Krampfadern in der Schwangerschaft
Basierend auf internationalen klinischen Leitlinien
Übersicht
Krampfadern sind erweiterte, geschlängelte Venen, die besonders an den Beinen sichtbar sind. Sie entstehen, wenn die Venenklappen nicht mehr richtig schließen und sich Blut in den Venen staut. In der Schwangerschaft begünstigen Hormone, das höhere Blutvolumen und der Druck des wachsenden Babys die Entstehung.
Wichtige Fakten
- Krampfadern in der Schwangerschaft sind meist harmlos und gehen nach der Geburt oft von selbst zurück.
- Sie können schwere, müde Beine und geschwollene Knöchel verursachen.
- Regelmäßige Bewegung und das Hochlegen der Beine helfen, Beschwerden zu lindern.
Ja, Krampfadern in der Schwangerschaft sind sehr häufig. Viele Frauen bemerken sie vor allem im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel.
Sie können bei jeder Schwangeren auftreten. Besonders gefährdet sind Frauen, die bereits vorher Krampfadern hatten, in deren Familie Krampfadern vorkommen oder die schon mehrere Kinder geboren haben.
Symptome
- Plötzliche Atemnot oder Brustschmerzen – rufen Sie sofort den Notruf 112.
- Plötzliche, starke Schwellung eines Beins – das kann auf eine tiefe Beinvenenthrombose hinweisen.
- Aushusten von Blut.
- ⚠Einseitige Schwellung des Beins mit Spannungs- oder Schweregefühl.
- ⚠Rötung, Überwärmung oder eine harte Vene an einer Stelle.
- ⚠Starke Schmerzen im Bereich einer Krampfader.
- ⚠Blutung aus einer Krampfader.
Häufige Symptome
- Sichtbare, bläuliche oder dunkelviolette Venen, die geschlängelt unter der Haut hervortreten.
- Schwere- oder Spannungsgefühl in den Beinen, besonders am Abend.
- Geschwollene Knöchel oder Füße.
- Leichtes Kribbeln oder Jucken im Bereich der Krampfadern.
Ursachen
Hauptursachen
- Der Druck der wachsenden Gebärmutter auf die großen Beckenvenen.
- Das erhöhte Blutvolumen in der Schwangerschaft, das die Venen stärker füllt.
- Schwangerschaftshormone machen die Venenwände weicher und weiter.
Risikofaktoren
- Krampfadern in der engeren Familie.
- Übergewicht vor der Schwangerschaft.
- Mehrlingsschwangerschaft (zum Beispiel Zwillinge).
- Schon mehrere Schwangerschaften.
- Viel Stehen oder Sitzen im Alltag.
Wann zum Arzt
Dringend zum Arzt, wenn:
- Bei plötzlicher einseitiger Schwellung, Schmerzen oder Rötung im Bein.
- Bei Fieber oder Schüttelfrost in Verbindung mit einer Krampfader.
- Bei blutenden Krampfadern.
Einen Routinetermin vereinbaren, wenn:
- Wenn Krampfadern stark schmerzen oder Sie sich sehr damit belastet fühlen.
- Wenn Sie Krampfadern im Intimbereich oder am Damm bemerken.
- Wenn die Krampfadern wachsen oder sich entzünden.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt nach Ihren Beschwerden und schaut sich Ihre Beine im Stehen und Liegen an. Zusätzlich werden die Venen abgetastet. Die Untersuchung folgt in Deutschland den Empfehlungen der AWMF-Leitlinie (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften).
Mögliche Untersuchungen
- Körperliche Untersuchung: Beine ansehen und abtasten.
- Ultraschall der Venen (medizinisch: Duplexsonographie) – damit wird der Blutfluss in den Venen sichtbar gemacht.
- Bei Verdacht auf eine Thrombose kann eine Blutuntersuchung sinnvoll sein.
Was Sie bei Ihrem Termin erwartet
Die Untersuchung ist schmerzfrei und für Sie und Ihr Baby ungefährlich. Sie werden gebeten, zu stehen, damit sich die Venen mit Blut füllen. Danach bespricht die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen, ob und welche Behandlung nötig ist.
Behandlung
In der Schwangerschaft stehen Maßnahmen im Vordergrund, die ohne Medikamente auskommen. Sie sollen Beschwerden lindern und verhindern, dass sich Blutgerinnsel bilden.
Selbsthilfe zu Hause
- Legen Sie die Beine so oft wie möglich hoch – am besten über Herzhöhe.
- Bewegen Sie sich regelmäßig, zum Beispiel Spazierengehen, Schwimmen oder sanftes Radfahren.
- Tragen Sie Kompressionsstrümpfe, wenn sie ärztlich verordnet wurden – sie unterstützen den Blutrückfluss zum Herzen.
- Vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen am Stück. Machen Sie alle 30 bis 60 Minuten eine kurze Bewegungspause.
- Trinken Sie ausreichend Wasser.
- Schlafen Sie, wenn möglich, auf der linken Seite, um die große Hohlvene im Bauch zu entlasten.
Medizinische Behandlungen
Medikamente gegen Krampfadern werden in der Schwangerschaft nur in besonderen Fällen eingesetzt. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entscheidet das individuell. Die wichtigste medizinische Behandlung ist das Tragen von medizinischen Kompressionsstrümpfen. Eine Verödung oder Operation kommt meist erst nach der Schwangerschaft in Frage.
Wann kommt eine Operation infrage?
Eine Operation wird in der Regel erst nach der Geburt und nach dem Abstillen geplant, falls die Krampfadern weiterhin Beschwerden machen. Der richtige Zeitpunkt wird individuell mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen.
Leben mit der Erkrankung
Im Alltag können Sie viel tun, um Ihre Beine zu entlasten. Planen Sie feste Bewegungspausen ein und legen Sie die Beine abends hoch. Das hilft, das Schweregefühl zu verringern.
Tipps für den Alltag
- Achten Sie auf ein gesundes Gewicht – fragen Sie bei Unsicherheiten Ihre Hebamme oder Ärztin.
- Wechselduschen am Abend können die Venen anregen.
- Tragen Sie bequeme Schuhe und keine einschnürende Kleidung.
Ernährung und Bewegung
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten beugt Verstopfung vor – Pressen beim Stuhlgang erhöht den Venendruck. Bewegung wie Gehen oder Schwimmen stärkt die Wadenmuskulatur und hilft, das Blut zurück zum Herzen zu pumpen.
Psychische Gesundheit und Wohlbefinden
Krampfadern werden oft als unschön empfunden und können das Selbstbewusstsein belasten. Das ist verständlich. Wichtig ist: Sie sind nicht allein, und die Beschwerden bessern sich bei den meisten Frauen nach der Geburt. Wenn Sie sich seelisch stark belastet fühlen, sprechen Sie offen mit Ihrer Hebamme oder Ihrer Ärztin.
Vorbeugung
Krampfadern lassen sich in der Schwangerschaft nicht immer verhindern. Regelmäßige Bewegung, ausreichend Trinken und das Hochlagern der Beine können aber helfen, Beschwerden zu verringern.
Impfungen
Eine Impfung gegen Krampfadern gibt es nicht. Sprechen Sie bei Fragen zu Ihrem Impfstatus in der Schwangerschaft mit Ihrer Vorsorgeärztin oder Ihrem Vorsorgearzt.
Früherkennungsprogramme
In der Schwangerschaftsvorsorge sind Venen nicht automatisch ein Untersuchungsthema. Wenn Sie Krampfadern bemerken, sprechen Sie es aktiv an.
Komplikationen
Unbehandelt
- Oberflächliche Venenentzündung (medizinisch: Thrombophlebitis) – erkennbar an Rötung, Überwärmung und Druckschmerz.
- In seltenen Fällen eine tiefe Beinvenenthrombose – ein Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen.
- Blutung aus einer Krampfader, meist nach einem Stoß oder Kratzen.
Langzeitprognose
Die meisten Krampfadern, die während der Schwangerschaft entstehen, gehen innerhalb weniger Monate nach der Geburt zurück. Bleiben welche zurück oder verursachen Beschwerden, gibt es wirksame Behandlungen. Sie sind gut behandelbar – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
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Überprüfen Sie die Informationen immer mit Ihrem Arzt
Gesundheitsrichtlinien variieren je nach Land und Region. Die Informationen in diesem Artikel basieren auf internationalen klinischen Leitlinien, spiegeln jedoch möglicherweise nicht die spezifischen Richtlinien, Medikamente oder Praktiken in Ihrem Land wider. Besprechen Sie Ihre Gesundheitsfragen immer mit Ihrem Arzt oder Gesundheitsdienstleister und beziehen Sie sich auf Ihre lokalen nationalen Gesundheitsrichtlinien, sofern verfügbar.
Wichtiger Hinweis Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken. Sie ersetzen keine professionelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Konsultieren Sie bei Fragen immer einen qualifizierten Arzt. Bei einem medizinischen Notfall wählen Sie sofort den örtlichen Notruf.
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Quellen und Leitlinien
Dieser Artikel dient der Aufklärung und orientiert sich an anerkannten Gesundheitsinformations- und klinischen Leitlinienquellen, sofern verfügbar. Spezifische Quellenlinks können je nach Thema variieren.
Zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2026
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