Angina pectoris: Sicher bewegen und aktiv bleiben
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina pectoris (kurz: Angina) ist ein Druck- oder Engegefühl im Brustkorb. Es entsteht, wenn der Herzmuskel für einen Moment zu wenig Sauerstoff bekommt. Das passiert oft bei Anstrengung, zum Beispiel beim Treppensteigen oder zügigem Gehen. Angela ist keine Krankheit für sich, sondern ein Warnzeichen des Herzens: Die Herzkranzgefäße sind möglicherweise verengt, sodass das Blut nicht mehr gut fließen kann.
Wichtige Fakten
- Angina ist ein Warnsignal, aber kein Herzinfarkt. Trotzdem sollte sie immer ernst genommen werden.
- Bewegung ist bei Angina grundsätzlich möglich und sogar sinnvoll – aber nur nach ärztlicher Beratung.
- Bei Schmerzen in Ruhe oder Schmerzen, die länger als ein paar Minuten anhalten, sofort die 112 rufen.
- Laut deutscher Leitlinien (AWMF) sollte ein Bewegungsprogramm bei Angina immer individuell mit dem Arzt abgestimmt werden.
Ja, Angina pectoris ist häufig. In Deutschland leiden mehrere Millionen Menschen an einer koronaren Herzkrankheit (KHK), und Angina ist die typische Beschwerde dabei.
Besonders betroffen sind ältere Menschen, Männer häufiger als Frauen – aber auch Frauen bekommen Angina; bei ihnen zeigen sich die Beschwerden manchmal untypischer. Wer raucht, Bluthochdruck oder zu hohe Blutfette hat, trägt ein höheres Risiko.
Symptome
- Brustschmerz, der länger als ein paar Minuten anhält
- Schmerzen, die in Ruhe auftreten oder nicht nachlassen
- Zusätzlich: starkes Schwitzen, Übelkeit, extrem schwaches Gefühl
- Beschwerden zusammen mit Ohnmachtsgefühl oder Atemnot
- ⚠Neue oder veränderte Angina-Beschwerden, die bei weniger Belastung auftreten als sonst
- ⚠Häufigere Anfälle oder stärkere Schmerzen – am selben Tag ärztliche Hilfe suchen
Häufige Symptome
- Druck oder Enge in der Brust
- Brennen oder Schmerz hinter dem Brustbein
- Schmerzen, die in linken Arm, Schulter, Kiefer oder Rücken ausstrahlen können
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Beschwerden klingen nach ein paar Minuten Ruhe wieder ab
Ursachen
Hauptursachen
- Ablagerungen in den Herzkranzgefäßen (Arteriosklerose), die die Gefäße verengen
- Verkrampfungen (Spasmen) der Herzkranzgefäße, die den Blutfluss zeitweise blockieren
- Andere Herzerkrankungen, die zusätzlich Sauerstoffmangel verursachen können
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfettwerte, besonders Cholesterin
- Zuckerkrankheit (Diabetes)
- Bewegungsmangel
- Starkes Übergewicht
- Ungesunde Ernährung mit viel Fett und Zucker
- Stress und seelische Belastung
- Familiäre Vorbelastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Angina-Anfälle häufiger kommen, länger dauern oder schon in Ruhe auftreten
- Wenn Hausmittel oder verordnete Notfallmedikamente nicht helfen – sofort ärztliche Hilfe suchen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei erstmaligem Verdacht auf Angina innerhalb weniger Tage einen Termin in einer hausärztlichen oder kardiologischen Praxis vereinbaren
- Regelmäßige Kontrolltermine einhalten, wenn die Diagnose bereits bekannt ist
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt wird zuerst ausführlich mit Ihnen sprechen: Wie fühlt sich der Schmerz an, wann tritt er auf, was macht ihn besser? Anschließend folgen körperliche Untersuchungen und meistens einige Herz-Tests. Die Diagnose „Angina pectoris“ bedeutet, dass die Beschwerden nach Einschätzung der Ärzte vom Herzen kommend sind und belastungsabhängig auftreten.
Mögliche Untersuchungen
- Ruhe-EKG: Elektroden zeichnen die Herzbewegung auf
- Belastungs-EKG: Auf dem Fahrrad oder Laufband wird das Herz unter Belastung beobachtet
- Blutuntersuchung: zum Beispiel auf Entzündungswerte oder Herzmuskelmarker
- Echokardiografie: Ultraschall des Herzens, das die Pumpfunktion zeigt
- Koronarangiografie (Herzkatheter): Darstellung der Herzkranzgefäße, meist nur bei bestimmten Befunden
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und ambulant möglich. Beim Belastungs-EKG werden Sie überwacht, damit man sofort reagieren kann. Teilweise ist auch eine Bildgebung wie eine CT-Untersuchung oder MRT des Herzens nötig. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bespricht mit Ihnen jeden Schritt genau.
Behandlung
Die Behandlung von Angina hat drei Ziele: Beschwerden lindern, einen Herzinfarkt verhindern und die Lebensqualität erhalten. Die beste Therapie wird individuell zusammengestellt – mit Medikamenten, Bewegung und wenn nötig einem Eingriff. Bewegung ist ein wichtiger Baustein, aber immer abgestimmt auf Ihre persönliche Leistungsfähigkeit.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegung nur nach Rücksprache mit dem Arzt: Starten Sie langsam, zum Beispiel mit kurzen Spaziergängen
- Lernen Sie Ihre Warnzeichen kennen: Stoppen Sie jede Aktivität, wenn Sie Druck auf der Brust spüren
- Führen Sie gegebenenfalls ein Bewegungstagebuch, um zu erkennen, welche Belastung Ihnen guttut
- Wärmen Sie sich vor dem Sport auf und kühlen Sie danach langsam ab
- Kein Sport bei Infekt oder Fieber – das Herz braucht Schonung
Medizinische Behandlungen
Medikamente können die Herzgefäße erweitern, den Blutdruck senken, das Herz entlasten oder die Blutgerinnung beeinflussen. Welche Medikamente für Sie geeignet sind, entscheidet allein Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Es gibt auch Medikamente zur Akutbehandlung bei einem Anfall – auch diese werden ärztlich verordnet. Lassen Sie sich genau erklären, wann und wie Sie diese anwenden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn verengte Herzkranzgefäße starke Beschwerden verursachen oder die Durchblutung stark gefährdet ist, kann ein Eingriff helfen. Möglichkeiten sind eine Ballondilatation mit Stent (Gefäßstütze) oder eine Bypass-Operation. Dabei wird ein Bypass als Umgehungsstraße für das verengte Gefäß angelegt. Die Entscheidung treffen Ärztinnen und Ärzte mit Ihnen gemeinsam.
Leben mit der Erkrankung
Mit Angina lässt sich gut leben, wenn Sie auf Ihren Körper hören und sich an die ärztlichen Empfehlungen halten. Planen Sie Aktivitäten so, dass Sie nicht plötzlich überlasten. Nehmen Sie für Notfälle immer die Telefonnummer Ihrer Arztpraxis und bei Bedarf ein Notfallspray oder -tablette mit – nach Anweisung Ihres Arztes.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufgeben – das ist eine der größten Entlastungen für das Herz
- Körperlich aktiv werden: lieber regelmäßig gemäßigt als selten anstrengend
- Für Entspannung sorgen, zum Beispiel mit Atemübungen oder Meditationskursen
- Gesundes Körpergewicht anstreben
- Ausreichend schlafen und wichtige Mahlzeiten nicht auslassen
Ernährung und Bewegung
Bewegung ist ausdrücklich erwünscht. Geeignet sind Ausdauersportarten wie Gehen, Nordic Walking, Radfahren und Schwimmen. Achten Sie darauf, dass Sie sich beim Sport noch normal unterhalten können, ohne nach Luft zu ringen. Kräftiges Pressen und schweres Gewichtheben sollten Sie vermeiden, da es den Blutdruck stark ansteigen lässt. Die Ernährung sollte überwiegend pflanzlich sein: viel Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchte, wenig stark verarbeitete Lebensmittel, Salz und gesättigte Fette. Olivenöl und Nüsse sind gute Fettquellen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Angst vor einem neuen Anfall kann bedrückend sein. Viele Menschen fühlen sich unsicher oder reizbar. Es hilft, die Krankheit zu verstehen und zu wissen, dass moderne Behandlung gut wirkt. Bei anhaltender ängstlicher oder gedrückter Stimmung ist es ein Zeichen von Stärke, sich Unterstützung zu holen – beim Hausarzt, in einer Herzsportgruppe oder bei einem psychologischen Angebot.
Vorbeugung
Die zugrundeliegende Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) kann durch einen gesunden Lebensstil deutlich verlangsamt oder teilweise verhindert werden. Auch bei bestehender Angina senken die gleichen Maßnahmen das Risiko für Herzinfarkt. Regelmäßige Bewegung ist dabei ein zentraler Schutzfaktor.
Impfungen
Eine Grippeimpfung und bestimmte andere Impfungen können vor Infekten schützen, die das Herz belasten würden. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber, welche Impfungen für Sie empfohlen werden.
Früherkennungsprogramme
Bei vorhandenen Risikofaktoren – zum Beispiel Bluthochdruck, Diabetes oder Cholesterinerhöhung – sollten regelmäßige Kontrollen beim Arzt erfolgen. Die Früherkennung von Herzkrankheiten ist Teil der Vorsorge, gerade bei Menschen über 40 Jahren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (akuter Verschluss eines Herzkranzgefäßes)
- Herzrhythmusstörungen mit möglichem Schwindel oder Ohnmacht
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz), da der Herzmuskel langfristig geschwächt wird
Langzeitprognose
Mit guter ärztlicher Betreuung, angepasster Bewegung und einem bewussten Leben ist die Aussicht heute sehr gut. Angina ist ein Ruf, die Kontrolle zu übernehmen – und viele Menschen fühlen sich nach einer Umstellung fitter und sicherer als vorher.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.