Leben nach einer Prostatakrebs-Erkrankung: Ratgeber für Erwachsene
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Prostatakrebs ist eine Krebserkrankung der Vorsteherdrüse (Prostata). Mit Überleben nach der Erkrankung ist das Leben nach der Diagnose und Behandlung gemeint: die Zeit, in der du die Krankheit überwunden hast, mit möglichen Folgen umgehst und deinen Alltag wieder gestaltest. Dieser Artikel hilft dir, diese Phase zu verstehen und gut zu bewältigen.
Wichtige Fakten
- Die meisten Männer mit Prostatakrebs leben noch viele Jahre nach der Behandlung.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und ein gesunder Lebensstil sind in der Nachsorge wichtig.
- Viele Nebenwirkungen wie Inkontinenz oder Erektionsstörungen lassen sich behandeln.
Ja. Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Dank verbesserter Behandlungen ist die Zahl der Männer, die diese Erkrankung überleben, sehr hoch.
Prostatakrebs betrifft vor allem Männer ab 50 Jahren. In der Überlebensphase geht es darum, wie man mit den Folgen von Krankheit und Behandlung umgeht und die eigene Lebensqualität erhält.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen im Bauch, Rücken oder in den Beinen
- Akute Atemnot
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Starke Blutung aus der Harnröhre oder dem After
- Krampfanfall
- ⚠Fieber über 38 Grad Celsius
- ⚠Neue oder sich verschlimmernde Schmerzen
- ⚠Unfähigkeit zu urinieren (Harnverhalt)
- ⚠Anhaltende Übelkeit oder wiederholtes Erbrechen
- ⚠Zeichen einer Infektion, etwa Rötung, Schwellung oder eitrige Wunde
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue)
- Unwillkürlicher Urinverlust (Inkontinenz)
- Erektionsstörungen (Probleme, eine Erektion zu bekommen oder zu halten)
- Niedergeschlagenheit oder Stimmungsschwankungen
- Veränderungen beim Wasserlassen, zum Beispiel ein schwacher Harnstrahl
Symptome bei Kindern
- Nicht zutreffend. Prostatakrebs betrifft nur erwachsene Männer.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Männern können Nebenwirkungen der Behandlung stärker spürbar sein, etwa Muskelschwäche, Stürze oder Verwirrtheit. Dann ist eine angepasste Unterstützung durch Angehörige und medizinische Fachpersonen besonders wichtig.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache von Prostatakrebs ist nicht bekannt. Es kommt durch Veränderungen im Erbgut der Prostatazellen zu unkontrolliertem Wachstum.
- In der Überlebensphase stehen weniger die ursprünglichen Ursachen im Vordergrund, sondern der Umgang mit den Folgen der Erkrankung und der Behandlung.
Risikofaktoren
- Älter werden – das Risiko steigt mit dem Lebensalter
- Prostatakrebs beim Vater oder Bruder
- Bestimmte erbliche Genveränderungen, zum Beispiel BRCA-Mutationen
- Eine Ernährung mit viel rotem Fleisch und wenig körperlicher Bewegung (möglicher Zusammenhang)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei neuen oder starken Beschwerden wie Schmerzen, Fieber oder Blutungen
- Wenn du dich plötzlich sehr krank fühlst oder nicht mehr richtig essen und trinken kannst
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Zu den vereinbarten Nachsorgeterminen
- Wenn Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Inkontinenz oder Stimmungstief länger anhalten oder sich verschlimmern
Diagnose
Die Diagnose Prostatakrebs wird in der Regel durch eine Tastuntersuchung der Prostata, einen PSA-Bluttest und eine Gewebeprobe (Biopsie) gestellt. In der Überlebensphase dienen diese Untersuchungen dazu, den Verlauf zu überwachen und ein Wiederauftreten früh zu erkennen.
Mögliche Untersuchungen
- PSA-Bluttest (Prostataspezifisches Antigen) – misst einen Eiweißstoff im Blut
- Digital-rektale Untersuchung – die Ärztin oder der Arzt tastet die Prostata mit dem Finger ab
- Magnetresonanztomographie (MRT) – ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung der Prostata und der Umgebung
- Biopsie – Entnahme einer Gewebeprobe, um Krebszellen unter dem Mikroskop zu finden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Nachsorge-Termine sind meist unkompliziert. Du wirst zu deinem allgemeinen Befinden, zu Beschwerden und zu möglichen Nebenwirkungen befragt. Die Ärztin oder der Arzt untersucht dich körperlich und nimmt Blut ab. Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzarm und dauern nur wenige Minuten.
Behandlung
Die Behandlung von Prostatakrebs richtet sich nach dem Stadium, den Beschwerden und deiner persönlichen Situation. In der Überlebensphase steht die Nachsorge im Mittelpunkt: Sie soll dir helfen, Nebenwirkungen zu bewältigen und deine Lebensqualität zu verbessern.
Selbsthilfe zu Hause
- Beckenbodentraining kann die Kontinenz stärken
- Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen hilft gegen Müdigkeit
- Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkorn unterstützt die Regeneration
- Ausreichend Ruhe und Schlaf
- Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Yoga
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten – zum Beispiel Operation, Bestrahlung, Hormontherapie oder auch eine abwartende Beobachtung. Welche Behandlung für dich geeignet ist, bespricht dein ärztliches Team mit dir. Auch nach einer abgeschlossenen Behandlung gibt es Medikamente und Verfahren, um Beschwerden zu lindern. Deine Ärztin oder dein Arzt erklärt dir die Vor- und Nachteile im Einzelnen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation der Prostata ist eine Option, wenn der Tumor örtlich begrenzt ist und die Person gesund genug ist. Nach einer Operation können Behandlungen wie Beckenbodentraining und Beratung helfen, die Harnkontrolle wiederzuerlangen.
Leben mit der Erkrankung
Der Alltag nach einer Krebserkrankung ist für jeden anders. Manche Menschen fühlen sich schnell wieder wohl, andere brauchen Zeit. Es ist in Ordnung, auf den eigenen Körper zu hören und sich nicht zu überfordern. Nachsorge-Termine und ein gutes soziales Umfeld geben dabei Halt.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen
- Alkohol nur in Maßen
- Ausreichend schlafen
- Körperlich aktiv bleiben
- Stress abbauen – zum Beispiel durch Gespräche oder Hobbys
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkorn kann das Wohlbefinden fördern. Regelmäßige Bewegung, zum Beispiel 30 Minuten zu Fuß gehen pro Tag, hilft gegen Müdigkeit und verbessert die Stimmung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Krebserkrankung kann auch psychisch herausfordernd sein. Angst vor Rückkehr, Schlafstörungen oder Niedergeschlagenheit sind häufig. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und Unterstützung zu suchen, zum Beispiel bei einer psychologischen Beratungsstelle. Solltest du Gedanken haben, dir etwas anzutun, wähle sofort die 112 oder die Telefonseelsorge.
Vorbeugung
Prostatakrebs lässt sich nicht sicher verhindern. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, Bewegung und dem Verzicht auf Rauchen kann das Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung verringern. Wichtig sind regelmäßige Kontrollen nach der Behandlung.
Impfungen
Es gibt keine Impfung, die vor Prostatakrebs schützt.
Früherkennungsprogramme
Für Männer ab 45 Jahren bietet die gesetzliche Früherkennung eine Tastuntersuchung der Prostata an. Der PSA-Bluttest wird von den Krankenkassen nicht immer bezahlt. Die S3-Leitlinie der AWMF empfiehlt eine Beratung über Vorteile und Nachteile. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über das für dich passende Vorgehen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelt kann ein Prostatakrebs weiterwachsen und in umliegende Organe oder Knochen streuen (Metastasen).
- Mögliche Folgen sind Harnwegsprobleme, Knochenschmerzen, Blutarmut oder Gewichtsverlust.
Langzeitprognose
Die Aussichten sind insgesamt gut. Viele Männer überleben Prostatakrebs und leben auch nach der Behandlung lange beschwerde- oder nahezu beschwerdefrei. Auch wenn die Krankheit wiederkehrt, gibt es wirksame Behandlungen, die das Leben verlängern und die Lebensqualität erhalten können.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Krebshilfe ↗ · Deutschland
- Krebsinformationsdienst ↗ · Deutschland
- Deutsche Krebsgesellschaft ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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