Angina in der Schwangerschaft – Wenn das Herz Druck macht
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina ist ein Druck- oder Engegefühl in der Brust. Es entsteht, wenn der Herzmuskel zu wenig Sauerstoff bekommt. In der Schwangerschaft arbeitet das Herz stärker als sonst. Eine echte Angina ist selten, aber möglich. Nicht jedes Druckgefühl ist Angina.
Wichtige Fakten
- Angina ist ein Warnsignal des Herzens, das Sie ernst nehmen sollten.
- In der Schwangerschaft pumpt das Herz etwa 40 Prozent mehr Blut als normal.
- Bei Brustschmerzen in der Schwangerschaft sollten Sie immer eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen – auch wenn es sich harmlos anfühlt.
Echte Angina tritt bei Schwangeren selten auf. Brustschmerzen sind dagegen häufig. Meist stecken harmlose Ursachen wie Sodbrennen oder Verspannungen dahinter.
Vor allem schwangere Frauen mit einer bestehenden Herzerkrankung, Bluthochdruck, Diabetes, starkem Übergewicht oder einem höheren Alter sind betroffen. Aber auch bei scheinbar gesunden Frauen kann eine Angina auftreten.
Symptome
- Starker Brustschmerz, der länger als ein paar Minuten anhält
- Schmerzen, die in Arm, Schulter, Kiefer oder Rücken ausstrahlen
- Atemnot, Ohnmacht oder bläuliche Lippen
- Kalter Schweiß und ein Gefühl von schwerer Angst
- Deutlich verminderte Bewegungen Ihres Babys
- ⚠Brustschmerzen, die bei Belastung auftreten und in Ruhe nachlassen
- ⚠Wiederkehrende Schmerzen zusammen mit Herzklopfen oder Schwindel
- ⚠Neu auftretende Brustschmerzen in der Schwangerschaft – auch wenn sie mild sind
Häufige Symptome
- Druck, Enge oder ein ziehendes Gefühl in der Brust
- Schmerzen, die bis in den linken Arm, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Schweißausbruch, Blässe und Übelkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Verengte Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Arteriosklerose)
- Ein Krampf eines Herzkranzgefäßes (Koronarspasmus)
- Ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß teilweise oder ganz verstopft
- Nicht das Herz betreffend: Sodbrennen, Muskelverspannungen oder Angst – diese können jedoch ähnliche Schmerzen verursachen
Risikofaktoren
- Bluthochdruck
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Rauchen
- Übergewicht
- Alter über 35 Jahre
- Frühere oder bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie) in einer früheren Schwangerschaft
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie einen plötzlichen, starken Brustschmerz haben, der nicht weggeht
- Wenn der Schmerz in Arm, Rücken, Kiefer oder Hals ausstrahlt
- Wenn Sie dabei Atemnot, Übelkeit oder Schweißausbrüche haben
- Wenn sich Ihr Baby ungewohnt wenig bewegt
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder eine bekannte Herzerkrankung haben, sollten Sie sich vor der Schwangerschaft ärztlich beraten lassen.
- Lassen Sie auch während der Schwangerschaft Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und Ihrer Krankengeschichte. Sie hört oder er hört Herz und Lunge ab und misst den Blutdruck. Im Zweifel folgen weitere Untersuchungen, die auch für Ihr Baby sicher sind.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – zeigt die Herzströme und kann auf Durchblutungsstörungen hinweisen
- Bluttest – misst Eiweiße, die bei einer Herzmuskelschädigung freigesetzt werden (z. B. Troponin)
- Herzultraschall (Echokardiografie) – beurteilt Herzklappen, Herzkammern und das Schlagvolumen
- Langzeit-EKG über 24 Stunden – erkennt Herzrhythmusstörungen und Durchblutungsprobleme
- Belastungstest auf einem Ergometer – nur unter ärztlicher Aufsicht und wenn die Umstände es erlauben
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen finden meist ambulant in einer Klinik oder bei einer Kardiologin/einem Kardiologen statt. Diese Person arbeitet eng mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt zusammen. Sie bekommen verständliche Erklärungen und können jederzeit Fragen stellen. Es ist normal, etwas aufgeregt zu sein – Sie werden von einem erfahrenen Team begleitet.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad. Ziel ist es, das Herz zu entlasten und die Sauerstoffversorgung zu verbessern. Bei allem steht das Wohl von Mutter und Kind im Vordergrund.
Selbsthilfe zu Hause
- Gönnen Sie sich ausreichend Ruhe und Schlaf, vor allem bei einer Belastungs-Angina.
- Vermeiden Sie Stress und anstrengende Tätigkeiten, die die Schmerzen auslösen.
- Essen Sie kleinere Mahlzeiten, um Druck auf Herz und Magen zu vermeiden.
- Nehmen Sie Medikamente nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein – auch wenn Sie sie früher gut vertragen haben.
Medizinische Behandlungen
Ärztinnen und Ärzte können Medikamente verschreiben, die die Herzkranzgefäße erweitern oder das Herz entlasten. In der Schwangerschaft sind nur bestimmte Mittel erlaubt. Ist eine Blutarmut (Anämie) oder eine Präeklampsie die Ursache, wird diese Erkrankung behandelt. Welche Medikamente für Sie geeignet sind, entscheidet Ihr Behandlungsteam individuell.
Wann kommt eine Operation infrage?
In sehr seltenen Fällen kann ein Eingriff am Herzen notwendig sein, zum Beispiel eine Aufdehnung verengter Gefäße oder das Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent). Diese Behandlung wird in der Schwangerschaft nur dann durchgeführt, wenn sie medizinisch unbedingt erforderlich ist.
Leben mit der Erkrankung
Strukturieren Sie Ihren Alltag so, dass Sie viel Ruhe haben. Planen Sie regelmäßige Kontrolltermine ein. Achten Sie auf Signale Ihres Körpers und teilen Sie jede Veränderung Ihrem medizinischen Team mit.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und legen Sie gezielte Ruhepausen ein.
- Verzichten Sie auf Zigaretten und Alkohol.
- Meiden Sie Situationen, die Sie mental oder körperlich stark anstrengen.
- Sprechen Sie offen über Ihre Sorgen und nehmen Sie Hilfe an.
Ernährung und Bewegung
Bevorzugen Sie kleine Mahlzeiten mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß. Meiden Sie stark gesalzene oder frittierte Speisen. Leichte Bewegung wie Spazierengehen ist meist erlaubt, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt zustimmt. Hören Sie bei Druck auf der Brust sofort auf und setzen Sie sich hin.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Sorge um das eigene Herz und das Baby kann sehr belasten. Angst und Niedergeschlagenheit sind keine Schwäche. Erlauben Sie sich, diese Gefühle anzunehmen. Eine Psychologin oder ein Psychologe kann helfen. Auch Beratungsstellen unterstützen Sie. In einer akuten seelischen Krise können Sie rund um die Uhr die Telefonseelsorge anrufen.
Vorbeugung
Eine Angina lässt sich nicht immer verhindern. Sie können Ihr Risiko aber deutlich senken, indem Sie auf eine herzgesunde Lebensweise achten, Blutdruck und Blutzucker im Blick behalten und auf das Rauchen verzichten.
Impfungen
Ein spezieller Impfschutz gegen Angina gibt es nicht. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über empfohlene Impfungen, die Sie vor oder während der Schwangerschaft schützen können.
Früherkennungsprogramme
Nutzen Sie die regulären Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft. Lassen Sie Blutdruck und Urin regelmäßig untersuchen – so können Warnzeichen wie eine Präeklampsie früh erkannt werden. Wenn Sie Herz-Risiken haben, sollten Sie schon vor der Schwangerschaft eine kardiologische Kontrolle durchführen lassen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie)
- Sauerstoff- und Nährstoffmangel für das ungeborene Kind
- Frühgeburt oder Entwicklungsstörungen des Kindes
Langzeitprognose
Mit guter Betreuung in Spezialzentren erleben die meisten Frauen mit Angina eine komplikationslose Schwangerschaft und gebären ein gesundes Kind. Nach der Entbindung kann sich das Herz oft erholen. Lassen Sie sich engmaschig begleiten – die Aussichten sind dann sehr gut.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.