Arterienkomplikationen erkennen und vorbeugen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Arterien sind die Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen in den Körper transportieren. Komplikationen entstehen, wenn diese Gefäße verengt, verstopft oder geschwächt werden. Das kann die Blutversorgung von wichtigen Organen wie Herz, Gehirn oder Beinen beeinträchtigen.
Wichtige Fakten
- Arterien können sich durch Ablagerungen verengen – das nennt man Arteriosklerose.
- Eine plötzliche Verstopfung kann einen Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen.
- Auch eine Ausbeulung der Gefäßwand, ein sogenanntes Aneurysma, ist eine ernste Komplikation.
Gefäßerkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet, besonders bei Menschen über 60 Jahren.
Sie betreffen häufiger Männer, Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfetten, Raucher und Personen mit familiärer Vorbelastung.
Symptome
- Plötzlicher starker Brustschmerz, der länger als 5 Minuten anhält und in Arm oder Kiefer ausstrahlt – sofort die 112 rufen.
- Plötzliche Schwäche, Taubheit oder Lähmung einer Körperseite – sofort die 112 rufen.
- Plötzliche Sprach- oder Sehstörungen – sofort die 112 rufen.
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht – sofort die 112 rufen.
- Plötzliche starke Bauch- oder Rückenschmerzen mit Schwindel oder Kreislaufkollaps – sofort die 112 rufen.
- ⚠Schmerzen in den Beinen, die auch in Ruhe nicht verschwinden
- ⚠Neu auftretende Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit
- ⚠Fieber mit roter, überwärmter oder geschwollener Stelle an einem Bein
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Krämpfe in den Beinen beim Gehen, die nach einer Pause nachlassen
- Taubheitsgefühl oder Kältegefühl in Füßen, Beinen oder Armen
- Langsam heilende Wunden, besonders an Zehen oder Füßen
- Druck- oder Engegefühl in der Brust bei körperlicher Anstrengung
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind Arterienkomplikationen sehr selten. Sie können bei angeborenen Herzfehlern oder bestimmten Stoffwechselerkrankungen auftreten, äußern sich dann aber meist durch allgemeine Schwäche oder auffällige Blässe.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Menschen machen sich Arterienprobleme oft durch zunehmende Müdigkeit, Schwindel, Gedächtnisprobleme oder eine verminderte Belastbarkeit bemerkbar.
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose – Ablagerungen aus Fett und Kalk in der Gefäßwand
- Blutgerinnsel, die ein Gefäß verstopfen
- Entzündungen der Gefäßwand
- Angeborene oder altersbedingte Schwäche der Gefäßwand, die zu einem Aneurysma führen kann
Risikofaktoren
- Rauchen
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Erhöhte Blutfettwerte
- Bluthochdruck
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- Familiäre Vorbelastung
- Alter über 60 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzliche Seh-, Sprach- oder Gefühlsstörungen bemerken – auch wenn sie wieder verschwinden.
- Wenn Sie Schmerzen in der Brust bei leichter Belastung oder im Ruhezustand spüren.
- Wenn eine Wunde am Fuß oder Bein nicht heilt.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie mehrere Risikofaktoren haben und mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Gefäßschäden sprechen möchten.
- Zur regelmäßigen Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Beschwerden, tastet die Pulse, hört die Gefäße mit dem Stethoskop ab und misst den Blutdruck. Bildgebende Verfahren zeigen den genauen Zustand der Arterien. In Deutschland orientieren sich die Untersuchungen an den gemeinsam erarbeiteten Leitlinien der AWMF.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschall (Doppler-Sonographie) zur Messung der Fließgeschwindigkeit des Blutes
- Messung des Knöchel-Arm-Index (ABI)
- Angiographie mit Kontrastmittel
- Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und werden ambulant oder kurz im Krankenhaus durchgeführt. Sie besprechen danach mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Behandlung zu Ihnen passt.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache und dem Schweregrad ab. Ziel ist es, die Durchblutung wieder zu verbessern, Beschwerden zu lindern und Ernstfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern.
Selbsthilfe zu Hause
- Wenn Sie rauchen: Holen Sie sich Unterstützung für den Rauchstopp.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel zügiges Gehen für 30 Minuten am Tag.
- Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht.
- Kontrollieren Sie Blutdruck und Blutzucker regelmäßig mit Ihrer Hausarztpraxis.
Medizinische Behandlungen
Medikamente können die Blutgerinnung, den Blutdruck oder die Blutfettwerte beeinflussen. Diese werden individuell von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt verschrieben – bitte nehmen Sie nichts auf eigene Faust ein. Zur Behandlung gehören außerdem Verfahren wie eine Gefäßdehnung (Ballonkatheter) oder Operationen, über die Sie ausführlich beraten werden.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird zum Beispiel bei einer starken Verengung der Halsschlagader oder bei einem gefährlich großen Bauchaortenaneurysma empfohlen. Wann ein Eingriff wirklich nötig ist, wird für jeden Menschen einzeln entschieden.
Leben mit der Erkrankung
Eine Arterienerkrankung bedeutet nicht, dass Sie tatenlos bleiben müssen. Mit angepassten Gewohnheiten und regelmäßiger medizinischer Betreuung können Sie sehr viel für sich tun.
Tipps für den Alltag
- Steigern Sie Ihre Gehstrecken langsam, auch wenn es anfangs schwerfällt.
- Planen Sie kurze Ruhepausen ein, bleiben Sie aber in Bewegung.
- Tragen Sie gut sitzende, bequeme Schuhe und pflegen Sie Ihre Füße sorgfältig.
Ernährung und Bewegung
Bevorzugen Sie eine bunte, pflanzliche Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Ölen. Vermeiden Sie stark verarbeitete Lebensmittel. Bewegung wie Walken, Radfahren oder Schwimmen hält die Gefäße elastisch und verbessert die Durchblutung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Gefäßerkrankung kann Ängste und Niedergeschlagenheit auslösen. Sie sind damit nicht allein. Wer sich über Wochen antriebslos oder belastet fühlt, sollte das mit der Hausärztin oder dem Hausarzt besprechen. In akuten seelischen Krisen hilft die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter der kostenlosen Nummer 0800 111 0 111.
Vorbeugung
Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko für Arterienkomplikationen deutlich senken. Besonders wichtig sind ein rauchfreies Leben, ausreichend Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten.
Impfungen
Eine Grippeimpfung und eine Impfung gegen Pneumokokken werden für Menschen mit Gefäßerkrankungen oft empfohlen. Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt darüber.
Früherkennungsprogramme
In Deutschland wird Männern ab 65 Jahren eine einmalige Ultraschalluntersuchung der Bauchschlagader zur Früherkennung eines Aneurysmas angeboten, die die Krankenkasse übernimmt. Fragen Sie Ihre Hausarztpraxis nach den aktuellen Vorsorgeleistungen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt
- Schlaganfall
- Schwere Durchblutungsstörungen, die im schlimmsten Fall zu Gewebeuntergang und Amputation führen können
- Einriss eines Aneurysmas mit lebensbedrohlicher innerer Blutung
Langzeitprognose
Viele Menschen mit Arterienerkrankungen führen dank moderner Behandlungen und eines gesunden Lebensstils über viele Jahre ein beschwerdearmes Leben. Entscheidend ist, dass Sie sich frühzeitig betreuen lassen und die Empfehlungen Ihrer Ärztinnen und Ärzte im Alltag umsetzen.
Unterstützung finden
Hilfetelefone
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.