Ohnmacht (Synkope)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Bei schweren, sich verschlechternden oder lebensbedrohlichen Symptomen sofort ärztliche Hilfe suchen.
Übersicht
Ohnmacht (medizinisch: Synkope) ist eine kurze, plötzliche Bewusstlosigkeit, die meist nur ein bis zwei Minuten andauert. Sie entsteht, weil das Gehirn vorübergehend zu wenig Blut und Sauerstoff bekommt. Danach wacht man von allein wieder auf und fühlt sich meist schnell wieder normal.
Wichtige Fakten
- Ohnmacht ist häufig und meist harmlos, sollte aber immer ärztlich abgeklärt werden.
- Bei einer Ohnmacht fällt man in der Regel zu Boden – dadurch kann das Blut wieder zum Gehirn fließen.
- Die häufigste Form ist die reflexvermittelte Ohnmacht (z. B. bei Aufregung oder Schmerz).
Ja, Ohnmacht ist sehr häufig. Etwa jeder dritte Mensch erlebt mindestens einmal im Leben eine Ohnmacht.
Ohnmacht kann in jedem Alter auftreten. Besonders häufig sind Jugendliche und junge Erwachsene betroffen, aber auch ältere Menschen – bei ihnen steckt manchmal eine ernstere Ursache dahinter.
Symptome
- Ohnmacht begleitet von Brustschmerz, Herzrasen oder Atemnot
- Ohnmacht nach einem Schlag auf den Kopf
- Bewusstlosigkeit, die länger als 2 Minuten anhält
- Krampfanfall während der Ohnmacht
- Ohnmacht bei bekannter Herzerkrankung
- ⚠Erste Ohnmacht im Erwachsenenalter ohne erkennbaren Auslöser
- ⚠Ohnmacht beim Autofahren oder Bedienen von Maschinen
- ⚠Mehrere Ohnmachtsanfälle innerhalb kurzer Zeit
- ⚠Ohnmacht mit Verletzung (z. B. Sturz)
Häufige Symptome
- Plötzliches Schwächegefühl
- Schwindel oder Benommenheit
- Verschwommenes Sehen oder „Sternchen sehen“
- Übelkeit
- Schweißausbruch
- Kurze Bewusstlosigkeit (meist unter 2 Minuten)
- Schnelles Wiedererwachen
Symptome bei Kindern
- Blasswerden
- Unruhe oder Weinen
- Bei Kleinkindern: sogenannte Affektkrämpfe (kurzes Innehalten der Atmung nach Schreck oder Wut)
- Oft nach langem Stehen oder bei emotionaler Belastung
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ohnmacht beim Aufstehen (orthostatische Synkope)
- Sturz ohne Erinnerung an Vorgefühl
- Verwirrtheit nach der Ohnmacht
- Häufiger durch Medikamente oder Flüssigkeitsmangel
Ursachen
Hauptursachen
- Reflexsynkope: Ausgelöst durch starke Emotionen, Schreck, Schmerz, Wasserlassen oder Husten – das Nervensystem reagiert übermäßig.
- Orthostatische Synkope: Blutdruckabfall beim schnellen Aufstehen, oft durch Flüssigkeitsmangel oder bestimmte Medikamente.
- Herzrhythmusstörungen: Das Herz schlägt zu langsam oder zu schnell – dann pumpt es nicht genug Blut zum Gehirn.
Risikofaktoren
- Hohes oder niedriges Alter
- Langes Stehen
- Heiße, stickige Umgebung
- Flüssigkeitsmangel oder Hunger
- Bestimmte Medikamente (z. B. blutdrucksenkende Mittel)
- Herzerkrankungen in der Vorgeschichte
- Stress oder Angst
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei der ersten Ohnmacht ohne klaren Auslöser
- Wenn die Ohnmacht mit Brustschmerz, Herzklopfen oder Atemnot einhergeht
- Wenn Sie sich bei der Ohnmacht verletzt haben
- Wenn Sie bereits eine Herzerkrankung haben
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei wiederholten Ohnmachtsanfällen – auch wenn diese harmlos wirken
- Wenn die Ohnmacht immer in bestimmten Situationen auftritt (z. B. beim Wasserlassen)
- Zur Vorsorge, wenn in Ihrer Familie plötzliche Herztodesfälle vorkamen
Diagnose
Der Arzt wird zunächst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen führen (Anamnese). Dabei sind Details wichtig: Wann ist es passiert? Was haben Sie davor gemacht? Haben Sie etwas gespürt? Auch Ihr Puls und Blutdruck werden gemessen – oft im Liegen und im Stehen.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG): Zeichnet die Herzströme auf, um Rhythmusstörungen zu erkennen.
- Langzeit-EKG: Sie tragen 24 Stunden oder länger ein Gerät, das Ihr Herz kontinuierlich überwacht.
- Blutdruckmessung im Stehen (orthostatischer Test): Der Blutdruck wird direkt nach dem Aufstehen gemessen.
- Tilt-Table-Test (Kipptisch-Untersuchung): Sie liegen auf einer Liege, die langsam aufgerichtet wird – dabei werden Blutdruck und Puls überwacht.
- Echokardiogramm (Herzultraschall): Zeigt die Struktur und Funktion des Herzens.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und dauern je nach Umfang einige Minuten bis zu einem Tag. Der Arzt wird mit Ihnen besprechen, ob weitere Tests nötig sind. Meist kann die Ursache durch eine genaue Befragung und einfache Tests geklärt werden.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der Ursache der Ohnmacht ab. Bei harmlosen Formen (z. B. Reflexsynkope) reichen oft Verhaltensänderungen. Steckt eine Herzrhythmusstörung dahinter, kann eine Behandlung mit Medikamenten oder einem Schrittmacher nötig sein.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie sich sofort hin, wenn Sie ein Ohnmachtsgefühl spüren – das verhindert den Sturz.
- Heben Sie die Beine an, damit das Blut leichter zum Gehirn fließt.
- Trinken Sie ausreichend (vor allem bei Hitze oder nach Sport).
- Vermeiden Sie langes Stehen – bewegen Sie sich zwischendurch oder stellen Sie sich im Sitzen oder Liegen hin.
- Essen Sie regelmäßig, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.
Medizinische Behandlungen
Wenn eine behandlungsbedürftige Ursache vorliegt, kann der Arzt verschiedene Therapien vorschlagen. Dazu gehören zum Beispiel Medikamente, die den Blutdruck stabilisieren oder den Herzrhythmus normalisieren. In manchen Fällen wird ein Herzschrittmacher eingesetzt, um einen zu langsamen Herzschlag zu verhindern. Bei bestimmten Formen der Ohnmacht können auch Übungen helfen, die die Beinmuskulatur trainieren („physical counterpressure maneuvers“).
Wann kommt eine Operation infrage?
Ein operativer Eingriff kommt nur sehr selten in Frage, zum Beispiel wenn ein mechanisches Herzproblem (wie eine verengte Herzklappe) die Ohnmacht verursacht.
Leben mit der Erkrankung
Die meisten Menschen mit gelegentlicher harmloser Ohnmacht können ein ganz normales Leben führen. Es ist hilfreich, die eigenen Auslöser zu kennen und zu vermeiden. Bei ersten Anzeichen (Schwindel, Schwäche) reagieren Sie am besten sofort: hinlegen, Beine hoch.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie plötzliches Aufstehen – setzen Sie sich zunächst auf die Bettkante, bevor Sie aufstehen.
- Tragen Sie bei Neigung zu Ohnmacht keine zu enge Kleidung (vor allem am Hals).
- Achten Sie auf ausreichend Schlaf und reduzieren Sie Stress.
- Wenn Sie längere Zeit stehen müssen, wippen Sie mit den Füßen oder spannen Sie die Beinmuskeln an.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit regelmäßigen Mahlzeiten hilft, den Kreislauf stabil zu halten. Trinken Sie 1,5 bis 2 Liter pro Tag (Wasser oder ungesüßte Tees). Moderate Bewegung wie Spazierengehen, Schwimmen oder Radfahren trainiert den Kreislauf. Bei starker Hitze oder nach dem Sport sollten Sie besonders auf ausreichend Flüssigkeit achten.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ohnmachtsanfälle können verunsichern und Angst auslösen. Manche Menschen vermeiden bestimmte Situationen aus Sorge vor einer erneuten Ohnmacht. Das ist verständlich, aber oft unnötig. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Arzt und gegebenenfalls einer psychologischen Beratung kann helfen.
Vorbeugung
Nicht jede Ohnmacht ist vermeidbar, aber Sie können das Risiko deutlich senken: Trinken Sie genug, stehen Sie langsam auf, vermeiden Sie Auslöser wie große Hitze oder Hektik. Wenn Sie die ersten Warnzeichen spüren (z. B. Schwindel), legen Sie sich sofort hin.
Früherkennungsprogramme
Ein regelmäßiges Screening ist bei gesunden Menschen ohne Symptome nicht nötig. Bei Risikopersonen (z. B. mit Herzerkrankungen in der Familie) kann der Arzt eine Vorsorgeuntersuchung empfehlen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Verletzungen durch Sturz (Kopfverletzungen, Knochenbrüche)
- Wiederholte Ohnmachtsanfälle, die den Alltag beeinträchtigen
- Selten: Unfälle beim Autofahren oder Maschinenbedienen
- Bei unbehandelten Herzrhythmusstörungen: ernsthafte Herz-Kreislauf-Probleme
Langzeitprognose
Die allermeisten Ohnmachtsanfälle sind harmlos und haben eine gute Prognose. Wenn die Ursache gefunden und behandelt wird – oder wenn es sich um eine einfache Reflexsynkope handelt –, führt die Ohnmacht meist zu keinen dauerhaften Schäden. Auch bei ernsteren Ursachen ist heute vieles gut behandelbar. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt beraten – dann können Sie meist beruhigt in die Zukunft blicken.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
- Bundesverband Herzkranke Kinder e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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