Leben mit einer überaktiven Schilddrüse (Schilddrüsenüberfunktion)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine überaktive Schilddrüse, auch Schilddrüsenüberfunktion genannt, bedeutet, dass Ihre Schilddrüse zu viele Hormone produziert. Diese Hormone steuern Ihren Stoffwechsel, also wie Ihr Körper Energie verbraucht. Wenn zu viele Hormone im Blut sind, läuft Ihr Stoffwechsel auf Hochtouren.
Wichtige Fakten
- Die Schilddrüse ist ein kleines Organ im Hals, das Hormone für viele Körperfunktionen produziert.
- Eine Überfunktion kann viele Symptome verursachen, z. B. Herzrasen, Gewichtsverlust und Nervosität.
- Mit der richtigen Behandlung können die meisten Menschen ein normales Leben führen.
Eine Schilddrüsenüberfunktion kommt nicht sehr häufig vor, aber sie betrifft schätzungsweise etwa 1 von 100 Erwachsenen in Deutschland. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.
Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, am häufigsten jedoch zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. Sie betrifft Frauen etwa 5- bis 10-mal häufiger als Männer.
Symptome
- Plötzliche starke Brustschmerzen oder Engegefühl
- Atemnot, die nicht vergeht
- Ohnmacht oder Bewusstseinsverlust
- Sehr schneller oder unregelmäßiger Herzschlag (über 140 Schläge pro Minute in Ruhe)
- ⚠Starke Übelkeit oder Erbrechen
- ⚠Fieber über 38°C ohne erkennbare Ursache
- ⚠Verwirrtheit oder extreme Unruhe
- ⚠Starke Durchfälle oder Dehydrationszeichen
Häufige Symptome
- Schneller oder unregelmäßiger Herzschlag (Herzrasen)
- Vermehrter Appetit, aber trotzdem Gewichtsverlust
- Zittern der Hände oder Finger
- Schwitzen und Hitzeunverträglichkeit
- Nervosität, Angst oder Reizbarkeit
- Müdigkeit und Muskelschwäche
- Häufiger Stuhlgang
- Schlafstörungen
- Vergrößerung der Schilddrüse (Kropf)
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern können zusätzlich zu den allgemeinen Symptomen ein schnelleres Wachstum und Konzentrationsprobleme in der Schule auftreten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Symptome oft weniger deutlich. Sie können Müdigkeit, Schwäche, Gewichtsverlust und Depressionen haben, ohne das typische Zittern oder Herzrasen.
Ursachen
Hauptursachen
- Morbus Basedow: eine Autoimmunerkrankung, bei der das körpereigene Immunsystem die Schilddrüse zur Überproduktion anregt.
- Schilddrüsenknoten: gutartige Knoten, die unkontrolliert Hormone bilden (sogenannte autonome Adenome).
- Schilddrüsenentzündung: eine Entzündung, die Hormone freisetzen kann (Thyreoiditis).
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter zwischen 20 und 50 Jahren
- Familiäre Vorbelastung (z. B. Schilddrüsenerkrankungen in der Familie)
- Rauchen (erhöht Risiko für Morbus Basedow)
- Jodmangel oder Jodüberschuss (selten)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichem Herzrasen, Atemnot oder Brustschmerzen – sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei Anzeichen eines Schilddrüsensturms (extrem hohes Fieber, Verwirrtheit, starkes Zittern) – sofort in die Notaufnahme.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie mehrere der oben genannten Symptome über mehrere Wochen bemerken.
- Wenn Sie ungewollt Gewicht verlieren oder ständig müde sind.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin wird zuerst mit Ihnen über Ihre Symptome und Ihre Krankengeschichte sprechen. Danach folgen körperliche Untersuchungen und Bluttests.
Mögliche Untersuchungen
- Blutuntersuchung auf Schilddrüsenhormone (TSH, T3, T4) – bei Überfunktion ist TSH erniedrigt, T3 und T4 erhöht.
- Ultraschall der Schilddrüse – um Größe, Knoten oder Entzündungen zu erkennen.
- Szintigrafie (nuklearmedizinische Untersuchung) – zeigt, welche Bereiche der Schilddrüse übermäßig aktiv sind.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist in der Regel unkompliziert. Ihr Arzt wird die Ergebnisse mit Ihnen besprechen und einen Behandlungsplan vorschlagen. Möglicherweise werden Sie an einen Facharzt für Nuklearmedizin oder Endokrinologie überwiesen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und Schwere der Überfunktion. Ziel ist es, die Hormonproduktion zu normalisieren und Symptome zu lindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Sorgen Sie für ausreichend Ruhe und Schlaf.
- Vermeiden Sie Stress und lernen Sie Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.
- Trinken Sie ausreichend, aber vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke, da sie Herzrasen verstärken können.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie extreme Diäten.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Ansätze: Medikamente, die die Hormonproduktion drosseln (Thyreostatika), eine Radiojodtherapie, bei der radioaktives Jod die überaktiven Zellen zerstört, oder eine Operation, bei der Teile der Schilddrüse entfernt werden. Die Wahl hängt von Alter, Gesundheitszustand und Wunsch der Patientin oder des Patienten ab.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt infrage, wenn Medikamente nicht helfen, wenn große Knoten vorhanden sind oder wenn der Verdacht auf Krebs besteht. Dabei wird ein Teil oder die gesamte Schilddrüse entfernt.
Leben mit der Erkrankung
Nach erfolgreicher Behandlung können Sie in der Regel ein normales Leben führen. Bei dauerhafter Behandlung (z. B. nach Radiojodtherapie oder Operation) müssen Sie eventuell Schilddrüsenhormone einnehmen, um den Spiegel auszugleichen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung hilft, Stress abzubauen und das Herz zu stärken.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Jod, aber nicht zu viel (besonders bei Basedow).
- Vermeiden Sie Rauchen, da es die Erkrankung verschlechtern kann.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Vermeiden Sie übermäßigen Koffeinkonsum. Leichte Ausdaueraktivitäten wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren sind gut. Steigern Sie die Intensität langsam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine überaktive Schilddrüse kann Ängste und Stimmungsschwankungen auslösen. Es ist normal, sich manchmal überfordert zu fühlen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, wenn die psychischen Symptome stark sind. Psychotherapie kann helfen.
Vorbeugung
Eine Schilddrüsenüberfunktion lässt sich nicht immer verhindern, da sie oft durch Autoimmunreaktionen verursacht wird. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Jod (nicht zu viel, nicht zu wenig) und Stressvermeidung kann das Risiko senken.
Früherkennungsprogramme
Ein allgemeines Screening auf Schilddrüsenerkrankungen wird nicht empfohlen. Bei familiärer Vorbelastung oder bestimmten Symptomen kann Ihr Arzt eine Untersuchung vorschlagen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Osteoporose (Knochenschwund) durch langsame Knochendichteabnahme
- Schilddrüsensturm (lebensbedrohliche Überfunktion mit Fieber, Verwirrtheit)
- Augenprobleme (bei Morbus Basedow: hervortretende Augen)
Langzeitprognose
Mit der richtigen Behandlung haben die meisten Menschen eine sehr gute Prognose. Die Symptome bessern sich in der Regel innerhalb weniger Wochen bis Monate. Auch bei chronischen Verläufen können Sie ein erfülltes Leben führen. Scheuen Sie sich nicht, regelmäßig Ihre Werte kontrollieren zu lassen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Schilddrüsenzentrum in Ihrer Nähe · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.