Heart Failure
Verwendete Quellen
Dieser Artikel ist ein originaler Inhalt zur Patientenaufklärung.
- WHO—Health topics A–Z(2024)
- NHS—Health A to Z(2024)
- CDC—Health topics(2024)
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Herzinsuffizienz (Herzmuskelschwäche) bedeutet, dass Ihr Herz das Blut nicht mehr so kräftig pumpen kann, wie der Körper es braucht. Dadurch erhalten Organe und Muskeln weniger Sauerstoff. Es ist eine ernstzunehmende, aber behandelbare Erkrankung, die oft langsam fortschreitet.
Wichtige Fakten
- Herzinsuffizienz betrifft in Deutschland mehrere Millionen Menschen, meist über 65 Jahre.
- Mit modernen Medikamenten und Veränderungen des Lebensstils können Sie ein aktives Leben führen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und die Beachtung von Warnzeichen helfen, schwere Verläufe zu vermeiden.
Ja, Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Herzerkrankungen. In Deutschland sind schätzungsweise 2 bis 3 Millionen Menschen betroffen, vor allem im höheren Alter.
Am häufigsten trifft es Menschen über 65 Jahre, deren Herz durch Bluthochdruck, Verengungen der Herzkranzgefäße oder einen früheren Herzinfarkt geschwächt ist. Jüngere können durch angeborene Herzfehler oder eine Herzmuskelentzündung erkranken.
Symptome
- Plötzlich einsetzende, starke Atemnot, die auch in Ruhe nicht besser wird
- Brustschmerzen, die länger als ein paar Minuten anhalten
- Ohnmacht oder das Gefühl, gleich das Bewusstsein zu verlieren
- Plötzliche Verwirrtheit oder Sprechschwierigkeiten
- ⚠Kurzatmigkeit beim Hinlegen, die sich im Sitzen deutlich bessert
- ⚠Schnelle Gewichtszunahme von mehr als 2 Kilogramm innerhalb weniger Tage
- ⚠Anhaltendes Herzrasen oder neue, unregelmäßige Herzschläge
- ⚠Zunehmende Schwellung der Beine trotz der verordneten Behandlung
Häufige Symptome
- Kurzatmigkeit bei Belastung oder im flachen Liegen
- Schnelle Erschöpfbarkeit und ständige Müdigkeit
- Wassereinlagerungen (Ödeme) in Beinen, Knöcheln oder Füßen
- Plötzliche Gewichtszunahme durch eingelagertes Wasser
- Herzrasen oder ein unregelmäßiger Puls
- Nächtlicher Harndrang
Symptome bei Kindern
- Trinkschwäche und Gedeihstörung beim Säugling
- Schnelles, schweres Atmen oder Schwitzen beim Füttern
- Ungewöhnliche Müdigkeit und wenig Ausdauer beim Spielen
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Zunehmende Atemnot schon bei leichter Hausarbeit
- Vorübergehende Verwirrtheit und Konzentrationsprobleme
- Unklare Schwäche und häufiges Stolpern oder Stürze
Ursachen
Hauptursachen
- Koronare Herzkrankheit – Verengungen der Herzkranzgefäße
- Langjähriger Bluthochdruck, der das Herz überlastet
- Herzklappenfehler, die die Pumprichtung des Blutes stören
- Herzmuskelentzündung (Myokarditis) nach einer Infektion
- Angeborene Herzfehler
- Herzinfarkt, bei dem Herzmuskelgewebe abstirbt
Risikofaktoren
- Rauchen
- Übergewicht und starkes Übergewicht (Adipositas)
- Zuckerkrankheit (Diabetes)
- Alkoholmissbrauch
- Bewegungsmangel und dauerhaftes Sitzen
- Bestimmte Krebsbehandlungen (Chemo- oder Strahlentherapie)
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei den oben genannten Notfallzeichen rufen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112.
- Wenn Sie in kurzer Zeit mehr als 2 kg zunehmen oder Ihre Knöchel stark anschwellen, kontaktieren Sie noch am selben Tag Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
- Bei zunehmender Atemnot bei sonst leichten Tätigkeiten.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie merken, dass Ihre Leistungsfähigkeit langsam nachlässt.
- Zur regelmäßigen Kontrolle, wie mit Ihrem Behandlungsteam vereinbart.
- Wenn Sie Fragen zu Ihren Medikamenten haben oder neue, leichte Beschwerden auftreten.
Diagnose
Ihr Arzt beginnt mit einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Dabei horcht er z.B. Ihre Lunge ab und prüft, ob Wassereinlagerungen vorliegen. Anschließend werden meistens einige schonende Tests durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – zeichnet die elektrische Aktivität Ihres Herzens auf
- Echokardiografie (Herzultraschall) – das wichtigste bildgebende Verfahren; es zeigt, wie gut Ihr Herz pumpt und ob die Klappen arbeiten
- Röntgenbild des Brustkorbs – kann eine vergrößerte Herzform oder Flüssigkeit in der Lunge zeigen
- Blutuntersuchung – bestimmte Eiweiße (BNP oder NT-proBNP) geben Hinweise auf die Schwere der Herzschwäche
- Belastungs-EKG – misst Ihre Herzfunktion unter körperlicher Anstrengung, z.B. auf einem Fahrradergometer
- Herzkatheteruntersuchung – wird nur bei Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße gemacht
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Alle genannten Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei oder nur mit einem kleinen Piks verbunden. Sie helfen Ihrem Arzt, die für Sie beste Behandlung zu finden.
Behandlung
Die Behandlung hat drei Hauptziele: Ihre Beschwerden bessern, Ihre Herzleistung unterstützen und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Dafür werden meist Medikamente mit Änderungen im Alltag kombiniert. Nur in besonderen Fällen sind Geräte oder Operationen nötig.
Selbsthilfe zu Hause
- Wiegen Sie sich täglich unter gleichen Bedingungen (morgens nach dem Toilettengang) und notieren Sie das Gewicht. So erkennen Sie ungewöhnliche Wassereinlagerungen früh.
- Salzen Sie nur sehr wenig und meiden Sie verstecktes Salz in Fertiggerichten, Wurst und Käse. Streben Sie weniger als 5 Gramm Kochsalz pro Tag an.
- Begrenzen Sie Ihre Trinkmenge nach ärztlicher Anweisung, um Ihr Herz nicht zu überlasten.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, aber überfordern Sie sich nicht. Ihr Arzt oder eine Herzsportgruppe kann ein sicheres Trainingsprogramm mit Ihnen erstellen.
- Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin.
- Nehmen Sie Ihre verordneten Medikamente jeden Tag genau nach Plan ein, auch wenn Sie sich gut fühlen.
Medizinische Behandlungen
Ihr Arzt wird Ihnen – angepasst an Ihre persönliche Situation – Medikamente verschreiben, die nachweislich das Herz entlasten und die Lebenserwartung verlängern. Dazu gehören Wirkstoffe, die den Blutdruck senken, den Herzschlag verlangsamen oder überschüssiges Wasser ausschwemmen. Die Therapie folgt den Empfehlungen der nationalen Leitlinien (AWMF) und wird in regelmäßigen Abständen überprüft. Verändern Sie niemals eigenständig die Dosis und setzen Sie kein Medikament ab, ohne vorher mit Ihrem Arzt zu sprechen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Medikamente allein nicht ausreichen, kann ein spezieller Herzschrittmacher (kardiale Resynchronisationstherapie, CRT) helfen, die beiden Herzhälften wieder im Takt pumpen zu lassen. Ein implantierbarer Defibrillator (ICD) kann bei schweren Rhythmusstörungen lebensrettend sein. In sehr fortgeschrittenen Fällen kommt eine Herztransplantation infrage, die aber nur für wenige Betroffene geeignet ist.
Leben mit der Erkrankung
Versuchen Sie, Ihre Energie über den Tag zu verteilen. Legen Sie bewusst Pausen ein, und wechseln Sie zwischen leichter Tätigkeit und Ruhephasen. Nutzen Sie Hilfsmittel wie einen Sitzhocker in der Küche oder einen Einkaufstrolley, um Kräfte zu sparen.
Tipps für den Alltag
- Bereiten Sie Ihre Medikamente für die Woche in einer Tablettendose vor, um nichts zu vergessen.
- Führen Sie ein einfaches Tagebuch, in dem Sie täglich Ihr Gewicht, Ihren Blutdruck und ungewöhnliche Beschwerden vermerken.
- Halten Sie die vereinbarten Kontrolltermine ein – Ihr Behandlungsteam kann die Therapie dann bei Bedarf anpassen.
- Besprechen Sie Ihre Situation mit Ihrer Familie oder engen Freunden; sagen Sie, welche Hilfe Sie brauchen.
- Erlernen Sie eine Entspannungstechnik wie ruhiges Atmen oder Meditation, um mit belastenden Gedanken besser umzugehen.
Ernährung und Bewegung
Essen Sie viel frisches Obst, Gemüse und Vollkornprodukte. Achten Sie auf verstecktes Salz und nehmen Sie Ihre Mahlzeiten möglichst selbst zubereitet ein. Bewegung ist ein wichtiger Teil der Behandlung: Tägliches Gehen, langsames Radfahren oder leichte Gymnastik verbessern nachweislich Atemnot und Erschöpfung. Stimmen Sie Ihr Programm unbedingt mit Ihrer Ärztin ab – am Anfang kann eine Bewegungstherapie unter Anleitung helfen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Mit einer chronischen Erkrankung zu leben, kann große seelische Last mit sich bringen. Niedergeschlagenheit, Angst oder ein Gefühl der Hilflosigkeit sind keine persönliche Schwäche, sondern eine verständliche Reaktion. Sprechen Sie diese Gefühle bei Ihrem Arzt an, damit Sie passende Unterstützung bekommen. Wenn Sie Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder nicht mehr leben zu wollen, wählen Sie bitte sofort die Nummer der Telefonseelsorge: 0800 111 0 111 – dort hört Ihnen rund um die Uhr jemand zu.
Vorbeugung
Sie können Ihr Risiko deutlich senken, indem Sie die wichtigsten Ursachen im Blick behalten: Behandeln Sie Bluthochdruck und einen erhöhten Blutzucker konsequent, rauchen Sie nicht und halten Sie ein gesundes Gewicht. Selbst nach einem Herzinfarkt kann eine gute Behandlung das Auftreten einer Herzinsuffizienz verzögern oder verhindern.
Impfungen
Lassen Sie sich jedes Jahr gegen die Grippe impfen, denn fieberhafte Infekte belasten das Herz stark. Auch die einmalige Pneumokokken-Impfung wird für viele Erkrankte empfohlen – fragen Sie Ihr Behandlungsteam.
Früherkennungsprogramme
Ein gezieltes Screening nur auf Herzinsuffizienz gibt es nicht. Im Rahmen des allgemeinen Gesundheits-Check-ups ab 35 Jahren (alle drei Jahre) kann Ihre Hausärztin jedoch auf erste Anzeichen achten und Ihren Blutdruck messen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Die Belastbarkeit und Lebensqualität nehmen immer weiter ab.
- Gefährliche Herzrhythmusstörungen können auftreten.
- Flüssigkeit kann sich in der Lunge ansammeln (Lungenödem) und zu schwerer Atemnot führen.
- Durch die schlechtere Durchblutung können die Nieren oder andere Organe Schaden nehmen.
- Die Zahl der Krankenhausaufenthalte steigt.
Langzeitprognose
Dank der heute verfügbaren Behandlungen hat sich die Lebenserwartung bei Herzinsuffizienz stark verbessert. Viele Betroffene bleiben über viele Jahre stabil und können ihren Alltag mit einigen Anpassungen genießen. Entscheidend ist, dass Sie mit Ihrem Behandlungsteam gut im Kontakt bleiben und die Therapie umsetzen.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.