Herz und Kreislauf: Ein Überblick für Patienten
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Das Herz ist ein muskulöses Organ in der Brustmitte. Es pumpt ununterbrochen Blut durch den Körper. Das Blut transportiert Sauerstoff und Nährstoffe zu allen Organen und Geweben. Der Kreislauf ist das System aus Herz und Blutgefäßen, das dafür sorgt, dass das Blut im Körper zirkuliert.
Wichtige Fakten
- Das Herz schlägt etwa 60 bis 100 Mal pro Minute – das sind rund 100.000 Schläge am Tag.
- Das Herz pumpt pro Minute etwa 5 Liter Blut durch den Körper – bei Belastung noch mehr.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache, aber viele lassen sich durch einen gesunden Lebensstil vermeiden oder verzögern.
Ja, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind sehr häufig. Etwa jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat einen erhöhten Blutdruck, und viele Menschen entwickeln im Laufe des Lebens eine Herzerkrankung.
Herzprobleme können jeden treffen – unabhängig von Alter oder Geschlecht. Allerdings steigt das Risiko mit zunehmendem Alter. Männer sind oft früher betroffen, aber nach den Wechseljahren gleicht sich das Risiko bei Frauen an.
Symptome
- Starke Brustschmerzen, die in Arme, Rücken, Kiefer oder Bauch ausstrahlen
- Plötzliche Atemnot oder Erstickungsgefühl
- Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Plötzlicher, starker Schwindel mit Schwächegefühl
- ⚠Neu auftretende oder sich verschlimmernde Brustschmerzen
- ⚠Neu auftretendes Herzklopfen oder unregelmäßiger Puls
- ⚠Schwellung der Beine oder des Bauches
- ⚠Anhaltende Müdigkeit ohne erkennbaren Grund
Häufige Symptome
- Brustschmerz oder Druckgefühl (besonders bei Belastung)
- Kurzatmigkeit – zum Beispiel beim Treppensteigen
- Herzklopfen oder unregelmäßiger Herzschlag
- Müdigkeit und Schwächegefühl
- Geschwollene Beine oder Knöchel
Symptome bei Kindern
- Schnelle Ermüdung beim Spielen oder Sport
- Bläuliche Verfärbung von Lippen oder Haut (Zyanose)
- Wiederholte Atemwegsinfektionen
- Gedeihstörung oder langsames Wachstum
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Verwirrtheit oder Benommenheit
- Kurzatmigkeit auch in Ruhe
- Verschlechterung der Gehfähigkeit
- Plötzlicher Gewichtsverlust oder Appetitlosigkeit
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Herzkranzgefäße durch Arteriosklerose (Ablagerungen in den Blutgefäßen)
- Hoher Blutdruck (Hypertonie)
- Herzklappenfehler (angeboren oder erworben)
- Herzmuskelentzündung (z.B. nach einer Virusinfektion)
- Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern)
Risikofaktoren
- Rauchen
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung (viel Fett, Zucker, Salz)
- Übergewicht
- Hohe Blutfettwerte (Cholesterin)
- Diabetes (Zuckerkrankheit)
- Familienvorbelastung (Herzerkrankungen bei nahen Verwandten)
- Hohes Alter
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen Brustschmerzen oder Atemnot – sofort den Notruf 112 wählen.
- Bei neuem, starkem Herzklopfen oder Ohnmachtsgefühl – noch am selben Tag einen Arzt aufsuchen.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Lassen Sie regelmäßig Ihren Blutdruck und Ihre Blutfettwerte kontrollieren – am besten einmal im Jahr ab dem 35. Lebensjahr.
- Bei bekannten Risikofaktoren wie Diabetes oder Rauchen sollten Sie häufiger zur Vorsorge gehen.
Diagnose
Der Arzt stellt die Diagnose durch ein ausführliches Gespräch (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung. Dabei hört er Herz und Lunge ab, misst den Blutdruck und tastet den Puls. Je nach Verdacht werden weitere Untersuchungen durchgeführt.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – misst die elektrische Aktivität des Herzens
- Blutuntersuchung (z.B. auf Herzenzyme, Blutfette, Blutzucker)
- Echokardiographie (Herzultraschall) – zeigt Herzgröße, Pumpfunktion und Klappen
- Belastungs-EKG (auf dem Fahrrad oder Laufband)
- Langzeit-EKG (über 24 Stunden)
- Herzkatheteruntersuchung (bei Verdacht auf verengte Herzkranzgefäße)
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzfrei und werden ambulant durchgeführt. Nur die Herzkatheteruntersuchung erfordert einen kurzen Krankenhausaufenthalt. Ihr Arzt erklärt Ihnen genau, was auf Sie zukommt.
Behandlung
Die Behandlung hängt von der genauen Herzerkrankung ab. Ziel ist es, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Komplikationen zu vermeiden. Ein gesunder Lebensstil und die richtige Einstellung von Risikofaktoren stehen im Vordergrund.
Selbsthilfe zu Hause
- Rauchen aufgeben – das ist der wichtigste Schritt für Ihr Herz.
- Regelmäßige Bewegung – mindestens 30 Minuten pro Tag, zügig gehen, Radfahren oder Schwimmen.
- Gesunde Ernährung – viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und wenig gesättigte Fette.
- Stressabbau – Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation.
- Gewicht reduzieren, wenn Sie übergewichtig sind.
Medizinische Behandlungen
Je nach Erkrankung können Medikamente eingesetzt werden, um den Blutdruck zu senken, die Herzfrequenz zu regulieren, die Blutfettwerte zu verbessern oder die Blutgerinnung zu hemmen. Auch Geräte wie ein Herzschrittmacher oder ein implantierbarer Defibrillator können helfen. Die Behandlung wird immer individuell mit Ihrem Arzt besprochen.
Wann kommt eine Operation infrage?
Wenn Medikamente und Lebensstiländerungen nicht ausreichen, kann ein operativer Eingriff nötig sein. Beispiele sind die Bypass-Operation bei verengten Herzkranzgefäßen, der Einsatz von Stents (Gefäßstützen) oder ein Herzklappenersatz. Auch eine Herztransplantation kommt in seltenen Fällen in Frage.
Leben mit der Erkrankung
Viele Menschen mit einer Herzerkrankung führen ein erfülltes Leben. Wichtig ist, dass Sie Ihren Körper gut beobachten und auf Warnsignale achten. Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig ein und halten Sie die vereinbarten Arzttermine ein.
Tipps für den Alltag
- Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
- Bewegen Sie sich regelmäßig – aber hören Sie auf Ihren Körper.
- Essen Sie herzgesund: wenig Salz, wenig Zucker, wenig gesättigte Fette.
- Sorgen Sie für ausreichend Schlaf und Erholung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkorn und Fisch unterstützt Ihr Herz. Reduzieren Sie rotes Fleisch und stark verarbeitete Lebensmittel. Bewegung ist ebenfalls wichtig: Tägliche Spaziergänge oder leichte Ausdauersportarten wie Radfahren oder Schwimmen sind ideal. Besprechen Sie Ihr Bewegungsprogramm vorher mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzerkrankung kann Ängste auslösen – zum Beispiel Angst vor einem Herzinfarkt oder vor Einschränkungen im Alltag. Auch Depressionen sind häufig. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder suchen Sie psychologische Unterstützung. Es gibt auch Selbsthilfegruppen, in denen Sie sich mit anderen Betroffenen austauschen können.
Vorbeugung
Viele Herzerkrankungen lassen sich durch einen gesunden Lebensstil verhindern oder zumindest hinauszögern. Dazu gehören: Nicht rauchen, regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, normales Gewicht, und die Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes. Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, frühzeitig zu handeln.
Impfungen
Ein Impfschutz gegen Grippe (Influenza) kann das Risiko für Herzinfarkte senken, da Grippe das Herz belasten kann. Auch eine Impfung gegen Pneumokokken (Lungenentzündung) wird für Menschen mit Herzerkrankungen empfohlen. Fragen Sie Ihren Arzt, welche Impfungen für Sie sinnvoll sind.
Früherkennungsprogramme
Ab dem 35. Lebensjahr haben gesetzlich Versicherte in Deutschland Anspruch auf einen Gesundheits-Check-up alle drei Jahre. Dabei werden Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gemessen. Bei familiärer Vorbelastung können auch jüngere Menschen von einer Früherkennung profitieren.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (Myokardinfarkt) – wenn ein Herzkranzgefäß verschlossen wird
- Schlaganfall – wenn ein Blutgerinnsel ins Gehirn gelangt
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche) – das Herz pumpt nicht mehr ausreichend
- Schwere Herzrhythmusstörungen wie Kammerflimmern – lebensbedrohlich
- Periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörungen in den Beinen)
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Diagnose und einer guten Behandlung können die meisten Herzerkrankungen gut kontrolliert werden. Viele Betroffene leben jahrelang beschwerdefrei oder mit nur geringen Einschränkungen. Entscheidend ist, dass Sie die Behandlung aktiv mitgestalten und Ihren Lebensstil anpassen. Die Medizin macht ständig Fortschritte – es gibt heute mehr Behandlungsmöglichkeiten als je zuvor.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.