Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft – was Sie wissen sollten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bedeutet, dass Ihre Schilddrüse zu wenige Hormone produziert. Diese Hormone sind wichtig für den Stoffwechsel und die Entwicklung Ihres Babys. Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an Schilddrüsenhormonen, daher ist eine gute Einstellung besonders wichtig.
Wichtige Fakten
- Eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion kann das Risiko für Fehlgeburten, Frühgeburten und Bluthochdruck in der Schwangerschaft erhöhen.
- Die Behandlung erfolgt meist mit Schilddrüsenhormonen, die in der Schwangerschaft oft höher dosiert werden müssen.
- Regelmäßige Blutkontrollen sind nötig, um die Dosis anzupassen und die Werte im Zielbereich zu halten.
- Mit einer guten Behandlung haben die meisten Frauen eine normale Schwangerschaft und ein gesundes Baby.
Ja, etwa 2–4 von 100 Schwangeren haben eine Schilddrüsenunterfunktion. Sie ist eine der häufigsten hormonellen Störungen in der Schwangerschaft.
Betroffen sind vor allem Frauen mit einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis), aber auch Frauen, die vor der Schwangerschaft keine Probleme hatten, können eine Unterfunktion entwickeln.
Symptome
- Sehr starke Müdigkeit bis zur Bewusstlosigkeit
- Kalte, trockene Haut und niedrige Körpertemperatur
- Langsame oder flache Atmung
- Verwirrtheit oder Desorientiertheit
- ⚠Anhaltende starke Müdigkeit, die den Alltag unmöglich macht
- ⚠Herzrasen oder Brustschmerzen (kann auch durch zu hohe Hormondosis kommen)
- ⚠Plötzliche, starke Gewichtszunahme mit geschwollenen Beinen oder Atemnot
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Kältegefühl, besonders an Händen und Füßen
- Gewichtszunahme trotz normalem Essen
- Trockene Haut und brüchige Nägel
- Verstopfung
- Konzentrationsschwierigkeiten
Symptome bei Kindern
- Nicht anwendbar – das Thema betrifft Schwangere, nicht Kinder.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Nicht anwendbar – das Thema betrifft Schwangere.
Ursachen
Hauptursachen
- Hashimoto-Thyreoiditis – eine Autoimmunerkrankung, bei der das Abwehrsystem die Schilddrüse angreift.
- Jodmangel – die Schilddrüse braucht Jod, um Hormone zu bilden. In Deutschland ist Jodmangel selten, aber möglich.
- Frühere Schilddrüsenoperation oder Radiojodtherapie.
- Angeborene Schilddrüsenunterfunktion (sehr selten).
Risikofaktoren
- Bestehende Schilddrüsenerkrankung in der Familie
- Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder Zöliakie
- Jodmangel in der Ernährung
- Rauchen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Symptomen einer schweren Unterfunktion (siehe Notfallsymptome) – sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei Verdacht auf eine sehr hohe oder sehr niedrige Hormondosis (z. B. Herzrasen oder extreme Müdigkeit) – noch am selben Tag die Ärztin/den Arzt kontaktieren.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie eine Schwangerschaft planen und eine bekannte Schilddrüsenerkrankung haben, sollten Sie die Dosis vor der Schwangerschaft überprüfen lassen.
- Sobald Sie schwanger sind, informieren Sie Ihre Frauenärztin/Ihren Frauenarzt. Lassen Sie die Schilddrüsenwerte kontrollieren.
- Regelmäßige Kontrollen alle 4–6 Wochen während der Schwangerschaft sind wichtig.
Diagnose
Die Diagnose wird durch eine Blutuntersuchung gestellt. Dabei werden die Schilddrüsenhormone (fT3, fT4) und das TSH (ein Hormon, das die Schilddrüse steuert) gemessen. Bei einer Unterfunktion ist das TSH erhöht und die Schilddrüsenhormone sind oft erniedrigt.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf TSH, fT3 und fT4
- Nachweis von Antikörpern (z. B. TPO-Antikörper) zur Ursachenfindung
- Ultraschall der Schilddrüse (wird manchmal gemacht, um die Struktur zu beurteilen)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Blutabnahme ist einfach und schnell. Die Ergebnisse liegen meist innerhalb eines Tages vor. Nach der Diagnose bespricht Ihre Ärztin/Ihr Arzt mit Ihnen die Behandlung. Während der Schwangerschaft werden die Kontrollen häufiger, um die Dosis anzupassen.
Behandlung
Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion in der Schwangerschaft besteht in der Gabe von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin). Die Dosis muss in der Regel erhöht werden, da der Bedarf während der Schwangerschaft steigt. Die Einstellung erfolgt individuell anhand der Blutwerte. Ziel ist es, die Hormonwerte im Normalbereich zu halten.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Hormontablette jeden Morgen auf nüchternen Magen, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück.
- Nehmen Sie die Tablette nicht zusammen mit Kaffee, Milchprodukten oder Eisenpräparaten ein – das stört die Aufnahme.
- Vergessen Sie keine Dosis. Wenn Sie eine vergessen haben, holen Sie sie am selben Tag nach, aber nicht kurz vor der nächsten Einnahme.
- Führen Sie ein Symptomtagebuch und notieren Sie, wie es Ihnen geht – das hilft bei der Dosisanpassung.
Medizinische Behandlungen
Der Arzt oder die Ärztin verschreibt ein Schilddrüsenhormonpräparat, das die fehlenden Hormone ersetzt. Die Dosis wird alle 4–6 Wochen anhand der TSH- und fT4-Werte angepasst. Nach der Geburt wird die Dosis meist wieder auf die ursprüngliche Menge reduziert.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation kommt während der Schwangerschaft nur in sehr seltenen Fällen infrage, z. B. wenn ein Schilddrüsenknoten bösartig ist. Die Standardbehandlung ist die medikamentöse Einstellung.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer gut eingestellten Schilddrüsenunterfunktion können Sie Ihren Alltag normal gestalten. Achten Sie auf regelmäßige Kontrolltermine und nehmen Sie Ihre Tabletten zuverlässig ein. Hören Sie auf Ihren Körper – bei anhaltender Müdigkeit oder anderen Symptomen sprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt.
Tipps für den Alltag
- Ausreichend Schlaf und Ruhepausen einplanen
- Stress reduzieren (z. B. durch leichte Bewegung, Yoga oder Meditation)
- Auf Rauchen und Alkohol verzichten
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft – das fördert den Stoffwechsel
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Jod (z. B. durch jodiertes Speisesalz und Seefisch) ist wichtig. Besprechen Sie mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt, ob Sie zusätzlich Jodtabletten nehmen sollten. Leichte Bewegung wie Spazierengehen oder Schwimmen ist in der Regel unbedenklich – fragen Sie aber vorher Ihre Ärztin/Ihren Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose und die Umstellung der Medikation können Ängste auslösen. Viele Frauen machen sich Sorgen um das Baby. Das ist normal. Offene Gespräche mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt helfen. Wenn die Belastung zu groß wird, suchen Sie psychologische Unterstützung.
Vorbeugung
Eine Schilddrüsenunterfunktion lässt sich nicht immer verhindern, besonders wenn sie auf einer Autoimmunerkrankung beruht. Ein ausreichender Jodgehalt in der Ernährung kann helfen, einem Jodmangel vorzubeugen. Frauen mit bekannten Risikofaktoren sollten vor einer Schwangerschaft ihre Schilddrüse kontrollieren lassen.
Impfungen
Nicht relevant für die Vorbeugung einer Schilddrüsenunterfunktion.
Früherkennungsprogramme
Ein generelles Screening aller Schwangeren auf Schilddrüsenunterfunktion wird in Deutschland nicht empfohlen, aber bei Risikofaktoren oder Symptomen sollten die Werte geprüft werden. Die AWMF-Leitlinie empfiehlt ein gezieltes Screening bei Frauen mit erhöhtem Risiko.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt
- Frühgeburt oder Plazentaprobleme
- Gestationshypertonie (Bluthochdruck in der Schwangerschaft) und Präeklampsie
- Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung des Kindes (z. B. niedrigerer IQ)
- Schilddrüsenunterfunktion beim Neugeborenen (selten)
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Mit einer konsequenten Behandlung und regelmäßigen Kontrollen ist die Prognose sehr gut. Die meisten Frauen mit einer Schilddrüsenunterfunktion bringen ein gesundes Baby zur Welt und haben eine unkomplizierte Schwangerschaft. Vertrauen Sie auf die Zusammenarbeit mit Ihrem medizinischen Team – gemeinsam schaffen Sie das.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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