Schilddrüsenunterfunktion bei Jugendlichen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bedeutet, dass die Schilddrüse zu wenig Hormone produziert. Diese Hormone steuern den Stoffwechsel – also wie der Körper Energie nutzt. Bei Jugendlichen kann das Wachstum, die Entwicklung und die Konzentration beeinträchtigen.
Wichtige Fakten
- Die Schilddrüse sitzt vorne am Hals und produziert Hormone, die den gesamten Körper beeinflussen.
- Eine Unterfunktion kann angeboren sein oder sich im Laufe der Jugend entwickeln.
- Mit einer Behandlung können Betroffene ein völlig normales Leben führen.
Schilddrüsenunterfunktion ist bei Jugendlichen eher selten, kommt aber vor. Sie tritt häufiger bei Mädchen auf.
Jugendliche beiderlei Geschlechts, aber besonders Mädchen. Auch Jugendliche mit einer Autoimmunerkrankung in der Familie haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Bewusstlosigkeit oder starke Verwirrtheit
- sehr langsame, flache Atmung
- Unterkühlung ohne ersichtlichen Grund
- ⚠starke, anhaltende Müdigkeit und Schwäche
- ⚠plötzliche, unerklärliche Gewichtszunahme
- ⚠Schwellungen im Gesicht oder an den Beinen
Häufige Symptome
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Gewichtszunahme trotz normalem Essen
- trockene, blasse Haut
- Verstopfung
- Kältegefühl
- langsamer Herzschlag
- Konzentrationsstörungen
Symptome bei Kindern
- Wachstumsverzögerung (kleiner als Gleichaltrige)
- verzögerte Pubertät
- schlechte schulische Leistungen
- Muskelschwäche
Ursachen
Hauptursachen
- Autoimmunerkrankung (Hashimoto-Thyreoiditis) – das Immunsystem greift die Schilddrüse an
- angeborene Schilddrüsenunterfunktion
- Entfernung der Schilddrüse durch Operation oder Bestrahlung
Risikofaktoren
- weibliches Geschlecht
- Autoimmunerkrankungen in der Familie (z. B. Typ-1-Diabetes, Morbus Basedow)
- bestimmte Medikamente (z. B. Lithium)
- Jodmangel (selten in Deutschland)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- plötzliche, starke Symptome wie extreme Müdigkeit oder Verwirrtheit
- Probleme beim Atmen oder Schlucken
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- anhaltende Müdigkeit, die nicht besser wird
- ungewollte Gewichtszunahme
- trockene Haut oder Kältegefühl
- Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch eine Blutuntersuchung. Dabei werden die Hormone der Schilddrüse (TSH, fT3, fT4) gemessen.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon)
- Messung der freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4
- Ultraschall der Schilddrüse
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt wird auch nach Ihren Symptomen und Ihrer Familiengeschichte fragen. Die Blutabnahme ist schnell und schmerzarm. Ergebnisse liegen oft nach ein bis zwei Tagen vor.
Behandlung
Die Behandlung besteht darin, die fehlenden Schilddrüsenhormone durch Tabletten zu ersetzen. Die Dosis wird individuell angepasst und regelmäßig kontrolliert.
Selbsthilfe zu Hause
- Nehmen Sie Ihre Medikamente täglich zur gleichen Zeit ein – am besten morgens auf nüchternen Magen.
- Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit ausreichend Jod (z. B. Fisch, Milchprodukte, jodiertes Speisesalz).
- Bewegen Sie sich regelmäßig – das hilft dem Stoffwechsel.
Medizinische Behandlungen
Die Standardtherapie ist die Gabe von synthetischem Levothyroxin (Schilddrüsenhormon) in Tablettenform. Die Dosis wird vom Arzt anhand von Blutwerten und Symptomen eingestellt. Eine regelmäßige Kontrolle (alle 3–6 Monate) ist wichtig.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, z. B. wenn die Schilddrüse sehr stark vergrößert ist (Kropf) oder ein Tumor vorliegt.
Leben mit der Erkrankung
Mit der richtigen Behandlung können Sie ein normales Leben führen. Nehmen Sie Ihre Tabletten zuverlässig ein und gehen Sie zu den Kontrolluntersuchungen.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Symptomtagebuch – das hilft dem Arzt, die Dosis anzupassen.
- Vermeiden Sie Stress, wo möglich, und gönnen Sie sich ausreichend Schlaf.
- Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel oder andere Medikamente einnehmen.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit jodhaltigen Lebensmitteln (z. B. Seefisch, Milch, Eier) unterstützt die Behandlung. Vermeiden Sie extreme Diäten oder große Mengen an Soja – das kann die Aufnahme der Hormone stören. Bewegung an der frischen Luft hilft gegen Müdigkeit.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Schilddrüsenunterfunktion kann die Stimmung beeinflussen – viele fühlen sich antriebslos oder niedergeschlagen. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Mit der Behandlung bessern sich diese Gefühle meist. Sollte die gedrückte Stimmung anhalten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder einem Psychologen.
Vorbeugung
Eine Schilddrüsenunterfunktion durch Autoimmunerkrankung lässt sich nicht verhindern. Durch ausreichende Jodzufuhr kann zumindest Jodmangel-bedingten Formen vorgebeugt werden.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird bei Neugeborenen ein Screening auf angeborene Schilddrüsenunterfunktion durchgeführt. Für Jugendliche ohne Symptome ist keine Routinevorsorge empfohlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Wachstumsverzögerung und Kleinwuchs
- verzögerte Pubertät
- Herzprobleme (z. B. verlangsamter Herzschlag, Herzschwäche)
- Hoher Cholesterinspiegel
- Myxödem-Koma (sehr seltene, lebensbedrohliche Komplikation)
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen und konsequenten Behandlung ist die Prognose sehr gut. Die meisten Jugendlichen entwickeln sich normal und können alles erreichen – in der Schule, im Sport und im Alltag. Die Behandlung wird ein Leben lang fortgesetzt, aber sie ist einfach und sicher.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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