Durchblutungsstörungen – Warnzeichen und Komplikationen erkennen
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Unter einer Durchblutierungsstörung versteht man, dass Blutgefäße verengt oder blockiert sind. Das Blut kann Organe oder Körperteile nicht mehr ausreichend erreichen. Dadurch bekommen Gewebe zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe, und Abfallstoffe werden schlecht abtransportiert.
Wichtige Fakten
- Die häufigste Ursache ist Arteriosklerose, also Ablagerungen in den Gefäßwänden.
- Früh erkannt, lassen sich viele Durchblutungsstörungen gut behandeln.
- Unbehandelt können sie zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Gewebeschäden führen.
Ja. Vor allem in der westlichen Welt sind viele Menschen betroffen. In Deutschland ist die Zahl der Menschen mit Durchblutungsstörungen der Beine ab dem 65. Lebensjahr deutlich erhöht. Viele wissen zunächst gar nicht, dass sie betroffen sind.
Betroffen sind vor allem Menschen mit Diabetes, Raucherinnen und Raucher sowie Personen mit Bluthochdruck oder erhöhten Blutfettwerten. Auch ein Alter über 60 Jahre und eine familiäre Vorbelastung erhöhen das Risiko.
Symptome
- Plötzliches Schwächegefühl oder Taubheit in einem Arm oder Bein, oft nur auf einer Körperhälfte.
- Plötzliche Sprachstörungen oder Verwirrtheit.
- Plötzlich auftretende, starke Sehprobleme oder Gesichtsfeldausfälle.
- Sehr starker, ungewohnter Brustschmerz oder Engegefühl in der Brust.
- Ein blass-kaltes, plötzlich schmerzhaftes Bein oder Arm – das kann ein akuter Gefäßverschluss sein.
- ⚠Wunden, die nach ein bis zwei Wochen nicht heilen oder Anzeichen einer Infektion zeigen, zum Beispiel Rötung, Wärme, Eiter oder Fieber.
- ⚠Schmerzen in den Beinen, die auch in Ruhe bestehen.
- ⚠Neu auftretende oder zunehmende Beschwerden beim Gehen.
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Krämpfe in den Beinen, die beim Gehen auftreten und nach kurzer Ruhe wieder verschwinden (oft Schaufensterkrankheit genannt).
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Fingern, Zehen oder Beinen.
- Kalte Füße oder Hände, auch wenn es warm ist.
- Blasse oder bläulich verfärbte Haut an den Gliedmaßen.
- Schlecht heilende Wunden, besonders an Füßen oder Unterschenkeln.
- Schwache oder kaum spürbare Pulse in den Füßen oder Handgelenken.
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose – auch Arterienverkalkung genannt. Fett- und Kalkablagerungen verengen die Blutgefäße.
- Blutgerinnsel (Thrombose) – ein Gerinnsel kann ein Gefäß plötzlich verschließen.
- Entzündungen der Gefäßwände (Vaskulitis) – das Immunsystem greift die eigenen Blutgefäße an.
Risikofaktoren
- Rauchen oder Passivrauchen.
- Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
- Bluthochdruck.
- Erhöhte Blutfettwerte (vor allem Cholesterin).
- Bewegungsmangel.
- Übergewicht.
- Familiäre Vorbelastung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Alter über 60 Jahre.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen, heftigen Schmerzen in einem Arm oder Bein mit Blässe und Kälte – rufen Sie sofort die 112.
- Bei plötzlicher Lähmung, Sprachstörung oder Verwirrtheit – rufen Sie sofort die 112.
- Bei offenen Wunden, die nicht heilen, stark nässen oder Anzeichen einer Infektion zeigen – noch am selben Tag ärztliche Hilfe suchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie regelmäßig beim Gehen Schmerzen in den Beinen haben, die nach einer kurzen Pause verschwinden.
- Wenn Sie häufig unter kalten Händen oder Füßen, Kribbeln oder Taubheitsgefühlen leiden.
- Wenn in Ihrer Familie Herzkreislauf-Erkrankungen bekannt sind und Sie eine Vorsorgeuntersuchung wünschen.
Diagnose
Ihr Arzt oder Ihre Ärztin führt zuerst ein Gespräch mit Ihnen und fragt nach Ihren Beschwerden. Danach folgt eine körperliche Untersuchung: Die Pulse werden getastet, die Gefäße abgehört und der Blutdruck an Armen und Beinen gemessen. In Deutschland orientiert sich die Ärzteschaft dabei an medizinischen Leitlinien, unter anderem an den AWMF-Leitlinien zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit.
Mögliche Untersuchungen
- Ultraschalluntersuchung der Gefäße (Duplexsonographie) – zeigt Verengungen und den Blutfluss.
- Knöchel-Arm-Index-Messung (ABI) – vergleicht den Blutdruck am Arm mit dem am Knöchel.
- Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) – erzeugen genaue Bilder der Blutgefäße.
- Blutuntersuchung – prüft Blutzucker, Blutfette, Nierenwerte und mögliche Entzündungszeichen.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern nicht lange. Für die Blutentnahme sollten Sie nüchtern kommen, das heißt, Sie haben in den letzten 8 bis 10 Stunden nichts gegessen. Ihr Behandlungsteam erklärt Ihnen jeden Schritt. Sie können bei Bedarf eine Begleitperson mitbringen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Durchblutung zu verbessern, Beschwerden zu lindern und Folgeschäden zu verhindern. Dazu gehört immer ein gesunder Lebensstil. Bei Bedarf kommen Medikamente, Gefäßtraining oder Eingriffe dazu. Ihr Behandlungsteam stellt die Therapie individuell auf Sie ab.
Selbsthilfe zu Hause
- Wenn Sie rauchen: Hören Sie ganz auf. Das ist der wichtigste Schritt.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel mit zügigem Gehen – aber ohne sich zu überfordern.
- Kontrollieren Sie Ihre Füße täglich. Achten Sie auf Verfärbungen, Wunden oder Druckstellen.
- Tragen Sie gut sitzende Schuhe und weiche, trockene Socken.
- Trinken Sie ausreichend und vermeiden Sie ein Zuviel an Salz und tierischen Fetten.
Medizinische Behandlungen
Ärzte und Ärztinnen können Medikamente verschreiben, die das Risiko für Blutgerinnsel senken oder die Gefäße erweitern. Dazu gehören zum Beispiel blutgerinnungshemmende Mittel (umgangssprachlich Blutverdünner) sowie Wirkstoffe gegen Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette. Auch Physiotherapie oder ein spezielles Gefäßtraining können Teil der Therapie sein. Ihr Behandlungsteam entscheidet gemeinsam mit Ihnen, welche Maßnahmen für Sie sinnvoll sind.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn eine Gefäßverengung sehr stark ist oder ein Gefäß plötzlich verschlossen ist, kann ein Eingriff notwendig werden. Es gibt verschiedene Verfahren, zum Beispiel das Aufweiten mit einem Ballon, das Einsetzen einer Gefäßstütze (Stent), eine Gefäßumleitung (Bypass) oder die operative Entfernung des Verschlusses. Welches Verfahren infrage kommt, hängt von der Ursache und dem Ort der Verengung ab.
Leben mit der Erkrankung
Achten Sie im Alltag auf Warnzeichen wie zunehmende Kälte, Blässe, Schmerzen oder Wunden, die nicht heilen. Kontrollieren Sie Ihre Füße jeden Tag. Nehmen Sie Ihre Vorsorge- und Kontrolltermine wahr und fragen Sie bei Unsicherheiten nach – am besten rechtzeitig, bevor Beschwerden stärker werden.
Tipps für den Alltag
- Bewegung einbauen, zum Beispiel täglich 20 bis 30 Minuten zügig gehen, Radfahren oder Schwimmen.
- Rauchen aufgeben – auch mit Unterstützung Ihrer Hausarztpraxis.
- Übergewicht reduzieren, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt das empfiehlt.
- Stress vermeiden und Entspannungsübungen in den Alltag integrieren.
- Auf gute Fußpflege und passendes Schuhwerk achten.
Ernährung und Bewegung
Bevorzugen Sie Vollkornprodukte, Gemüse, Hülsenfrüchte und ungesättigte Fettsäuren, zum Beispiel aus Nüssen oder Rapsöl. Reduzieren Sie Salz und tierische Fette. Bewegung fördert die Durchblutung und hilft, die Gefäße geschmeidig zu halten. Steigern Sie die Belastung langsam und besprechen Sie Ihr Trainingsprogramm bei Bedarf mit Ihrem Behandlungsteam.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Wer unter chronischen Durchblutungsstörungen leidet, kann sich ängstlich oder niedergeschlagen fühlen. Das ist verständlich und ernst zu nehmen. Reden Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt über Ihre Sorgen. Bei anhaltender gedrückter Stimmung ist es sinnvoll, professionelle Unterstützung zu suchen – Ihr Behandlungsteam kann Sie dabei begleiten.
Vorbeugung
Ja, zu einem großen Teil. Gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen und die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfetten können das Risiko für Durchblutungsstörungen deutlich senken. Je früher Sie mit einem gesunden Lebensstil beginnen, desto besser.
Impfungen
Lassen Sie Ihren Impfstatus ärztlich überprüfen. Fachleute empfehlen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen bestimmte Schutzimpfungen. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, welche Impfungen für Sie persönlich sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Ab dem 65. Lebensjahr bieten Arztpraxen unter anderem Vorsorgeuntersuchungen an. Dabei werden Blutdruck, Blutzucker und Blutfette geprüft. Menschen mit bekannten Risikofaktoren können auch eine Ultraschalluntersuchung der Gefäße besprechen. Fragen Sie in Ihrer Hausarztpraxis nach.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schlaganfall, wenn ein Gefäß zum Gehirn verschlossen wird.
- Herzinfarkt, wenn ein Herzkranzgefäß verengt oder verschlossen ist.
- Dauerhafte Schäden an Organen wie Nieren oder Augen.
- Offene, schlecht heilende Wunden an Beinen oder Füßen, die sich entzünden können.
- Im schwersten Fall Gewebetod (Gangrän) und Amputation.
Langzeitprognose
Wenn Durchblutungsstörungen früh erkannt und konsequent behandelt werden, lassen sich viele Komplikationen vermeiden. Die Behandlungsmöglichkeiten sind heute sehr gut. Auch nach einem Ereignis wie einem Schlaganfall oder einer Gefäßverengung ist eine deutliche Besserung möglich. Mit der richtigen Therapie, regelmäßigen Kontrollen und eigener aktiver Mitarbeit können die meisten Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.