Angina pectoris – Ursachen, Symptome und Behandlung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina pectoris (oft kurz Angina genannt) ist ein Druck- oder Engegefühl in der Brust. Es entsteht, wenn der Herzmuskel kurzzeitig zu wenig sauerstoffreiches Blut bekommt. Meist liegt das an verengten Herzkranzgefäßen. Angina ist ein Warnzeichen, aber kein Herzinfarkt.
Wichtige Fakten
- Angina ist ein Warnsignal, aber kein Herzinfarkt.
- Typisch ist ein Druck- oder Engegefühl in der Brust, oft bei körperlicher Belastung oder Stress.
- In Ruhe oder mit ärztlich verordneten Medikamenten lassen die Beschwerden meist nach.
- Eine gründliche ärztliche Abklärung ist wichtig, um das Herzinfarktrisiko zu senken.
Ja, Angina pectoris ist eine häufige Erkrankung. Sie betrifft vor allem ältere Menschen und Personen mit Herzkreislauf-Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck oder Diabetes.
Angina kann Männer und Frauen betreffen, tritt aber häufiger mit zunehmendem Alter auf. Besonders gefährdet sind Menschen mit Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten, Diabetes, Übergewicht oder einer familiären Vorbelastung.
Symptome
- Sehr starker, anhaltender Brustschmerz, der länger als ein paar Minuten anhält und nicht nachlässt
- Brustschmerz in Ruhe, der nicht aufhört oder schlimmer wird
- Schmerzen in der Brust zusammen mit Atemnot, kalter Schweiß, Übelkeit oder Erbrechen
- Schmerzen, die in den Arm, den Rücken, den Kiefer oder den Hals ausstrahlen
- Das Gefühl, ohnmächtig zu werden oder starkes Herzrasen
- ⚠Neue oder plötzlich häufiger auftretende Brustschmerzen
- ⚠Brustschmerzen, die schon bei geringerer Belastung als bisher auftreten
- ⚠Beschwerden, die in Ruhe oder nachts auftreten und sich nicht wie gewohnt bessern
- ⚠Verschlechterung einer bekannten Angina, zum Beispiel stärkere oder länger anhaltende Anfälle
Häufige Symptome
- Druck-, Enge- oder Schweregefühl in der Brust, oft hinter dem Brustbein
- Schmerzen, die in den linken Arm, den Schulterbereich, den Kiefer, den Rücken oder den Oberbauch ausstrahlen können
- Kurzatmigkeit, auch ohne starke Brustschmerzen
- Schwächegefühl, Schweißausbruch, Übelkeit oder Unwohlsein
- Die Beschwerden treten häufig bei körperlicher Anstrengung, emotionalem Stress, Kälte oder nach schweren Mahlzeiten auf
Symptome bei Kindern
- Angina pectoris ist bei Kindern sehr selten. Tritt sie auf, liegt meist eine angeborene Herz- oder Gefäßerkrankung zugrunde.
- Kinder beschreiben die Beschwerden oft vage, zum Beispiel als Bauchschmerzen, Müdigkeit, Atemnot oder schnelles Erschöpfen beim Spielen oder Sport.
- Bei Brustschmerzen oder unklaren Beschwerden in der Brust sollte ein Kind immer ärztlich untersucht werden.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Brustschmerz muss bei älteren Menschen nicht immer das Hauptsymptom sein.
- Häufig stehen weniger typische Zeichen im Vordergrund, zum Beispiel: Atemnot bei Belastung, ungewöhnliche Erschöpfung, Schwindel oder Schmerzen im Rücken, im Oberbauch oder im Schulterbereich.
- Manchmal wird Angina bei älteren Menschen mit Verdauungsbeschwerden oder Muskelschmerzen verwechselt.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Herzkranzgefäße durch Arterienverkalkung (Atherosklerose). Dabei lagern sich Fette, Kalk und Zellreste an den Gefäßwänden ab.
- Ein verkrampfter Herzkranzgefäß-Abschnitt (Koronarspasmus), der die Durchblutung kurzzeitig stark vermindert.
- Seltenere Ursachen: Herzklappenfehler, sehr hoher Blutdruck oder Entzündungen der Herzkranzgefäße.
Risikofaktoren
- Rauchen und Passivrauchen
- Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
- Erhöhtes LDL-Cholesterin oder erhöhte Blutfette
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung, zum Beispiel viel Fett, Zucker und Salz
- Alter (über 45 Jahre bei Männern, über 55 Jahre bei Frauen)
- Familiäre Vorbelastung, zum Beispiel Herzinfarkt bei nahen Verwandten
- Dauerhafter Stress und psychische Belastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal Schmerzen oder Enge in der Brust verspüren, die mit Anstrengung zusammenhängen.
- Wenn Ihre bekannten Angina-Beschwerden häufiger, stärker oder länger auftreten oder schon bei Ruhe entstehen.
- Wenn Brustschmerzen länger als ein paar Minuten andauern oder zusammen mit Atemnot, Schweißausbruch oder Übelkeit auftreten – zögern Sie nicht, den Notruf zu wählen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie Risikofaktoren für Herzkrankheiten haben und über Ihre Beschwerden sprechen möchten.
- Wenn Sie sich insgesamt ängstlich oder unwohl fühlen und abklären lassen möchten, ob Ihre Beschwerden harmlos sind.
- Zur regelmäßigen Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten, auch wenn Sie gerade keine Beschwerden haben.
Diagnose
Der Arzt oder die Ärztin fragt zuerst ausführlich nach Ihren Beschwerden, Ihrem Lebensstil und Ihrer Krankengeschichte. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Anhand dieser Informationen entscheidet sich, welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): misst die elektrische Aktivität des Herzens, in Ruhe und oft auch bei Belastung.
- Blutuntersuchung: prüft zum Beispiel Blutfette, Blutzucker und Entzündungswerte, und kann bei akuten Beschwerden Hinweise auf einen Herzinfarkt geben.
- Belastungstest (Ergometrie): Sie bewegen sich auf einem Fahrrad oder Laufband, während das Herz überwacht wird.
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie): zeigt Herzmuskel, Herzklappen und Pumpfunktion.
- Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiografie): stellt die Herzkranzgefäße im Röntgenbild dar und zeigt Verengungen.
- Computertomografie (CT) der Herzkranzgefäße: kann Verkalkungen und Verengungen sichtbar machen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzlos oder nur wenig unangenehm. Je nach Befund werden Sie möglicherweise an eine Spezialistin oder einen Spezialisten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Kardiologie) überwiesen. Die genaue Abklärung braucht etwas Zeit – sie ist aber sehr wichtig für die richtige Behandlung.
Behandlung
Die Behandlung der Angina pectoris hat drei Ziele: Beschwerden lindern, das Fortschreiten der Gefäßverkalkung aufhalten und einen Herzinfarkt verhindern. Sie besteht meist aus einer Kombination von gesundem Lebensstil, Medikamenten und – falls nötig – einem Eingriff am Herzen.
Selbsthilfe zu Hause
- Hören Sie mit dem Rauchen auf – das ist einer der wichtigsten Schritte.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, am besten in Absprache mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin.
- Achten Sie auf eine ausgewogene, herzgesunde Ernährung.
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente zuverlässig ein – auch wenn Sie gerade keine Beschwerden haben.
- Führen Sie ein Beschwerdetagebuch, um Auslöser zu erkennen.
- Lernen Sie, mit Stress umzugehen – zum Beispiel durch Entspannungsübungen oder Pausen im Alltag.
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Gruppen von Medikamenten, die bei Angina eingesetzt werden. Sie wirken zum Beispiel gefäßerweiternd, entlasten das Herz oder senken die Blutfette und den Blutdruck. Welche Medikamente für Sie geeignet sind, hängt von Ihrer Krankengeschichte, Ihren Risikofaktoren und Ihren Beschwerden ab. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin wird Ihnen die Wirkungsweise und die Einnahme genau erklären.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Medikamente allein nicht ausreichen oder wenn die Verengung der Herzkranzgefäße stark ausgeprägt ist, kommen Eingriffe infrage: die Aufdehnung mit einem Stent (eine kleine Gefäßstütze, die per Herzkatheter eingesetzt wird) oder eine Bypass-Operation. Die Entscheidung treffen Sie, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, und ein Team aus Herzspezialistinnen und -spezialisten.
Leben mit der Erkrankung
Mit Angina können Sie ein erfülltes Leben führen, wenn Sie auf Warnsignale achten und Ihren Alltag anpassen. Halten Sie Ihre Termine zur Nachsorge ein, nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und kennen Sie Ihren Notfallplan. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, bei welchen Aktivitäten Sie auf welche Zeichen achten sollten.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufgeben: Ihr Körper beginnt schnell, sich zu erholen.
- Übergewicht abbauen – schon wenige Kilo entlasten das Herz.
- Zu viel Alkohol vermeiden, am besten ganz darauf verzichten.
- Regelmäßig entspannen: Meditation, Atemübungen oder Spaziergänge helfen.
- Schlafen Sie ausreichend und halten Sie feste Schlafenszeiten ein.
- Lassen Sie Ihren Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren.
Ernährung und Bewegung
Empfohlen wird eine überwiegend pflanzliche Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle wie Rapsöl oder Olivenöl, und essen Sie ein- bis zweimal pro Woche Fisch. Tierische Fette, Salz und stark verarbeitete Lebensmittel sollten Sie reduzieren. Bewegung ist ausdrücklich erwünscht – am besten in Absprache mit Ihrem Arzt: Zum Beispiel 30 Minuten zügiges Gehen an den meisten Tagen der Woche. Hören Sie jedoch auf Ihren Körper und brechen Sie bei Beschwerden ab.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Angina-Diagnose kann Ängste auslösen – das ist ganz normal. Viele Menschen machen sich Sorgen vor einem Herzinfarkt oder fühlen sich im Alltag eingeschränkt. Diese Gefühle ernst zu nehmen und mit Ihrem Behandlungsteam zu besprechen, hilft. Wenn die Belastung groß wird, kann auch eine psychologische Beratung oder eine Herzgruppe sinnvoll sein.
Vorbeugung
Ja, in vielen Fällen lässt sich einer Angina vorbeugen – oder das Fortschreiten aufhalten. Die wichtigsten Bausteine sind: Nicht rauchen, sich regelmäßig bewegen, gesund essen, ein gesundes Gewicht halten, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette im Auge behalten und Stress abbauen.
Impfungen
Auch Impfungen können das Herz schützen, indem sie vor Infektionen bewahren, die das Herz belasten können – zum Beispiel die Grippeimpfung und die Pneumokokkenimpfung (gegen Lungenentzündung). Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin beraten, welche Impfungen für Sie empfohlen sind.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiges Screening ist besonders wichtig, wenn in Ihrer Familie Herzkrankheiten bekannt sind. Lassen Sie Blutdruck, Blutzucker und Blutfette im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen messen. Ihr Hausarzt oder Ihre Hausärztin hilft Ihnen dabei, einen guten Rhythmus zu finden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (Myokardinfarkt), wenn ein verengtes Gefäß plötzlich vollständig verschließt
- Herzrhythmusstörungen, die mitunter lebensbedrohlich werden können
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz), wenn der Herzmuskel dauerhaft zu wenig Sauerstoff bekommt
- Plötzlicher Herztod – selten, aber möglich
Langzeitprognose
Die Prognose ist heute gut, wenn eine Angina rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Viele Menschen können mit einer angepassten Behandlung ein aktives, alltägliches Leben führen. Entscheidend sind die Mitarbeit beim Lebensstil, die zuverlässige Einnahme der Medikamente und regelmäßige ärztliche Kontrollen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie dabei eng begleiten.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.