Selektiver IgA-Mangel – ein Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Ein selektiver IgA-Mangel bedeutet: Im Blut fehlt oder ist eine bestimmte Art von Antikörpern – das Immunglobulin A (kurz IgA) – stark vermindert. Diese Antikörper schützen vor allem die Schleimhäute, also zum Beispiel in Atemwegen, Darm und Mund. Viele Menschen mit IgA-Mangel bemerken keine Beschwerden, andere haben häufiger Infekte oder Allergien.
Wichtige Fakten
- Der selektive IgA-Mangel ist eine angeborene Form der Immunschwäche.
- Die Diagnose wird meist mit einer Blutuntersuchung gestellt.
- Viele Betroffene haben keine oder nur leichte Beschwerden.
- Es gibt keine ursächliche Behandlung, aber die Symptome lassen sich oft gut behandeln.
Er ist die häufigste angeborene Immunschwäche. Schätzungen zufolge kommt er bei etwa 1 von 300 bis 500 Menschen vor.
Er kann in jedem Alter festgestellt werden, wird aber oft erst bei Erwachsenen entdeckt, wenn wegen wiederkehrender Infekte untersucht wird. Männer und Frauen sind etwa gleich häufig betroffen.
Symptome
- Starke Atemnot oder das Gefühl, keine Luft zu bekommen.
- Schwellungen im Gesicht, an Lippen, Zunge oder Hals – vor allem nach einer Bluttransfusion oder einem Medikament.
- Anzeichen eines allergischen Schocks: rasender Puls, Schwindel, Ohnmacht, Hautausschlag mit Atemnot.
- ⚠Fieber über 39 °C, das nicht sinkt oder mit starkem Krankheitsgefühl einhergeht.
- ⚠Anhaltende, starke Schmerzen, zum Beispiel im Bauch oder in der Brust.
- ⚠Zeichen einer schweren Infektion wie Verwirrtheit oder Kreislaufprobleme.
Häufige Symptome
- Viele Menschen haben gar keine Symptome.
- Bei anderen treten häufige Atemwegsinfekte wie Nasennebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung oder Bronchitis auf.
- Auch Durchfallerkrankungen und Magen-Darm-Infekte kommen häufiger vor.
- Manche Betroffene entwickeln Allergien, Asthma oder Autoimmunerkrankungen.
Symptome bei Kindern
- Wiederkehrende Infekte, zum Beispiel Mittelohrentzündungen oder Lungenentzündungen.
- Eine Neigung zu Allergien, zum Beispiel Heuschnupfen oder Neurodermitis.
- Wachstums- oder Gedeihstörungen können in seltenen Fällen auftreten, sind aber nicht typisch.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen wird der IgA-Mangel oft zufällig entdeckt, weil er keine Beschwerden macht.
- Wenn doch Symptome auftreten, können sie mit anderen Alterserscheinungen verwechselt werden, zum Beispiel mit häufigeren Infekten.
Ursachen
Hauptursachen
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig bekannt.
- Eine erbliche (genetische) Neigung spielt eine große Rolle.
- Ein Mangel an IgA entsteht, weil das Immunsystem nicht genug von diesem Antikörper bildet.
Risikofaktoren
- Eine familiäre Häufung – wenn ein Elternteil oder Geschwister betroffen ist.
- Andere Immundefekte in der Familie.
- Bestimmte Autoimmunerkrankungen können mit einem IgA-Mangel vergesellschaftet sein.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber mit starkem Krankheitsgefühl oder wenn eine Infektion nicht abheilt, suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie selbst oder Ihr Kind ungewöhnlich häufig oder schwer an Infekten erkranken.
- Bei wiederkehrenden Allergien oder unklaren Autoimmunerkrankungen.
- Wenn in Ihrer Familie ein IgA-Mangel bekannt ist und Sie sich testen lassen möchten.
Diagnose
Ein selektiver IgA-Mangel wird mit einer Blutuntersuchung festgestellt. Dabei misst der Arzt die Menge der verschiedenen Antikörper im Blut, insbesondere das Immunglobulin A. Um die Diagnose zu sichern, wird der Test in der Regel wiederholt. Die Ärztinnen und Ärzte in Deutschland orientieren sich dabei an den AWMF-Leitlinien.
Mögliche Untersuchungen
- Blutprobe zur Bestimmung von Immunglobulin A (IgA), IgG und IgM.
- Manchmal eine Untersuchung des Stuhls oder Speichels auf IgA.
- Blutbild und weitere immunologische Tests, um andere Ursachen auszuschließen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn die Diagnose feststeht, überweist Sie die Hausärztin oder der Hausarzt in der Regel an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Immunologie. Dort wird besprochen, ob weitere Untersuchungen nötig sind, zum Beispiel auf Allergien oder Autoimmunerkrankungen.
Behandlung
Eine Behandlung, die den IgA-Mangel selbst behebt, gibt es nicht. Im Vordergrund steht, Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden. Viele Menschen mit IgA-Mangel brauchen überhaupt keine dauerhafte Therapie.
Selbsthilfe zu Hause
- Waschen Sie regelmäßig die Hände, um Infektionen vorzubeugen.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und wenig Stress.
- Meiden Sie engen Kontakt zu Personen mit ansteckenden Krankheiten.
- Rauchfrei: Vermeiden Sie Passivrauchen – das schützt die Atemwege.
Medizinische Behandlungen
Je nach Beschwerden kommen Medikamente zum Einsatz, zum Beispiel Antibiotika bei bakteriellen Infektionen oder Medikamente, die das Immunsystem bei Allergien beruhigen. Alle Behandlungen müssen individuell ärztlich angepasst werden. Bei schweren Infektionen kann eine vorbeugende Antibiotika-Therapie erwogen werden. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie dazu beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist beim IgA-Mangel selbst nicht erforderlich. Manchmal sind Folgeerkrankungen wie wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen eine Indikation für einen chirurgischen Eingriff – das entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Leben mit der Erkrankung
Für die meisten Menschen mit IgA-Mangel verläuft der Alltag völlig normal. Sie müssen nur ein bisschen achtsamer mit Infekten umgehen und bei Beschwerden frühzeitig ärztlichen Rat einholen.
Tipps für den Alltag
- Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt das Immunsystem.
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft hält Körper und Seele fit.
- Nehmen Sie an den empfohlenen Vorsorge- und Impfterminen teil.
Ernährung und Bewegung
Es gibt keine spezielle Diät, die einen IgA-Mangel heilt. Achten Sie auf eine gesunde, abwechslungsreiche Kost, damit Ihr Körper alle wichtigen Nährstoffe bekommt. Moderate Bewegung von 30 Minuten an den meisten Tagen ist ideal.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose einer Immunschwäche kann zunächst verunsichern. Es ist ganz normal, sich Sorgen zu machen. Sie sind damit nicht allein. Bei anhaltender Niedergeschlagenheit oder starker Angst dürfen Sie sich professionelle Unterstützung holen – zum Beispiel bei Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder bei einer psychologischen Beratungsstelle.
Vorbeugung
Der IgA-Mangel selbst lässt sich nicht verhindern, da er meist angeboren ist. Sie können aber viel tun, um Infekte und Komplikationen zu vermeiden.
Impfungen
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird anhand Ihrer Krankengeschichte entscheiden, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind. Regelmäßige Auffrischimpfungen sollten Sie nicht verpassen.
Früherkennungsprogramme
Eine routinemäßige Untersuchung aller Menschen auf IgA-Mangel wird nicht empfohlen. Wenn jedoch Symptome auftreten oder eine familiäre Belastung vorliegt, ist eine gezielte Blutuntersuchung sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei unbehandelten, wiederkehrenden Infektionen kann es zu einer chronischen Entzündung von Nasennebenhöhlen, Lunge oder Ohren kommen.
- Im Ausnahmefall kann eine schwere allergische Reaktion auf Blutprodukte auftreten.
- Ein erhöhtes Risiko für Autoimmunerkrankungen wie Schilddrüsenentzündung bleibt bestehen.
Langzeitprognose
Die Prognose beim selektiven IgA-Mangel ist insgesamt gut. Viele Menschen haben keine gesundheitlichen Einschränkungen. Auch wenn Symptome auftreten, lassen sie sich in den meisten Fällen gut in den Griff bekommen. Die Lebenserwartung ist normal.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Selbsthilfegruppe für Immundefekte (DSI) e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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