Leben mit Angina pectoris – Ihr Herz im Blick
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Angina pectoris ist ein medizinischer Begriff für ein Engegefühl oder einen Druck in der Brust. Es passiert, wenn der Herzmuskel für einen kurzen Moment zu wenig Sauerstoff bekommt – meist wegen verengter Herzkranzgefäße. Die Beschwerden sind ein Warnsignal, aber nicht dauerhaft schädigend wie bei einem Herzinfarkt.
Wichtige Fakten
- Angina pectoris ist ein Warnhinweis des Herzens, aber kein Herzinfarkt.
- Die Beschwerden treten oft bei Belastung oder Stress auf und verschwinden in Ruhe wieder.
- Mit guter Behandlung und herzgesundem Lebensstil lässt sich das Infarktrisiko deutlich senken.
Ja. In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit, die häufig die Ursache von Angina pectoris ist.
Sie tritt vor allem bei Menschen über 60 auf. Männer sind oft früher betroffen, Frauen häufig nach den Wechseljahren. Auch jüngere Menschen können erkranken, zum Beispiel bei einer erblichen Veranlagung oder Diabetes.
Symptome
- Brustschmerzen, die länger als 5 Minuten anhalten und in Ruhe nicht verschwinden
- Sehr starke Schmerzen, die sich wie ein Druck auf der Brust anfühlen
- Schmerzen in der Brust mit kaltem Schweiß, Übelkeit oder Erbrechen
- Bewusstlosigkeit oder das Gefühl, ohnmächtig zu werden
- ⚠Beschwerden, die plötzlich häufiger, stärker oder schon in Ruhe auftreten
- ⚠Neue Symptome wie Luftnot, Schwindel oder unregelmäßiger Herzschlag
- ⚠Wenn Nitrospray oder andere Notfallmedikamente nicht helfen (nur falls verschrieben)
Häufige Symptome
- Druck, Engegefühl oder Schmerz in der Brust
- Schmerzen, die in Arm, Hals, Kiefer oder Rücken ausstrahlen
- Kurzatmigkeit, besonders bei Anstrengung
- Übelkeit, Schwächegefühl oder Unruhe
- Beschwerden, die bei körperlicher Belastung, Stress, Kälte oder nach schweren Mahlzeiten auftreten und in Ruhe verschwinden
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Arteriosklerose) – das ist die häufigste Ursache
- Ein Krampf der Herzkranzgefäße (Vasospasmus), der den Blutfluss kurz einschränkt
- Erhöhter Sauerstoffbedarf des Herzens, zum Beispiel bei schwerer Blutarmut, Schilddrüsenüberfunktion oder sehr hohem Blutdruck
Risikofaktoren
- Rauchen und Passivrauchen
- Hoher Blutdruck
- Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin)
- Diabetes mellitus
- Übergewicht
- Bewegungsmangel
- Ungesunde Ernährung mit viel Salz, Zucker und gesättigten Fetten
- Chronischer Stress
- Herzinfarkt oder Schlaganfall bei nahen Verwandten
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Rufen Sie sofort den Notruf 112 an, wenn Sie in Ruhe Brustschmerzen verspüren, die länger als 5 Minuten anhalten oder mit Atemnot, Schweißausbruch oder Übelkeit einhergehen.
- Wenn Sie einen verschlimmernden Verlauf bemerken, zum Beispiel Schmerzen schon bei leichter Aktivität, suchen Sie sofort ärztliche Hilfe.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie bei körperlicher Belastung oder Stress ein Engegefühl in der Brust spüren.
- Nehmen Sie regelmäßige Kontrolltermine wahr, wenn Sie bereits wegen Ihres Herzens in Behandlung sind.
Diagnose
Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fragt zuerst ausführlich nach Ihren Beschwerden, Ihrem Lebensstil, Ihren Vorerkrankungen und Ihrer Familienanamnese. Danach folgen Untersuchungen, um Herz und Gefäße zu prüfen.
Mögliche Untersuchungen
- Blutdruckmessung und Bluttests für Cholesterin, Blutzucker und Entzündungswerte
- Elektrokardiogramm (EKG) – in Ruhe und oft auch unter Belastung (Ergometrie)
- Langzeit-EKG über 24 Stunden
- Echokardiographie (Ultraschall des Herzens)
- Herzkatheteruntersuchung oder CT der Herzkranzgefäße, falls nötig
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind meist schmerzlos und dauern nicht lange. Ihre Hausärztin oder Ihr Hausarzt kann Sie bei Bedarf an eine Kardiologin oder einen Kardiologen überweisen. Eine genaue Diagnose ist der erste Schritt zu einem aktiven und sicheren Leben mit Ihrem Herzen.
Behandlung
Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern, das Fortschreiten der Gefäßverengung zu stoppen und einen Herzinfarkt zu verhindern. Die Ärztin oder der Arzt erstellt gemeinsam mit Ihnen einen persönlichen Behandlungsplan.
Selbsthilfe zu Hause
- Mit dem Rauchen aufhören – das ist der wirksamste Einzelfaktor
- Bewegung in den Alltag einbauen, zum Beispiel 30 Minuten zügiges Gehen an den meisten Tagen
- Stressabbau durch Entspannungsverfahren, Hobbys oder Kurse
- Übergewicht abbauen – schon wenige Kilo entlasten das Herz
- Medikamente regelmäßig einnehmen, auch wenn Sie sich gut fühlen
Medizinische Behandlungen
Es gibt verschiedene Medikamente, die die Herzkranzgefäße erweitern, die Herzarbeit erleichtern, den Blutdruck senken oder die Blutgerinnung vermindern. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wählt die passende Behandlung individuell für Sie aus. Bei einer Herzkatheteruntersuchung kann festgestellt werden, ob eine Aufdehnung der Gefäße mit einem Stent sinnvoll ist.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird vor allem dann empfohlen, wenn starke Verengungen vorliegen, die medikamentös nicht ausreichend behandelt werden können, oder wenn mehrere Herzkranzgefäße betroffen sind. Das Herzkatheter-Team bespricht alle Schritte ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Lernen Sie, Ihre persönlichen Belastungsgrenzen kennen. Planen Sie Ruhepausen ein, nehmen Sie sich Zeit für Mahlzeiten und achten Sie auf Ihren Körper, wenn er Signale sendet. Eine gute Tagesstruktur mit Bewegung und Entspannung gibt Sicherheit.
Tipps für den Alltag
- Regelmäßige, moderate Bewegung, zum Beispiel Gehen, Radfahren oder Schwimmen
- Rauchen vermeiden und Alkohol nur in Maßen genießen
- Ausreichend Schlaf und eine gesunde Schlafroutine
- Offener Umgang mit der Erkrankung gegenüber Familie und Freunden
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen und Nachsorgetermine
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung ist reich an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten und fettarmem Fisch. Verwenden Sie gesunde Öle wie Raps- oder Olivenöl und reduzieren Sie Salz. Sport sollten Sie mit Ihrem Ärzteteam abstimmen – ein Training, das Sie auch an guten Tagen überanstrengt, ist nicht sinnvoll.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Angina pectoris kann Angst machen und den Alltag belasten. Es ist völlig normal, sich Sorgen zu machen. Sprechen Sie offen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihre Gefühle. Auch eine professionelle psychologische Unterstützung oder eine Herzgruppe kann helfen, mit der neuen Situation umzugehen.
Vorbeugung
Sie können Ihr persönliches Risiko deutlich senken, indem Sie Blutdruck, Blutfette, Blutzucker und Gewicht im Blick behalten. Rauchstopp, gesunde Ernährung und regelmäßige Bewegung sind die stärksten Schutzfaktoren.
Impfungen
Lassen Sie sich zu empfohlenen Impfungen beraten, insbesondere gegen Grippe und Pneumokokken. Infektionen können den Kreislauf stark belasten und das Herz extra fordern.
Früherkennungsprogramme
Nutzen Sie die Gesundheitsuntersuchungen, die Ihre Krankenkasse anbietet. Dabei werden Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinwerte überprüft – eine wichtige Früherkennung für Herz-Kreislauf-Risiken.
Komplikationen
Unbehandelt
- Erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt
- Herzrhythmusstörungen, die gefährlich werden können
- Dauerhafte Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Im schlimmsten Fall plötzlicher Herztod
Langzeitprognose
Die gute Nachricht: Mit einer konsequenten Behandlung, einem herzgesunden Lebensstil und regelmäßigen ärztlichen Kontrollen haben die meisten Menschen eine gute Lebenserwartung und können weiter aktiv am Alltag teilnehmen. Ihr Herz ist stark – wenn Sie gut zu ihm schauen.
Unterstützung finden
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.