Psoriasis in teenagers
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine entzündliche Hauterkrankung. Das bedeutet, dass das Immunsystem die Haut angreift und sie sich zu schnell erneuert. Dadurch entstehen dicke, rote Flecken mit silbrigen Schuppen. Bei Jugendlichen tritt Psoriasis oft zum ersten Mal auf oder verschlimmert sich während der Pubertät.
Wichtige Fakten
- Psoriasis ist nicht ansteckend – man kann sie sich nicht einfangen oder weitergeben.
- Die Erkrankung verläuft in Schüben: Phasen mit starken Symptomen wechseln sich mit ruhigeren Phasen ab.
- Bei Jugendlichen kann Psoriasis durch Hormonumstellungen, Stress oder Infekte ausgelöst werden.
Ja, Psoriasis ist eine der häufigsten Hauterkrankungen. Etwa 2–3% der Menschen in Deutschland haben Psoriasis. Viele Betroffene bekommen die ersten Symptome bereits im Jugendalter.
Psoriasis betrifft Jungen und Mädchen gleichermaßen. Die Erkrankung kann in jedem Alter beginnen, aber bei etwa jedem dritten Betroffenen treten die ersten Anzeichen vor dem 20. Lebensjahr auf, häufig zwischen 12 und 16 Jahren.
Symptome
- Sehr selten: Wenn die Haut fast am ganzen Körper plötzlich rot, heiß und stark schuppend wird und der Jugendliche sich sehr krank fühlt (akute generalisierte Psoriasis) – das kann lebensbedrohlich sein. Dann sofort den Notruf 112 wählen.
- ⚠Wenn die Haut so stark juckt oder schmerzt, dass der Jugendliche nicht schlafen kann
- ⚠Wenn sich die Flecken plötzlich stark ausbreiten oder eitrige Bläschen entstehen
- ⚠Wenn Fieber dazu kommt und die Haut sehr rot und geschwollen ist
Häufige Symptome
- Rote, erhabene Hautflecken mit silbrig-weißen Schuppen, oft an Ellenbogen, Knien, Kopfhaut und unterem Rücken
- Juckreiz, der manchmal stark ist
- Trockene, rissige Haut, die leicht bluten kann
- Verdickte oder verformte Fingernägel (kleine Grübchen oder gelbliche Verfärbungen)
Symptome bei Kindern
- Bei jüngeren Kindern treten oft dünnere, weniger schuppende Flecken auf, zum Beispiel im Windelbereich oder auf der Kopfhaut
- Die Flecken können kleiner und tränenförmig sein (sogenannte Psoriasis guttata) – das passiert häufig nach einem Infekt wie einer Mandelentzündung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen sind die Flecken oft dicker und trockener
- Gelenkschmerzen können hinzukommen (Psoriasis-Arthritis – eine Entzündung der Gelenke)
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Man weiß, dass Psoriasis mit einer Fehlregulation des Immunsystems zusammenhängt: Die Abwehrzellen greifen fälschlicherweise die Haut an und regen sie zu übermäßigem Wachstum an.
- Vererbung spielt eine wichtige Rolle: Wenn ein Elternteil Psoriasis hat, ist das Risiko für das Kind erhöht.
Risikofaktoren
- Hormonelle Veränderungen in der Pubertät
- Starker Stress oder seelische Belastungen
- Infektionen, besonders wiederkehrende Mandelentzündungen durch Streptokokken
- Verletzungen der Haut (Kratzer, Sonnenbrand, Tätowierungen) – sie können an der verletzten Stelle einen Psoriasis-Schub auslösen (Köbner-Phänomen)
- Bestimmte Medikamente (z. B. Betablocker oder Lithium) – immer nur in Absprache mit dem Arzt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Psoriasis so stark wird, dass der Jugendliche sich sehr unwohl fühlt oder die Haut starke Schmerzen verursacht
- Wenn die Gelenke schmerzen oder anschwellen – das könnte auf eine Psoriasis-Arthritis hindeuten
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei ersten Hautveränderungen, die nicht von selbst verschwinden
- Zur Kontrolle und Anpassung der Behandlung alle 3 bis 12 Monate, je nach Verlauf
Diagnose
Ein Hautarzt erkennt Psoriasis meist schon durch einen Blick auf die Haut. Er fragt nach familiärer Vorbelastung, nach früheren Infekten und danach, ob Gelenke schmerzen.
Mögliche Untersuchungen
- Meistens ist keine spezielle Untersuchung nötig.
- Manchmal wird eine kleine Hautprobe entnommen (Biopsie) und unter dem Mikroskop untersucht, um die Diagnose zu sichern.
- Bei Gelenkbeschwerden kann der Arzt bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Ultraschall einsetzen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist in der Regel schnell gestellt. Der Arzt wird mit Ihnen und Ihrem Kind besprechen, welche Behandlung am besten geeignet ist. In Deutschland orientieren sich Ärzte an den Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), die eine fundierte und sichere Behandlung gewährleisten.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Psoriasis und dem Alter. Ziel ist es, die Symptome zu lindern, die Haut zu beruhigen und die Lebensqualität zu verbessern. Eine Heilung ist nicht möglich, aber die Erkrankung lässt sich meist gut unter Kontrolle halten.
Selbsthilfe zu Hause
- Täglich rückfettende und feuchtigkeitsspendende Cremes oder Salben ohne Rezept (vor allem direkt nach dem Duschen oder Baden auftragen)
- Milde, parfümfreie Duschgele und Seifen verwenden, um die Haut nicht zu reizen
- Kurze, lauwarme Duschen oder Bäder mit Badeölen
- Stress vermeiden oder bewusst Stress abbauen, zum Beispiel durch Sport, Entspannungstechniken oder Gespräche
- Nicht kratzen – das verschlimmert die Hautveränderungen
Medizinische Behandlungen
Bei leichter bis mittelschwerer Psoriasis verschreiben Ärzte äußerliche Behandlungen wie Cremes, Salben oder Lösungen auf Basis von Kortison, Vitamin-D-Analoga oder anderen entzündungshemmenden Substanzen. Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis kommen Lichttherapien (Phototherapie) oder systemische Medikamente (Tabletten oder Spritzen) zum Einsatz. Diese werden individuell ausgewählt und unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt. Welche Behandlung am besten ist, bespricht der Arzt mit dem Jugendlichen und den Eltern.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei Psoriasis in der Regel nicht nötig. Nur sehr selten, zum Beispiel bei schweren Gelenkschäden durch Psoriasis-Arthritis, kann ein chirurgischer Eingriff erwogen werden.
Leben mit der Erkrankung
Psoriasis kann den Alltag eines Teenagers stark beeinflussen – zum Beispiel durch das Gefühl, anders zu sein, oder durch Juckreiz in der Schule. Es hilft, die Erkrankung offen zu besprechen, einen persönlichen Behandlungsplan mit dem Arzt zu haben und regelmäßige Hautpflege in den Tagesablauf einzubauen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft – Sonnenlicht kann die Haut verbessern, aber nicht zu viel (Sonnenbrand vermeiden)
- Gesunder Schlaf und eine ausgewogene Lebensweise zur Stärkung des Immunsystems
- Bei Jugendlichen: auf Tabak und Alkohol verzichten – beides kann die Psoriasis verschlechtern
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät heilt Psoriasis nicht, aber eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann die allgemeine Gesundheit fördern. Manche Jugendliche stellen fest, dass bestimmte Lebensmittel (z. B. scharfes Essen, zu viel Zucker) ihre Symptome verschlimmern – dann hilft es, darauf zu achten. Bewegung wie Schwimmen oder Radfahren tut gut und baut Stress ab.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Psoriasis ist nicht nur eine Hauterkrankung – sie betrifft auch die Seele. Viele Jugendliche fühlen sich unsicher, schämen sich oder werden gehänselt. Das kann zu Ängsten oder depressiven Verstimmungen führen. Es ist sehr wichtig, darüber zu sprechen – mit den Eltern, dem Arzt oder einem Schulpsychologen. Wenn die Gedanken sehr belastend sind oder Suizidgedanken auftauchen, sofort Hilfe holen: Die Telefonseelsorge ist unter den kostenlosen Nummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 rund um die Uhr erreichbar.
Vorbeugung
Psoriasis kann man nicht verhindern, da die Veranlagung erblich ist. Aber manche Schübe lassen sich vermeiden, indem man Auslöser wie starken Stress, bestimmte Infekte oder Hautverletzungen vermeidet. Eine gute Hautpflege kann die Hautbarriere stärken und die Symptome mildern.
Impfungen
Impfungen sind auch bei Psoriasis wichtig und sicher. Sie sollten nach den offiziellen Impfempfehlungen durchgeführt werden. Wenn systemische Medikamente eingenommen werden, z. B. solche, die das Immunsystem unterdrücken, kann der Arzt Lebendimpfstoffe (z. B. Masern, Mumps, Röteln) vorübergehend verschieben. Das wird individuell besprochen.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening auf Psoriasis. Bei Verdacht sollte man einen Hautarzt aufsuchen. Wenn in der Familie Psoriasis vorkommt, können Kinder frühzeitig beobachtet werden, um bei den ersten Anzeichen zu handeln.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Hautveränderungen können sich ausbreiten und dauerhaft werden
- Juckreiz und Schmerzen können den Schlaf und die Konzentration beeinträchtigen
- Psoriasis-Arthritis (Gelenkentzündungen) kann sich entwickeln, was zu dauerhaften Gelenkschäden führen kann, wenn es nicht behandelt wird
- Seelische Belastungen wie geringes Selbstwertgefühl, soziale Isolation oder Depression
Langzeitprognose
Psoriasis ist eine chronische Erkrankung, aber die Prognose ist in der Regel gut. Mit der richtigen Behandlung und einer guten Begleitung können die meisten Jugendlichen ein normales, aktives Leben führen. Die Erkrankung kann sich im Laufe der Jahre bessern oder auch wieder aufflammen. Eine frühzeitige Behandlung und eine enge Zusammenarbeit mit dem Arzt verbessern die Lebensqualität deutlich. Lassen Sie sich nicht entmutigen – es gibt viele wirksame Therapien und Unterstützung.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutscher Psoriasis Bund e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.