Krätze
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Scabies ist eine ansteckende Hautkrankheit, die durch winzige Milben verursacht wird. Diese Milben graben sich in die oberste Hautschicht ein, um dort Eier abzulegen. Das führt zu starkem Juckreiz und einem Ausschlag.
Wichtige Fakten
- Die Milben (Krätzmilben) sind mit bloßem Auge kaum sichtbar.
- Scabies wird durch engen Hautkontakt übertragen – zum Beispiel beim Kuscheln, Schlafen im selben Bett oder bei sexuellen Kontakten.
- Die Krankheit ist gut behandelbar. Mit der richtigen Therapie verschwinden Milben und Juckreiz vollständig.
Scabies kommt weltweit vor. In Deutschland treten jedes Jahr viele Fälle auf, besonders in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altenheimen, Kindergärten oder Flüchtlingsunterkünften.
Jeder kann an Scabies erkranken – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Hygiene. Besonders betroffen sind Menschen, die viel engen Körperkontakt zu anderen haben, sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem.
Symptome
- Wenn plötzlich hohes Fieber, Atemnot oder eine schnelle Verschlechterung des Allgemeinzustands auftreten (kann auf eine schwere bakterielle Infektion hinweisen).
- Wenn Sie glauben, dass jemand aufgrund der Infektion einen Kreislaufschock erleidet.
- ⚠Ausgedehnte, nässende oder eitrige Hautstellen (Anzeichen für eine Superinfektion).
- ⚠Starker Juckreiz, der den Schlaf oder Alltag massiv beeinträchtigt.
- ⚠Wenn der Ausschlag nach einer Behandlung nicht besser wird oder sich verschlimmert.
Häufige Symptome
- Starker Juckreiz, der nachts oft schlimmer ist (Nachtjucken).
- Kleine rote Punkte, Bläschen oder Pusteln auf der Haut.
- Feine, grau-weiße Linien (Milbengänge) zwischen den Fingern, an Handgelenken, Ellenbogen, Achseln, Gürtellinie, Gesäß oder Genitalien.
Symptome bei Kindern
- Die Milbengänge und der Ausschlag treten auch an Kopfhaut, Gesicht, Handflächen und Fußsohlen auf – bei Erwachsenen weniger üblich.
- Kleinkinder sind oft auch am ganzen Körper betroffen.
- Schlafstörungen durch den Juckreiz sind häufig.
Ursachen
Hauptursachen
- Die Krätzmilbe (Sarcoptes scabiei var. hominis) befällt die Haut. Die Weibchen graben Gänge in die oberste Hautschicht, legen Eier und hinterlassen Kot – das löst eine allergische Reaktion und Juckreiz aus.
- Übertragung: Enger, direkter Hautkontakt über etwa 15–20 Minuten reicht aus. Auch über gemeinsam genutzte Bettwäsche, Handtücher oder Kleidung kann eine Ansteckung erfolgen (seltener).
Risikofaktoren
- Leben in Gemeinschaftseinrichtungen (Altenheime, Kindergärten, Obdachlosenunterkünfte).
- Häufiger enger Kontakt zu vielen Menschen (z. B. Pflegepersonal, Familien mit kleinen Kindern).
- Geschwächtes Immunsystem (z. B. durch Medikamente, HIV, Krebs).
- Armut, mangelnde Hygiene oder beengte Wohnverhältnisse (erhöhen das Risiko, sind aber nicht die Ursache).
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei starkem, anhaltendem Juckreiz, besonders nachts.
- Wenn Sie oder Ihr Kind rote Punkte, Bläschen oder Linien auf der Haut bemerken.
- Nach Kontakt mit einer Person, die Scabies hat – auch wenn Sie noch keine Symptome haben.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Bei anhaltendem Hautausschlag unklarer Ursache, auch wenn der Juckreiz nicht dominant ist.
- Wenn Sie engen Hautkontakt zu mehreren Personen hatten (z. B. im Pflegeheim oder Krankenhaus).
Diagnose
Die Diagnose stellt eine Hautärztin oder ein Hautarzt meist schon mit bloßem Auge oder mit einem Dermatoskop (einer Art Lupe mit Licht). Oft reicht die typische Verteilung der Milbengänge und der Juckreiz aus.
Mögliche Untersuchungen
- Hautabschabung: Mit einem Skalpell wird etwas Haut von der Oberfläche eines Milbengangs abgekratzt. Das Material wird unter dem Mikroskop auf Milben, Eier oder Kot untersucht.
- Dermatoskopie: Eine spezielle Hautlupe kann die Milbengänge und manchmal sogar die Milben selbst sichtbar machen.
- Juckreiz-Tagebuch kann helfen, den nächtlichen Juckreiz zu dokumentieren.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Der Arzt oder die Ärztin wird Sie zur Ausbreitung der Hautveränderungen und zu Ihren Symptomen befragen. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Wenn die Diagnose gesichert ist, bespricht Ihre Ärztin oder Ihr Arzt die Behandlung mit Ihnen.
Behandlung
Scabies wird mit speziellen Medikamenten behandelt, die die Milben abtöten. Es gibt Cremes und Lotionen, die auf die ganze Haut aufgetragen werden, sowie Tabletten für schwerere Fälle. Wichtig ist, auch enge Kontaktpersonen zu behandeln und Bettwäsche, Kleidung und Handtücher bei 60 Grad zu waschen oder luftdicht zu verpacken.
Selbsthilfe zu Hause
- Waschen Sie Bettwäsche, Handtücher und Kleidung, die in den letzten 3 Tagen benutzt wurden, bei mindestens 60 °C.
- Gegenstände, die nicht gewaschen werden können (z. B. Kuscheltiere, Schuhe), für mindestens 3 Tage in einem luftdichten Sack aufbewahren – Milben überleben ohne menschliche Haut nur kurz.
- Vermeiden Sie engen Hautkontakt mit anderen Personen, bis die Behandlung abgeschlossen ist (in der Regel 24–48 Stunden nach der ersten Anwendung).
- Kratzen Sie die Stellen möglichst nicht auf – das kann zu Infektionen führen. Kühle Umschläge oder kurze Fingernägel helfen.
Medizinische Behandlungen
Die Behandlung besteht aus verschreibungspflichtigen Cremes oder Lotionen, die über Nacht auf den gesamten Körper (außer Kopf/Kopfhaut) aufgetragen werden. In manchen Fällen – etwa bei vielen Mitbewohnern oder geschwächtem Immunsystem – werden auch Tabletten eingesetzt. Einige Patienten brauchen eine zweite Behandlung nach einer Woche. Die Behandlung sollte immer nach Anweisung des Arztes erfolgen.
Leben mit der Erkrankung
Nach der ersten Behandlung können die Milben zwar tot sein, der Juckreiz kann aber noch ein bis zwei Wochen anhalten. Das ist normal – die Haut braucht Zeit, um die abgestorbenen Milben und den Kot abzubauen. Kühle Lotionen oder Antihistaminika (vom Arzt empfohlen) können lindern. Achten Sie darauf, die Behandlung exakt nach Plan durchzuführen.
Tipps für den Alltag
- Informieren Sie enge Kontaktpersonen, damit auch sie sich behandeln lassen können – auch wenn sie keine Symptome haben.
- Vermeiden Sie in der ersten Woche engen Körperkontakt mit anderen.
- Achten Sie auf gründliche Hygiene: regelmäßiges Waschen von Wäsche und Handtüchern bei 60 °C für die nächsten 3 Wochen.
Ernährung und Bewegung
Eine spezielle Diät ist nicht nötig. Trinken Sie ausreichend und essen Sie ausgewogen – das unterstützt Ihr Immunsystem. Bewegung ist erlaubt, aber vermeiden Sie übermäßiges Schwitzen in der ersten Woche, da es den Juckreiz verstärken kann.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Starker Juckreiz und die Sorge, andere anzustecken, können belastend sein. Viele Menschen schämen sich oder fühlen sich eklig. Das ist völlig unnötig – Scabies hat nichts mit mangelnder Sauberkeit zu tun. Der Juckreiz kann auch den Schlaf stören. Wenn Sie sich sehr belastet fühlen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.
Vorbeugung
Eine vollständige Vermeidung ist schwierig, aber das Risiko kann gesenkt werden: Vermeiden Sie engen Hautkontakt zu Menschen, die offensichtlich Scabies haben. Wenn in Ihrem Umfeld Scabies auftritt, lassen Sie sich zur Sicherheit behandeln, auch ohne Symptome – das verhindert eine weitere Ausbreitung.
Impfungen
Es gibt keine Impfung gegen Scabies.
Früherkennungsprogramme
Ein routinemäßiges Screening auf Scabies ist nicht sinnvoll. In Risikogruppen (z. B. Pflegeheime) werden bei Ausbrüchen gezielte Untersuchungen durchgeführt.
Komplikationen
Unbehandelt
- Bakterielle Infektionen der Haut (Impetigo) durch Aufkratzen – erkennbar an gelblichen Krusten oder Eiter.
- Bei geschwächtem Immunsystem kann sich eine seltene, starke Form (Scabies crustosa oder Borkenkräze) entwickeln, mit dicken Krusten und Millionen von Milben.
- In sehr seltenen Fällen kann eine unbehandelte bakterielle Infektion zu einer Nierenentzündung (poststreptokokkale Glomerulonephritis) oder zu Blutvergiftung führen.
Langzeitprognose
Die Prognose ist ausgezeichnet. Mit der richtigen Behandlung sind alle Milben innerhalb von ein bis zwei Tagen tot. Der Juckreiz verschwindet meist innerhalb von zwei Wochen vollständig. Wichtig ist, dass alle engen Kontaktpersonen ebenfalls behandelt werden – sonst kann man sich immer wieder neu anstecken. Die Krankheit hinterlässt keine dauerhaften Schäden, wenn sie rechtzeitig behandelt wird.
Unterstützung finden
Internationale Organisationen
Lokale Organisationen
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ↗ · Deutschland
Hilfetelefone
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026
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