt. Es ist normal, sich manchmal frustriert oder traurig zu fühlen. Sprechen Sie darüber mit Ihrem Arzt oder einer Vertrauensperson. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit kann eine psychologische Beratung helfen.
Vorbeugung
PTS lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Wichtig ist eine konsequente Behandlung der tiefen Beinvenenthrombose mit Blutverdünnung (Antikoagulation) sowie das frühzeitige und regelmäßige Tragen von Kompressionsstrümpfen nach der Thrombose. Auch die Vermeidung weiterer Thrombosen (durch Bewegung, ausreichend Trinken, ggf. Fortführung der Blutverdünnung) senkt das Risiko.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf PTS. Bei Menschen mit einer durchgemachten Thrombose sollte der Arzt jedoch regelmäßig nach Beschwerden fragen und die Beine untersuchen, um ein PTS frühzeitig zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Beingeschwüre (offene Beine), die schwer heilen und sich infizieren können
- Hautverhärtungen und Pigmentstörungen (Stauungsekzem, Dermatoliposklerose)
- Eingeschränkte Beweglichkeit und Schmerzen im Alltag
- Erhöhtes Risiko für eine erneute Thrombose im betroffenen Bein
- In seltenen Fällen eine sogenannte Pyodermie oder Cellulitis – schwere Hautinfektionen
- Psychische Belastungen durch das veränderte Aussehen und die Schmerzen
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung – vor allem Kompressionstherapie und Lebensstiländerung – lassen sich die Beschwerden meist gut kontrollieren. Die meisten Menschen mit PTS können ihren Alltag weitgehend normal gestalten. Beingeschwüre heilen in der Regel unter fachgerechter Wundversorgung ab. Wichtig ist, dass Sie frühzeitig handeln und dranbleiben – dann ist die Prognose gut.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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