Schilddrüsenunterfunktion bei Säuglingen – angeborene Hypothyreose
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bei Säuglingen bedeutet, dass die Schilddrüse des Babys von Geburt an zu wenig Schilddrüsenhormone produziert. Diese Hormone sind wichtig für das Wachstum und die Entwicklung des Gehirns.
Wichtige Fakten
- Die angeborene Hypothyreose ist eine der häufigsten behandelbaren Ursachen für geistige Entwicklungsverzögerungen.
- In Deutschland wird jedes Neugeborene auf diese Erkrankung getestet (Neugeborenenscreening).
- Wird die Behandlung früh begonnen (in den ersten Lebenswochen), können die meisten Kinder sich normal entwickeln.
Die angeborene Schilddrüsenunterfunktion kommt bei etwa 1 von 3.000 bis 4.000 Neugeborenen vor.
Sie kann jedes Neugeborene betreffen, unabhängig vom Geschlecht. Die Erkrankung ist angeboren, das heißt, das Kind hat sie von Geburt an.
Symptome
- Kind wirkt sehr schläfrig, kaum aufweckbar
- Atemprobleme oder Pausen in der Atmung
- Krampfanfälle
- ⚠Kind verweigert mehrere Mahlzeiten hintereinander das Trinken
- ⚠starke Gelbsucht, die nicht besser wird
- ⚠auffallend schwaches Schreien oder Bewegungsarmut
Häufige Symptome
- Müdigkeit und wenig Aktivität
- schlechtes Trinken oder Saugen
- langanhaltende Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut)
- Verstopfung
- kühle, trockene Haut
- vergrößerte Zunge
- heisere Schreie
- verlängerte Schwangerschaft (Überreife)
Ursachen
Hauptursachen
- Die Schilddrüse ist von Geburt an nicht richtig angelegt (Dysgenesie) – das ist die häufigste Ursache.
- Störungen in der Produktion der Schilddrüsenhormone (Dyshormonogenese).
- Seltene Ursachen: Fehlen oder Unterfunktion der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse).
Risikofaktoren
- Familiäre Vorbelastung (selten)
- Mütterliche Schilddrüsenerkrankungen oder Einnahme von Schilddrüsenmedikamenten in der Schwangerschaft
- Jodmangel in der Schwangerschaft
- Frühgeburtlichkeit
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn das Baby auffallend schläfrig und kaum ansprechbar ist
- Bei Anzeichen einer schweren Gelbsucht oder Atemnot
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Alle Babys werden kurz nach der Geburt auf Schilddrüsenunterfunktion getestet – der Test ist Teil des Neugeborenenscreenings.
- Wenn ein erhöhtes Risiko besteht (z. B. familiäre Vorbelastung), sollten Eltern bereits vor der Geburt mit dem Kinderarzt sprechen.
Diagnose
Die Diagnose wird in der Regel durch das Neugeborenenscreening gestellt. Dabei wird bei allen Babys zwischen dem 36. und 72. Lebenstag ein Blutstropfen aus der Ferse entnommen und auf Schilddrüsenhormone untersucht.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) und freies T4 (Schilddrüsenhormon)
- Bei auffälligem Screening: weiterführende Blutuntersuchungen
- Ultraschall der Schilddrüse zur Beurteilung der Größe und Lage
- In seltenen Fällen: Schilddrüsenszintigrafie
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Bei einem auffälligen Screening wird das Kind umgehend zu einem Kinderarzt oder einer Kinderklinik überwiesen. Dort werden die genauen Blutwerte bestimmt und die Behandlung eingeleitet. Die Eltern erhalten ausführliche Beratung und einen Behandlungsplan.
Behandlung
Die Behandlung besteht aus der täglichen Gabe von Schilddrüsenhormonen in Form von Tabletten oder Tropfen. Ziel ist es, den Hormonspiegel im Blut auf ein normales Niveau einzustellen, damit sich das Kind normal entwickeln kann.
Selbsthilfe zu Hause
- Geben Sie die Medikamente immer zur gleichen Zeit – am besten morgens vor dem Stillen oder der Flasche.
- Die Tablette kann zerkleinert und mit etwas Muttermilch oder Wasser gemischt werden (nicht in die Flasche geben, da die Dosis sonst nicht genau ist).
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Kinderarzt sind wichtig, um die Dosis anzupassen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt mit Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin), die in Tablettenform verabreicht werden. Die Dosis wird individuell an das Gewicht und die Blutwerte des Babys angepasst. Die Therapie muss lebenslang fortgeführt werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei angeborener Schilddrüsenunterfunktion nicht notwendig, da die Ursache in der Schilddrüse selbst liegt und durch Medikamente behandelbar ist.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Behandlung können Kinder mit angeborener Hypothyreose ein völlig normales Leben führen. Wichtig ist die tägliche Einnahme der Medikamente und regelmäßige Arztbesuche.
Tipps für den Alltag
- Geben Sie die Medikamente zuverlässig jeden Tag zur gleichen Zeit.
- Achten Sie auf die Entwicklung Ihres Kindes und besprechen Sie Auffälligkeiten mit dem Arzt.
- Informieren Sie Erzieher, später Lehrer und Betreuer über die Erkrankung.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist nicht erforderlich. Stellen Sie sicher, dass Ihr Baby ausreichend Jod erhält – das ist in Säuglingsmilch und in der Regel auch in der Muttermilch enthalten. Fragen Sie Ihren Kinderarzt, ob eine zusätzliche Jodgabe sinnvoll ist.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann für Eltern zunächst belastend sein. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Die gute Nachricht ist: Mit frühzeitiger Behandlung sind die Chancen auf eine normale geistige und körperliche Entwicklung sehr gut. Bei Bedarf können Eltern psychologische Unterstützung suchen.
Vorbeugung
Die angeborene Hypothyreose lässt sich nicht verhindern, da sie meist auf einer Fehlanlage der Schilddrüse beruht. Allerdings kann eine ausreichende Jodversorgung der Mutter in der Schwangerschaft das Risiko für jodmangelbedingte Formen senken.
Impfungen
Entfällt – es gibt keinen Impfstoff gegen Schilddrüsenunterfunktion.
Früherkennungsprogramme
Ja, das Neugeborenenscreening ist ein effektives Werkzeug, um die Erkrankung früh zu erkennen. Es ist in Deutschland für alle Neugeborenen empfohlen und wird in der Regel von der Krankenkasse übernommen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Geistige Entwicklungsverzögerung
- Wachstumsstörungen
- Hörschäden
- Verzögerte motorische Entwicklung
- Stoffwechselstörungen bis hin zum Koma (selten)
Langzeitprognose
Die Prognose ist bei frühzeitiger Behandlung sehr gut. Die meisten Kinder entwickeln sich völlig normal, besitzen eine normale Intelligenz und führen ein gesundes Leben. Wichtig ist eine konsequente Therapie und regelmäßige Kontrollen.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Bundesverband Schilddrüse e.V. · Deutschland
- Selbsthilfegruppen für Schilddrüsenerkrankungen · Deutschland (lokal)
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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