Leben mit einer Herzerkrankung
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Eine Herzerkrankung bedeutet, dass das Herz nicht so arbeitet, wie es sollte. Das kann verschiedene Formen haben, zum Beispiel eine Verengung der Herzkranzgefäße (Koronare Herzkrankheit), eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Herzrhythmusstörungen. Ziel der Behandlung ist es, die Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
Wichtige Fakten
- Herzerkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache.
- Viele Herzerkrankungen lassen sich durch eine gesunde Lebensweise und Medikamente gut behandeln.
- Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können das Risiko senken und die Herzgesundheit fördern.
Ja, Herzerkrankungen sind sehr häufig. Etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland hat eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.
Herzerkrankungen können Menschen jeden Alters betreffen, treten aber häufiger bei älteren Erwachsenen auf. Auch Menschen mit Bluthochdruck, Diabetes, Rauchern und Übergewicht haben ein erhöhtes Risiko.
Symptome
- Plötzliche, starke Schmerzen oder Druck in der Brust, länger als ein paar Minuten anhaltend
- Starke Atemnot
- Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit
- Plötzliche Schwäche oder Taubheit im Gesicht oder in den Gliedmaßen (kann auf einen Schlaganfall hindeuten)
- Verdacht auf Herzinfarkt: Rufen Sie sofort die 112!
- ⚠Neue oder sich verschlimmernde Brustschmerzen, die bei Ruhe nicht besser werden
- ⚠Anhaltender Husten mit schaumigem Schleim (kann auf Lungenstauung hinweisen)
- ⚠Schwellungen der Beine oder Knöchel, die nicht weggehen
- ⚠Herzrasen oder unregelmäßiger Puls, der länger als eine Stunde anhält
Häufige Symptome
- Druck oder Engegefühl in der Brust (Angina pectoris)
- Kurzatmigkeit bei Belastung oder im Liegen
- Müdigkeit und Schwäche
- Herzklopfen oder Herzrasen (Palpitationen)
- Schwindel oder Ohnmachtsanfälle
Symptome bei Kindern
- Herzerkrankungen bei Kindern sind selten, können aber angeboren sein. Symptome sind unter anderem: schnelles Ermüden beim Spielen, Blaufärbung von Lippen oder Haut (Zyanose), schlechte Gewichtszunahme.
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Bei älteren Erwachsenen können Symptome wie Verwirrtheit, geschwollene Beine oder verminderter Appetit auf eine Herzerkrankung hindeuten.
Ursachen
Hauptursachen
- Verengung der Herzkranzgefäße durch Ablagerungen (Arteriosklerose)
- Bluthochdruck (Hypertonie)
- Herzklappenerkrankungen
- Erbliche Veranlagung
- Entzündungen des Herzmuskels (Myokarditis)
Risikofaktoren
- Rauchen
- Ungesunde Ernährung mit viel Fett und Zucker
- Bewegungsmangel
- Übergewicht (Adipositas)
- Hoher Blutdruck, hohes Cholesterin oder Diabetes
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlichen oder starken Brustschmerzen sofort die 112 rufen
- Bei anhaltenden Symptomen wie Atemnot oder Herzrasen noch am selben Tag den Arzt aufsuchen
- Bei Ohnmacht oder Bewusstlosigkeit sofort ärztliche Hilfe holen
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ab dem 35. Lebensjahr (Herz-Kreislauf-Check-up)
- Wenn Sie bereits eine Herzerkrankung haben, vereinbaren Sie regelmäßige Kontrolltermine
- Bei neuen oder sich verschlimmernden Beschwerden (z. B. mehr Kurzatmigkeit) innerhalb weniger Wochen einen Arzttermin
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst nach Ihren Beschwerden, Ihrem Lebensstil und Ihrer Krankengeschichte. Anschließend folgen körperliche Untersuchungen, um die Funktion Ihres Herzens zu prüfen.
Mögliche Untersuchungen
- EKG (Elektrokardiogramm) – misst die elektrische Aktivität des Herzens
- Blutuntersuchungen – zum Beispiel auf Herzenzyme (Troponin) oder Cholesterin
- Echokardiografie (Herzultraschall) – zeigt die Herzgröße und Pumpfunktion
- Belastungs-EKG – unter körperlicher Belastung auf einem Fahrrad
- Langzeit-EKG – misst den Herzrhythmus über 24 Stunden
- Herzkatheteruntersuchung – nur bei speziellen Fragestellungen
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die meisten Untersuchungen sind schmerzfrei oder nur kurz unangenehm. Sie erhalten vorab genaue Anweisungen (z. B. nüchtern kommen). Nach der Diagnose bespricht der Arzt mit Ihnen die Ergebnisse und die nächsten Schritte.
Behandlung
Die Behandlung einer Herzerkrankung hängt von der Art und Schwere ab. Sie besteht meist aus einer Kombination aus gesunder Lebensweise, Medikamenten und manchmal auch Eingriffen. Ihr Arzt erstellt mit Ihnen einen individuellen Therapieplan.
Selbsthilfe zu Hause
- Regelmäßige Bewegung (z. B. 30 Minuten Gehen oder Radfahren an den meisten Tagen)
- Herzgesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und wenig Salz
- Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Stressabbau durch Entspannungstechniken wie Yoga oder Atemübungen
Medizinische Behandlungen
Je nach Erkrankung kommen Medikamente zum Einsatz, die den Blutdruck senken, den Herzschlag regulieren, die Blutgerinnung beeinflussen oder die Herzleistung unterstützen. Die genaue Auswahl wird von Ihrem Arzt festgelegt. Wichtig ist die regelmäßige Einnahme. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.
Wann kommt eine Operation infrage?
Bei einer Verengung der Herzkranzgefäße kann ein Eingriff wie eine Ballonerweiterung (PTCA) oder eine Bypass-Operation notwendig sein. Auch bei Herzklappenfehlern oder Herzrhythmusstörungen kommen manchmal Operationen oder Schrittmacher in Frage. Ihr Arzt bespricht die Optionen mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Leben mit einer Herzerkrankung bedeutet, die Belastungen Ihres Alltags an Ihre Herzgesundheit anzupassen. Hören Sie auf Ihren Körper und gönnen Sie sich ausreichend Ruhepausen. Planen Sie Aktivitäten so, dass Sie sie gut bewältigen können.
Tipps für den Alltag
- Integrieren Sie Bewegung in den Alltag (z. B. Treppe statt Aufzug)
- Vermeiden Sie anstrengende Tätigkeiten bei großer Hitze oder Kälte
- Achten Sie auf regelmäßige Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit
- Führen Sie ein Symptomtagebuch, um Veränderungen früh zu erkennen
- Schlafen Sie ausreichend und vermeiden Sie Schlafmangel
Ernährung und Bewegung
Eine herzgesunde Ernährung umfasst viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse sowie fettarme Milchprodukte und mageres Fleisch oder Fisch. Reduzieren Sie Zucker und gesättigte Fette. Bewegung sollte moderat sein: 150 Minuten pro Woche, z. B. zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen. Besprechen Sie Ihr Trainingsprogramm mit Ihrem Arzt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Eine Herzerkrankung kann Ängste, Traurigkeit oder Stress auslösen. Es ist wichtig, diese Gefühle ernst zu nehmen. Sprechen Sie mit Familie, Freunden oder einem Psychologen. Viele Krankenkassen bieten psychologische Unterstützung an. Auch Selbsthilfegruppen können helfen.
Vorbeugung
Eine gesunde Lebensweise kann das Risiko für Herzerkrankungen deutlich senken. Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, Nichtrauchen, ein gesundes Gewicht und Stressmanagement. Auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen helfen, Risikofaktoren früh zu erkennen.
Impfungen
Grippe- und Pneumokokken-Impfungen werden für Menschen mit Herzerkrankungen empfohlen, da sie das Immunsystem schwächen können. Fragen Sie Ihren Arzt, ob für Sie eine Impfung sinnvoll ist.
Früherkennungsprogramme
Ab dem 35. Lebensjahr haben gesetzlich Krankenversicherte in Deutschland alle drei Jahre Anspruch auf einen Herz-Kreislauf-Check-up. Dabei werden Blutdruck, Blutwerte (Cholesterin, Zucker) und Risikofaktoren überprüft. Bei familiärer Vorbelastung sollten Sie früher mit dem Screening beginnen.
Komplikationen
Unbehandelt
- Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
- Schlaganfall
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- Herzrhythmusstörungen (z. B. Vorhofflimmern)
- Plötzlicher Herztod
Langzeitprognose
Mit einer frühzeitigen Behandlung und einer gesunden Lebensweise können viele Herzerkrankungen gut kontrolliert werden. Viele Betroffene führen ein aktives und erfülltes Leben. Ihre Prognose hängt von der Art der Erkrankung ab – sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre persönliche Situation. Es gibt immer Grund zur Hoffnung.
Unterstützung finden
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2026
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.