Leben mit Spina bifida
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Spina bifida (auch Spaltwirbelsäule genannt) ist eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule. Dabei ist der Wirbelkanal an einer Stelle nicht vollständig geschlossen. Das Rückenmark und die Nerven liegen dadurch ungeschützt. Je nach Form und Stelle kann das zu unterschiedlichen körperlichen und neurologischen Einschränkungen führen.
Wichtige Fakten
- Die Ausprägung ist sehr unterschiedlich – von kaum sichtbaren Formen bis zu schweren Lähmungen.
- Die häufigste offene Form ist die Meningomyelozele, bei der Nerven und Hirnhäute durch den Spalt nach außen treten.
- Mit guter medizinischer Betreuung erreichen viele Menschen mit Spina bifida ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben.
Spina bifida gehört zu den häufigsten angeborenen Fehlbildungen. In Deutschland wird etwa 1 von 1000 Neugeborenen mit einer offenen Form geboren.
Die Erkrankung entsteht bereits in den ersten Wochen der Schwangerschaft, bevor die meisten Frauen wissen, dass sie schwanger sind. Sie betrifft Jungen und Mädchen etwa gleich häufig.
Symptome
- Plötzliche starke Kopfschmerzen mit Erbrechen
- Anzeichen einer Hirnhautentzündung: Fieber, Nackensteifigkeit, Lichtscheu, starke Müdigkeit
- Neu auftretende Lähmungen oder Taubheitsgefühle
- ⚠Starke Schmerzen, die nicht nachlassen
- ⚠Schwierigkeiten beim Wasserlassen oder Stuhlgang
- ⚠Fieber mit Rötung oder Schwellung an einer Operationsnarbe
Häufige Symptome
- Lähmungen oder Gefühlsstörungen in den Beinen
- Blasen- und Darmentleerungsstörungen
- Wasserkopf (Hydrocephalus) bei vielen Betroffenen
Symptome bei Kindern
- Entwicklungsverzögerungen beim Sitzen, Krabbeln oder Laufen
- Lernschwierigkeiten in der Schule oder im Alltag
- Wachstums- oder Haltungsschäden, zum Beispiel eine seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose)
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Gelenk- oder Rückenschmerzen durch jahrelange Fehlbelastung
- Abnehmende Gehfähigkeit im Alter
- Nierenfunktionsstörungen durch Blasenentleerungsprobleme
Ursachen
Hauptursachen
- Eine unvollständige Schließung des Neuralrohrs in den ersten 28 Tagen nach der Befruchtung
- Vermutlich spielen mehrere genetische und umweltbedingte Faktoren zusammen
Risikofaktoren
- Folsäuremangel in der Schwangerschaft
- Bestimmte Medikamente, zum Beispiel einige Mittel gegen Epilepsie
- Schlecht eingestellter Diabetes der Mutter
- Übergewicht der Mutter
- Eltern oder Geschwister mit einer Neuralrohrfehlbildung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen neurologischen Symptomen wie Lähmungserscheinungen oder schweren Kopfschmerzen – dies kann ein Notfall sein (Notruf 112)
- Bei Anzeichen einer Infektion der Nerven oder des Gehirns
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Kontrollen der Nieren- und Blasenfunktion
- Jährliche Untersuchung der Wirbelsäule und der Haut über dem Spalt
- Kontrolle von Sehfähigkeit und Hirndruck, falls ein Wasserkopf vorliegt
Diagnose
Spina bifida kann oft schon vor der Geburt bei einer Ultraschalluntersuchung entdeckt werden. Nach der Geburt bestätigen eine körperliche Untersuchung und bildgebende Verfahren die Diagnose.
Mögliche Untersuchungen
- Feindiagnostik per Ultraschall im zweiten Schwangerschaftsdrittel
- Bluttest auf Alpha-Fetoprotein (AFP) im mütterlichen Blut
- Magnetresonanztomographie (MRT) nach der Geburt zur Beurteilung der Fehlbildung
- Urinuntersuchungen zur Kontrolle der Nierenfunktion
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Wenn die Diagnose vor oder nach der Geburt gestellt wird, erstellt das Behandlungsteam einen individuellen Plan. Es wird erklärt, welche Untersuchungen nötig sind und welche Behandlungsschritte als Nächstes anstehen. Sie haben Zeit, Fragen zu stellen und sich Hilfe zu holen.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Form und Schwere der Spina bifida ab. Ziel ist es, die Nerven zu schützen, Folgeprobleme zu vermeiden und die bestmögliche Lebensqualität zu ermöglichen.
Selbsthilfe zu Hause
- Rückenhaut regelmäßig auf Druckstellen oder Wunden kontrollieren
- Unterstützung bei der Blasenentleerung – zum Beispiel durch einen intermittierenden Katheter – immer mit fachlicher Anleitung
- Ausreichend trinken, um die Nieren zu schützen
- Bewegung und Physiotherapie so viel wie möglich in den Alltag einbauen
Medizinische Behandlungen
Je nach Beschwerden kommen Medikamente zum Einsatz, zum Beispiel gegen Blasenspasmen oder Verstopfung. Auch eine Behandlung gegen Harnwegsinfektionen kann nötig sein. Die Auswahl und Dosierung erfolgt immer durch die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist meist kurz nach der Geburt nötig, um den Wirbelkanal zu verschließen und die Nerven zu schützen. Bei einem Wasserkopf wird häufig ein feines Schläuchlein (Shunt) eingesetzt, das überschüssige Flüssigkeit aus dem Gehirn ableitet. Im späteren Leben können Operationen zur Korrektur von Fehlstellungen oder zur Verbesserung der Blasenfunktion hilfreich sein.
Leben mit der Erkrankung
Spina bifida ist meist eine lebenslange Begleiterin. Der Alltag ist planbar, wenn man die unterstützenden Maßnahmen kennt und regelmäßig auf Warnsignale achtet. Viele Betroffene führen ein selbstbestimmtes Leben, gehen einer Arbeit nach und pflegen soziale Kontakte.
Tipps für den Alltag
- Sport hilft – zum Beispiel Schwimmen, Rollstuhlbasketball oder leichte Übungen stärken Muskeln und Herz
- Rauchfrei bleiben, da Rauchen die Durchblutung verschlechtert und den Körper belastet
- Auf ein gesundes Körpergewicht achten, um Rücken und Gelenke zu entlasten
- Bei Fragen zu Sexualität, Partnerschaft oder Selbstständigkeit ist eine Beratung hilfreich
Ernährung und Bewegung
Eine ballaststoffreiche Ernährung unterstützt die Verdauung und beugt Verstopfung vor. Bewegung ist wichtig, aber nur das, was dem eigenen Körper guttut. Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut kann ein individuelles Übungsprogramm zusammenstellen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Manche Menschen mit Spina bifida fühlen sich anders oder ausgegrenzt. Angst, Niedergeschlagenheit oder Erschöpfung sind nicht selten. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen und mit vertrauten Personen, einer psychologischen Beratungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe darüber zu sprechen.
Vorbeugung
Nicht jede Form der Spina bifida lässt sich verhindern. Eine ausreichende Folsäureversorgung vor der Schwangerschaft und in den ersten Schwangerschaftswochen senkt das Risiko deutlich. Frauen mit Kinderwunsch sollten dies frühzeitig mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen.
Früherkennungsprogramme
Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge können Ultraschall- und Blutuntersuchungen auf eine Spina bifida hinweisen. Diese Untersuchungen sind keine Diagnose, können aber helfen, sich frühzeitig vorzubereiten und Unterstützung zu organisieren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Unbehandelte offene Formen führen zu schweren Nervenschäden, Lähmungen und einem hohen Infektionsrisiko der Nervenhäute
- Harnwegsinfektionen können die Nieren nachhaltig schädigen
- Ein unbehandelter Wasserkopf kann das Gehirn schädigen
- Wunden und Druckstellen im Sitzen können zu schweren Infektionen führen
Langzeitprognose
Mit moderner Medizin und guter Begleitung erreichen viele Menschen mit Spina bifida ein langes und aktives Leben. Manche brauchen Unterstützung im Alltag, aber die meisten haben gute Chancen, ihren eigenen Weg zu gehen – mit Hindernissen, aber auch vielen Möglichkeiten.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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