Sickle cell disease overview
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Sichelzellkrankheit (auch Sichelzellanämie genannt) ist eine erbliche Blutkrankheit. Bei dieser Erkrankung haben die roten Blutkörperchen eine sichelförmige Gestalt statt der normalen runden Form. Diese verformten Zellen verstopfen kleine Blutgefäße und zerfallen schneller, was zu Schmerzen, Blutarmut und anderen Problemen führen kann.
Wichtige Fakten
- Die Sichelzellkrankheit wird von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben (autosomal-rezessiv).
- Die Erkrankung betrifft vor allem Menschen mit afrikanischen, mediterranen, nahöstlichen oder indischen Vorfahren.
- Mit einer guten medizinischen Betreuung können Betroffene ein weitgehend normales Leben führen.
In Deutschland ist die Sichelzellkrankheit selten. Weltweit gehört sie jedoch zu den häufigsten Erbkrankheiten. Schätzungen zufolge sind etwa 20 Millionen Menschen betroffen.
Die Krankheit kann Menschen jeden Alters betreffen, tritt aber meist schon im Säuglings- oder Kleinkindalter auf. In Deutschland sind besonders Menschen mit Migrationshintergrund aus den genannten Regionen betroffen.
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder Brustschmerzen
- Anzeichen eines Schlaganfalls (z. B. einseitige Lähmung, Sprachstörungen, plötzliche Verwirrtheit)
- Länger andauernde, sehr starke Schmerzen, die nicht auf Hausmittel ansprechen
- ⚠Fieber über 38,5 Grad Celsius (vor allem bei Kindern)
- ⚠Starke Bauchschmerzen oder Erbrechen
- ⚠Sehstörungen oder ungewöhnliche Kopfschmerzen
Häufige Symptome
- Schmerzkrisen (plötzliche, starke Schmerzen in Knochen, Brustkorb, Bauch oder Gelenken)
- Müdigkeit und Blässe aufgrund von Blutarmut (Anämie)
- Gelbfärbung der Haut und Augen (Gelbsucht) durch vermehrten Zerfall der roten Blutkörperchen
Symptome bei Kindern
- Schmerzhafte Schwellungen an Händen und Füßen (sogenanntes Hand-Fuß-Syndrom)
- Häufige Infektionen, besonders Lungenentzündung
- Verzögertes Wachstum und verzögerte Pubertät
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Chronische Schmerzen und Gelenkprobleme
- Nierenschäden und Bluthochdruck
- Langfristige Lungenschäden (pulmonale Hypertonie)
Ursachen
Hauptursachen
- Die Sichelzellkrankheit wird durch eine Veränderung (Mutation) im Gen verursacht, das den roten Blutfarbstoff Hämoglobin herstellt. Diese Mutation führt zur Bildung eines veränderten Hämoglobins (Hämoglobin S).
- Die Krankheit wird autosomal-rezessiv vererbt: Ein Kind muss von beiden Elternteilen das veränderte Gen erben, um zu erkranken.
Risikofaktoren
- Eltern mit afrikanischen, mediterranen, nahöstlichen, indischen oder südeuropäischen Wurzeln haben ein höheres Risiko, Träger des Gens zu sein.
- Ein Geschwisterkind mit Sichelzellkrankheit erhöht das Risiko für weitere Kinder.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Fieber über 38,5°C oder Anzeichen einer Infektion
- Bei starken Schmerzen, die mit Hausmitteln nicht nachlassen
- Bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerzen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrolltermine beim Hausarzt oder Kinderarzt sowie beim Blut- oder Facharzt (Hämatologen) sind wichtig.
- Vorsorgeuntersuchungen wie Blutbild, Ultraschall der Milz oder Herzuntersuchungen sollten nach Plan erfolgen.
Diagnose
Die Diagnose wird durch einen Bluttest gestellt. In Deutschland wird bei Neugeborenen ein Screening auf Sichelzellkrankheit angeboten. Bei Erwachsenen erfolgt die Diagnose meist nach Auftreten von Symptomen oder durch eine gezielte Untersuchung bei familiärer Vorbelastung.
Mögliche Untersuchungen
- Blutbild (zeigt Blutarmut und sichelförmige Zellen)
- Hämoglobin-Elektrophorese (bestimmt die verschiedenen Hämoglobine im Blut)
- Gentest (bestätigt die Genveränderung)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt entnimmt eine Blutprobe, meist aus der Armvene. Die Untersuchung ist unkompliziert und schmerzarm. Das Ergebnis liegt je nach Labor nach einigen Tagen vor. Bei Verdacht wird der Arzt alle nötigen Schritte mit Ihnen besprechen.
Behandlung
Die Behandlung der Sichelzellkrankheit zielt darauf ab, Schmerzkrisen zu verhindern, Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu verbessern. Es gibt keine universelle Heilung, aber moderne Therapien können den Verlauf deutlich mildern.
Selbsthilfe zu Hause
- Trinken Sie ausreichend Wasser (mindestens 2–3 Liter täglich), um die Blutgefäße durchlässig zu halten.
- Vermeiden Sie extreme Kälte, Hitze und Höhenlagen, da diese Krisen auslösen können.
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und vermeiden Sie übermäßige körperliche Anstrengung.
Medizinische Behandlungen
Die medizinische Behandlung umfasst unter anderem Schmerzmittel zur Bewältigung von Krisen, Antibiotika zur Vorbeugung von Infektionen (besonders bei Kindern), Bluttransfusionen bei schwerer Blutarmut sowie Medikamente, die die Bildung von fetalem Hämoglobin fördern (dieses verhindert die Sichelung). Ihr Arzt wird mit Ihnen den individuell besten Therapieplan besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
In seltenen Fällen kann eine Stammzelltransplantation (Knochenmarktransplantation) die Krankheit heilen. Diese ist jedoch nur bei schweren Verläufen und nach sorgfältiger Prüfung möglich. Eine Operation ist keine Routinebehandlung.
Leben mit der Erkrankung
Menschen mit Sichelzellkrankheit können ein erfülltes Leben führen, wenn sie regelmäßig in ärztlicher Betreuung sind und auf ihren Körper achten. Planen Sie Pausen ein und vermeiden Sie extreme Belastungen.
Tipps für den Alltag
- Halten Sie einen Impfplan ein – insbesondere gegen Pneumokokken, Meningokokken und Grippe.
- Vermeiden Sie Rauchen und Alkohol, da diese die Durchblutung verschlechtern.
- Suchen Sie bei Fieber oder Infektionen frühzeitig ärztliche Hilfe.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten unterstützt die allgemeine Gesundheit. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen ist empfehlenswert. Vermeiden Sie jedoch anstrengenden Sport bei großer Hitze oder Kälte.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die chronische Erkrankung kann zu Ängsten, Depressionen oder sozialer Isolation führen. Es ist wichtig, sich Unterstützung zu holen – sei es durch Gespräche mit Freunden, einer Selbsthilfegruppe oder professioneller psychologischer Beratung.
Vorbeugung
Da die Sichelzellkrankheit erblich ist, kann sie nicht verhindert werden. Allerdings kann eine genetische Beratung Paaren mit Risikofaktoren helfen, die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung bei Kindern einzuschätzen.
Impfungen
Impfungen sind ein wichtiger Teil der Vorbeugung von Infektionen. Ihr Arzt wird Ihnen einen Impfplan empfehlen, der Impfungen gegen Pneumokokken, Meningokokken, Grippe und andere Erreger umfasst.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird bei Neugeborenen ein Screening auf Sichelzellkrankheit durchgeführt. Bei Erwachsenen mit familiärer Vorbelastung kann ein Gentest durchgeführt werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wiederholte Schmerzkrisen und chronische Schäden an Organen wie Milz, Nieren, Lunge und Gehirn
- Erhöhtes Risiko für Schlaganfälle, besonders bei Kindern
- Gefahr von schweren Infektionen (z. B. Lungenentzündung oder Blutvergiftung)
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Diagnose und moderner Behandlung haben Menschen mit Sichelzellkrankheit heute eine gute Lebenserwartung und können ein aktives Leben führen. Die Forschung schreitet voran, und neue Therapien geben Hoffnung. Auch wenn die Krankheit nicht heilbar ist, lässt sich der Verlauf durch konsequente ärztliche Betreuung oft gut kontrollieren.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Selbsthilfegruppen für Sichelzellkrankheit (über Krankenkassen oder Sozialdienste erfragbar) · Deutschland
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 17. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.