Arterienerkrankungen: Behandlungsmöglichkeiten im Überblick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Arterien sind die Blutgefäße, die sauerstoffreiches Blut vom Herzen in den Körper transportieren. Bei einer Arterienerkrankung können diese Gefäße verengt oder verstopft sein. Oft liegt eine sogenannte Arteriosklerose vor – das ist eine Ablagerung von Fett und Kalk in der Gefäßwand. Dadurch fließt weniger Blut hindurch. Eine Behandlung kann die Beschwerden lindern, das Fortschreiten verlangsamen und schwere Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall verhindern.
Wichtige Fakten
- Arterienerkrankungen sind häufig und betreffen oft mehrere Gefäße gleichzeitig.
- Eine gesunde Lebensweise ist die wichtigste Grundlage jeder Behandlung.
- Es gibt neben Medikamenten auch Eingriffe wie Gefäßaufdehnung oder Bypass-Operationen.
Ja, Verengungen der Arterien kommen in Deutschland sehr häufig vor. Besonders mit zunehmendem Alter sind viele Menschen betroffen. Auch Menschen mit Diabetes, hohem Blutdruck oder erhöhten Blutfetten haben ein höheres Risiko.
Arterienerkrankungen treffen vor allem ältere Menschen, aber auch jüngere Erwachsene, wenn Risikofaktoren wie Rauchen oder starkes Übergewicht vorliegen. Männer sind statistisch früher betroffen als Frauen, nach den Wechseljahren nähert sich das Risiko an.
Symptome
- Plötzliche starke Schmerzen oder Druck in der Brust, die länger als ein paar Minuten anhalten
- Starke Atemnot
- Plötzliche Schwäche oder Taubheit im Gesicht, Arm oder Bein, besonders einseitig
- Plötzliche Sprachstörungen oder Verwirrtheit
- Kreislaufkollaps oder Bewusstlosigkeit
- ⚠Neu auftretende Schmerzen in der Brust, auch wenn sie wieder nachlassen
- ⚠Schmerzen in den Beinen, die plötzlich sehr stark werden und nicht verschwinden
- ⚠Taubheitsgefühl oder blasse, kalte Extremität
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Druckgefühl in der Brust bei Belastung
- Schmerzen in den Beinen beim Gehen, die bei Ruhe nachlassen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen
- Schwindel oder kurze Bewusstlosigkeit bei verengten Halsschlagadern
Ursachen
Hauptursachen
- Ablagerungen von Fett und Kalk in der Gefäßwand (Arteriosklerose)
- Entzündungen der Gefäßwände (Vaskulitis)
- Angeborene Gefäßverengungen oder Gefäßfehlbildungen
- Blutgerinnsel, die ein Gefäß verstopfen
Risikofaktoren
- Rauchen
- Hoher Blutdruck
- Erhöhte Blutfettwerte, vor allem LDL-Cholesterin
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- Risiko durch Alter, Familiengeschichte
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie neu oder wiederholt Brustschmerzen bei Belastung haben
- Wenn Sie plötzlich Schmerzen in einem Bein bemerken, das blass und kalt ist
- Wenn Sie kurz ohnmächtig werden oder unerklärlichen Schwindel haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören und Beschwerden beim Gehen oder Treppensteigen bemerken
- Wenn Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfette haben und Ihren Gefäßstatus prüfen lassen möchten
- Bei familiärer Vorbelastung, auch ohne Beschwerden
Diagnose
Um eine Arterienerkrankung festzustellen, fragt die Ärztin oder der Arzt zuerst nach Beschwerden, Vorerkrankungen und Lebensgewohnheiten. Dann folgen körperliche Untersuchungen und technische Untersuchungen der Gefäße. Ziel ist es, verengte oder verschlossene Stellen zu finden und das Risiko für Komplikationen einzuschätzen.
Mögliche Untersuchungen
- Tasten der Pulse an Hals, Armen und Beinen
- Blutdruckmessung an Armen und Knöcheln (Knöchel-Arm-Index)
- Blutuntersuchung auf Blutzucker und Blutfette
- Ultraschalluntersuchung der Gefäße (Duplexsonografie)
- Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) der Gefäße
- Herzkatheteruntersuchung bei Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen finden in der Regel ambulant in einer Praxis oder Klinik statt. Manche Verfahren, wie die Herzkatheteruntersuchung, erfordern einen kurzen Krankenhausaufenthalt. Die Ärztin oder der Arzt erklärt jeden Schritt. Es kann sein, dass Sie für bestimmte Untersuchungen nüchtern erscheinen müssen – das wird Ihnen vorher mitgeteilt.
Behandlung
Die Behandlung von Arterienerkrankungen hat drei Ziele: Beschwerden zu lindern, Folgeschäden zu verhindern und die Lebensqualität zu erhalten. Sie besteht immer aus einer Änderung des Lebensstils, oft aus Medikamenten und bei Bedarf aus einem Eingriff. Die genaue Behandlung hängt davon ab, welche Arterien betroffen sind und wie stark die Verengung ist.
Selbsthilfe zu Hause
- Mit dem Rauchen aufhören
- Sich regelmäßig bewegen, zum Beispiel täglich 30 Minuten zügig gehen
- Ausgewogen ernähren mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten
- Stress abbauen und für ausreichend Schlaf sorgen
- Übergewicht reduzieren, auch kleine Schritte helfen
- Verschriebene Medikamente zuverlässig einnehmen
Medizinische Behandlungen
Medikamente können helfen, Blutdruck und Blutfette zu senken, die Blutgerinnung zu beeinflussen und das Fortschreiten der Gefäßverkalkung zu verlangsamen. Es gibt auch Medikamente, die den Blutzucker bei Diabetes einstellen. Welche Kombination für Sie richtig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Wir empfehlen, keine Medikamente von sich aus abzusetzen oder zu verändern. Dazu gehören auch blutverdünnende Mittel, denn diese schützen vor Gefäßverschlüssen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn eine Verengung so stark ist, dass sie Beschwerden verursacht oder das betroffene Organ gefährdet, kann ein Eingriff nötig sein. Bei einer Aufdehnung (Ballonkatheter) wird die Engstelle mit einem kleinen Ballon erweitert und oft eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt. Bei einer Bypass-Operation wird die verengte Stelle mit einer körpereigenen Vene oder Brustarterie überbrückt. Auch das Entfernen einer Ablagerung (Thrombendarteriektomie) ist möglich. Welches Verfahren infrage kommt, wird individuell besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Arterienerkrankung können Sie oft gut leben, wenn Sie Ihren Alltag anpassen. Achten Sie auf Warnsignale, nehmen Sie Termine zur Kontrolle wahr und halten Sie Ihre Medikamente bereit. Planen Sie Pausen ein und setzen Sie sich realistische Ziele. Vieles, was Ihnen guttut, ist zugleich Teil der Therapie.
Tipps für den Alltag
- Täglich bewegen, aber ohne sich zu überfordern
- Auf Rauchen und starken Alkoholkonsum verzichten
- Schrittweise Gewicht reduzieren, wenn Übergewicht besteht
- Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren
- Fußpflege bei Durchblutungsstörungen in den Beinen ernst nehmen
Ernährung und Bewegung
Empfohlen ist eine Ernährung nach den Regeln der Mittelmeerküche: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, fettreicher Fisch und gesunde Pflanzenöle wie Olivenöl. Wenig Salz, Zucker und verarbeitetes Fleisch. Bewegung wie Wandern, Radfahren oder Schwimmen kräftigt die Gefäße. Beginnen Sie langsam und steigern Sie sich – am besten in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Gefäßerkrankung kann Angst machen und den Alltag belasten. Es ist normal, sich Sorgen zu machen. Sprechen Sie offen mit Ihren Angehörigen oder Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt. Wenn die Belastung groß ist oder eine Depression im Raum steht, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zu suchen – auch psychotherapeutische Angebote sind Teil der Behandlung.
Vorbeugung
Eine Arterienerkrankung lässt sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Wer nicht raucht, sich regelmäßig bewegt, ausgewogen isst und Blutdruck sowie Blutzucker im Auge behält, hat gute Chancen, das Fortschreiten zu verlangsamen oder sogar zu verhindern. Wichtig ist, Risikofaktoren früh zu erkennen.
Impfungen
Gegen Arterienerkrankungen selbst gibt es keine Impfung. Impfungen gegen Grippe und Pneumokokken werden jedoch oft für ältere und chronisch kranke Menschen empfohlen, weil Infektionen den Kreislauf zusätzlich belasten können. Sprechen Sie Ihre Impfungen mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt durch.
Früherkennungsprogramme
Bei Menschen mit bekannten Risikofaktoren oder familiärer Belastung kann eine regelmäßige Gefäßuntersuchung sinnvoll sein. Die Hausärztin oder der Hausarzt kann den Puls tasten, den Blutdruck messen und bei Auffälligkeiten eine Ultraschalluntersuchung veranlassen. Es gibt keine gesetzlich festgelegte Routineuntersuchung für alle, daher ist das ärztliche Gespräch der beste Weg.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt durch Verschluss einer Herzkranzarterie
- Schlaganfall durch Verstopfung einer Hirnarterie
- Wundheilungsstörungen und offene Stellen an den Beinen bis hin zu Gewebeschäden
- Akuter Gefäßverschluss, der sofort behandelt werden muss
Langzeitprognose
Die Aussichten sind heute viel besser als früher. Mit einer frühzeitigen Behandlung und einer gesunden Lebensweise können viele Menschen mit einer Arterienerkrankung beschwerdefrei oder nahezu beschwerdefrei leben. Auch wenn ein Eingriff nötig ist, sind die Erfolgsaussichten in den meisten Fällen sehr gut.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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