Schilddrüsenunterfunktion im Erwachsenenalter – Leben mit einer Unterfunktion
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bedeutet, dass Ihre Schilddrüse zu wenig Hormone produziert. Diese Hormone steuern Ihren Stoffwechsel – also wie Ihr Körper Energie verbraucht und viele wichtige Prozesse ablaufen. Dadurch laufen viele Körperfunktionen langsamer.
Wichtige Fakten
- Die Schilddrüse ist ein kleines Organ am Hals, das Hormone für den gesamten Körper herstellt.
- Eine Unterfunktion kann viele Beschwerden verursachen, die oft langsam und schleichend auftreten.
- Die Behandlung ist meist einfach und sicher: Sie nehmen täglich Hormone in Tablettenform ein.
- Mit der richtigen Behandlung können die meisten Betroffenen ein völlig normales Leben führen.
Ja, die Schilddrüsenunterfunktion gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Schilddrüse. Sie betrifft etwa 5 von 100 Erwachsenen in Deutschland, besonders Frauen und Menschen über 60 Jahre.
Die Erkrankung tritt bei Frauen etwa fünfmal häufiger auf als bei Männern. Auch Menschen mit einer familiären Vorbelastung oder bestimmten Autoimmunerkrankungen (wie Hashimoto-Thyreoiditis) haben ein höheres Risiko. Sie kann in jedem Lebensalter beginnen, wird aber häufiger bei älteren Erwachsenen festgestellt.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder starker Verwirrtheitszustand (myxödematöses Koma)
- Sehr langsame Herzfrequenz unter 40 Schläge pro Minute mit Schwindel oder Ohnmacht
- Atemnot oder Unterkühlung bei gleichzeitiger schwerer Müdigkeit
- ⚠Starke Müdigkeit oder Schwäche, die plötzlich schlimmer wird
- ⚠Verwirrtheit oder Orientierungsprobleme
- ⚠Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme trotz normalem Appetit
- Kälteempfindlichkeit und frösteln
- Trockene Haut und Haare, brüchige Nägel
- Verstopfung
- Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit
- Langsamer Puls und niedriger Blutdruck
- Depressive Verstimmung oder Antriebsmangel
Symptome bei Kindern
- Wachstumsstörungen und verzögerte Pubertät
- Lernschwierigkeiten und Konzentrationsschwäche
- Müdigkeit, Gewichtszunahme
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Symptome können leichter sein oder mit Alterserscheinungen verwechselt werden
- Häufiger: Gedächtnisprobleme, Verwirrtheit, Gangunsicherheit
- Verminderter Appetit und Gewichtsverlust (statt Zunahme)
- Erhöhtes Sturzrisiko durch Muskelschwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis): Das Immunsystem greift die Schilddrüse an und zerstört sie allmählich.
- Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion (z. B. durch Operation oder Strahlentherapie)
- Entzündungen der Schilddrüse (Thyreoiditis)
- Medikamente, die die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen (z. B. bestimmte Herzmedikamente oder Lithium)
- Jodmangel (seltener in Deutschland, aber möglich)
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Familiäre Vorbelastung für Schilddrüsenerkrankungen
- Alter über 60 Jahre
- Vorhandensein anderer Autoimmunerkrankungen (z. B. Typ-1-Diabetes, Zöliakie)
- Bestimmte genetische Veranlagungen
- Zustand nach Schwangerschaft (postpartale Thyreoiditis)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Plötzliche Verschlechterung der Symptome (z. B. starke Müdigkeit, Verwirrtheit)
- Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen
- Sehr langsamer Puls (unter 50 Schläge pro Minute) mit Schwindel
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sie haben mehrere der oben genannten Symptome, die länger als zwei Wochen anhalten
- Sie fühlen sich dauerhaft müde, antriebslos oder haben unerklärliche Gewichtszunahme
- Sie bemerken eine Veränderung Ihrer Haare, Haut oder Ihrer Stimmung
- Sie haben eine bekannte Autoimmunerkrankung und neue Symptome
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel von Ihrem Hausarzt oder einem Facharzt für Innere Medizin (Endokrinologen) gestellt. Zuerst wird ein ausführliches Gespräch geführt, dann folgen Blutuntersuchungen und manchmal eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Ein erhöhter TSH-Wert deutet auf eine Unterfunktion hin.
- Messung der freien Schilddrüsenhormone (fT3 und fT4): Bei einer Unterfunktion sind diese Werte erniedrigt.
- Antikörpertest: Zum Nachweis einer Hashimoto-Thyreoiditis (TPO-Antikörper).
- Ultraschall der Schilddrüse: Zeigt Größe, Struktur und mögliche Knoten.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutabnahme ist schmerzlos und dauert nur wenige Minuten. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb weniger Tage vor. Ihr Arzt wird die Werte mit Ihnen besprechen und Ihnen die nächsten Schritte erklären. Bei einer bestätigten Unterfunktion wird in der Regel sofort mit einer Behandlung begonnen.
Behandlung
Die Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion ist einfach und sehr wirksam. Sie besteht darin, die fehlenden Hormone durch die Einnahme von Schilddrüsenhormonen in Tablettenform zu ersetzen. Diese Hormone sind die gleichen, die Ihr Körper normalerweise selbst herstellt.AWMF-Leitlinien empfehlen eine individuelle Dosierung, die regelmäßig kontrolliert wird.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Tabletten regelmäßig und immer zur gleichen Tageszeit ein, am besten morgens auf nüchternen Magen.
- Vermeiden Sie die Einnahme zusammen mit kalziumreichen Nahrungsmitteln (z. B. Milchprodukte) oder Eisenpräparaten – halten Sie einen Abstand von mindestens 4 Stunden ein.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch, um Veränderungen festzuhalten.
- Besuchen Sie die vorgeschriebenen Kontrolluntersuchungen beim Arzt, um die Dosis anzupassen.
- Informieren Sie Ihren Arzt über alle anderen Medikamente, die Sie einnehmen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt mit Schilddrüsenhormonen in Tablettenform (Hormonersatztherapie). Die Dosis wird für jeden Patienten individuell angepasst, basierend auf Blutwerten und klinischen Symptomen. Die Therapie ist meist lebenslang erforderlich, aber die meisten Patienten fühlen sich schon nach wenigen Wochen deutlich besser.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion in der Regel nicht notwendig. Sie kommt nur in seltenen Fällen infrage, zum Beispiel wenn gleichzeitig große Knoten oder bösartige Veränderungen vorliegen – dann wird der Eingriff vom Chirurgen durchgeführt.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer gut eingestellten Schilddrüsenunterfunktion können Sie ein normales Leben führen. Die tägliche Einnahme der Tabletten wird schnell zur Routine. Achten Sie auf ausreichend Schlaf, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Hören Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich Ruhepausen, wenn Sie sie brauchen.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft (z. B. Spazierengehen, Radfahren) hilft, Müdigkeit zu bekämpfen und die Stimmung zu heben.
- Stressabbau durch Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training.
- Ausreichend Schlaf (7-8 Stunden pro Nacht) ist besonders wichtig.
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum, da diese die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen können.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß unterstützt Ihren Stoffwechsel. Achten Sie auf ausreichend Jod (z. B. durch Jodsalz, Meeresfisch) – aber nicht zu viel, da dies bei einer Hashimoto-Thyreoiditis kontrovers diskutiert wird. Bewegung hilft, das Gewicht zu kontrollieren und die Stimmung zu verbessern. Beginnen Sie langsam und steigern Sie die Intensität nach und nach.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Schilddrüsenunterfunktion kann depressive Verstimmungen, Antriebslosigkeit und Konzentrationsprobleme verursachen. Es ist wichtig, diese als Teil der Erkrankung zu erkennen. Die richtige Behandlung bessert diese Symptome oft deutlich. Bei anhaltenden psychischen Beschwerden sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen. Bei akuten Krisen wenden Sie sich an die Telefonseelsorge (kostenlos, 24/7 unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222).
Vorbeugung
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann nicht immer verhindert werden, insbesondere wenn sie durch eine Autoimmunerkrankung wie Hashimoto-Thyreoiditis verursacht wird. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Jod (aber nicht zu viel) und Vermeidung von Rauchen kann das Risiko senken. Früherkennung durch regelmäßige Arztbesuche ist sinnvoll.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Screening auf Schilddrüsenunterfunktion bei Erwachsenen ohne Symptome wird nicht empfohlen. Bei Risikogruppen (z. B. Frauen über 60, Menschen mit Autoimmunerkrankungen) kann Ihr Arzt eine TSH-Bestimmung im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung durchführen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Chronische Müdigkeit und Leistungsschwäche
- Gewichtszunahme und erhöhter Cholesterinspiegel mit erhöhtem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Myxödem: Hautverdickung und Schwellungen im Gesicht und an den Beinen
- Psychische Probleme wie schwere Depressionen oder Gedächtnisstörungen
- Im schlimmsten Fall myxödematöses Koma (lebensbedrohlicher Zustand mit Bewusstseinsstörung und Unterkühlung)
Langzeitprognose
Die Prognose ist bei richtiger Behandlung sehr gut. Die meisten Menschen mit Schilddrüsenunterfunktion können ein völlig normales Leben führen, ohne Einschränkungen in Bezug auf Lebenserwartung oder Lebensqualität. Wichtig ist die konsequente Einnahme der Hormone und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Mit einer guten Einstellung sind Sie bestens versorgt.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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