Herzstolpern und Herzklopfen – verständlich erklärt
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Palpitationen sind das spürbare Schlagen, Stolpern oder Rasen des eigenen Herzens. Viele Menschen merken das als Herzklopfen oder Herzstolpern. Es ist ein Symptom, keine eigenständige Krankheit. Meist steckt etwas Harmloses dahinter, manchmal aber auch eine Herzrhythmusstörung oder eine andere Erkrankung.
Wichtige Fakten
- Palpitationen sind weit verbreitet und oft harmlos.
- Sie können durch Stress, Koffein, Alkohol oder Schlafmangel ausgelöst werden.
- Ein Arztbesuch schafft Klarheit, denn auch behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörungen können dahinterstecken.
Ja, fast jeder Mensch hat irgendwann einmal Herzklopfen oder ein kurzes Stolpern. Die meisten spüren das nur kurz und ohne krankhaften Grund.
Palpitationen können Menschen jeden Alters betreffen. Sie kommen bei jungen, gesunden Menschen ebenso vor wie bei älteren Personen mit Vorbelastungen.
Symptome
- Rufen Sie sofort 112 bei plötzlich starkem Brustschmerz oder einem Engegefühl, das länger als einige Minuten anhält
- Rufen Sie 112 bei Bewusstlosigkeit oder Ohnmacht
- Rufen Sie 112 bei schwerer Atemnot in Ruhe
- Rufen Sie 112 bei Schmerzen, die in den Arm, den Rücken, den Kiefer oder den Bauch ausstrahlen
- Rufen Sie 112 bei sehr unregelmäßigem Puls zusammen mit Schwindel oder dem Gefühl, gleich umzukippen
- ⚠Suchen Sie noch am selben Tag eine Arztpraxis oder Notaufnahme auf, wenn das Herzstolpern oder Herzrasen wiederholt länger als 20 bis 30 Minuten anhält
- ⚠Suchen Sie Hilfe, wenn Palpitationen mit Schwindel kommen und gehen
- ⚠Suchen Sie Hilfe, wenn die Beschwerden bei körperlicher Belastung auftreten
- ⚠Suchen Sie Hilfe, wenn Sie in Ruhe Herzrasen haben und sich dabei sehr schwach fühlen
Häufige Symptome
- Ein spürbar schneller, kräftiger oder unregelmäßiger Herzschlag
- Kurzes Aussetzen oder Stolpern des Herzens
- Pochendes Gefühl in der Brust oder im Hals
- Oft zusätzlich ein Gefühl von Schwindel oder Benommenheit
- Bei manchen Menschen ein inneres Unruhegefühl oder Angst
Symptome bei Kindern
- Kinder sagen oft, dass das Herz „hüpft“ oder „Aussetzer“ macht
- Sie werden beim Spielen schnell müde oder wirken blass
- Manche Kinder klagen eher über Bauch- oder Kopfschmerzen als über das Herz
Symptome bei älteren Erwachsenen
- Statt Herzrasen spüren ältere Menschen häufiger ein unregelmäßiges Stolpern
- Oft kommen Schwindel, Atemnot oder ein Schwächegefühl hinzu
- Besteht bereits eine Herzerkrankung, können Palpitationen stärker auffallen
Ursachen
Hauptursachen
- Stress, Angst oder Aufregung
- Koffein, Alkohol, Nikotin oder Energydrinks
- Schlafmangel und Erschöpfung
- Starke körperliche Anstrengung
- Fieber oder eine beginnende Infektion
- Schilddrüsenüberfunktion oder Blutarmut
- Elektrolytstörungen, zum Beispiel bei starkem Schwitzen oder Flüssigkeitsmangel
- Herzrhythmusstörungen oder eine Herzerkrankung
Risikofaktoren
- Höheres Lebensalter
- Bluthochdruck, Herzerkrankungen oder eine Schilddrüsenerkrankung
- Herzrhythmusstörungen in der Familie
- Sehr viel Kaffee, Alkohol oder Energydrinks
- Dauerhafter Stress oder dauerhafte Anspannung
- Einnahme bestimmter Medikamente – fragen Sie Ihren Arzt
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Palpitationen treten häufiger auf oder werden stärker
- Sie haben zusätzlich Schwindel, Ohnmachtsgefühl oder ein Schwächegefühl
- Die Beschwerden treten bei körperlicher Belastung oder nachts aus dem Schlaf heraus auf
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Sie zum ersten Mal ein deutliches Herzstolpern bemerken, auch wenn es nur kurz war
- Wenn Sie sich generell unsicher fühlen oder durch die Palpitationen belastet werden
- Wenn Herzerkrankungen in Ihrer Familie bekannt sind
Diagnose
Der Arzt fragt zuerst ausführlich nach, wann das Stolpern auftritt, wie lange es dauert und ob Begleitsymptome bestehen. Danach hört er Ihr Herz ab, misst den Puls und den Blutdruck. Die genaue Untersuchung hängt von Ihrer Situation ab. Ärztinnen und Ärzte orientieren sich dabei an den aktuellen AWMF-Leitlinien.
Mögliche Untersuchungen
- Elektrokardiogramm (EKG) – misst die elektrische Herzaktivität
- Langzeit-EKG über 24 oder mehr Stunden – zeichnet den Herzrhythmus im Alltag auf
- Belastungs-EKG – beobachtet das Herz während körperlicher Bewegung
- Ultraschall des Herzens (Echokardiografie) – zeigt Struktur und Pumpleistung
- Blutuntersuchung – zum Beispiel auf Schilddrüsenwerte, Blutbild und Elektrolyte
- Ein Ereignis-EKG oder ein Rekorder, den Sie zu Hause tragen, kann zusätzlich hilfreich sein
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchungen sind in der Regel schmerzfrei und unkompliziert. Manche Geräte tragen Sie ein bis zwei Tage am Körper. Danach bespricht die Ärztin oder der Arzt die Ergebnisse mit Ihnen und erklärt, ob weitere Schritte nötig sind. Oft bekommen Sie schnell Gewissheit, dass alles in Ordnung ist.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Sind die Palpitationen harmlos, müssen Sie oft nichts außer eventuell Ihren Lebensstil anpassen. Zeigt die Untersuchung eine Herzrhythmusstörung oder eine andere Grunderkrankung, plant Ihr Arzt gemeinsam mit Ihnen die passende Therapie.
Selbsthilfe zu Hause
- Koffein, Alkohol und Nikotin für eine Weile weglassen und beobachten, ob das Herz ruhiger wird
- Ausreichend schlafen und Erschöpfung vermeiden
- Mit Atemübungen oder kurzen Pausen Stress abbauen
- Viel trinken, wenn Sie Sport treiben oder es heiß ist
- Ein Symptomtagebuch führen, um Auslöser zu erkennen
Medizinische Behandlungen
Bei behandlungsbedürftigen Rhythmusstörungen stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Dazu gehören Medikamente, die den Herzrhythmus stabilisieren oder die Herzfrequenz senken. Auch eine elektrische Kardioversion, bei der das Herz mit einem kontrollierten Stromstoß wieder in einen normalen Rhythmus gebracht wird, kann je nach Form eingesetzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Katheterablation, bei der winzige Herdstellen im Herzen verödet werden. Welches Vorgehen für Sie infrage kommt, bespricht Ihre Kardiologin oder Ihr Kardiologe in Ruhe.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation ist nur in seltenen Fällen nötig, etwa wenn andere Behandlungen nicht helfen oder eine schwere Grunderkrankung vorliegt. Auch dann bespricht das Behandlungsteam alle Schritte ausführlich mit Ihnen.
Leben mit der Erkrankung
Nehmen Sie Ihr Herz wahr, ohne sich ständig davon kontrollieren zu lassen. Wenn Sie lernen, ruhig zu bleiben und ein paar einfache Gegenmaßnahmen zu kennen, verlieren Palpitationen ihren Schrecken.
Tipps für den Alltag
- Stressabbau durch regelmäßige Auszeiten oder Entspannungsübungen
- Schlafrhythmus stabil halten
- Kaffee und starken Alkohol reduzieren
- Auf rauchfreie Umgebung achten
- Bewegung in den Alltag einbauen
Ernährung und Bewegung
Eine vollwertige Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Ballaststoffen unterstützt Herz und Kreislauf. Vermeiden Sie zu große Mahlzeiten und stark zuckrige Getränke. Moderate Bewegung wie Spazierengehen, Radfahren oder Schwimmen ist für die meisten Menschen gut. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt sagen, welche Belastung für Sie passt.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Ein unregelmäßig schlagendes Herz kann Angst machen – das ist verständlich. Diese Angst verstärkt aber manchmal die Beschwerden. Ein offenes Gespräch mit Ihrem Arzt, eine Herzgruppe oder ein Kurs in progressiver Muskelentspannung können helfen, die innere Anspannung zu lösen.
Vorbeugung
Nicht jede Form von Palpitationen lässt sich verhindern. Wenn Ursachen wie Stress, Schlafmangel oder ein hoher Koffeinkonsum dahinterstecken, können Sie durch Änderungen im Alltag viel bewirken. Behandlungsbedürftige Herzrhythmusstörungen brauchen eine fachliche Anleitung.
Impfungen
Schutzimpfungen wie die Grippeimpfung werden von Fachleuten für Menschen mit Herzerkrankung häufig empfohlen. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Hausarzt beraten.
Früherkennungsprogramme
Lassen Sie Blutdruck und Puls regelmäßig beim Hausarzt kontrollieren. Ein allgemeines Herz-Screening für alle gibt es nicht, aber bei familiärer Vorbelastung ist eine gezielte Vorsorge sinnvoll.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bei anhaltenden oder häufigen Rhythmusstörungen kann sich das Schlaganfallrisiko erhöhen
- Manche Rhythmusstörungen können die Pumpleistung des Herzens mit der Zeit schwächen
- Seltener kann es zu Ohnmachtsanfällen kommen, zum Beispiel beim Autofahren – das ist gefährlich
Langzeitprognose
Für die große Mehrheit der Menschen sind Palpitationen harmlos und verschwinden wieder. Selbst wer eine behandlungsbedürftige Rhythmusstörung hat, kann heute mit modernen Verfahren sehr gut behandelt werden. Je früher Sie sich ärztlich beraten lassen, desto sorgenfreier ist Ihr Alltag.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Herzstiftung e.V. ↗ · Deutschland
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
Hinweis zur Aufklärung: Diese Informationen dienen nur der Aufklärung und sind keine Diagnose.
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Bei schweren, sich verschlechternden oder dringenden Symptomen rufen Sie die lokale Notrufnummer an oder suchen Sie Notfallversorgung auf.