Selbstfürsorge für eine gesunde Durchblutung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Die Durchblutung ist der Transport von Blut durch den Körper. Das Herz pumpt das Blut, damit Sauerstoff und Nährstoffe in alle Organe, Muskeln und Haut gelangen. Eine gute Durchblutung hält den Körper vital. Bei Durchblutungsstörungen ist der Blutfluss in einem Bereich vermindert – häufig in den Beinen, aber auch in Herz, Gehirn oder Nieren.
Wichtige Fakten
- Das Herz pumpt ungefähr 5 Liter Blut pro Minute durch den Körper.
- Blutgefäße werden in Arterien (vom Herz weg), Venen (zum Herz hin) und feine Kapillare unterteilt.
- Bewegung ist eines der besten Mittel, um die Durchblutung anzuregen.
- Rauchen ist einer der stärksten Risikofaktoren für verengte Gefäße.
Durchblutungsstörungen sind häufig, besonders bei Menschen über 60 Jahren. Schätzungsweise jeder fünfte Erwachsene über 65 hat eine eingeschränkte Durchblutung in den Beinen.
Betroffen sind vor allem ältere Menschen, Raucher, Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder erhöhten Blutfetten. Auch jüngere Menschen können Durchblutungsstörungen haben, aber seltener.
Symptome
- Plötzliche starke Brustschmerzen, die in den linken Arm, Rücken oder Kiefer ausstrahlen können
- Plötzliche Atemnot
- Einseitige Schwäche oder Taubheit im Gesicht, Arm oder Bein
- Sprach- oder Sehstörungen, die plötzlich auftreten
- Ein plötzlich blasses, kaltes oder blaues Bein oder ein Arm mit heftigen Schmerzen
- ⚠Starke Schmerzen in den Beinen, die Sie auch in Ruhe nicht loslassen
- ⚠Ein geschwollenes, gerötetes und schmerzhaftes Bein – das kann auf eine Thrombose hinweisen
- ⚠Neue oder sich verschlechternde Wunden an Füßen oder Unterschenkeln
Häufige Symptome
- Kalte Füße oder Hände
- Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Fingern, Händen, Zehen oder Füßen
- Blasse oder bläuliche Haut an den Extremitäten
- Schwere oder müde Beine
- Schmerzen in den Waden beim Gehen, die in Ruhe nachlassen (umgangssprachlich auch Schaufensterkrankheit genannt)
Symptome bei Kindern
- Bläuliche Verfärbung von Lippen, Fingern oder Zehen
- Auffällige Müdigkeit oder Kurzatmigkeit bei Belastung
- Kalte oder blasse Arme und Beine ohne ersichtlichen Grund
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Schlecht heilende Wunden an den Füßen oder Unterschenkeln
- Dünne, glänzende Haut und spärlicher Haarwuchs an den Beinen
- Häufiges Kältegefühl in den Beinen oder Füßen
Ursachen
Hauptursachen
- Arteriosklerose – das ist eine Verhärtung und Verengung der Blutgefäße durch Ablagerungen
- Ein Blutgerinnsel, das ein Gefäß plötzlich verschließt
- Entzündungen der Blutgefäße (sogenannte Gefäßentzündungen)
- Ein vorübergehender Gefäßkrampf – etwa bei starker Kälte oder Stress
Risikofaktoren
- Rauchen
- Diabetes mellitus
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Familiäre Vorbelastung
- Alter über 65 Jahre
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Wenn Symptome plötzlich auftreten oder sich rasch verschlimmern, suchen Sie noch am selben Tag ärztliche Hilfe.
- Bei Wunden, die nicht heilen, sollten Sie ebenfalls zeitnah einen Termin in Ihrer Hausarztpraxis oder einer Gefäßpraxis machen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zu den Risikogruppen gehören – etwa wegen Rauchen, Diabetes oder Bluthochdruck – ist ein regelmäßiger Check sinnvoll.
- Wenn Sie beim Gehen häufiger stehenbleiben müssen, um Schmerzen in den Waden abzuklingen zu lassen, besprechen Sie das bei Ihrer nächsten ärztlichen Untersuchung.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden, nimmt eine körperliche Untersuchung vor, misst den Blutdruck und tastet die Pulse. Danach folgen meist spezielle Untersuchungen, um den Blutfluss zu prüfen. Bei Bedarf werden Sie an eine Fachärztin oder einen Facharzt für Gefäßmedizin überwiesen.
Mögliche Untersuchungen
- Doppler-Ultraschall – damit lässt sich der Blutfluss in den Gefäßen sichtbar machen
- Knöchel-Arm-Index – dabei wird der Blutdruck am Knöchel und am Oberarm gemessen und ins Verhältnis gesetzt
- Blutuntersuchungen auf Blutzucker, Blutfette und Entzündungswerte
- In besonderen Fällen eine Gefäßdarstellung mit Kontrastmittel (Angiografie) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und werden meist ambulant durchgeführt. Sie müssen dafür nicht übernachten. Sie bekommen anschließend die Ergebnisse mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und der Schwere der Durchblutungsstörung. Grundlage ist eine Anpassung des Lebensstils. Bei ausgeprägten Beschwerden können zusätzlich Medikamente oder ein Gefäßeingriff helfen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt erstellt gemeinsam mit Ihnen einen persönlichen Behandlungsplan, der zu Ihrer Lebenssituation passt.
Selbsthilfe zu Hause
- Bewegen Sie sich täglich, am besten mindestens 30 Minuten – zum Beispiel zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen.
- Wenn Sie rauchen, versuchen Sie, damit aufzuhören. Ihr Gesundheitsteam kann Sie dabei unterstützen.
- Achten Sie auf eine ausgewogene, gelenkschonende Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.
- Pflegen Sie Ihre Füße gut: Trocknen Sie sie nach dem Waschen sorgfältig ab, besonders zwischen den Zehen.
- Tragen Sie bequeme Schuhe und nicht einengende Socken.
- Trinken Sie ausreichend Wasser – bis zu 1,5 bis 2 Liter über den Tag verteilt, sofern keine anderen gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen.
- Vermeiden Sie langes Sitzen oder Stehen Machen Sie immer wieder Bewegungspausen und lagern Sie die Beine zwischendurch hoch.
Medizinische Behandlungen
Die Ärztin oder der Arzt kann Medikamente verschreiben, die den Blutdruck senken, den Cholesterinspiegel ausgleichen oder die Blutgerinnung beeinflussen. Auch Arzneimittel, die die Durchblutung fördern, können zum Einsatz kommen. Welches Medikament für Sie geeignet ist, wird individuell nach Ursache und Begleiterkrankungen entschieden. Es ist wichtig, die verordnete Behandlung regelmäßig durchzuführen und Fragen dazu mit Ihrem Arzt zu besprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn eine Engstelle ein Gefäß stark verengt oder ganz verschließt, kann ein Eingriff nötig sein. Häufig wird dabei ein mit einem Ballon bestückter Katheter eingeführt und die Engstelle aufgeweitet (Ballonaufdehnung). Manchmal wird dabei auch eine Gefäßstütze (Stent) eingesetzt. In bestimmten Situationen hilft eine Bypass-Operation, bei der das Blut über ein körpereigenes Ersatzgefäß umgeleitet wird.
Leben mit der Erkrankung
Mit einer Durchblutungsstörung können Sie in den meisten Fällen gut leben – besonders dann, wenn Sie die Empfehlungen Ihres Behandlungsteams im Alltag umsetzen. Sie müssen nicht auf alles verzichten. Es geht darum, ein gutes Gleichgewicht zu finden: Bewegung einbauen, Pausen machen und auf die Signale Ihres Körpers hören.
Tipps für den Alltag
- Gehtraining ist besonders wirksam: Gehen Sie täglich in einem Tempo, das für Sie angenehm ist, und steigern Sie die Strecke langsam.
- Rauchverzicht ist der wichtigste einzelne Schritt für gesündere Gefäße – auch hier gilt: Unterstützung suchen erleichtert den Abschied von der Zigarette.
- Entspannungsverfahren wie Atemübungen, Yoga oder progressive Muskelentspannung können den Kreislauf beruhigen.
- Wenn Sie Übergewicht haben, hilft schon eine moderate Gewichtsabnahme, die Beine zu entlasten.
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten aus Nüssen oder Pflanzenölen unterstützt die Gefäße. Bewegung ist wie ein natürliches Pumpwerk: Sie regt den Blutfluss an und schult die kleinen Umgehungskreisläufe. Fangen Sie langsam an – zum Beispiel mit täglichen Spaziergängen – und steigern Sie Umfang und Tempo schrittweise.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine chronische Durchblutungsstörung kann Ängste auslösen und den Alltag belasten. Es ist völlig normal, sich Sorgen zu machen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt, mit Ihren Angehörigen oder einer psychologischen Beratungsstelle. Sie müssen nicht allein damit fertig werden – und wer sich unterstützt fühlt, kommt oft besser mit der Erkrankung zurecht.
Vorbeugung
Durchblutungsstörungen lassen sich nicht immer verhindern, aber das Risiko lässt sich deutlich senken. Ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, Rauchverzicht und ausgewogener Ernährung ist die beste Vorbeugung. Werden bestehende Grunderkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck gut behandelt, schützt das zusätzlich.
Impfungen
Auch eine Grippeimpfung kann für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinnvoll sein. Sprechen Sie am besten rechtzeitig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob eine Impfung für Sie empfohlen wird.
Früherkennungsprogramme
Lassen Sie im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen auch Blutdruck, Blutzucker und Blutfette kontrollieren – auch wenn Sie keine Beschwerden haben. In Deutschland steht Ihnen ab 35 Jahren ein regelmäßiger Gesundheits-Check-up zu.
Komplikationen
Unbehandelt
- Dauerhafte Schäden an Geweben, zum Beispiel offene Wunden (Geschwüre) an den Beinen, die schwer heilen
- Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenschäden
- In fortgeschrittenen Fällen kann eine Amputation von Zehen oder Fuß nötig werden
Langzeitprognose
Mit frühzeitiger Erkennung und einer guten Eigenbehandlung lassen sich viele Komplikationen vermeiden. Viele Menschen erreichen mit der richtigen Therapie eine deutliche Besserung, können Strecken weiter gehen und fühlen sich wieder sicherer im Alltag. Ihr Gesundheitsteam begleitet Sie dabei Schritt für Schritt.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
Nutzen Sie sie zur Ergänzung — nicht als Ersatz — für den Rat einer approbierten Fachkraft.
Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.