Bewegungsratgeber für eine bessere Durchblutung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Dieser Ratgeber erklärt, wie Sie mit Bewegung Ihre Durchblutung verbessern können. Bei einer Durchblutungsstörung sind die Blutgefäße verengt, sodass Gewebe – oft in den Beinen – zu wenig Sauerstoff bekommt. Gezieltes Gehen und moderates Training können helfen, die Gefäße zu trainieren und Beschwerden zu lindern. Die Empfehlungen folgen den aktuellen Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).
Wichtige Fakten
- Regelmäßiges Gehen ist das wichtigste Training für die Beindurchblutung.
- Bewegung hilft, neue kleine Blutgefäße zu bilden und die Gehstrecke zu verlängern.
- Sprechen Sie vor Beginn eines Trainingsplans immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Durchblutungsstörungen in den Beinen sind keine Seltenheit: Bei Menschen über 60 ist etwa jeder oder jede Fünfte betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko.
Besonders häufig betroffen sind Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten oder einer familiären Vorbelastung. Auch Raucherinnen und Raucher sowie Personen mit Bewegungsmangel haben ein höheres Risiko.
Symptome
- Plötzlich blasses, kaltes und taubes Bein mit starken Schmerzen – sofort den Notruf 112 anrufen
- Akute, unerträgliche Schmerzen in einem Bein oder Fuß, begleitet von Blässe oder Blauverfärbung
- Brustschmerzen oder Atemnot, die in Ruhe auftreten – Notruf 112
- ⚠Neue, offene Wunden an Zehen oder Fuß, die nicht abheilen
- ⚠Zunehmende Schmerzen in der Wade schon bei kurzen Strecken
- ⚠Schwellung, Rötung oder Überwärmung eines Beins – möglicherweise eine Thrombose
Häufige Symptome
- Schmerzen oder Krämpfe in den Waden beim Gehen, die nach einer kurzen Pause nachlassen
- Kalte Füße oder blasse Haut an den Beinen
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Zehen
- Schlecht heilende Wunden an Unterschenkeln oder Füßen
- Kurze Gehstrecken, bevor eine Zwangspause nötig wird
Symptome bei Kindern
- Bei Kindern sind schwere Durchblutungsstörungen selten.
- Anhaltend kalte Hände oder Füße können auf eine harmlose Gefäßreaktion hinweisen – sprechen Sie bei Unsicherheit mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Die Gehstrecke wird immer kürzer, Treppensteigen fällt zunehmend schwer
- Zehen oder Füße fühlen sich auch im warmen Zustand kalt an
- Wunden an Unterschenkeln oder Füßen heilen schlecht oder gar nicht
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose: Ablagerungen (Plaques) verengen die Blutgefäße
- Blutgerinnsel, die ein Gefäß plötzlich verschließen
- Entzündungen der Gefäßwände (Vaskulitis)
- Diabetes mellitus schädigt mit der Zeit die kleinen Gefäße
Risikofaktoren
- Rauchen
- Diabetes
- Bluthochdruck
- Erhöhte Cholesterinwerte
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- Alter und familiäre Vorbelastung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Sie plötzlich ein blasses, kaltes, taubes Bein mit starken Schmerzen bemerken, rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Wenn Wunden an den Zehen oder am Fuß nicht heilen oder sich dunkel verfärben, suchen Sie noch am selben Tag eine Ärztin oder einen Arzt auf.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie beim Gehen wiederholt Schmerzen in den Waden haben, lassen Sie das bei einem Termin abklären.
- Sprechen Sie bei Ihrem regelmäßigen Check-up über Ihre Bewegung und mögliche Durchblutungsprobleme – besonders, wenn Sie rauchen oder Diabetes haben.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und misst den Blutdruck an Armen und Knöcheln. Diese schnelle Messung heißt Knöchel-Arm-Index und zeigt, ob die Durchblutung in den Beinen eingeschränkt ist.
Mögliche Untersuchungen
- Knöchel-Arm-Index (ABI): Blutdruckmessung an Oberarm und Fußknöchel
- Doppler-Ultraschall: Untersuchung der Gefäße mit Schallwellen
- Gehtest auf dem Laufband: schmerzfreie und maximale Gehstrecke werden gemessen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern in der Regel 15 bis 30 Minuten. Sie müssen keine besonderen Vorbereitungen treffen. Danach bespricht das Team die Ergebnisse und erstellt gemeinsam mit Ihnen einen Behandlungs- und Bewegungsplan.
Behandlung
Die Behandlung von Durchblutungsstörungen beruht auf drei Säulen: Bewegungstherapie, Behandlung der Risikofaktoren und – falls nötig – Medikamente oder ein gefäßerweiternder Eingriff. Gehtraining ist dabei die wichtigste Grundlage, um die Gehstrecke zu verlängern.
Selbsthilfe zu Hause
- Gehen Sie mindestens dreimal pro Woche. Gehen Sie bis zur Schmerzgrenze, machen Sie eine kurze Pause und gehen Sie weiter.
- Steigern Sie die Gehstrecke langsam – zum Beispiel jede Woche um 10 bis 15 Prozent.
- Kontrollieren Sie täglich Ihre Füße auf kleine Wunden, Hautrisse oder Verfärbungen.
- Tragen Sie bequeme, nicht einengende Schuhe und warme, weiche Socken.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann Ihnen Medikamente verschreiben, die die Blutgerinnung hemmen oder die Gefäße erweitern. Zusätzlich kann ein strukturiertes Gefäßtraining mit einer Ergo- oder Physiotherapie helfen. Alle Maßnahmen werden individuell für Sie ausgewählt und angepasst.
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein Eingriff wie eine Ballonerweiterung oder ein Bypass kommt erst infrage, wenn trotz Bewegungstraining und Medikamenten die Beschwerden stark einschränken oder Wunden nicht heilen. Die Entscheidung bespricht ein Gefäß-Team gemeinsam mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Planen Sie Bewegung fest in den Alltag ein – zum Beispiel kurze Spaziergänge nach dem Essen. Halten Sie an, wenn es wehtut, und machen Sie weiter, sobald der Schmerz nachlässt. Mit der Zeit wird die Strecke oft länger.
Tipps für den Alltag
- Rauchen aufhören – das wichtigste Geschenk für Ihre Gefäße
- Täglich bewegen, auch in kleinen Einheiten von 10 Minuten
- Gesund essen mit viel Gemüse, Obst und Vollkorn
- Übergewicht abbauen – jedes Kilo entlastet die Beine
- Stress reduzieren durch Atemübungen, Musik oder kurze Pausen
Ernährung und Bewegung
Bewegung ist die wirksamste ‚Therapie‘ für die Durchblutung. Beginnen Sie mit kurzen Spaziergängen und steigern Sie das Tempo langsam. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit wenig Salz und Zucker und trinken Sie ausreichend Wasser. Ihr Bewegungsplan sollte schmerzadaptiert sein: Gehen Sie bis zur Schmerzgrenze, nicht bis zur Erschöpfung.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit können belasten und Niedergeschlagenheit auslösen. Das ist verständlich. Regelmäßige Bewegung hebt oft auch die Stimmung. Scheuen Sie sich nicht, über Ängste mit Ihrem ärztlichen Team zu sprechen.
Vorbeugung
Eine Durchblutungsstörung lässt sich nicht immer verhindern, aber Sie können das Risiko deutlich senken: regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, Rauchstopp und eine gute Einstellung von Blutdruck und Blutzucker.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Durchblutungsstörungen. Lassen Sie aber Ihren Impfschutz regelmäßig überprüfen, da Infektionen bei bestehenden Gefäßproblemen schwerer verlaufen können.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Screening für Bein-Durchblutungsstörungen. Lassen Sie ab dem 50. Lebensjahr im Rahmen des Gesundheits-Check-ups Blutdruck und Blutzucker messen und sprechen Sie von sich aus über kalte Beine oder Gehbeschwerden.
Komplikationen
Unbehandelt
- Schmerzen in Ruhe, die den Schlaf stören
- Wunden heilen nicht und können sich infizieren
- Bei völligem Gefäßverschluss droht der Verlust von Zehen oder Fuß
Langzeitprognose
Mit einem konsequenten Bewegungsprogramm und einer guten Einstellung der Risikofaktoren lassen sich die Gehstrecke und die Lebensqualität in den meisten Fällen deutlich verbessern. Viele Menschen bleiben mit der richtigen Unterstützung dauerhaft mobil.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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