Urticaria in children
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Urticaria, auch Nesselsucht oder Nesselfieber genannt, ist eine plötzliche Hautreaktion. Dabei entstehen juckende, rote oder hautfarbene Quaddeln – das sind kleine, erhabene Stellen, die aussehen wie nach einem Brennnesselkontakt. Die Quaddeln können einzeln oder in Gruppen auftreten und wandern oft über den Körper. Meist verschwinden sie innerhalb weniger Stunden oder Tage wieder.
Wichtige Fakten
- Urticaria ist eine der häufigsten Hauterkrankungen bei Kindern – jedes dritte Kind erlebt mindestens einmal im Leben Quaddeln.
- Die Quaddeln entstehen durch eine Freisetzung von Histamin, einem Botenstoff, der die Blutgefäße erweitert und Flüssigkeit ins Gewebe austreten lässt.
- Akute Urticaria dauert weniger als sechs Wochen, chronische Urticaria länger – bei Kindern ist die akute Form viel häufiger.
Ja, Urticaria ist bei Kindern sehr häufig. Schätzungsweise 15 bis 25 Prozent aller Kinder entwickeln mindestens einmal Nesselsucht.
Sie betrifft Säuglinge, Kleinkinder, Schulkinder und Jugendliche gleichermaßen. Ein erhöhtes Risiko besteht bei Kindern mit Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen (atopische Erkrankungen).
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder pfeifende Atemgeräusche
- Schwellung von Lippen, Zunge oder Rachen, die das Schlucken oder Atmen erschwert
- Schwindel, Ohnmacht oder blasse, kalte Haut (Zeichen eines anaphylaktischen Schocks)
- ⚠Schwellungen im Gesicht oder an den Händen, die sehr stark sind
- ⚠Starke Schmerzen in den Quaddeln oder Fieber über 39 °C
- ⚠Quaddeln, die länger als zwei Tage trotz einfacher Maßnahmen nicht zurückgehen
Häufige Symptome
- Rote oder hautfarbene, erhabene Quaddeln, die jucken oder brennen
- Quaddeln verändern Größe und Form, sie „wandern“ über den Körper
- Juckreiz, der oft abends oder nachts stärker wird
- Einzelne Quaddeln verschwinden innerhalb von 24 Stunden, neue können nachkommen
Symptome bei Kindern
- Starker Juckreiz, der Kinder quält und den Schlaf stört
- Bei Säuglingen können Quaddeln auch flächiger aussehen und weniger erhaben sein
- Schwellungen an Händen, Füßen, Lippen oder Augenlidern (Angioödem) treten bei Kindern öfter auf
- Unruhe, Weinen und Kratzspuren auf der Haut
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen ist Urticaria seltener, aber wenn sie auftritt, dauert sie oft länger
- Chronische Urticaria ist im höheren Alter häufiger als bei Kindern
- Hautveränderungen können aufgrund dünnerer Haut und trockenerer Haut anders aussehen
Ursachen
Hauptursachen
- Infektionen – vor allem Virusinfekte (Erkältung, Magen-Darm) lösen bei Kindern am häufigsten Urticaria aus
- Allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel (z. B. Milch, Eier, Erdbeeren, Nüsse), Medikamente (z. B. Antibiotika) oder Insektenstiche
- Physikalische Reize: Kälte, Wärme, Druck, Sonnenlicht oder Wasser (seltenere Formen)
Risikofaktoren
- Atopische Erkrankungen wie Neurodermitis, Asthma oder Heuschnupfen
- Familienvorgeschichte mit Allergien oder Urticaria
- Akute Infekte in den letzten Wochen
- Bestimmte Medikamente (z. B. Schmerzmittel wie Ibuprofen – ohne Namen nennen: „bestimmte Schmerzmittel“)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei Atemnot oder Schwellungen im Mund-/Rachenbereich sofort den Notruf 112 wählen oder in die Notaufnahme gehen
- Bei sehr starken Schwellungen im Gesicht oder an den Händen am selben Tag den Kinderarzt aufsuchen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn die Quaddeln länger als sechs Wochen immer wieder auftauchen (chronische Urticaria)
- Wenn die Ursache unklar ist und die Beschwerden den Alltag des Kindes stark beeinträchtigen
- Vor einer geplanten Allergietestung, wenn ein bestimmter Auslöser vermutet wird
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose meist durch ein Gespräch und eine gründliche Untersuchung der Haut. Er fragt nach früheren Reaktionen, möglichen Auslösern und Begleitsymptomen.
Mögliche Untersuchungen
- Allergietests (Prick-Test oder Bluttest auf allergenspezifische Antikörper) bei Verdacht auf eine Allergie
- Blutuntersuchung, um Infektionen oder andere Ursachen auszuschließen
- Bei chronischer Urticaria können zusätzlich Provokationstests (z. B. Druck-, Kälte- oder Wärmetest) durchgeführt werden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Diagnose ist in der Regel schnell gestellt. Der Arzt wird Ihr Kind untersuchen, die Hautveränderungen begutachten und mit Ihnen besprechen, ob weitere Tests sinnvoll sind. Oft reicht eine genaue Beschreibung der Symptome aus.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, den Juckreiz zu lindern und die Quaddeln zum Abklingen zu bringen. Zuerst werden alle bekannten Auslöser gemieden. Leichte Fälle benötigen oft nur kühlende Maßnahmen. Bei stärkeren Beschwerden können antiallergische Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika helfen. Diese gibt es als Saft, Tabletten oder Tropfen für Kinder. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt, welches Präparat für Ihr Kind am besten geeignet ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Kühle, feuchte Umschläge oder Kühlpads (in ein Tuch gewickelt) auf die juckenden Stellen legen
- Lockere, weiche Kleidung aus Baumwolle tragen – vermeiden Sie Wolle oder synthetische Stoffe
- Die Haut nicht kratzen – kurze Fingernägel schneiden und bei Bedarf weiche Handschuhe über Nacht anziehen
- Kühle Raumtemperatur, nicht schwitzen lassen – Wärme verstärkt oft den Juckreiz
- Baden mit lauwarmem Wasser ohne scharfe Seifen oder Badezusätze, danach sanft abtrocknen
Medizinische Behandlungen
Wenn Selbsthilfe nicht ausreicht, verschreibt der Kinderarzt Antihistaminika. Diese Medikamente blockieren das Histamin und lassen die Quaddeln schneller abklingen. Bei sehr schweren oder lang anhaltenden Fällen kann der Arzt für kurze Zeit Kortison als Tablette oder Saft verordnen – das wirkt entzündungshemmend. Bei chronischer Urticaria gibt es spezielle Therapiepläne, die auf das einzelne Kind abgestimmt werden. Wichtig: Geben Sie Ihrem Kind niemals Medikamente ohne ärztliche Absprache.
Wann kommt eine Operation infrage?
Nicht zutreffend. Urticaria wird nicht operativ behandelt.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Kinder haben nur gelegentlich und kurzzeitig Quaddeln. Wenn die Ursache bekannt ist, können Sie Auslöser im Alltag meiden. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind bei Juckreiz nicht kratzt – das kann die Haut reizen und Infektionen begünstigen. Beruhigen Sie Ihr Kind und lenken Sie es ab, zum Beispiel mit Spielen oder Vorlesen.
Tipps für den Alltag
- Führen Sie ein Tagebuch über Hautausschläge, um mögliche Auslöser zu erkennen (Nahrungsmittel, Aktivitäten, Tageszeit)
- Vermeiden Sie starke Temperaturwechsel und übermäßige Sonneneinstrahlung
- Bei bekannter Kälteurticaria: warme Kleidung, keine kalten Getränke oder Eiscreme
- Bei Druckurticaria: enge Kleidung oder Gürtel vermeiden
Ernährung und Bewegung
Solange kein bestimmtes Nahrungsmittel als Auslöser nachgewiesen ist, braucht Ihr Kind keine Diät einzuhalten. Bewegung und Sport sind erlaubt und gesund. Achten Sie nur darauf, dass Ihr Kind nicht überhitzt oder stark schwitzt, da dies bei manchen Kindern die Quaddeln verschlimmern kann.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Starker Juckreiz kann Kinder quälen, den Schlaf rauben und zu Unruhe oder Reizbarkeit führen. Auch die Sorge vor neuen Quaddeln oder das Gefühl, anders auszusehen, belastet manche Kinder. Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind und erklären Sie, dass die Quaddeln wieder verschwinden. Bei anhaltenden psychischen Belastungen kann ein Gespräch mit dem Kinderarzt oder einer Kinderpsychologin helfen.
Vorbeugung
Nicht jede Urticaria lässt sich verhindern – vor allem die durch Infekte ausgelöste. Wenn jedoch ein bestimmter Auslöser bekannt ist (z. B. ein Nahrungsmittel oder eine physikalische Ursache), können Sie diesen konsequent meiden. Bei allergischer Urticaria kann eine Hyposensibilisierung (Allergie-Immuntherapie) langfristig helfen. Ihr Kinderarzt berät Sie dazu.
Impfungen
Nicht zutreffend. Es gibt keine Impfung gegen Urticaria. Alle empfohlenen Impfungen sollten dennoch durchgeführt werden – sie schützen vor Infektionen, die selbst Urticaria auslösen könnten.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein routinemäßiges Screening auf Urticaria. Wenn Ihr Kind wiederholt Quaddeln hat, ohne erkennbaren Grund, kann der Arzt gezielt nach Allergien oder anderen Ursachen suchen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Angioödem – Schwellungen tieferer Hautschichten, vor allem im Gesicht, an Lippen, Zunge oder Kehlkopf – kann lebensbedrohlich werden, wenn die Atemwege betroffen sind
- Anaphylaxie – eine schwere allergische Reaktion mit Kreislaufversagen und Atemnot – ist ein medizinischer Notfall
- Ständiges Kratzen kann zu Hautverletzungen und bakteriellen Infektionen (z. B. Impetigo) führen
Langzeitprognose
Die allermeisten Kinder mit akuter Urticaria haben eine sehr gute Prognose: Die Quaddeln verschwinden von selbst oder mit kurzer Behandlung und kommen oft gar nicht wieder. Auch chronische Urticaria ist gut behandelbar und heilt bei vielen Kindern innerhalb von ein bis zwei Jahren aus. Ernsthafte Komplikationen wie eine Anaphylaxie sind selten, aber ernst zu nehmen – sprechen Sie mit Ihrem Arzt über einen Notfallplan, falls Ihr Kind zu schweren Reaktionen neigt. Insgesamt können Kinder mit Urticaria ein ganz normales und glückliches Leben führen.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026
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