Nach der Diagnose: Cholesterin verstehen und gesund bleiben
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die der Körper für viele Aufgaben braucht, zum Beispiel für die Bildung von Zellwänden und Hormonen. Wenn Sie die Diagnose „erhöhtes Cholesterin“ bekommen haben, bedeutet das, dass in Ihrem Blut mehr von dieser Substanz vorhanden ist, als für den Körper nötig ist. Das ist anfangs meist nicht zu spüren, kann aber mit der Zeit die Blutgefäße verändern.
Wichtige Fakten
- Erhöhte Cholesterinwerte verursachen meist lange Zeit keine Beschwerden.
- Mit gesunder Lebensweise und oft auch mit Medikamenten lässt sich der Wert gut senken.
- Das Ziel ist, das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu verringern.
Ja. In Deutschland haben etwa ein Drittel der Erwachsenen erhöhte Cholesterinwerte. Besonders häufig ist das LDL-Cholesterin erhöht, das als „schlechtes“ Cholesterin bezeichnet wird.
Erhöhte Cholesterinwerte können in jedem Alter auftreten. Manche Menschen haben eine erbliche Veranlagung, andere entwickeln sie erst im Laufe des Lebens. Auch Krankheiten wie Diabetes oder eine Schilddrüsenunterfunktion können eine Rolle spielen.
Symptome
- Rufen Sie sofort den Notruf 112, wenn Sie plötzlich auftretende, starke Brustschmerzen haben, die in Ruhe oder bei Belastung kommen und länger als fünf Minuten dauern.
- Rufen Sie den Notruf 112 bei akuter Atemnot ohne erkennbare Ursache.
- Rufen Sie den Notruf 112 bei plötzlichen Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl oder Schwäche in einem Arm oder Bein, vor allem einseitig.
- Rufen Sie den Notruf 112, wenn plötzlich Sprach- oder Sehstörungen auftreten.
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe, wenn Sie ein wiederkehrendes Engegefühl in der Brust bei körperlicher Belastung bemerken.
- ⚠Vereinbaren Sie umgehend einen Arzttermin, wenn Sie unter Schwindel, Herzklopfen oder einer ungewohnten Erschöpfung im Alltag leiden.
Häufige Symptome
- In der Regel spüren Sie einen erhöhten Cholesterinspiegel nicht. Es gibt keine typischen Beschwerden.
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern mit einer erblichen Form der Fettstoffwechselstörung können sich gelbliche Ablagerungen auf der Haut bilden – zum Beispiel an Augenlidern oder Knien. Das ist aber selten.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Auch bei älteren Menschen verursacht erhöhtes Cholesterin keine direkten Symptome. Wichtig ist dennoch, den Wert im Blick zu behalten, weil dadurch das Risiko für Gefäßverkalkung steigt.
Ursachen
Hauptursachen
- Eine erbliche Veranlagung, die es dem Körper schwer macht, Cholesterin abzubauen.
- Eine Ernährung mit vielen gesättigten Fettsäuren, zum Beispiel in fettem Fleisch, Wurst, Butter und Fertigprodukten.
- Ein übermäßig hoher Verzehr von Lebensmitteln mit Transfetten, etwa frittierte Speisen.
- Bestimmte Krankheiten wie Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion oder Nierenerkrankungen.
Risikofaktoren
- Rauchen
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Hoher Blutdruck
- Hohes Alter
- Familiäre Vorbelastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie bereits an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden und neue Symptome wie Brustschmerzen oder Atemnot auftreten, sollten Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Lassen Sie Ihre Cholesterinwerte regelmäßig im Rahmen des Gesundheits-Check-ups (Check-up 35+) überprüfen, auch wenn Sie sich gesund fühlen.
- Nach einer Diagnose sind je nach Risiko Kontrollen alle 1 bis 2 Jahre sinnvoll. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt empfiehlt den passenden Rhythmus.
Diagnose
Ein erhöhter Cholesterinspiegel wird mit einer Blutuntersuchung festgestellt. Meist wird eine Blutprobe aus der Vene entnommen. Vorher müssen Sie nicht unbedingt nüchtern sein, viele Labore können auch ohne Nüchternheit bestimmen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin sagt Ihnen, ob nüchtern Blut abgenommen werden soll.
Mögliche Untersuchungen
- Bluttest auf Gesamtcholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin und Triglyceride.
- ärztliches Gespräch zu Ihren Beschwerden, Vorerkrankungen und Ihrer Familiengeschichte.
- Messung von Blutdruck, Gewicht und Taille (Bauchumfang).
- Bei mittlerem oder hohem Risiko kann eine Berechnung des Herzinfarktrisikos erfolgen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin bespricht die Werte mit Ihnen. Sie bewertet diese zusammen mit Ihrem Lebensstil und Ihren Risikofaktoren. Auf dieser Grundlage wird eine persönliche Empfehlung für Behandlung und Kontrolle ausgesprochen.
Behandlung
Die Behandlung zielt darauf ab, Ihr persönliches Risiko für Gefäßerkrankungen zu senken. Sie besteht aus zwei Bausteinen: gesundheitsfördernde Veränderungen im Alltag und – wenn nötig – zusätzlich Medikamente. Die Behandlung wird immer individuell mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt geplant.
Selbsthilfe zu Hause
- Ernähren Sie sich ausgewogen – viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte.
- Nehmen Sie weniger gesättigte Fette zu sich, zum Beispiel aus fettem Fleisch oder frittierten Speisen.
- Bewegen Sie sich an den meisten Tagen der Woche mindestens 30 Minuten, etwa durch zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen.
- Wenn Sie rauchen, lassen Sie sich beim Aufhören unterstützen.
- Reduzieren Sie bei Übergewicht Ihren Bauchumfang gesund und langsam.
Medizinische Behandlungen
Wenn Lebensstilmaßnahmen nicht ausreichen, können cholesterinsenkende Medikamente zum Einsatz kommen. Diese Wirkstoffe hemmen die Cholesterinbildung im Körper oder beeinflussen die Fettaufnahme im Darm. Die Auswahl und Dosierung werden individuell angepasst und regelmäßig überprüft. Es ist wichtig, die Medikamente genau nach ärztlicher Anweisung einzunehmen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nicht nötig, um den Cholesterinspiegel direkt zu senken. Wenn jedoch bereits Engstellen an den Herzkranzgefäßen bestehen, kann ein Eingriff erforderlich sein, um diese zu öffnen. Ihr ärztliches Team bespricht dies dann mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Sie können mit erhöhtem Cholesterinspiegel grundsätzlich beschwerdefrei und aktiv leben. Wichtig sind regelmäßige ärztliche Kontrollen und Ihre eigene Sorge für einen herzgesunden Alltag. Es hilft, sich klare und erreichbare Ziele zu setzen.
Tipps für den Alltag
- Bewegung: Gehen Sie jeden Tag etwas an die frische Luft.
- Ernährung: Kochen Sie mehr selbst mit frischen Zutaten.
- Stress: Planen Sie Pausen ein und nutzen Sie Entspannungsübungen.
- Schlaf: Achten Sie auf ausreichend und regelmäßigen Schlaf.
Ernährung und Bewegung
Setzen Sie auf eine überwiegend pflanzliche Küche mit Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchten. Verwenden Sie Pflanzenöle wie Raps- oder Olivenöl. Sorgen Sie für tägliche Bewegung – auch Treppensteigen oder Spazierengehen zählt. Ihr Ziel: jeden Tag mindestens 30 Minuten in Bewegung sein, auch aufgeteilt in kleinere Abschnitte.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Die Diagnose kann Sorgen auslösen – etwa die Frage, ob Herzinfarkt oder Schlaganfall drohen. Das ist normal. Vielen hilft es, sich ausführlich von der Ärztin oder dem Arzt beraten zu lassen. Wenn die Belastung anhält, zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen, etwa bei psychologischer Beratung oder Selbsthilfegruppen.
Vorbeugung
Ein erhöhter Cholesterinspiegel lässt sich in vielen Fällen durch einen gesunden Lebensstil vermeiden oder zumindest günstig beeinflussen. Wenn Sie bereits erhöhte Werte haben, kann die richtige Behandlung verhindern, dass daraus ernsthafte Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen.
Impfungen
Gegen erhöhtes Cholesterin selbst gibt es keine Impfung. Aber Sie sollten Ihren Impfschutz – zum Beispiel gegen Grippe und COVID-19 – regelmäßig prüfen lassen, denn Infektionen können das Herz allgemein belasten.
Früherkennungsprogramme
Im Rahmen des gesetzlichen Gesundheits-Check-ups (Check-up 35+) können Sie die Blutfettwerte bestimmen lassen. Auch bei familiärer Vorbelastung ist eine frühere Untersuchung sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Ablagerungen in den Blutgefäßen (Arteriosklerose) – das sind „Verstopfungen“ in den Gefäßwänden.
- Herzinfarkt, wenn Herzkranzgefäße stark verengt sind.
- Schlaganfall, wenn eine Hirnarterie verschlossen wird.
- Durchblutungsstörungen der Beine, die zum Beispiel beim Gehen Schmerzen verursachen.
Langzeitprognose
Mit einer konsequenten Behandlung können Sie Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich senken. Viele Menschen schaffen es, ihre Werte in einen gesunden Bereich zu bringen oder halten sie mit Medikamenten stabil. Entscheidend sind ein regelmäßiger Kontakt zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und ein aktiver Alltag. Es gibt gute Chancen, lange gesund zu bleiben, auch nach der Diagnose erhöhtes Cholesterin.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.