Secondary dysmenorrhoea
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Sekundäre Dysmenorrhoe bedeutet starke Regelschmerzen, die durch eine Erkrankung im Beckenbereich verursacht werden – zum Beispiel durch Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter), Myome (gutartige Muskeltumore der Gebärmutter) oder Entzündungen. Im Gegensatz zu primärer Dysmenorrhoe, die ohne erkennbare Ursache auftritt, hat die sekundäre Form eine zugrundeliegende körperliche Ursache.
Wichtige Fakten
- Die Schmerzen beginnen oft erst Jahre nach der ersten Regelblutung oder werden mit der Zeit stärker.
- Häufige Ursachen sind Endometriose, Adenomyose oder Gebärmuttermyome.
- Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und kann Schmerzen lindern.
Sekundäre Dysmenorrhoe ist seltener als die primäre Form, aber dennoch ein häufiges Problem bei Frauen im gebärfähigen Alter. Schätzungsweise jede vierte Frau mit Regelschmerzen hat eine sekundäre Ursache.
Sie betrifft vor allem Frauen zwischen 30 und 45 Jahren, kann aber auch jüngere oder ältere Frauen betreffen, wenn eine Grunderkrankung vorliegt.
Symptome
- Plötzliche, sehr starke Schmerzen im Unterleib, die mit Übelkeit oder Ohnmacht einhergehen
- Starke Blutungen mit Schwindel oder Kreislaufproblemen
- Verdacht auf eine geplatzte Eileiterschwangerschaft (bei Schwangerschaft möglich)
- ⚠Fieber zusätzlich zu den Schmerzen (mögliche Infektion)
- ⚠Schmerzen, die auch nach Einnahme von Schmerzmitteln nicht nachlassen
- ⚠Schmerzen, die Sie am normalen Tagesablauf hindern
Häufige Symptome
- Starke, krampfartige Schmerzen im Unterleib während oder kurz vor der Regelblutung
- Schmerzen, die in den unteren Rücken oder die Oberschenkel ausstrahlen
- Starke oder verlängerte Blutungen
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
- Schmerzen auch außerhalb der Menstruation (chronische Beckenschmerzen)
- übelkeit, Erbrechen oder Durchfall während der Periode
Symptome bei Kindern
- Bei Jugendlichen ist eine sekundäre Dysmenorrhoe selten. Wenn Schmerzen bereits bei den ersten Perioden auftreten, liegt meist eine primäre Dysmenorrhoe vor. Treten starke Schmerzen einige Jahre nach der ersten Regel auf, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei Frauen über 40 können die Schmerzen auf Myome, Adenomyose oder Endometriose hinweisen. Auch Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) können eine Rolle spielen.
Ursachen
Hauptursachen
- Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter)
- Adenomyose (Gebärmutterschleimhaut in der Muskelschicht der Gebärmutter)
- Gebärmuttermyome (gutartige Muskeltumore)
- Entzündungen des Beckens (PID – Pelvic Inflammatory Disease, oft durch Infektionen)
- Verengung des Gebärmutterhalses (Zervixstenose)
- Verwendung einer Kupferspirale (intrauterinpessar – IUP)
Risikofaktoren
- Alter über 30 Jahre
- Bestimmte Grunderkrankungen wie Endometriose oder Myome in der Familie
- Mehrfache Schwangerschaften und Geburten
- Frühere Beckeninfektionen oder Geschlechtskrankheiten
- Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn die Schmerzen plötzlich sehr stark werden oder Sie umfallen
- Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder starke Unterleibsschmerzen haben
- Wenn Sie schwanger sind und starke Schmerzen oder Blutungen bemerken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Schmerzen von Monat zu Monat schlimmer werden
- Wenn Sie Schmerzen auch zwischen den Perioden haben
- Wenn die Regelblutung sehr stark ist (Sie müssen stündlich Binden oder Tampons wechseln)
- Wenn Sie unter 20 Jahre alt sind und starke Schmerzen haben, die Ihre Lebensqualität beeinträchtigen
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einem ausführlichen Gespräch über Ihre Symptome und Ihre Krankengeschichte. Danach folgt eine körperliche und gynäkologische Untersuchung. Der Tastbefund kann Hinweise auf Myome oder vergrößerte Organe geben.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung (Sonographie) des Beckens
- Magnetresonanztomographie (MRT) für genauere Bilder
- Blutuntersuchungen (z. B. auf Entzündungswerte oder Anämie)
- Laparoskopie (Bauchspiegelung): ein minimalinvasiver Eingriff, um das Innere des Beckens direkt zu betrachten und Gewebeproben zu entnehmen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt wird zunächst sanft den Bauch abtasten und eine gynäkologische Untersuchung durchführen. Je nach Verdacht kann auch eine Ultraschalluntersuchung folgen – diese ist schmerzfrei und dauert etwa 15 Minuten. Bei einer Bauchspiegelung erhalten Sie eine kurze Vollnarkose. Der Arzt klärt Sie vorher genau über die Schritte auf.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Ziel ist es, die Schmerzen zu lindern und die Grunderkrankung zu behandeln. Oft helfen einfache Maßnahmen, manchmal sind auch Medikamente oder Eingriffe nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Wärme anwenden – zum Beispiel eine Wärmflasche oder ein warmes Bad
- Leichte Bewegung oder Dehnübungen (Yoga, Spaziergang)
- Entspannungstechniken wie tiefe Bauchatmung oder Meditation
- Ausreichend Schlaf und Stressvermeidung
Medizinische Behandlungen
Zur Behandlung gehören nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Arzneimittel mit entzündungshemmender Wirkung. Hormonelle Behandlungen wie die Antibabypille oder Gestagenpräparate können die Beschwerden lindern. Bei stärkeren Fällen kommen GnRH-Agonisten (Hormone, die die Eierstockfunktion vorübergehend unterdrücken) oder andere Hormonmedikamente infrage. Alle Behandlungen werden vom Arzt nach genauer Abklärung verschrieben.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn gutartige Geschwülste (Myome) oder Herde einer Endometriose die Schmerzen verursachen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Dabei werden die Myome oder Endometriose-Herde entfernt (Abtragung). In seltenen Fällen kann bei sehr starken Beschwerden oder abgeschlossener Familienplanung eine Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) eine Option sein.
Leben mit der Erkrankung
Viele Frauen leben mit sekundärer Dysmenorrhoe, indem sie ihre Schmerzen gut managen. Ein Tagebuch über den Zyklus kann helfen, Muster zu erkennen und rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen.
Tipps für den Alltag
- Wärmeanwendungen vor und während der Periode
- Sanfte Bewegung wie Schwimmen oder Radfahren
- Akupunktur oder Yoga – manche Frauen finden das hilfreich
- Ausreichend Schlaf und Pausen im Alltag
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten kann entzündungshemmend wirken. Regelmäßige, moderate Bewegung (3‑ bis 4‑mal pro Woche) fördert die Durchblutung und kann Schmerzen lindern. Vermeiden Sie es, an Schmerztagen komplett still zu liegen – leichte Aktivität tut oft besser.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Chronische Schmerzen können belastend sein und zu Frustration, Angst oder Niedergeschlagenheit führen. Es ist wichtig, sich diese Gefühle einzugestehen und Unterstützung zu suchen. Wenn die Stimmung über Wochen gedrückt ist, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.
Vorbeugung
Eine sekundäre Dysmenorrhoe lässt sich nicht immer verhindern, da viele Ursachen (wie Endometriose oder Myome) genetisch bedingt sind. Allerdings können Sie das Risiko für bestimmte auslösende Erkrankungen senken – zum Beispiel durch Safer Sex zur Vermeidung von Geschlechtskrankheiten, die zu Beckenentzündungen führen können.
Impfungen
Eine Impfung gegen HPV (Humane Papillomaviren) schützt vor Gebärmutterhalskrebs und bestimmten Krebsvorstufen, aber nicht direkt vor sekundärer Dysmenorrhoe. Dennoch wird die HPV-Impfung für Mädchen und Jungen im empfohlenen Alter (9–14 Jahre) empfohlen.
Früherkennungsprogramme
Regelmäßige gynäkologische Vorsorgeuntersuchungen (einmal jährlich) können dazu beitragen, Erkrankungen wie Myome oder Endometriose früh zu erkennen. Achten Sie auf Ihren Körper und gehen Sie bei ungewöhnlichen Beschwerden zum Arzt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Beckenschmerzen – die Schmerzen können auch außerhalb der Periode anhalten
- Einschränkung der Fruchtbarkeit (z. B. durch Endometriose oder Verwachsungen)
- Blutarmut (Anämie) bei sehr starkem Blutverlust
- Vergrößerung oder Verschlimmerung der Grunderkrankung
Langzeitprognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen gut – wenn die Ursache erkannt wird, lassen sich die Schmerzen meist erfolgreich behandeln. Viele Frauen können durch eine Kombination aus Selbsthilfe, Medikamenten oder einem kleinen Eingriff beschwerdefrei werden. Auch wenn nicht alle Ursachen heilbar sind: Es gibt viele Wege, die Lebensqualität deutlich zu verbessern.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.