Kreislauf in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Während der Schwangerschaft verändert sich Ihr Kreislauf. Ihr Körper bildet mehr Blut, das Herz pumpt stärker, und die Blutgefäße weiten sich. So wird Ihr Baby gut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Meist ist das harmlos, aber es kann auch Beschwerden wie Schwindel oder Wassereinlagerungen geben.
Wichtige Fakten
- Die Blutmenge nimmt bis zur 34. Schwangerschaftswoche um etwa 40 % zu.
- Der Blutdruck sinkt im ersten und zweiten Drittel oft etwas ab.
- Die Gebärmutter kann auf große Gefäße drücken und den Blutfluss beeinflussen.
Ja, alle Schwangeren erleben Kreislaufveränderungen. Etwa jede vierte Schwangere hat zeitweise Beschwerden wie Schwindel oder Herzrasen.
Betroffen sind alle Schwangeren. Manche haben ein höheres Risiko, zum Beispiel bei Mehrlingen, erhöhtem Blutdruck oder Diabetes.
Symptome
- Starke Schmerzen im Brustkorb
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Plötzliche starke Luftnot
- Krampfanfall
- Sehstörungen wie Flackern oder Doppelbilder, zusammen mit starken Kopfschmerzen
- Starke Blutungen
- ⚠Stark geschwollene Hände, Füße oder das Gesicht, die innerhalb kurzer Zeit stark zunehmen
- ⚠Schnelle Gewichtszunahme von mehr als 1 Kilogramm pro Woche
- ⚠Anhaltender Kopfschmerz, der nicht nachlässt
- ⚠Schmerzen oder Schwellung an einer Wade
Häufige Symptome
- Schwindel oder Benommenheit, besonders beim Aufstehen
- Herzklopfen oder Herzrasen
- Geschwollene Hände, Füße oder Knöchel
- Kurzatmigkeit bei Belastung
- Hitzewallungen
Symptome bei Kindern
- Beim ungeborenen Kind: Achten Sie auf Veränderungen der Kindsbewegungen – wenn sich das Baby deutlich weniger bewegt, kann das auf eine Mangelversorgung hinweisen.
- In der Vorsorge überwacht die Hebamme oder Ärztin die Herztöne des Kindes.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Für ältere Schwangere gelten die gleichen Warnzeichen. Zusätzlich kann der Blutdruck stärker schwanken, und Vorerkrankungen spielen eine größere Rolle.
Ursachen
Hauptursachen
- Mehr Blutvolumen: Der Körper produziert mehr Blut, um das Kind zu versorgen.
- Hormone: Sie machen die Blutgefäße weicher und weiter.
- Druck der Gebärmutter: Im späteren Verlauf kann sie auf die große Hohlvene drücken und den Rückfluss zum Herzen vermindern.
Risikofaktoren
- Bluthochdruck vor der Schwangerschaft
- Starkes Übergewicht
- Mehrlingsschwangerschaft
- Alter über 35 Jahre
- Nieren- oder Herzerkrankungen
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlich zunehmenden Wassereinlagerungen, anhaltenden Kopfschmerzen oder Wadenbeschwerden suchen Sie noch am selben Tag Ihre Arztpraxis auf.
- Wenn Sie sich allgemein unwohl fühlen oder Ihr Baby sich weniger bewegt, lassen Sie es besser noch heute abklären.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Nehmen Sie alle routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen wahr. Dort werden Blutdruck, Gewicht und Urin kontrolliert.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt misst den Blutdruck, untersucht den Urin, hört Herz und Lungen ab und macht bei Bedarf eine Ultraschalluntersuchung. Es kann auch eine Blutuntersuchung folgen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung
- Urintest auf Eiweiß
- Bluttest (Leberwerte, Nierenwerte, Blutbild)
- Ultraschall (Kindsgröße und Fruchtwassermenge)
- Eventuell EKG oder Herzultraschall
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Sie dürfen bei den Vorsorgeterminen alle Fragen stellen. Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern meist nur wenige Minuten. Wenn Auffälligkeiten auftreten, kann eine Überweisung zur Kardiologin oder zum Kardiologen oder in eine Spezialsprechstunde sinnvoll sein.
Behandlung
Eine gestörte Durchblutung kann oft schon mit Ruhe, Trinken und Bewegung gelindert werden. Bei ernsteren Problemen wird die Behandlung individuell geplant. Die AWMF-Leitlinien empfehlen eine engmaschige Betreuung, aber keine Medikamente auf eigene Faust.
Selbsthilfe zu Hause
- Linksseitenlage: Schlafen und Ruhen auf der linken Seite entlastet die große Hohlvene.
- Regelmäßige Bewegung wie Spazierengehen
- Ausreichend trinken (Wasser oder ungesüßten Tee)
- Langes Stehen vermeiden, Beine hochlegen
- Kompressionsstrümpfe können bei Wassereinlagerungen helfen – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hebamme.
Medizinische Behandlungen
Falls nötig, verschreibt die Ärztin oder der Arzt ein blutdrucksenkendes Medikament, das in der Schwangerschaft zugelassen ist (z. B. bestimmte Betablocker oder Kalziumkanalblocker). Nehmen Sie nur Medikamente ein, die ausdrücklich mit Ihrer Schwangerenbetreuung abgestimmt sind. Bei schweren Komplikationen kann ein Krankenhausaufenthalt zur Überwachung sinnvoll sein.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist während der Schwangerschaft fast nie nötig. Nur in sehr seltenen Fällen von schweren Herz- oder Gefäßerkrankungen kann ein Eingriff geplant werden, aber das wird sehr gründlich abgewogen.
Leben mit der Erkrankung
Ihr Kreislauf braucht Zeit. Planen Sie gemütliche Tagesabläufe ein, vermeiden Sie Hitze und legen Sie ab und zu kurz die Beine hoch. Hören Sie auf Ihren Körper – wenn Ihnen schwindelig wird, setzen oder legen Sie sich hin.
Tipps für den Alltag
- Stress reduzieren, zum Beispiel mit Atemübungen oder sanftem Yoga
- Schlafen Sie bequem, idealerweise auf der linken Seite.
- Rauchfrei bleiben
- Alkohol vermeiden
Ernährung und Bewegung
Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten. Salz nur in Maßen ist für Schwangere meist erlaubt – sprechen Sie aber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie Wassereinlagerungen haben. Leichte Bewegung wie Schwimmen oder Schwangerschaftsyoga fördert den Kreislauf, ohne Sie zu überlasten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Angst um das Baby oder Sorgen um den Blutdruck können sehr belasten. Das ist völlig verständlich. Scheuen Sie sich nicht, darüber zu sprechen. Bei Stimmungstiefs oder großer Unruhe können Hebammen, Ärztinnen und Ärzte oder psychologische Beratungsstellen helfen.
Vorbeugung
Ganz verhindern kann man Kreislaufprobleme nicht. Doch durch regelmäßige Vorsorge und einen gesunden Lebensstil lassen sich Risiken früh erkennen und gut behandeln.
Früherkennungsprogramme
Die Vorsorgeuntersuchungen sind ein Screening: Blutdruck, Urin und gegebenenfalls Blutwerte werden bei jedem Termin geprüft. Nutzen Sie diese Termine konsequent.
Komplikationen
Unbehandelt
- Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) mit hohem Blutdruck und Eiweiß im Urin
- Wachstumsverzögerung des Kindes
- Probleme mit der Plazenta
- Im schlimmsten Fall Krampfanfälle (Eklampsie) – das ist ein Notfall
Langzeitprognose
Mit guter Betreuung sind die meisten Kreislaufprobleme gut behandelbar. Nach der Geburt normalisiert sich der Kreislauf meist innerhalb weniger Wochen. Auch bei einer Präeklampsie sind die Aussichten bei rechtzeitiger Behandlung für Mutter und Kind sehr gut.
Unterstützung finden
Externe Links öffnen Websites Dritter. Ruqelo ist nicht für externe Inhalte verantwortlich. Die Nennung einer Organisation bedeutet keine Empfehlung.
Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
Ähnliche Erkrankungen
Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.