Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) im Alter – ein Leitfaden für ältere Menschen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Schilddrüse ist ein kleines Organ im Hals, das Hormone herstellt, die den gesamten Stoffwechsel steuern – also wie Ihr Körper Energie nutzt. Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse zu wenig dieser Hormone. Dadurch laufen viele Körperfunktionen langsamer ab. Das kann sich zum Beispiel durch Müdigkeit, Gewichtszunahme oder eine verlangsamte Herzfrequenz äußern.
Wichtige Fakten
- Die Schilddrüsenunterfunktion ist eine häufige, aber gut behandelbare Erkrankung.
- Die Behandlung besteht meist aus der täglichen Einnahme von Schilddrüsenhormonen, die der Körper normalerweise selbst herstellt.
- Bei älteren Menschen sind die Symptome oft weniger eindeutig – sie werden manchmal fälschlich als normale Alterserscheinungen gedeutet.
- Mit der richtigen Behandlung können die meisten Menschen ein normales, aktives Leben führen.
Ja, eine Schilddrüsenunterfunktion tritt im Alter häufiger auf, insbesondere bei Frauen. Schätzungsweise 5–10 % der über 60-Jährigen sind betroffen, bei Frauen sogar noch öfter.
Vor allem Frauen ab 60 Jahren sind betroffen. Auch Menschen mit einer familiären Vorbelastung oder Autoimmunerkrankungen (wie Hashimoto-Thyreoiditis) haben ein erhöhtes Risiko. Männer sind seltener, aber nicht ausgeschlossen.
Symptome
- Sehr starke Müdigkeit, die plötzlich auftritt
- Verwirrtheit oder Ohnmacht
- Unterkühlung (Körpertemperatur unter 35 °C)
- Langsame, flache Atmung
- Niedriger Blutdruck mit Schwindel oder Bewusstlosigkeit – dies kann auf ein Myxödem-Koma hinweisen, einen lebensbedrohlichen Notfall. Rufen Sie sofort 112!
- ⚠Neu aufgetretene Verwirrtheit oder Gedächtnisprobleme ohne andere Ursache
- ⚠Anhaltende, sehr starke Müdigkeit, die den Alltag unmöglich macht
- ⚠Starke Gewichtszunahme in kurzer Zeit (mehr als 3 kg pro Woche)
- ⚠Atemnot oder Engegefühl im Hals
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme trotz normalem Essverhalten
- Kältegefühl, besonders an Händen und Füßen
- trockene, spröde Haut und Haare
- Verstopfung (Obstipation)
- langsamer Puls
- Heiserkeit oder tiefe Stimme
- depressive Verstimmung
Symptome bei Kindern
- Hinweis: Die Unterfunktion bei Kindern unterscheidet sich. Bei älteren Menschen stehen andere Symptome im Vordergrund. Bei Kindern sind oft Wachstumsverzögerungen, Müdigkeit und Lernschwierigkeiten typisch – bitte sprechen Sie bei Kindersymptomen mit einem Kinderarzt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen sind die Symptome oft unspezifisch und werden leicht mit normalen Altersveränderungen verwechselt:
- Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme („gefühltes Nachlassen“)
- Gangunsicherheit oder Schwindel
- Muskelschwäche, besonders in den Beinen
- Appetitlosigkeit (statt Zunahme)
- Verwirrtheit oder Antriebsarmut (kann an Demenz oder Depression erinnern)
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis): Das Immunsystem greift die Schilddrüse an und zerstört sie nach und nach.
- Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion: Durch Operation oder Bestrahlung kann die Schilddrüse dauerhaft zu wenig Hormone produzieren.
- Jodmangel: In Deutschland wird Jod dem Speisesalz zugesetzt, dennoch kann ein Mangel vorkommen – vor allem bei älteren Menschen mit einseitiger Ernährung.
- Medikamente: Manche Arzneimittel (z. B. Lithium, Amiodaron) können die Schilddrüsenfunktion beeinträchtigen – besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt.
Risikofaktoren
- Weibliches Geschlecht
- Alter über 60 Jahre
- Autoimmunerkrankungen in der Familie (z. B. Hashimoto, Typ-1-Diabetes, Zöliakie)
- Zustand nach Schilddrüsenoperation oder Strahlentherapie am Hals
- Einnahme von bestimmten Medikamenten (z. B. Lithium, Amiodaron)
- Jodmangel (selten in Deutschland, aber möglich)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher Verwirrtheit, extremer Müdigkeit oder Unterkühlung (Notruf 112).
- Bei neu aufgetretener, starker Gangunsicherheit oder Stürzen ohne klare Ursache.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie über mehrere Wochen ungewöhnliche Müdigkeit, Kältegefühl, Verstopfung oder Gedächtnisprobleme bemerken.
- Wenn Sie zunehmen, ohne mehr zu essen – besonders in Kombination mit anderen Symptomen.
- Ein routinemäßiger Bluttest (TSH-Wert) wird empfohlen, wenn Sie älter sind und Symptome auftreten.
- Sprechen Sie auch an, wenn Sie Medikamente einnehmen, die die Schilddrüse beeinflussen können.
Diagnose
Ihr Hausarzt oder ein Facharzt für Innere Medizin oder Endokrinologie (Hormonspezialist) wird Sie körperlich untersuchen und ein Blutbild erstellen. Der wichtigste Test ist die Messung des TSH-Werts (Thyreoidea-stimulierendes Hormon). Ein erhöhter TSH-Wert deutet auf eine Unterfunktion hin.
Mögliche Untersuchungen
- TSH-Bestimmung im Blut (Screening-Test)
- Freies T4 (fT4) und ggf. freies T3 (fT3) – die Schilddrüsenhormone
- Antikörpertest (TPO-Antikörper) – Hinweis auf eine Autoimmunerkrankung (Hashimoto)
- Ultraschall der Schilddrüse (Schallkopf auf dem Hals) – beurteilt Größe und Struktur
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist unkompliziert: Eine Blutabnahme reicht meistens aus. Danach wird mit einem niedrigen Hormonersatz begonnen, und die Dosis wird alle 6–8 Wochen überprüft und angepasst. Bei älteren Menschen wird besonders vorsichtig eingestiegen, um Überdosierungen zu vermeiden.
Behandlung
Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion besteht darin, die fehlenden Hormone zu ersetzen. Das geschieht mit oral einzunehmenden Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin), die der Körper wie die natürlichen Hormone nutzt. Die Dosis wird nach und nach erhöht, bis die Blutwerte im Zielbereich liegen. Bei älteren Menschen wird besonders langsam vorgegangen, um Herz-Kreislauf-Probleme zu vermeiden.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Hormontablette immer zur gleichen Tageszeit (meist morgens, 30–60 Minuten vor dem Frühstück) und nur mit Wasser ein – Kaffee, Tee oder Milchprodukte können die Aufnahme stören.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch: Notieren Sie, wie Sie sich fühlen, sowie Ihr Gewicht und eventuell Ihren Puls – das hilft dem Arzt bei der Dosisanpassung.
- Vereinbaren Sie regelmäßige Kontrolltermine (alle 6–12 Monate) zur Blutabnahme – auch wenn es Ihnen gut geht.
- Informieren Sie Ihren Arzt über alle anderen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Kalzium, Eisen, Magnesium), da diese die Wirkung beeinflussen können.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung erfolgt mit Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin), die synthetisch hergestellt werden und identisch zum körpereigenen Hormon sind. Die Dosierung wird individuell angepasst – beginnend mit einer niedrigen Dosis, die langsam gesteigert wird. Ziel ist es, den TSH-Wert im Normbereich zu halten. Bei einigen Patienten kann eine Kombination mit einem anderen Hormon (T3) notwendig sein – das wird vom Facharzt entschieden. Keine Behandlung ohne ärztliche Überwachung.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist bei einer Schilddrüsenunterfunktion in der Regel nicht notwendig. Sie kommt nur infrage, wenn gleichzeitig Knoten oder eine Vergrößerung vorliegen, die Beschwerden verursachen (Druckgefühl, Schluckbeschwerden). Die Entscheidung trifft der Facharzt. Nach einer Operation bleibt meist eine Unterfunktion bestehen, die dann mit Hormontabletten behandelt wird.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Behandlung können Sie Ihren Alltag normal gestalten. Es braucht nur etwas Geduld und Disziplin bei der Tabletteneinnahme und den Kontrolluntersuchungen. Viele Menschen fühlen sich nach einigen Wochen deutlich besser – haben mehr Energie, eine bessere Stimmung und weniger körperliche Beschwerden.
Tipps für den Alltag
- Nehmen Sie Ihre Hormone zuverlässig ein – am besten in den Morgen, damit sie den Schlaf nicht stören.
- Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Jod (Jodsalz, Seefisch), aber übertreiben Sie es nicht – zu viel Jod kann ebenfalls schaden.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – leichte Aktivitäten wie Spazierengehen, Gymnastik oder Radfahren helfen, den Stoffwechsel anzuregen und die Muskulatur zu erhalten.
- Vermeiden Sie Stress, denn er kann den Hormonhaushalt beeinflussen. Entspannungstechniken wie autogenes Training oder leichte Yoga-Übungen können unterstützen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Jod und Selen (z. B. in Paranüssen, Thunfisch, Eiern) unterstützt die Schilddrüse. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind – oft reicht die normale Ernährung aus. Bewegung ist wichtig: Schon 20–30 Minuten pro Tag – z. B. Spazierengehen, Treppensteigen oder leichtes Krafttraining – verbessern Wohlbefinden und Herz-Kreislauf-Gesundheit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann die Stimmung drücken und zu depressiven Verstimmungen, Vergesslichkeit oder Angstgefühlen führen. Diese Symptome bessern sich meist mit der Behandlung, aber nicht immer vollständig. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt darüber – Hilfe gibt es auch durch Gesprächstherapie oder Selbsthilfegruppen.
Vorbeugung
Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich nicht immer verhindern, vor allem nicht die autoimmune Form (Hashimoto). Sie können aber durch eine ausreichende Jodversorgung (Jodsalz, Meeresfisch) und eine gesunde Lebensweise das Risiko senken. Falls Sie Medikamente einnehmen, die die Schilddrüse beeinflussen, lassen Sie regelmäßig den TSH-Wert kontrollieren.
Früherkennungsprogramme
Bei Menschen mit Risikofaktoren (z. B. Autoimmunerkrankungen in der Familie oder nach Bestrahlung am Hals) kann ein regelmäßiger Bluttest auf TSH sinnvoll sein. Fragen Sie Ihren Arzt, ob ein Screening für Sie infrage kommt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herz-Kreislauf-Probleme: verlangsamter Puls, erhöhte Cholesterinwerte, Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
- Gedächtnisstörungen, die an eine Demenz erinnern können – oft reversibel nach Behandlung
- Depression oder Antriebsmangel – kann fälschlich als psychische Erkrankung gesehen werden
- Myxödem-Koma (sehr selten): lebensbedrohlicher Zustand mit Bewusstseinsstörung und Unterkühlung – Notruf 112
- Muskelschwäche mit Sturzrisiko
- Verstopfung und Darmträgheit
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten, ärztlich überwachten Hormonersatztherapie ist die Prognose sehr gut. Die meisten Beschwerden bilden sich innerhalb von Wochen bis Monaten zurück. Das Risiko für Komplikationen wird deutlich gesenkt. Ein normales, aktives Leben bis ins hohe Alter ist möglich – auch wenn die Behandlung lebenslang erfolgen muss.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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