Psoriasis
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- NICE—Psoriasis. NG137(2022)
- NHS—Psoriasis(2023)
- WHO—Psoriasis fact sheet(2023)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Psoriasis ist eine chronische, nicht ansteckende Hauterkrankung. Das Immunsystem greift fälschlicherweise gesunde Hautzellen an, sodass sie sich viel zu schnell erneuern. Dadurch entstehen dicke, rote, oft schuppige Flecken auf der Haut.
Wichtige Fakten
- Psoriasis ist eine Autoimmunerkrankung – der Körper greift sich selbst an, nicht ein Erreger.
- Sie ist nicht ansteckend – Sie können sie niemandem weitergeben.
- Bei vielen Menschen betrifft die Erkrankung auch die Gelenke (Psoriasis-Arthritis).
Ja, Psoriasis ist eine der häufigsten chronischen Hauterkrankungen. In Deutschland sind etwa 2 von 100 Menschen betroffen.
Psoriasis kann in jedem Alter beginnen, am häufigsten tritt sie aber zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr auf. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Wenn sich die Haut plötzlich großflächig rot färbt und mit Eiterbläschen bedeckt ist (generalisiert pustulöse Psoriasis) – rufen Sie sofort den Notruf 112
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost und starkes Krankheitsgefühl zusammen mit einer schweren Hautrötung bemerken (mögliche erythrodermische Psoriasis)
- ⚠Wenn die Gelenke plötzlich stark schmerzen, anschwellen und sich steif anfühlen – suchen Sie noch am selben Tag einen Arzt auf
- ⚠Wenn die Haut blutet oder Anzeichen einer Infektion zeigt (Rötung, Schwellung, Wärme, Eiter)
Häufige Symptome
- Scharf begrenzte, rote, erhabene Flecken auf der Haut, die mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind
- Juckreiz, Brennen oder Schmerzen auf den betroffenen Stellen
- Trockene, rissige Haut, die manchmal bluten kann
- Veränderungen der Fingernägel (z. B. Dellen, Verdickungen, Verfärbungen)
- Gelenkschmerzen, Steifheit und Schwellungen (mögliches Zeichen einer Psoriasis-Arthritis)
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern zeigen sich die Flecken oft kleiner und im Gesicht oder am Kopf (Kopfschuppenflechte)
- Hautveränderungen können als Windelausschlag fehlgedeutet werden
- Starker Juckreiz ist häufig
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Hautveränderungen sind oft dünner und weniger schuppig
- Psoriasis tritt häufiger in den Körperfalten (z. B. unter den Achseln, in der Leiste) auf
- Bei älteren Menschen kann die Erkrankung gleichzeitig mit anderen chronischen Beschwerden wie Diabetes oder Bluthochdruck auftreten
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Man weiß aber, dass eine Fehlregulation des Immunsystems eine wichtige Rolle spielt.
- Es gibt eine genetische Veranlagung: Wenn in Ihrer Familie Psoriasis vorkommt, ist Ihr Risiko erhöht.
- Bestimmte Auslöser können einen Schub beginnen, z. B. Stress, Infektionen (besonders Halsschmerzen), Hautverletzungen, bestimmte Medikamente oder übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum.
Risikofaktoren
- Familienmitglieder mit Psoriasis
- Übergewicht oder Fettleibigkeit
- Rauchen – es verschlimmert die Erkrankung deutlich
- Stress – sowohl psychisch als auch körperlich
- Bestimmte Infektionen, vor allem Streptokokken (Mandelentzündung)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich starke Gelenkschmerzen oder Schwellungen bekommen
- Wenn sich die Hautveränderung rasch ausbreitet oder eitrig wird
- Wenn Sie zusätzlich Fieber oder starke Schmerzen haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal eine verdächtige Hautveränderung bemerken, die nicht nach ein bis zwei Wochen von selbst abheilt
- Wenn der Juckreiz oder die Hautveränderungen Ihren Alltag beeinträchtigen
- Wenn Sie Veränderungen an Ihren Nägeln bemerken (Dellen, Rillen, Verdickungen)
Diagnose
Die Diagnose stellt ein Hautarzt (Dermatologe) in der Regel schon durch die Untersuchung Ihrer Haut. Er erkennt die typischen roten Flecken mit silbrigen Schuppen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt betrachtet Ihre Haut, Kopfhaut und Nägel genau.
- Hautbiopsie: Wenn die Diagnose unsicher ist, wird eine kleine Hautprobe entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.
- Bluttests: Sie können helfen, andere Erkrankungen auszuschließen.
- Bildgebung (Röntgen, MRT): Falls Gelenkbeschwerden bestehen, um eine Psoriasis-Arthritis zu erkennen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei Ihrem Termin wird der Arzt fragen, wie lange die Hautveränderungen bestehen, ob jucken oder schmerzen und ob es in Ihrer Familie Psoriasis gibt. Er wird Ihre Haut und ggf. Ihre Gelenke untersuchen. Die Diagnose ist oft schnell gestellt.
Behandlung
Es gibt keine Heilung, aber eine gute Behandlung kann die Symptome lindern, Schübe seltener machen und die Lebensqualität verbessern. Die Behandlung wird je nach Schweregrad und Ausprägung individuell angepasst und folgt den AWMF-Leitlinien (medizinische Qualitätsstandards).
Selbsthilfe zu Hause
- Pflegen Sie Ihre Haut regelmäßig mit rückfettenden, parfümfreien Cremes oder Salben.
- Vermeiden Sie übermäßiges Kratzen – kühlen Sie die Haut stattdessen.
- Baden oder duschen Sie nicht zu heiß und zu lange (max. 5–10 Minuten), um die Haut nicht zu reizen.
- Nutzen Sie sanfte, seifenfreie Waschprodukte.
- Vermeiden Sie Auslöser wie Stress, Nikotin und zu viel Alkohol.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst äußerliche Therapien (z. B. Cremes, Salben, die entzündungshemmend wirken und die Schuppung vermindern), Lichttherapie (Bestrahlung mit UV-Licht) und bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis auch systemische Therapien (Tabletten oder Spritzen, die im ganzen Körper wirken). Dazu gehören auch Biologika – das sind Medikamente, die gezielt in das Immunsystem eingreifen. Welche Behandlung für Sie am besten ist, besprechen Sie mit Ihrem Hautarzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Psoriasis der Haut in der Regel nicht nötig. Nur bei schwerer Psoriasis-Arthritis, die mit Medikamenten nicht kontrolliert werden kann, kann manchmal ein Gelenkersatz oder andere Eingriffe infrage kommen.
Leben mit der Erkrankung
Psoriasis ist eine chronische Erkrankung mit wechselhaftem Verlauf – Phasen mit wenig Beschwerden wechseln sich mit Schüben ab. Eine gute Hautpflege und das Vermeiden von Auslösern helfen, die Haut möglichst ruhig zu halten.
Tipps für den Alltag
- Reduzieren Sie Stress – zum Beispiel durch Entspannungsübungen, Yoga oder autogenes Training.
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – es verschlimmert die Psoriasis.
- Trinken Sie nur wenig Alkohol.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Bewegung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten (z. B. aus Olivenöl oder Fisch) kann entzündungshemmend wirken. Regelmäßige Bewegung, etwa Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen, verbessert die Durchblutung und hilft, das Immunsystem zu stabilisieren.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Psoriasis belastet oft die Seele: Die sichtbare Haut, der Juckreiz und die Unberechenbarkeit der Schübe können zu Scham, sozialem Rückzug, Angst oder Depression führen. Scheuen Sie sich nicht, mit Ihrem Arzt oder einem Psychotherapeuten darüber zu sprechen. Bei akuter seelischer Krise hilft die Telefonseelsorge unter 0800-111-0-111 oder 0800-111-0-222.
Vorbeugung
Psoriasis selbst kann man nicht verhindern, weil sie genetisch mitbedingt ist. Sie können aber versuchen, Schübe zu vermeiden, indem Sie auf Ihre Gesundheit achten, Stress vermeiden, nicht rauchen, wenig Alkohol trinken und Infekte früh behandeln.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Psoriasis. Die allgemeinen Schutzimpfungen (z. B. gegen Grippe, Gürtelrose, Lungenentzündung) sind aber besonders wichtig, da Infekte Schübe auslösen können. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein spezielles Screening. Wenn Sie Psoriasis haben, sollten Sie jedoch regelmäßig Ihre Gelenke auf Schmerzen oder Schwellungen prüfen, um Anzeichen einer Psoriasis-Arthritis früh zu erkennen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verschlechterung der Hautsymptome – die Flecken können großflächig werden und stark jucken oder schmerzen.
- Psoriasis-Arthritis – bis zu jeder dritte Patient entwickelt Gelenkentzündungen, die unbehandelt zu Gelenkschäden führen können.
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.
- Psychische Belastung – Depressionen und Angststörungen treten häufiger auf.
Langzeitprognose
Psoriasis ist zwar nicht heilbar, aber mit der richtigen Behandlung sind die Symptome heute sehr gut kontrollierbar. Die meisten Menschen können weitgehend beschwerdefrei leben und ihre gewohnten Aktivitäten ausüben. Die Forschung schreitet voran, sodass die Therapiemöglichkeiten immer besser werden.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
- International Federation of Psoriasis Associations (IFPA) ↗
- EUROPsoriasis – European psoriasis patient organizations ↗
Lokale Organisationen
- Deutscher Psoriasis Bund e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.