Rectal prolapse awareness
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein Rektumprolaps (auch Mastdarmvorfall genannt) bedeutet, dass ein Teil des Enddarms (Rektum) aus dem After heraustritt. Das Gewebe sieht dann wie ein rötlicher, feuchter Knoten aus. Es ist eine gutartige Erkrankung, die behandelt werden kann.
Wichtige Fakten
- Rektumprolaps tritt auf, wenn der Darm durch schwaches Bindegewebe oder Muskeln im Beckenboden nach unten rutscht.
- Es gibt verschiedene Schweregrade: Bei leichten Fällen tritt der Darm nur beim Pressen heraus und geht von selbst zurück, bei schweren bleibt er dauerhaft draußen.
- Rektumprolaps ist kein Krebs und keine ansteckende Krankheit.
Rektumprolaps ist nicht sehr häufig, kommt aber vor allem bei älteren Menschen (besonders Frauen nach der Menopause) und bei Kindern unter 3 Jahren vor. Insgesamt ist es eine seltene Erkrankung.
Am häufigsten betroffen sind Frauen über 60 Jahre (ca. 80 % der Fälle) und Kinder im Kleinkindalter. Auch Männer können es bekommen, vor allem bei chronischer Verstopfung oder nach Prostata-Operationen.
Symptome
- Plötzliche starke Schmerzen im After oder Unterleib
- Der herausgetretene Darm wird blau, schwarz oder fühlt sich kalt an (Zeichen einer Einklemmung / Strangulation)
- Unterleibsschmerzen mit Übelkeit und Erbrechen
- ⚠Der Prolaps lässt sich nicht mehr zurückschieben (auch nicht nach einem warmen Bad)
- ⚠Fieber in Verbindung mit Schmerzen im After oder Bauch
- ⚠Starke Blutungen aus dem After
Häufige Symptome
- Das Gefühl, dass beim Stuhlgang etwas aus dem After heraustritt
- Ein sichtbarer, roter Knoten am After
- Schleim- oder Blutabgang aus dem After
- Das Gefühl, den Darm nicht vollständig entleeren zu können
- Nässen oder Jucken in der Aftergegend
Symptome bei Kindern
- Ein roter Knoten, der beim Pressen sichtbar wird und nach dem Stuhlgang oft von selbst verschwindet
- Häufiger Stuhldrang, Verstopfung
- Das Kind klagt über ein Fremdkörpergefühl am Po
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ein dauerhafter Knoten, der sich nicht mehr zurückbildet
- Starker Schleimabgang, der die Unterwäsche durchnässt
- Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- Inkontinenz für Stuhl oder Gas
Ursachen
Hauptursachen
- Chronische Verstopfung mit starkem Pressen beim Stuhlgang
- Schwäche der Beckenbodenmuskulatur (z. B. durch Alter, Schwangerschaft oder Geburten)
- Längere schwere körperliche Arbeit oder ständiges Tragen von Lasten
- Chronischer Husten (z. B. bei COPD oder Raucherhusten)
Risikofaktoren
- Alter über 50 Jahre
- Weibliches Geschlecht (besonders nach mehreren Geburten)
- Adipositas (starkes Übergewicht)
- Chronische Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
- Zustand nach Operationen am Becken oder After
- Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose (schwächt die Muskelkontrolle)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn der Prolaps nicht zurückgeht oder sich nicht zurückschieben lässt
- Bei plötzlichen starken Schmerzen oder Blutungen
- Bei Zeichen einer Einklemmung (siehe Notfall-Symptome)
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie bemerken, dass beim Stuhlgang immer wieder ein Knoten austritt
- Bei wiederkehrendem Schleim- oder Blutabgang aus dem After
- Wenn Sie das Gefühl haben, den Darm nicht richtig entleeren zu können
- Wenn das Problem den Alltag belastet oder Sie sich schämen
Diagnose
Die Diagnose stellt der Arzt meist allein durch die körperliche Untersuchung und das Gespräch über Ihre Beschwerden. Oft wird der Prolaps sichtbar, wenn Sie pressen oder auf der Toilette sitzen.
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet den After ab und bittet Sie, zu pressen, um den Prolaps zu provozieren.
- Spiegelung des Enddarms (Proktoskopie / Rektoskopie): Dabei wird mit einem dünnen, beleuchteten Rohr in den After geschaut, um Verletzungen oder andere Ursachen auszuschließen.
- In manchen Fällen: Darmspiegelung (Koloskopie), um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Manchmal: Spezielle Druckmessung (Manometrie) oder Ultraschall des Beckenbodens.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist meist unangenehm, aber nicht schmerzhaft. Sie werden gebeten, auf einem Stuhl oder auf der Seite zu liegen. Der Arzt geht mit eingeölten Fingern oder dem Spiegel vorsichtig vor. Nach der Untersuchung können Sie sofort wieder nach Hause.
Behandlung
Die Behandlung hängt vom Schweregrad und Ihren persönlichen Umständen ab. Sie reicht von einfachen Maßnahmen (wie Ernährungsumstellung) über nicht-operative Therapien bis hin zu operativen Eingriffen. Ziel ist es, die Beschwerden zu lindern und den Darm dauerhaft in Position zu halten.
Selbsthilfe zu Hause
- Ballaststoffreiche Kost essen (z. B. Vollkornbrot, Obst, Gemüse) und ausreichend trinken (mindestens 1,5–2 Liter pro Tag), um Verstopfung zu vermeiden.
- Nicht pressen beim Stuhlgang – abwarten, bis der Stuhl von selbst kommt.
- Beckenbodentraining: Übungen zur Stärkung der Muskulatur können helfen, den Damm zu stützen.
- Zurückschieben des Prolapses nach Anleitung des Arztes: Mit einem sauberen, feuchten Tuch oder mit etwas Gleitgel kann der Darm vorsichtig zurückgeschoben werden.
Medizinische Behandlungen
Bei leichten Formen kommen manchmal Stuhlaufweicher (nicht als Medikament genannt) oder lokale Therapien wie Salben zur Anwendung, die die Schleimhaut schützen. Hautärzte oder Proktologen können Ihnen geeignete Präparate empfehlen. Bei Kindern heilt der Prolaps häufig von selbst, wenn die Verstopfung behandelt wird.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen oder der Prolaps starke Beschwerden verursacht, kann eine Operation nötig sein. Dabei wird der Darm wieder fixiert – entweder über den After (minimalinvasiv) oder über einen Schnitt im Bauch (offene Operation). Die Entscheidung trifft Ihr Chirurg zusammen mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einem Rektumprolaps können Sie gut leben, wenn Sie die richtigen Maßnahmen ergreifen. Viele Menschen lernen, den Prolaps selbst zurückzuschieben und ihre Ernährung anzupassen. Wichtig ist, Verstopfung und Pressen konsequent zu vermeiden.
Tipps für den Alltag
- Täglich Beckenbodenübungen durchführen (z. B. Kegel-Übungen).
- Auf schwere körperliche Belastung verzichten oder Techniken lernen, die den Bauchdruck vermindern.
- Beim Stuhlgang nicht pressen – bei Bedarf Füße auf einen kleinen Hocker stellen („Toiletten-Hockposition“), um die Darmachse zu begradigen.
Ernährung und Bewegung
Eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Flüssigkeit ist das A und O. Regelmäßige Bewegung (Spazierengehen, Schwimmen, Radfahren) fördert die Verdauung und stärkt den Beckenboden. Vermeiden Sie Sportarten mit starkem Pressen oder Springen (z. B. Gewichtheben, Trampolin).
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Der Rektumprolaps kann belastend für das Selbstwertgefühl sein und Ängste auslösen, etwa vor unangenehmen Gerüchen oder peinlichen Situationen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einem Psychotherapeuten darüber. Wichtig: Sie sind nicht allein, viele Menschen haben ähnliche Beschwerden.
Vorbeugung
Nicht immer, aber mit einem gesunden Lebensstil kann das Risiko deutlich gesenkt werden. Vermeiden Sie chronische Verstopfung, pressen Sie beim Stuhlgang nicht, und stärken Sie Ihren Beckenboden mit regelmäßigen Übungen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Einklemmen des Prolapses (Strangulation), was zu Durchblutungsstörungen und Gewebsuntergang führen kann – ein Notfall!
- Geschwüre auf der Schleimhaut des Prolapses, die bluten können
- Dauerhafte Inkontinenz für Stuhl oder Wind
- Wiederkehrende Infektionen oder Entzündungen der Darmschleimhaut
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung ist die Prognose gut. Bei leichten Fällen helfen oft schon konservative Maßnahmen. Auch nach einer Operation erholen sich die meisten Patienten vollständig und haben keine oder nur geringe Beschwerden. Wichtig ist die Nachsorge und die Vermeidung von Risikofaktoren.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
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