Angina
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- WHO—Health topics A–Z(2024)
- NHS—Health A to Z(2024)
- CDC—Health topics(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina, oft Angina pectoris genannt, bedeutet Brustenge oder Brustschmerz, der meist entsteht, wenn der Herzmuskel vorübergehend zu wenig Sauerstoff bekommt. Das passiert häufig, wenn die Herzkranzgefäße, also die Blutgefäße, die das Herz versorgen, verengt sind. Angina ist keine eigene Diagnose, sondern ein Warnzeichen, das ärztlich abgeklärt werden sollte.
Wichtige Fakten
- Angina fühlt sich oft wie Druck, Enge, Brennen oder Schwere in der Brust an.
- Beschwerden treten häufig bei körperlicher Belastung, Kälte, Stress oder nach einer großen Mahlzeit auf und lassen in Ruhe oft nach.
- Neue, starke oder länger anhaltende Brustschmerzen können auf einen Herzinfarkt hinweisen. Dann sofort 112 anrufen.
Angina ist in Deutschland relativ häufig, besonders bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit. Koronare Herzkrankheit bedeutet, dass Herzkranzgefäße verengt oder verhärtet sind. Das Risiko steigt mit dem Alter.
Angina betrifft vor allem Erwachsene ab dem mittleren Lebensalter. Häufiger betroffen sind Menschen mit Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten, Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel oder Herzkrankheiten in der Familie. Auch Frauen können Angina haben, manchmal mit weniger typischen Beschwerden.
Symptome
- Rufen Sie sofort 112, wenn Brustschmerz, Druck oder Enge neu, stark oder ungewohnt ist.
- Rufen Sie sofort 112, wenn Beschwerden länger als wenige Minuten anhalten oder in Ruhe auftreten.
- Rufen Sie sofort 112, wenn Brustbeschwerden mit Atemnot, kaltem Schweiß, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Ohnmacht oder großer Angst einhergehen.
- Rufen Sie sofort 112, wenn Schmerzen in Arm, Schulter, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen.
- Rufen Sie sofort 112, wenn Sie den Verdacht auf einen Herzinfarkt haben. Fahren Sie nicht selbst in die Klinik.
- ⚠Lassen Sie neue Brustbeschwerden noch am selben Tag ärztlich abklären, auch wenn sie wieder verschwunden sind.
- ⚠Suchen Sie am selben Tag Hilfe, wenn bekannte Beschwerden häufiger, stärker oder bei weniger Belastung auftreten.
- ⚠Suchen Sie am selben Tag Hilfe, wenn Sie bei Belastung neue Atemnot, Schwindel oder ungewöhnliche Schwäche bemerken.
Häufige Symptome
- Druck, Enge, Schwere oder Brennen in der Brust
- Schmerz oder Druck, der in Arm, Schulter, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen kann
- Atemnot, besonders bei Belastung
- Übelkeit, Schweißausbruch oder Schwindel
- Beschwerden bei körperlicher Anstrengung, Kälte, seelischem Stress oder nach üppigem Essen
- Besserung nach Ruhe oder nach Ende der Belastung
Symptome bei Kindern
- Angina ist bei Kindern selten. Brustschmerzen bei Kindern haben oft andere Ursachen, sollten aber ärztlich abgeklärt werden, besonders wenn sie bei Belastung auftreten.
- Warnzeichen bei Kindern sind Brustschmerz mit Atemnot, Ohnmacht, starkem Herzrasen, bläulichen Lippen oder bekannter Herzkrankheit.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Ältere Menschen haben manchmal weniger typische Beschwerden, zum Beispiel nur Atemnot, starke Müdigkeit, Schwäche oder Übelkeit.
- Verwirrtheit, Sturz, Schwindel oder plötzliche Leistungsschwäche können bei älteren Menschen ebenfalls wichtige Warnzeichen sein.
Ursachen
Hauptursachen
- Häufige Ursache ist eine Verengung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen in den Gefäßwänden. Diese Ablagerungen werden Plaques genannt.
- Bei körperlicher oder seelischer Belastung braucht das Herz mehr Sauerstoff. Wenn verengte Gefäße nicht genug Blut liefern, können Angina-Beschwerden entstehen.
- Manchmal können Herzkranzgefäße sich krampfartig zusammenziehen. Das nennt man Gefäßkrampf und kann ebenfalls Brustenge auslösen.
- Seltener können andere Herzprobleme, Blutarmut, sehr schneller Herzschlag oder schwere Lungenerkrankungen ähnliche Beschwerden machen.
Risikofaktoren
- Rauchen oder früheres Rauchen
- Bluthochdruck
- Erhöhte Blutfette, zum Beispiel zu viel Cholesterin im Blut
- Diabetes, also Zuckerkrankheit
- Übergewicht, besonders am Bauch
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Salz, Zucker und stark verarbeiteten Lebensmitteln
- Herzkrankheiten bei nahen Familienangehörigen
- Höheres Alter
- Dauerhafter Stress und wenig Erholung
- Chronische Nierenerkrankung
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei neuen, ungewohnten oder wiederkehrenden Brustschmerzen sollten Sie zeitnah ärztliche Hilfe suchen.
- Wenn Beschwerden bei immer geringerer Belastung auftreten, stärker werden oder länger dauern, ist eine schnelle Abklärung wichtig.
- Bei Brustbeschwerden in Ruhe, Atemnot, Ohnmacht oder kaltem Schweiß: sofort 112 anrufen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sprechen Sie mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder einer Kardiologin beziehungsweise einem Kardiologen, wenn Sie Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes, Rauchen oder erhöhte Blutfette haben.
- Vereinbaren Sie eine Kontrolle, wenn Sie Ihre Belastbarkeit einschätzen möchten oder unsicher sind, welche Bewegung für Sie sicher ist.
- Wenn bereits eine Herzerkrankung bekannt ist, sind regelmäßige Kontrollen wichtig.
Diagnose
Die Diagnose beginnt mit einem Gespräch über Ihre Beschwerden, Auslöser, Dauer, Begleitzeichen und Risikofaktoren. Danach folgt eine körperliche Untersuchung. Ärztinnen und Ärzte prüfen, ob Hinweise auf eine Durchblutungsstörung des Herzens vorliegen. In Deutschland orientiert sich die Abklärung häufig an medizinischen Leitlinien, zum Beispiel Empfehlungen der AWMF und kardiologischer Fachgesellschaften.
Mögliche Untersuchungen
- EKG: Eine Messung der elektrischen Aktivität des Herzens.
- Belastungsuntersuchung: Das Herz wird unter kontrollierter körperlicher Belastung oder mit anderen Verfahren geprüft.
- Herzultraschall: Auch Echokardiographie genannt. Dabei werden Herzmuskel und Herzklappen mit Ultraschall angesehen.
- Blutuntersuchungen: Sie können Hinweise auf Herzbelastung, Entzündung, Blutfette, Zuckerwerte oder andere Ursachen geben.
- Langzeit-EKG: Das Herz wird über viele Stunden oder Tage beobachtet, um Rhythmusstörungen zu erkennen.
- Bildgebung der Herzkranzgefäße: Zum Beispiel eine spezielle Computertomographie, die Gefäße sichtbar macht.
- Herzkatheteruntersuchung: Dabei werden die Herzkranzgefäße direkt dargestellt, wenn ein genauer Blick nötig ist.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Ärztin oder der Arzt wird genau nachfragen, wann die Beschwerden auftreten, wie sie sich anfühlen und was sie bessert oder verschlechtert. Je nach Dringlichkeit kann die Abklärung in einer Praxis, Notaufnahme oder Klinik stattfinden. Bringen Sie, wenn möglich, eine Liste Ihrer Erkrankungen, bisherigen Befunde und eingenommenen Mittel mit.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind, welche Ursache vermutet wird und wie hoch das Risiko für Herzprobleme ist. Ziel ist, Beschwerden zu lindern, die Durchblutung des Herzens zu verbessern und das Risiko für Herzinfarkt zu senken. Besprechen Sie alle Behandlungsschritte mit einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt.
Selbsthilfe zu Hause
- Bei Brustbeschwerden sofort die Belastung stoppen und sich hinsetzen oder hinlegen.
- Notieren Sie, wann Beschwerden auftreten, wie lange sie dauern und was sie auslöst. Das hilft beim Arztgespräch.
- Rauchen vermeiden. Wenn Sie rauchen, fragen Sie nach Unterstützung beim Aufhören.
- Blutdruck, Blutzucker und Blutfette regelmäßig kontrollieren lassen, wenn Risikofaktoren bestehen.
- Stress reduzieren, Pausen einplanen und ausreichend schlafen.
- Körperliche Aktivität nur so steigern, wie es ärztlich empfohlen wurde.
Medizinische Behandlungen
Ärztliche Behandlung kann verschiedene Bausteine enthalten: Mittel, die das Herz entlasten oder die Blutgefäße erweitern, Mittel zur Senkung von Blutdruck oder Blutfetten, sowie Mittel, die die Bildung von Blutgerinnseln verringern. Welche Behandlung geeignet ist, hängt von Ihren Befunden und Begleiterkrankungen ab. Nehmen Sie nichts auf eigene Faust ein und ändern Sie eine bestehende Behandlung nur nach ärztlicher Rücksprache.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Herzkranzgefäße stark verengt sind oder Beschwerden trotz Behandlung bestehen, können Eingriffe sinnvoll sein. Dazu gehören das Aufweiten eines Gefäßes mit Einsetzen eines kleinen Röhrchens zur Offenhaltung oder eine Bypass-Operation, bei der Blut an einer Engstelle vorbeigeleitet wird. Ob das nötig ist, entscheidet ein Herzteam anhand Ihrer Befunde und Ihrer persönlichen Situation.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit Angina können mit guter Betreuung aktiv leben. Wichtig ist, Warnzeichen zu kennen, Kontrollen wahrzunehmen und den persönlichen Belastungsrahmen mit dem Behandlungsteam zu besprechen.
Tipps für den Alltag
- Nicht rauchen und Rauch vermeiden.
- Regelmäßig bewegen, aber passend zur eigenen Belastbarkeit und nach ärztlicher Rücksprache.
- Auf ein gesundes Körpergewicht achten, ohne strenge Diäten auf eigene Faust zu beginnen.
- Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gut kontrollieren lassen.
- Alkohol, wenn überhaupt, nur maßvoll trinken.
- Stress ernst nehmen und Erholung fest einplanen.
Ernährung und Bewegung
Eine herzfreundliche Ernährung enthält viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, gesunde Pflanzenöle und eher wenig Salz, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel. Bewegung ist oft sehr hilfreich, zum Beispiel Gehen, Radfahren oder Herzsport. Lassen Sie sich vorher beraten, welche Belastung für Sie sicher ist. In Deutschland kann auch eine ärztlich empfohlene Herzsportgruppe unterstützen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Brustbeschwerden können Angst machen. Das ist verständlich. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder einer vertrauten Person darüber. Wenn Angst, Panik oder Niedergeschlagenheit stark werden, holen Sie sich Hilfe. Bei akuter seelischer Krise oder Gedanken, sich etwas anzutun, rufen Sie sofort 112 oder wenden Sie sich an den psychiatrischen Krisendienst beziehungsweise die TelefonSeelsorge.
Vorbeugung
Nicht jede Angina lässt sich verhindern, aber viele Risikofaktoren sind beeinflussbar. Dazu gehören Nichtrauchen, regelmäßige Bewegung, herzfreundliche Ernährung, gute Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Blutfetten sowie regelmäßige ärztliche Kontrollen.
Impfungen
Infekte können das Herz belasten. Menschen mit Herzkrankheiten sollten mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, welche Impfungen nach den Empfehlungen in Deutschland sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Es gibt kein allgemeines Angina-Screening für alle Menschen. Sinnvoll sind aber regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten und persönlichem Herz-Kreislauf-Risiko, besonders bei Risikofaktoren oder familiärer Vorbelastung.
Komplikationen
Unbehandelt
- Beschwerden können häufiger oder stärker werden.
- Die körperliche Belastbarkeit kann abnehmen.
- Das Risiko für Herzinfarkt kann erhöht sein, besonders wenn eine Verengung der Herzkranzgefäße vorliegt.
- Es können Herzrhythmusstörungen auftreten, also ein unregelmäßiger Herzschlag.
- Langfristig kann das Herz geschwächt werden.
Langzeitprognose
Mit rechtzeitiger Abklärung, passender Behandlung und guten Alltagsgewohnheiten lassen sich Beschwerden oft deutlich verbessern und Risiken senken. Viele Menschen finden mit ihrem Behandlungsteam einen guten Weg, sicher aktiv zu bleiben.
Unterstützung finden
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- AWMF Leitlinien ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.